Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

13.09.2013 - 14:41

Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Hi,

inzwischen klettere ich im mehr oder weniger alpinen Gelände Touren mit bis zu 350 m. Dabei habe ich gemerkt das mit Zu- und Abstiegen größere Touren (500 Hm klettern und mehr) schwierig werden...

Zum einen geht die Zeit aus, zum anderen lässt so ab der 10. Seillänge die Power schnell nach!

Im Winter werden die Schnee und Kälte das ganze nicht besser machen.

Habt ihr Tipps wie man in den Bergen schneller wird?

Gönnt ihr euch zb. in der Wand auch mal ne etwas entspannte Vesperpause oder gebt ihr die ganze Tour durch vollgas?

Habt ihr an einem schnellen Kletterstil gearbeitet?

Legt ihr so sparsam wie möglich Sicherungspunkte?

Wie ist es mit der Ausrüstung? Versucht ihr besonders leicht unterwegs zu sein?

Ich denk mir immer 2-3 Kg mehr oder weniger machen bei meinen 90 Kg auch nichts mehr aus... Hingegen zu wenig Wasser/Essen wird schnell unschön! Die Softshelljacke braucht man meist auch nicht aber wenn doch ist man froh darüber!

Das Seilhandling ist bei mir ganz gut und am Standplatz gehts meist auch recht fix!

Klettern mit T-Blocks beschleunigt das klettern noch deutlich aber das geht ja auch nur ein leichten Längen mit soliden Fixpunkten.

Ich bin gespannt auf eure Tipps!

Grüße!

13.09.2013 - 20:49

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Eine grundsätzliche Frage ist einmal in welchem Schwierigkeitsgrad du unterwegs bist? Bis zum V bzw. VI. Grad geht es bei langen Routen einmal darum eine gute Grundkondition aufzubauen-da hilft nur Training wie z.B. 2 mal pro woche laufen - 2 mal klettern. Wenns schwieriger wird machen viele den Fehler, dass sie die Griffe zu fest halten, ein Grund dabei ist sturzangst. Wenn also das Gelände sturzfreundlich ist und eine solide Grundabsicherung vorhanden ist, sollte man ruhig ein paar mal einen Abflug machen. Wer immer darauf fokusiert ist nicht zu stürzen klettert verkrampft und wird schnell müde.

zum Sicherungen legen: es braucht natürlich zeit selbst abzusichern hier gilt immer safety first nur sollte es schon möglich sein im 4./5. Grad einmal einige Meter sicher vorzusteigen.

Material: Leichtes Material ist nie ein Nachteil aber man braucht wegen 3 Kilo mehr im Rucksack nicht 3h länger,

Weiters sollt man sich nicht immer überfordern, wer den Schwierigkeitsgrad im Griff hat ist auch schnell bzw. darauf achten sich nicht in den ersten Seillängen schon zu verausgaben.

Warum schreibe ich das alles? Ich bin letztes Wochenende wieder eine Ewigkeit im Stau gestanden ohne das jetzt auf dich zu beziehen.*smile*

Also liebe Grüße und Übung macht den Meister

16.09.2013 - 14:14

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Das schwierigste woran ich mich bis jetzt herangewagt hab war 6+ (ohne selbst absichern) und 5 mit selbst absichern (also max. 1-2 BH pro SL)!

Vom Schwierigkeitsgrad ist das noch nicht die Obergrenze! Aber schneller müsst man eben werden =)

Ich könnte mir nicht vorstellen so etwas wie z.B. die Dachstein Südwand an einem Tag durchzuklettern... Aber da würde ich sehr gerne hinkommen!

16.09.2013 - 21:40

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Cool echt interessant zu lesen wo ihr schon überall wart :) 

27.03.2014 - 14:57

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

das dachte ich auch als ich das alles gelesen habe. Schon Krass...aber ich will das alles auch noch erleben. Step by Step...

22.09.2013 - 00:00

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Hallo,

 

also meiner langjährigen Erfahrung nach lässt man die meiste Zeit am Standplatz liegen.

wenn du in einer langen Tour (20-30 Seillängen) an jedem Stand auch nur wenige Minuten verschwendest summiert sich das dramatisch.

Daher habe ich folgende Vorgehensweise.

Vorsteiger kommt zum Stand und hängt mittels Schraubkarabiener das Weiche Auge ein, danach hängt sich der Vorsteiger wieder mittels Schrauber und Mastwurf in das weiche Auge, jetzt das Weiche Auge mittels Schrauber und Mastwurf an den oberen Haken gespannt und Komando Stand (meist durch einziehen eines Seilstranges).

Seil einziehen und Nachsteiger mittels Tuber (welcher auch im weichen Auge hängt) nachsichern.

Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht hat erfolgt sofort Materialübergabe, der am Stand befindliche Partner übernimmt den Tuber des Nachgestiegenen hängt den Tuber am Körper ein und klippt an den oberen Standplatzhaken einen Dummy Runner.

