25 Juni 2004

Cho Oyu - Die Göttin des Türkis

Drei Steirer aus Breitenau am Hochlantsch - Otto Harrer, Bernhard Teischl sowie Hannes Posch -, ein Salzburger aus Kuchl - Hubert Leitner -, und ein Niederösterreicher aus St. Pölten - Ronald Newerkla - standen am 16. Mai alleine am Gipfel des 8.201 Meter hohen Cho Oyu.

Aus dem Expeditionstagebuch von Otto Harrer;

Fotos: Bernhard Teischl

Die Teilnehmer:

Otto Harrer (Expeditionsleiter), Universitätsassistent, Breitenau, *1962

Johannes Posch, Finanzbeamter, Bruck/Mur, *1965

Bernhard Teischl, Maschinenschlosser, Breitenau, *1973

Hubert Leitner, Geschäftsmann, Kuchl, *1957

Ronald Newerkla, Bergführer, St. Pölten, *1969

Drei Steirer aus Breitenau am Hochlantsch - Otto Harrer, Bernhard Teischl sowie Hannes Posch -, ein Salzburger aus Kuchl - Hubert Leitner -, und ein Niederösterreicher aus St. Pölten - Ronald Newerkla - standen am 16. Mai alleine am Gipfel des 8.201 Meter hohen Cho Oyu. Ihre Prämisse war es, den Berg mit nur zwei Hochlagern sowie ohne die Hilfe von Trägern und natürlich ohne Flaschensauerstoff zu besteigen. Dass dies genau 50 Jahre nach der Erstbesteigung durch Herbert Tichy, Sepp Jöchler und Pasang Dawa Lama (19. Oktober 1954) gelungen ist, ist ein purer aber ein sehr schöner Zufall.

Besonders erwähnenswert ist, dass der Cho Oyu für alle fünf Bergsteiger der erste Achttausender war und dass alle fünf am gleichen Tag den Gipfel erreichten. Das ist wahrlich eine Gnade der Götter, um es in Herbert Tichys Worten auszudrücken.

Die Anreise

22. April 2004: Abflug von Wien nach Kathmandu.

23. April 2004: Rasttag in Kathmandu.

24. April 2004: Abfahrt nach Zhangmu (China).

25. April 2004: Von Zhangmu nach Naylam

26. April 2004: Rasttag in Nayalm, 3.750 m

27. April 2004: Von Naylam nach Tingri

28. April 2004: Rasttag in Tingri, 4.350 m

29. April 2004: Ins sog. "Fahrer-Basislager"

30. April 2004 bis 1. Mai 2004: Akklimatisation im Fahrerlager, 4.850 m.

2. Mai 2004: Vom Fahrerlager ins Zwischenlager, 5.300 m

3. Mai 2004: Vom Zwischenlager ins Advanced Base Camp (ABC), 5.600 m

4./5. Mai 2004: Ruhetag im ABC

Der Aufstieg

6. Mai 2004: Erster Aufstieg zum Lager 1 in 6.400 m

Auszug aus Otto Harrers Tagebuch: Um 8.30 Uhr brechen wir auf. Wir wissen, dass uns am Ende des Moränengletschers der Killerhang bevorsteht, der seinem Namen alle Ehre macht. Der Rucksack drückt auf den Buckel. Das Gehen im Schotter ist eine Qual. Ich merke, dass ich noch nicht vollständig an die Höhe angepasst bin. Nach drei Stunden und fünfzig Minuten erreichen Bernhard, Hubert und ich das Camp. Wir rasten kurz. Das Graben mit der Schaufel, um den Hang einzuebnen, bleibt uns leider nicht erspart. Wir befestigen ein Zelt mit Eisschrauben und Firnankern. Dann verstauen wir unsere Rucksäcke darin und machen uns auf den Weg zurück ins ABC.

7. Mai 2004: Ruhetag im ABC

8. Mai 2004: Zweiter Aufstieg ins Lager 1

9. Mai 2004: Erster Aufstieg ins Lager 2

Auszug aus dem Tagebuch von Otto Harrer: An den Zeltwänden klebt das Eis, das sich während der Nacht aus der Atemluft gebildet hat. Es beginnt ein herrlicher Tag, windstill und warm. Hubert, Bernhard, Hannes und ich wollen Material nach Lager zwei tragen. Langsam nähern wir uns dem Eisbruch, einer circa 30 m hohen Eisbarriere in 6600 m Seehöhe. Es ist kein Honiglecken, in dieser Höhe mit einem großen Rucksack am Buckel über so steiles Eis (bis 80°) zu klettern. Die zweite zu überwindende Flanke ist nicht so extrem steil (50°) wie der Eisbruch zuvor, aber dafür viel, viel länger. Auf beinahe 7000 m Seehöhe, kurz nach dem zweiten Eisbruch und kurz vor Lager zwei, deponieren wir unsere Ausrüstung. Der Weg zum Gipfel ist geebnet!

