31 Januar 2010

Everest 2010 - Walter Laserer

Das renommierte und weitverbreitete US-Magazin Outside brachte ein großes Interview mit Walter Laserser über seinen Unfall am Everest 2009 , O2-Verwendung, Ethik und das Bergführen…

Du hängst kopf nach unten, gefangen in einer tiefen Spalte auf rund 6000 m im Khumbu Eisbruch. Dein Partner ist auf dir drauf. Du denkst ein anderer ist in der Nähe. Jeder wusste, dass der Serac im Hängegletscher herunterfallen würde, aber man konnte nicht wissen wann. Walter Laserer fand es heraus, persönlich und unter Lebensgefahr. Er hat nicht nur überlebt und kann uns diese Geschichte erzählen, sondern er konnte an einem stürmischen Tag im Frühling 2009 auch noch den Gipfel erreichen.

Der 48 jährige leitet eine der größten Alpinschulen in Zentral Europa von seinem Büro in der Nähe von Salzburg, Österreich. Walter ist seit über 20 Jahren ausgebildeter UIAGM Bergführer.

Seine Bergerfahrung ist ziemlich Eindrucksvoll: Eiger Nordwand im Winter, eine Schiebefahrung der Eiger Westwand, El Cap Nose, Salathe, Cerro Torre, eine Winterbesteigung des Denali plus mehre Sommerbesteigungen, Mt.Vinson, Carstensz Pyramid, Aconcagua, Elbrus. Oh, und er liebt es Schi zu fahren, wenn er nicht gerade klettert!

Er ist mit 4 Expeditionen und einer weiteren geplanten für diesen Frühling ziemlich erfahren am Everest. Er kennt beide Gefühle, denn des Erfolges und der Niederlage: mit 3 erfolgreichen Gipfeln und einem Abbruch am Balkon, wo er von starkem Wind während eines Gipfelversuches zurückgedrängt wurde.

Ich wollte den unglaublichen Spaltensturz vom letzten Mal diskutieren und ihn den Lesern vorstellen, da sehr oft nur die US Führer viel Presse erhalten. Ich wollte auch seine generelle Sicht über das Bergführen wissen, als auch den Unterschied zum US Stil. Er war freundlich genug sich eine Pause von seinen geliebten Schihängen zu gönnen und uns seine Gedanken mit zu teilen.

Viele Leser kennen vermutlich Laserer-alpin nicht. Erzähle uns etwas über dich und deine Firma

Ich habe Laserer-alpin vor 20 Jahren in Graz gegründet. Laserer-alpin hat rund 1000 Gäste pro Jahr und organisiert duzende trips jedes Jahr. In der Hauptsaison arbeiten ca. 20 Bergführer in unserer Firma, alle voll IVBV zertifiziert. Unser Hauptgeschäft ist Bergurlaub in den Alpen. Die „Expeditionsproduktlinie“ sind die „Seven – Summits“. Ich persönlich arbeite seit 1984, also jetzt seit 25 Jahren als hauptberuflicher Bergführer. 1995 erkletterte ich das erste mal die Carstensz Pyramide und begann alle der „Seven – Summits“ zu führen.

Du siehst viele verschiedene Bergsteiger während du auf den 7 Summits führst. Wie hat sich das Bergsteigen seit deinem Beginn verändert?

Das Internet hat unsere gesamte Welt verändert, auch das Bergsteigen. Am Beginn bekamen wir die Gäste hauptsächlich über die klassischen Werbekanäle und alles ging viel langsamer. Nun buchen die Gäste übers Internet und du musst wirklich aufpassen, dass sie Bergsteiger sind. Ich meine vor rund 15 Jahren gab es Bergsteiger, Radler, Kletterer, Kanuten oder Marathonläufer. Jeder von ihnen übte nur seinen eigenen Sport alleine aus. Jetzt ist es üblich, dass im Outdoor - Sport jeder alles macht. Ich meine keine solche Spezialisierung mehr wie früher. Viele Gäste laufen Marathons und trainieren dafür, viele von ihnen gehen Wandern und fahren Mountainbike und ein kleiner Teil ihrer Aktivität ist Bergsteigen/Klettern. Darum sind die natürlich nicht so erfahren, wie Gäste, die nur Bergsteigen gehen. Das birgt eine große Gefahr für uns Führer (zu unerfahrene Gäste auf zu anspruchsvolle Ziele zu führen), aber auch eine sehr große Chance, denn solche Gäste benötigen - und buchen auch - eine professionelle Vorbereitung und spezielle Trainings.

