10 August 2012

Cerro Stanhardt | Patagonien

Stephan Siegrist komplettiert erfolgreich die Winter-Trilogie der Cerro Torre Gruppe

Zusammen mit Ralf Weber und Thomas Senf gelingt Stephan Siegrist die Besteigung des Cerro Stanhardts im Winter. Das Schweizer Trio erreicht am 1. August den nördlichsten Gipfel der Cerro Torre Gruppe im Alpinstil über die Route Exocet. Damit gelang Stephan Siegrist als erstem Alpinisten die Besteigung aller drei Hauptgipfel der Cerro Torre Gruppe im Winter.

Nach der Winter-Erstbegehung der Westwand des Cerro Torres 1999 und der Winter-Erstbesteigung des Torre Eggers vor zwei Jahren gelang es Stephan Siegrist nun, mit der Winterbegehung des Cerro Stanhardts die Winter-Trilogie zu komplettieren.

In den frühen Morgenstunden des 31. Juli stieg die Truppe vom Bridwell-Camp, welches offiziell Campo d`Agostini heisst und an der Laguna Torre am Fuss des Torregletschers liegt, hoch zum Niponino-Camp, wo sie bei ihrem ersten Versuch Material zurückgelassen hatten. Von dort aus ging es also mit noch mehr Material beladen über den Gletscher hoch zum Col Stanhardt. Stephan: „Die Schlechtwettertage zuvor brachten Neuschnee, der ungemütlich windverfrachtet war!“ Knietiefes Spuren und wiederholtes gegenseitiges Sichern aufgrund der Lawinengefahr verlängerte so den Zustieg beachtlich.

Vom Col Stanhardt startete das Team in die Route „Exocet“. Der starke Wind und der mit Neuschnee bedeckte Fels machten das Klettern aber zu einer völlig anderen Geschichte als im Sommer – zu anspruchsvollen Seillängen.

Doch nach zwei anstrengenden Klettertagen standen die drei Freunde am Schweizer Nationalfeiertag, dem 1. August, unter dem Gipfelpilz – und im letzten Abendlicht nahm sich Stephan der letzten Seillänge an.

Stephan: „Auf dem Gipfel des Cerro Stanhardt (auf den Tag genau zwei Jahre nachdem Thomas und ich auf dem Gipfel des Torre Egger standen) konnten wir um 18.30 die letzten Sonnenstrahlen geniessen. Die Sonne ging unter und gleichzeitig kam der Vollmond zum Vorschein, was für ein Anblick! Ein unglaublich schöner Moment – was gibt es Besseres, als mit zwei seiner besten Freunden im Gebirge unterwegs zu sein.“ Der Wintertraum der patagonischen Trilogie hat sich für Stephan Siegrist erfüllt!

Es folgte eine Biwaknacht, welche Stephan als „wohl eindrücklichste Biwaknacht“ bezeichnete – weil das Band so schmal war, lagen die drei längs hintereinander auf einer Rampe unter dem Gipfelpilz, unter ihnen der Abgrund und der im Mondlicht schimmernde Gletscher.

Am 2. August ging es mit einer langen Abseilfahrt zurück auf den Torregletscher, es folgte der Abstieg bis ins Bridwell Camp und in den anschliessenden Tagen der Materialtransport zurück in die Zivilisation.

Facts

Winterbegehung des Cerro Stanhardts

Ostwand

Route: „Exocet“, 500m 6a WI5 MI3

30. Juli – 3. August 2012

Temperaturen in der Wand: -15° bis -20°C

Erste Winterbesteigung aller drei Gipfel der Cerro Torre Gruppe durch Stephan Siegrist

Kletterer: Stephan Siegrist (CH), Ralf Weber (CH), Thomas Senf (CH)