Jetzt nimmt der bisher Nachgestiegene den Tuber und den Schrauber mit an welchen er hochgesichert wurde und steig die nächste Länge vor.

Ausserdem sind ich und mein Seilpartner immer möglichst leicht unterwegs (aber trotzdem mit Notfallmaterial)

Meine Tipps:

Es muss nicht unbedingt ein Biwaksack sein, eine Alu Rettungsdecke passt in jede Beintasche).

Eine leichte winddichte Jacke hängt immer an meinen Klettergurt und bei Touren welche nicht mehr als einen Liter Trinkwasser erfordern habe ich ein PET Flasche mit zwei Kabelbindern am Gurt befestigt um mir den Rucksack zu sparen.

Um insgesamt beim klettern schneller zu werden musst du auch mit deinem Seilpartner eingespielt sein.

Probier mal eine 4-7 Seillängentour welche du bereits kennst so schnell wie möglich zu klettern, du wirst feststellen das da noch einiges zu optimieren ist.

22.09.2013 - 22:28

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Aaaaaaalos....

Wie ich das jetzt verstanden habe willst du nicht wirklich schnell klettern aber dafür effektiv. Hier ein paar Sachen, die wir in unserer Seilschaft machen.

Vollgas geben wir nur wenn der Hut brennt oder wenn wir wirklich eine Speedbegehung machen wollen. Sonst einfach klettern. Nicht die Aussicht bewundern oder in jeder Seillänge x-mal die Kamera auspacken. Alex Honnold hat mal gesagt er klettert nicht schell, er sei nur schnell weil er nie stehen bleibt...

Wir bauen den Stand mit dem Seil. Spart etwas Material und Zeit. Wenn die Tour es zulässt versuchen wir immer das Seil auszugehen. So hatte z.B. der Steinerweg nur mehr 21 Seillängen. Wenn es schwierig wird scheuen wir uns auch nicht davor A0/A1 zu machen. Wenns nicht onsight geht, ist es meiner Ansicht nach ein Luxus lange herum zu versuchen. Bei langen Touren ein Camelpack und Riegel, so dass man während dem Nachsichern, pause machen kann.

Leicht unterwegs zu sein ist nie schlecht, 3kg mehr oder weniger machen auf den Tag verteilet sicher einen Unterschied, besonders wenn die Touren steiler werden. Versuchmal in der Halle mit 3kg mehr am Gurt zu klettern. Sachen wie Geldtasche braucht in der Wand kein Mensch. Auch tut es für den Notfall sicher auch der Einwegbiwaksack. Mehr Bivakzeug nehm ich nur mit wenn ich fix davon ausgehe die Nacht draußen zu verbringen.

Zum Anziehen ist immer eine jacke dabei winddicht (120g) oder wasserdicht (300g) kommt auf die Tour an. Ich nehm bei langen Felskletterein auch nie eine extra jacke "nur für den Fall" mit. Wenn ich mich schlimm verletzte hilft mir die Jacke nicht viel, wenn ich bei einer Schlechtwetterfront so einsteige, gehörts mir und wenn ich mich in der Zeit verpeilt habe, heißt es halt frieren.

Oft hilfts eine Liste zu führen mit dem Zeug was man immer mitnimmt und dann das Material was nie in Verwendung kommt zu Hause zu lassen. Ein kleiner Rucksack, ~15l, hilft einem auch zu sparen.

Was die Sicherheit angeht nehm ich bei gut abgesicherten Touren nur die Exen mit die im Führer stehen. Wenn das Gelände leicht ist, hängen nicht jeden Bolt ein, hängen dafür aber Seillängen zusammen. Bei alpineren Touren sind immer 3-4 Friends dabei und ein kleines Sortiment KK. Bei Precht Touren hat man mich auch schon mit Hammer und Haken gesehen. Letztendlich hat das aber alles nur mit deinem Können/Vorsteigermoral zu tun. Wenn ich den Schwierigkeitsgrad souverän drauf habe, lege ich nichts. Aber das muss man ja immer selber wisen.

Ein super Buch ist zu dem Thema ist Extreme Alpinism von Mark Twight. Das hilft jedem der in langen Wänden besser werden will.

Sonst einfach viele Mehrseillängen gehen. Oder wenn du in der Halle ein Partner hast der gewillt ist dich 20 min am stückzu sichern, hilft das auch.

23.09.2013 - 11:14

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Danke für die vielen Antworten!

Trainiert jemand explizit schnell zu klettern? In schweren Sportrouten werde ich durch einüben der Sequenzen schneller aber im onsight kostet bewusst schnelles klettern eher zu viel Kraft weil man Fehler macht...

05.10.2013 - 10:38

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Ich rede jetzt nur vom Sportklettern. Ich weiss nicht was du unter schnell klettern verstehst aber wenns um klettern am Limit geht dann macht die Geschwindigkeit sehr viel aus. Allerdings muss man wissen wann man schnell und wann langsam klettern sollte.