Einige Leser kennen dich vielleicht von der Spaltenbergung im Khumbu Eisbruch 2009 die im Fernsehen in der Show “Everest: Beyond the Limit” gezeigt wurde. Ich war beeindruckt, dass du nicht nur überlebt hast, sondern auch noch zum Gipfel gegangen bist. Erzähl uns etwas über diese Erfahrung.

Als Erstes möchte ich all den Personen danken, die so großartig zusammengearbeitet haben, um uns zu helfen: Sherpas, Führerkollegen und Ärzte. Für mich war das der „Geist auf der Everest Süd Seite“. Alle Profis arbeiten am Berg gut zusammen, obwohl die Veranstalter vorher in einem wirtschaftlichen Wettbewerb stehen. Das ist die Art und Weise, wie sich professionelles Arbeiten am Berg von allen anderen Wirtschaftszweigen unterscheidet. Wir müssen Zusammenarbeiten, wir müssen uns gegenseitig helfen wenn wir erst in der Wildnis draußen sind. Und wenn du anderen hilfst, wird es eines Tages deinem eigenen Team zu gute kommen.

Die Saison 2009 am Everest war geprägt von einem sehr warmen Winter mit wenig Schnee (ein Jahr zuvor 2008, hat es fast gar nicht geschneit im Solu Khumbu) und 2009 war es sehr warm bei den einzelnen „Rotationen“ zu den Hochlagern. Die täglichen Lawinenmuster vom Pumo Ri, Lo La Pass, West Schulter und Nuptse zeichneten sich durch öftere und durch größere Lawinen aus, als in anderen Jahren.

Speziell der Hängegletscher hoch oben an der Westschulter hatte viele große Lawinen vor unserem Unfall produziert. Da war ein großer Serac der aussah, als würde er sofort herunterfallen, aber niemand konnte wissen, wann das der Fall sein würde. Jeder – vor allem die Führer – war sehr besorgt, wann die nächste große Lawine kommen würde.

Ich hatte die 2. Rotation mit meinem Team erfolgreich beendet und wir waren beim Abstieg vom camp 2 ins BC. Wir starteten wie üblich um 6 Uhr früh, erreichten den Eisbruch schon um 7, als uns die Sonne erreichte. Wir konnten spüren, dass es ein sehr heißer Tag werden würde. Ich sagte meinem Team, dass sie sich beeilen sollten und so schnell sie konnten zu gehen. Die Lawine erwischte uns bei einer der letzten Leitern beim Abstieg. Ich konnte den Lärm hören, schaute zurück und realisierte, dass es d i e Große war, vor der sich jeder fürchtete.

Wir hatten ungefähr 5 sec. Zeit zum Reagieren. Wir klippten uns vom Fixseil und hasteten ungefähr 5 m hinüber in den Schatten eines Seracs, dem einzig erreichbaren in der kurzen Zeit. Unglücklicherweise war da eine kleine Spalte an der Basis. Wir stellten uns mit den Füßen auf eine Seite, und lehnten unsere Rücken mit den Rucksäcken an die Eiswand auf der anderen Seite. Bernice Notenboom war rechts von mir, Lapka Nuru an meiner linken Seite. Als uns die Lawine schließlich erwischte, war das Gefühl gleich, wie wenn jemand eine LKW Ladung von kopfgroßen Blankeisblöcken über uns schütten würde. Unsere Köpfe und Oberkörperwaren vom Serac geschützt, aber unglücklicherweise waren unsere Beine direkt in der Schusslinie. Es war unmöglich, dem enormen Druck stand zu halten. Ich viel rückwärts kopfüber in die Spalte, mit viel Schnee und Eis in meinem Gesicht.