10. Mai 2004: Zurück ins ABC

11. Mai 2004: Ruhetag im ABC

12. Mai 2004: Geplanter Ruhetag im ABC, jedoch Hilfe bei der Bergung eines verletzten Schweizers.

13. Mai 2004: Ruhetag im ABC

14. Mai 2004: Dritter Aufstieg ins Lager 1

15. Mai 2004: Zweiter Aufstieg ins Lager 2.7000 m.

Der Gipfel

16. Mai 2004: Am Thron der Göttin

Auszug aus dem Tagebuch von Otto Harrer: Um 3 Uhr machen sich Hannes, Bernhard, Hubert und Otto auf den Weg zum Gipfel. Ronald folgt etwas später. Steil führt der Hang hinauf bis ins Lager 3. Huberts Füße drohen zu erfrieren. Er muss seine Schuhe ausziehen und die Zehen massieren, bis er sie wieder spürt. Da uns beim Warten kalt werden würde, gehen wir weiter.

Bei jedem Schritt bewege ich meine kalten Zehen, damit das Gefühl in ihnen bleibt. Mit den Fingern, ich trage keine Fäustlinge, mache ich es ebenso. Hoch oben am Berg ist die Sonne bereits aufgegangen. Sehnsüchtig blicke ich auf die rot glühenden Felsen. Bald werden ihre Strahlen auch uns erwärmen. Wir steigen den Felssporn bis zum Gelben Band höher. Ich steige eine schmale Leiste nach rechts hoch. Da ich außerhalb der Falllinie des Fixseils klettere, kann ich mich nicht am Jumar hochziehen, weil ich sonst auspendeln würde. Als die Leiste zu Ende ist, steige ich schräg nach links aufwärts. Ich bin oben! „Nun lassen wir uns die Butter nicht mehr vom Brot nehmen", sage ich zu Bernhard. „Jetzt packen wir es", erwidert er. Bernhard, der Stärkste von uns, gibt den Rhythmus vor.

Es ist ein Gehen in völliger Harmonie, in völliger Harmonie mit dem Freund und dem Universum. Still und leise führen wir uns gegenseitig zum Gipfel. Der Ausblick auf die unendlichen Weiten Tibets kann grandioser nicht sein. In diesem Augenblick wird mir bewusst, wie hart und lang der Weg zurück sein wird. Tiefe Ehrfurcht erfüllt mich. Die Gipfelwand ist kurz, aber steil. Wir stehen am großen Plateau. Es ist nicht die Kraft allein, die uns auf dem weiten, flachen Plateau höher bringt, sondern auch der Wille. Bald werden wir es geschafft haben. Plötzlich sehe ich Gebetsfahnen, die unscheinbar am Boden befestigt sind. Bedächtig langsam schreiten wir auf sie zu. Das muss der Gipfel sein! Der Mount Everest taucht auf. Noch zwei Schritte. Wir sind am Thron der Göttin! Es ist 12.30 Uhr.

Wir umarmen und beglückwünschen uns. Und kugeln im Schnee. Die Sonne lacht uns aus dem nahen azurblauen Himmel entgegen. Etwa 45 Minuten nach uns erreichen Hannes und Hubert den Gipfel. Das Glück ist perfekt! Wir haben uns in Demut genähert und die Göttin des Türkis hat uns Audienz gewährt!

Ronald ist etwas langsamer, so dass wir nicht auf ihn warten Erst um 16 Uhr wird er am Gipfel sein. Der Abstieg bereitet keine Schwierigkeiten. Ich weiß, dass ich für diese Nacht ein Zelt für mich alleine haben werde, denn Ronald wird den Weg bis hierher heute nicht mehr schaffen. Zufrieden, müde und glücklich liege ich im offenen Schlafsack. Von allen 15 Expeditionen waren wir eine von dreien, denen es gelungen ist, vom Lager zwei aus ohne Flaschensauerstoff und ohne die Hilfe von Hochträgern den Gipfel zu erreichen. Wichtig ist, dass wir Achtung vor dem Berg gezeigt haben. Wenn du den Berg achtest, dann wird er dich achten. Wir haben uns in Demut genähert ...

Die Rückkehr

17. Mai 2004: Zurück ins ABC. Ronald schläft eine weitere Nacht im Lager zwei.

18. Mai 2004: Ruhetag im ABC. Ronald kommt am Nachmittag ins ABC.

19. Mai 2004: Vom ABC nach Tingri. Nacht in Tingri.

20. Mai 2004: Von Tingri nach Kodari. Wir sind wieder in Nepal.

21. Mai 2004: Von Kodari nach Kathmandu.

22. bis 27. Mai 2004: Sightseeing in und um Kathmandu.

28. Mai 2004: Ankunft in Wien, wo wir von unseren Freunden sehr nett empfangen wurden. Fahrt in die Breitenau, wo wir ebenfalls von vielen Freunden begrüßt und beglückwünscht wurden.

Sponsor

Audi F. Ebner

Der Cho Oyu mit seinen 8.201 m war das Ziel der Expedition von Otto Harrer
Auf dem Weg ins Basislager
Im steilen Eisburch
In Camp 1 beim Aufstieg
Im schwierigen gelben Band
Bei einer Rast in der Gipfelwand
Auf dem Gipfel des Cho Oyu
Glücklich zurück im Basislager.
Abendstimmung am Berg
Teamsponsor Audi F. Ebner, Bruck an der Mur
Stadtwerke Kapfenberg
Naturfreunde Breitenau
Bei Lage 1 - unzählinge Gebetsfahnen.


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