Fotograf: Thomas Senf

Bergsteigen im patagonischen Winter ist noch in der Pionierphase. Fast könnte man es vergleichen mit dem Sommer-Bergsteigen vor dreissig Jahren, als sich noch nicht unzählige Alpinisten in den patagonischen Bergen tummelten. Nur wenige Bergsteiger wagen sich im Winter an die Berge heran. Es ist also eine komplett andere Sache so alleine am Berg zu sein und auf gut gesinnte Wettergötter zu hoffen. Zudem wirken die ohnehin schon kalten Temperaturen bei den gefürchteten patagonischen Winden noch beträchtlich tiefer. Bergsteigen im Winter bringt aber auch entscheidende Vorteile gegenüber dem Sommer: Oftmals ist der Schnee verfestigter und auch die Stein- und Eisschlaggefahr verringert sich beträchtlich. Zudem erlauben die exakten Wetterinformationen heute auch bei einem kürzeren Schönwetterfenster einen Gipfelversuch.

Die hauptsächliche Tätigkeit in Patagonien besteht aber aus einer oftmals zermürbenden Warterei. Die Schönwetterfenster zwischen den berüchtigten Stürmen sind in der Regel selten und kurz. Ebenfalls kurz sind die Tage im Winter: Tageslicht gibt es bloss zwischen 09.30 Uhr und 18.30 Uhr, die neun Stunden wollen also gut genutzt sein.

Trilogie

Der Cerro Stanhardt (oft auch Cerro Standhardt oder Aguja Stanhardt genannt) ist mit 2730Meter Höhe der nördlichste der Cerro Torre Gruppe.

Im Jahr 2008 stand Stephan Siegrist bereits einmal auf dem Gipfel des Cerro Stanhardt, damals im argentinischen Sommer, gemeinsam mit Alex Huber, Roger Schäli und Ralf Weber. Nun realisierte Stephan Siegrist am 1. August 2012 gemeinsam mit Thomas Senf und Ralph Weber sein Ziel, den Cerro Stanhardt noch im Winter zu begehen.

Der Torre Egger, 2.850 Meter hoch, schliesst sich dem Cerro Stanhardt südlich an. Er bildet die Mitte des eleganten Dreigestirns.

Am 3. August 2010 gelang Stephan Siegrist gemeinsam mit Dani Arnold und Thomas Senf die erste Winter-Erstbesteigung des Torre Egger (mehr).

Der Cerro Torre (spanisch: „Turm-Berg“) ist mit 3.128 Meter die höchste der drei Granitnadeln. Er ist aufgrund seiner steil aufragenden, glatten Granitwände und der extrem widrigen Wetterbedingungen nur sehr schwer zu besteigen und gilt daher unter Bergsteigern als einer der schwierigsten und zugleich schönsten Gipfel der Welt.

Am 14. Juli 1999 gelang Stephan Siegrist gemeinsam mit Thomas Ulrich, David Fasel und Greg Crouch die Winter-Erstbegehung der Westwand des Cerro Torre.

Webipps:

www.thomassenf.ch

www.stephan-siegrist.ch - mit einem großem Bericht und Fotos

Ralf Weber klettert, gesichert von Stephan Siegrist, die erste Seillänge der Route 'Exocet' vom Col Stanhardt weg. Die Wand ist völlig mit Rauhreif-Eis überzogen.  Foto: visualimpact.ch | Thomas Senf
Cerro Stanhardt (2730 m.ü.M.) mit Torre Egger und Cerro Torre daneben (von rechts nach links). Route: Exocet Winterbesteigung durch Stephan Siegrist, Ralf Weber und Thomas Senf zw. 30.7. und 3.8.2012 im Alpinstil. Foto: visualimpact.ch |Stephan Siegrist
Stephan Siegrist, Ralf Weber und Thomas Senf (von links nach rechts) stehen im letzten Abendlicht auf dem Gipfel des Cerro Stanhardt, Patagonien. Foto: visualimpact.ch | Thomas Senf
Ralf Weber klettert die erste Seillänge der Route 'Exocet' vom Col Stanhardt weg. Die Wand ist völlig mit Rauhreif-Eis überzogen und macht die eigentlich nicht allzu schwere Kletterei sehr anspruchsvoll. Foto: visualimpact.ch | Thomas Senf


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