Bernice fiel auf mich drauf. Lapka – ich konnte nicht sehen, was mit ihm geschah. Ich fiel rund 15 m hinunter und wurde mit meinem Rucksack im Eis eingeklemmt, kopf nach unten, die Füße oben, konnte Hände und Füße bewegen. Ich konnte Bernice nach oben pressen und ihr helfen sich zu befreien.

Aber durch mein pressen glitt mein Körper tiefer und klemmte sogar noch mehr. Ich konnte fühlen, wie mein Körper langsam durch die Körperwärme tiefer rutschte. Von Minute zu Minute konnte ich weniger Atmen, da sich die Eiswände nach unten zu immer mehr verengten, je tiefer ich glitt. Bernice konnte in der Spalte höher klettern und begann sofort um Hilfe zu schreien.

Ich wusste dass es vom Basislager mindestens 1 Stunde dauert, bis Hilfe heraufkommen würde. Ich fragte mich selbst, wie lange man „Kopf nach unten hängend“ überleben kann? Immer wieder versuchte ich mich selbst zu befreien. Keine Chance, mein Rucksack war hoffnungslos verklemmt. Schließlich gelang es mir, die Füße etwas seitwärts zu bekommen, das erleichterte meine Situation etwas, aber jetzt kam die Kälte durch meine nassen Kleider.

Ich wusste, ich war tot, lebendig, aber praktisch tot. Das Einzige was ich noch tun konnte war, auf den Tod zu warten.

Wegen der engen Spalte war es nicht einmal einfach den Kopf zu bewegen, aber ich konnte eine große rote Blutlache im Schnee auf dem Grund der Spalte erkennen. Ich begann mich mental zu pushen, ich hatte keine Idee wie, aber ich wusste, ich würde irgendeine Lösung finden. Wieder und wieder versuchte ich mich zu bewegen – aber noch immer keine Chance. Schließlich versuchte ich die Träger an meinem Rucksack zu öffnen, aber in der Zwischenzeit waren meine Hände so gefroren, dass dies unmöglich für mich war. Ich wurde bewusstlos.

Als ich aufwachte, konnte ich ein Messer erkennen, dass von einem mysteriös erschienen Seil direkt in mein Gesicht hing. Ich versuchte das Messer mit beiden gefrorenen Händen zu halten, aber meine Hände waren nicht mehr funktionsfähig. Mit gigantischer Anstrengung versuchte ich immer wieder die Rucksackträger durch zu schneiden, aber vergeblich. Hoffnungslos sank ich zurück und verlor wieder das Bewusstsein. Als ich das nächste Mal aufwachte, zitternd vor Kälte und vom Wasser durchtränkt, realisierte ich, dass jemand neben mir war. „bitte, geh nicht weg, lass mich nicht allein“, erinnere ich mich an die Worte zu dem Mann. Er versuchte mich von der Seite zu erreichen, da es von oben unmöglich war. Er klippte mich in ein Seil und konnte schließlich die Rucksackträger durchschneiden. Mit enormer Energie und Geschwindigkeit ging es nun hinauf. Ich krachte mit dem Helm gegen Blankeis und wurde erneut bewusstlos.

Felix Stockenhuber, unser Expeditionsarzt, der die Lawine zum Glück überlebt hatte, stach eine Nadel in meine Vene. Ich verlor erneut das Bewusstsein, konnte aber realisieren, dass ich getragen wurde. Mein gesamter Körper schmerzte, jeder Knochen und jede Bewegung tat wie verrückt weh. Schließlich kam ich wieder völlig zu Bewusstsein und wollte mich selbst bewegen. Ich versuchte aufzustehen und einige Schritte zu machen, mit der Hilfe anderer funktionierte es. Mein Sherpa Freund Phunuru trug eine große Sauerstoff Flasche und langsam gingen wir ins Basecamp. Unser Sirdar Pertemba informierte mich, dass ein Helikopter bereits am Weg sei.