Bei onsight Versuchen bringt dir schnell klettern im Sinne von die Füße schnell und ohne nachsteigen zu müssen auf die Tritte zu bringen sehr viel. Ich seh oft genug die Leute 3-4 Mal den selben Tritt ansteigen nur damit man perfekt steht. In wirklichkeit wärs viel effizienter einfach die großen Tritte auch mal unsauber anzusteigen und einfach weiter zu ziehen. Jedes nachbessern kostet Kraft in den Fingern. Noch besser ist es natürlich wenn du deine Fuß-Augen-Koordination so gut trainiert hast, dass jeder Tritt auf anhieb sitzt.

An leichte Stellen bspw in geneigtem Gelände oder an Griffen und Tritten an denen du wenig bis keine Kraft brauchst um dich in der Wand zu halten dagegen kletterst du am besten recht langsam.

Am meisten Kraft sparst du wenn du Züge nicht statisch machst und das ist meistens ein Problem von Sturzangst.

23.09.2013 - 13:01

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Wie man in den Bergen schneller wird?

Ich denke mit 90 kg lässt Du die meiste Zeit beim Zu- und Abstieg liegen, und Du hast bei Verbesserung Deiner Kondition das größte Verbesserungspotential. Ich weiß ja nicht, wie groß Du bist und auch nicht die Zusammensetzung Deiner 90 kg.. Aber wenn unter 1.90 bist, würden 80 kg auch leicht reichen, um im Winter nicht zu frieren, egal ob Pfunde oder auftrainierte Muskeln (die Du bei Klettern und im Ausdauerbereich sowieso nicht brauchst).

23.09.2013 - 14:37

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Ich bin gut über 1,90 und fit =) Das läuferische wird auch regelmäßig trainiert!

Bei der nächsten Tour werde ich versuchen folgendes umzusetzen: Keine Trödeleien mehr (Pause, essen und trinken beim sichern), weniger Gepäck (kleiner Rucksack oder nur noch ein Rucksack pro Seilschaft)

Bei alpinen Touren neige ich dazu auch immer lieber mehr als zu wenige mobile Sicherungsgeräte mitzunehmen... (Voller Satz Klemmkeile, 3-4 Friends (1-3 oder so), 5-6 Schlingen und noch ein paar Hexen) Was könnte man davon am ehesten weglassen? Bis jetzt hat sich eigentlich immer alles bewehrt obwohl Keile am häufigsten benutzt werden!

Die Fortbewegung selbst kann man glaube ich nur wenig beschleunigen ohne das Risiko unnötig zu erhöhen (siehe Zitat Honold)

Eventuell kann man in leichten Längen am langen Seil mit Tiblocs klettern... Hat das schon jemand mal ausprobiert? Und in welchen Schwierigkeitsgraden?

09.11.2013 - 13:42

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Was haltet ihr denn von diesen Kletterparks zum trainieren??? Gibts eigentlich auch welche die im Winter sogar im freien noch geöffnet sind?

02.12.2013 - 14:28

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Im Winter tobe ich mich meistens in Boulderhallen aus. Finde ich ist auch immer ein gutes Training. Will ja für die nächste Saison fit bleiben. Im Winter habe ich bisher noch nicht so viele Touren gemacht. Vielleicht wird es diesen ja was.

05.03.2014 - 11:57

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Du brauchst pro Saison 20-30 Berge....dann wird's auch mit der Schnelligkeit. Die Höhenmeter nimmt dir keiner ab. Von Boulderkammerln halte ich nichts....habe schon die ärgsten Power-Viecher in der Halle an 9er-Projekten gesehen, die in einer ausgesetzen alpinen 5er mit 15 Meter Hakenabstand das Knieschlottern bekommen. Wenn Du dafür nicht genügend Zeit hast, streue unter der Woche am Abend nach der Arbeit kleine Bergläufe mit der Stirnlampe ein....und dazu gibt es in ganz Österreich Hügeln die dafür ausreichen....außer Du wohnst im Burgenland.

05.03.2014 - 13:57

AW: Schneller/Ausdauernder im Fels unterwegs?

Servus,

beim Alpinklettern läßt man  Zeit beim Zustieg liegen, aber noch viel mehr Zeit beim Klettern selbst.

Alpin ist mein Limit beim 6-er, da kann dann eine Seillänge incl.Partner nachsichern auch mal 30 min.

dauern, ansonsten schaue ich dass sich 3 bis 4 Seillängen pro Stunde ausgehen. Wenn man flüssig klettert ohne lang nach Griffen oder Tritten oder der Route suchen zu müßen, dann ist das auch in längeren Routen gut zu schaffen.

Als Zeit beim Zustiieg planen  wir ca. mit 500 bis 600 Hm/Stunde. Somit läßt sich ein Zeitplan für den Tag aufstellen, wobei Pausen sich  bei stark frequentierten Routen zwangsläufig ergeben, bei anderen Touren

machen wir Pausen, auch mal längere, wenn der Zeitplan passt.

Damit bin ich in den letzten 30 Jahren fast immer rechtzeitig zum Bier im Tal oder auf der Hütte gewesen.

Grüße

Helmut

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