Ich stornierte den Helikopter sofort, da ich mich besser und besser fühlte. Ich wollte mehr Zeit um eine Entscheidung fällen zu können. Bernice, Felix und Tomsky von unserem Team waren alle am Leben, aber tragischer Weise wurde der stets freundliche und nette Sherpa Lapka Nuru noch immer unter den enormen Eismassen vermisst.

Da waren verschiedene wichtige Details, die unser Überleben ermöglichten. Als Erstes die exzelente und professionelle Zusammenarbeit von einem halben Dutzend Teams. Die indische Neru Militärexpedition, die hinter uns als erstes am Platz des Unglücks ankam. Unser eigenes Sherpa Team koordiniert von Pertemba, die großartige Kommunikation die von Ang Jang Pu geleistet wurde, die Tatsache, dass Danuru ein Seil im Rucksack hatte und auch damit um zu gehen wusste, die Benegas Brüder mit ihrer unglaublichen Energie, Dave Hahn, der vom BC mit der lebensrettenden Flüssigkeit für mein Blut hinaufgelaufen ist, Russel Brice, der mit seinem Team geholfen hat und viele andere, die ich nicht alle namentlich kenne.

Meine Finger waren etwas angefroren und ich hatte viele blaue Flecken an meinen Beinen und Unterkörper, auch einige cuts in meinem Gesicht. Es dauerte eine Woche bis ich mich etwas erholt hatte, viel nachdachte und schließlich die richtige Entscheidung traf. Nach einer großen Diskussion entschieden wir alle, dass es in Lapkas Sinn wäre die Tour in seinem Andenken zu vollenden.

Das einzige, Problem für mich war, wie ich mich selbst motivieren konnte, nochmals durch den gefährlichen Khumbu Eisbruch zu klettern. Ich war bereits an drei Everest Expeditionen und schon zweimal mit Gästen am Gipfel gewesen.

Der Hauptfaktor beim Führen an so großen und schwierigen Bergen ist Vertrauen. Meine Gäste haben alle viel Zeit und Geld für ihr Ziel „once in a lifetime“ investiert, und sie vertrauten mir, es möglich zu machen. „Leben heißt Leidenschaft“, dachte ich mir, und nach einer guten Wettervorhersage starteten wir zu unserem Gipfelversuch. Zwölf Tage nach dem Unfall konnte ich zum dritten Mal erfolgreich mit Gästen den Gipfel erreichen.

Sehr interessant war, dass wir an unserem Gipfeltag einen verunfallten Amerikaner auf 8300 m retten konnten. Er war alleine, ohne Sauerstoff, und in der Dunkelheit abgestürzt bevor wir ihn gegen Mitternacht halb erfroren fanden. Nachdem wir ihm seine Kleidung wieder angezogen hatten, etwas heißes zu trinken gegeben hatten, Wärme Packerln in die Handschuhe und Sauerstoff gegeben hatten, funkte ich andere Teams an. Gemeinsam gelang es uns, Hilfe zu organisieren Der Mann konnte überleben, hat aber einig Finger und Zehen verloren, und ich glaub auch seine Nase.

Dein 2009 Everest war in sehr harten und stürmischen Bedingungen. Wo würdest du ihn in der Geschichte deiner schwierigsten Gipfel einreihen?

Meine Geschichte an schwierigen Touren ist nach mehr als 20 Jahren professionellem Führen lang. Die größte Herausforderung war sicher die Winterbesteigung des Denali im Februar 1989. Wir starben fast in einem furiosen Wintersturm der uns über dem Denali pass (auf rund 6000m) erwischte. Nach dem Abstieg bei sehr stürmischen Verhältnissen und im Finsteren konnten wir in dem furchtbaren Sturm unsere Schneehöhle im High Camp kaum finden. Tragischer weise starben damals drei Japaner, aber unser Team konnte überleben, sogar ohne ernst haften Erfrierungen.

Die Zweit schwierigste Situation war ein furchtbarer Sturm am Mt. Vinson in der Antarktis. Nachdem der Sturm viele Zelte zerstört hatte, kletterten wir vom High Camp hinunter, als wir plötzlich über zwei Amerikaner stolperten, die ohne Hilfe nicht mehr gehen konnten. Unsere sehr gut vorbereitete Gruppe konnte mit Hilfe der „Assistant Führer“ absteigen, während ich die zwei Amerikaner 1200 m abseilte ins Camp 1, wo – einmal mehr Dave Hahn – eine großartige Hilfe war. Einige Tage später konnten wir alle ohne größere Probleme auf den Gipfel kommen.

Der Everest gilt heutzutage als Überlaufen. Wie managed Laserer-alpin den Umgang mit den Massen?

Im Vergleich zu internationalen großen Bergen denke ich nicht, dass der Everest wirklich überlaufen ist. Am Aconcagua hast du rund 8000 Bergsteiger pro Jahr, am Denali rund 1500, am Everest sind das rund 300 und vielleicht nochmal so viele Sherpas die helfen. Ich meine das ist der höchste Berg der Welt, und wirklich schön. Natürlich kommen Leute aus der ganzen Welt und wollen den Berg besteigen. Am Mt. Blanc haben wir während der Saison 350 Menschen jeden Tag! Und natürlich einen großen Unterschied im Leistungsvermögen der verschiedenen Bergsteiger.

Ich denke auch, dass die Zahl der Unfälle eigentlich nicht groß ist. Zum Beispiel gibt es im Mt. Blanc Gebiet jedes Jahr 50 Bergtote, alleine am Matterhorn 47, aber natürlich aus tausenden Bergsteigern, und die meisten eben nicht professionell geführt.

Ich denke dass es für uns als Führer und Veranstalter sehr wichtig ist, „Nein“ sagen zu lernen, wenn ein Gast zu schwach ist. Oder zu einem späteren Zeitpunkt zu gehen und den Gast in einem weiteren Jahr ordentlich auf die große Tour vorzubereiten.

Die Arbeit als Bergführer draußen auf den Bergen muss „networking“ zwischen den anderen Gruppen beinhalten. Während den letzten Saisonen war es üblich, dass die Profi teams einen „Fahrplan“ für ihre Gruppen aushandelten. So dass rund jede Stunde ein Team wegging. Dies vermeidet größere Staus während der Tour. Ich hatte nie ein unangenehmes Problem mit anderen Leuten am Everest. Aber ich bin natürlich von meiner Arbeit als Führer in den Alpen und in Südamerika gewöhnt, mit anderen Führern zusammen zu arbeiten. Und natürlich ist das einfacher, je besser man sich untereinander kennt.

Du sprichst normalerweise Deutsch, gibt es da Probleme mit den Sherpas?

Es arbeiten viele Sherpas in den Alpen während der dortigen Hauptsaison, wenn in Nepal Monsun herrscht. Es gibt sogar einige Sherpas, die Deutsch können. Aber in Europa ist das öffentliche Schulsystem anders als in Amerika. Meine Töchter zum Beispiel lernten ihre ersten englischen Wörter bereits im Kindergarten im Alter von fünf! Sie sind jetzt 16 Jahre alt und lernen in der öffentlichen Schule Englisch, Französisch, Spanisch und Latein neben ihrer Muttersprache Deutsch.

Hast du als europäische Firma irgendeinen Favoriten bei den Ausrüstungsfirmen?

Nicht wirklich, in Europa gibt es Mammut und Salewa als „big players“, aber auch amerikanische Firmen wie The North Face sind gut am Markt etabliert.

Für mich als professioneller Führer sind die Ausgaben an Ausrüstung – verglichen mit dem Umsatz unserer Firma – marginal. Zumal ich üblicherweise zum persönlichen Gebrauch die Ausrüstung natürlich kostenlos erhalte.

Wie ist deine Meinung zu “Bergsteiger Ethik”, in anderen Worten über die Wahrheitsliebe von Bergsteigern und Regeln zum Bergsteigen?

In Europa gibt es eine heftige Ethik Diskussion. Vielleicht haben einige Leser schon mal was über die „Tirol Deklaration“ gehört. Meine persönlichen Gedanken dazu sind, dass die wichtigste Idee des Bergsteigens die „Freiheit“ ist. Wenn wir beginnen Regeln dafür zu erstellen, killen wir die ureigenste Idee des Bergsports!

Jeder hat das Recht so in den Bergen glücklich zu werden, wie er persönlich es will. Die Grenze dieser Freiheit ist selbstverständlich, dort, wo ich jemand anderen störe.

Das wichtigste für mich ist allerdings die Ehrlichkeit. Wenn du zum Beispiel an einem hohen Berg Sauerstoff verwendest, dann sollst du das auch sagen. Falls du keinen Sauerstoff verwendest, solltest du anderen, die O2 verwenden, mit Respekt begegnen. Eine weitere große Diskussion in diesem Zusammenhang wäre Doping beim Bergsteigen. Jede Saison scheitert nicht nur ein Bergsteiger wegen der unprofessionellen Verwendung von Drogen/Tabletten, EPO usw.

Frage: Siehst du einen Unterschied zwischen amerikanischem und europäschem Führen?

Wenn du einen Führer nimmst, solltest du sicher sein, dass er entweder sehr bekannt und erfahren ist, oder die AMGA (Internationaler Verband der nationalen Bergführerverbände) Ausbildung absolviert hat, und ein Mitglied im internationalen Bergführerverband ist. Das ist der weltweit höchste level für Bergführer. In Europa ist es undenkbar als Bergführer - ohne entsprechender Ausbildung bzw. Mitgliedschaft im Verband - zu arbeiten. Das ist in den Alpen verboten und auch eine Deckung durch eine Versicherung wäre nicht gegeben. Mitglieder im IVBV Verband dürfen legal in anderen Ländern arbeiten, ich glaube das sind gegenwärtig 70 Länder.

Der Beginn vom Bergführen war in den Alpen die Erstbesteigung des Mt. Blancs 1786 durch Balmat und Saussure. In diesen 250 Jahren hat sich Bergurlaub mit einem Führer mit einem

speziellen Verständnis dafür entwickelt. Europäische Gäste wissen normalerweise, dass sie für eine schwierige Tour eine entsprechende alpine Karriere benötigen. Ich denke auch, dass für seriöses Bergführen die Beratung der Gäste über ein entsprechendes Ziel wichtig ist, auch eine gute Vorbereitung vor einer Tour.

Europäische Gäste wollen üblicherweise auch bei einer Tour mitarbeiten und als ganzes Team agieren. Zum Beispiel ist es völlig normal, dass europäische Gäste auch für sich selbst kochen und der Führer auf der anderen Seite hauptsächlich für die Sicherheit verantwortlich ist, wichtige Entscheidungen fällt, spurt, den Camp Platz bestimmt usw.

Danke Walter für ein inspirierendes und lehrreiches Interview. Alles Gute für deine Everest Saison diesen Frühling.

Das Interview führte Alan Arnette

Webtipps

www.laserer-alpin.at

Das Inteview im Outside Magazin

Im Khumbu Eisbruch
Internetbild der Lawine, die uns erwischt hat
Walter Laserer nach dem Unfall
Gipfelbild Walter und Lapka 09
Bernice Notenboom und Mike Farris, den wir retten konnten
Walter auf dem Gipfel des Mt. Everest 2008
Walter Laerer und Bernice Notenboom im Everest BC


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