16 Oktober 2007

Ski Expedition am Manaslu

Die geplante Speedbegehung erstickte auf 7400 Metern im Schnee...

Vom Kampf zwischen Vernunft und Erfolg

Am Mittwoch, den 3.10. 2007 ist es endlich soweit: Benedikt Böhm, Sebastian Haag und Nicolas Bonnet stehen in den Startlöchern. Ihr Ziel: Die Speedbegehung am 8163 Meter hohen Manaslu. Das bedeutet, an einem Tag vom Basislager auf 4900 Meter bis zum Gipfel des 8163 Meter hohen Bergriesen durchzustarten und anschließend mit Skiern wieder abzufahren. 3263 Höhenmeter ohne Hochlager, ohne Verpflegungsstation und ohne eine bereits angelegte Spur. Das Gepäck: Ein 20 Liter Rucksack mit 4 Liter Flüssigkeit, 20 Powerbar- Gels, eine leichte Daunenjacke und die neue GORE-TEX® Pro Shell Jacke. An den Füßen: Die extra für die Speedbegehung entwickelten Manaslu-Ski von Dynafit.

Schneefälle, Lawinen und zerstörte Zelte

Doch bis zum Tag der Speedbegehung musste nicht nur das Dynafit- GORE-TEX® Team erhebliche Rückschläge hinnehmen. Auch die anderen Expeditionen am Berg waren letztendlich zum Aufgeben gezwungen. Starke Schneefälle, die tagelang andauerten haben ganze Lager begraben. Der tägliche Abgang von Lawinen hat Zelte mitgerissen und auch das Basislager blieb nicht unversehrt- das Küchenzelt und Mannschaftszelt der Ski- Expedition wurde von Ausläufern einer Lawine komplett verschüttet. Die Geduld der Münchner wurde auf die Zerreißprobe gestellt- tagelanges Warten und Ausharren im Basecamp zeigte den Bergsteiger ihre mentalen Grenzen.

Die Speedbegehung

Seit Tagen hat es geschneit, heute ist die erste klare Nacht. Jetzt oder nie! Lange haben sie auf diesen Tag gewartet. Heute sehen sie den einzigen Funken einer Chance, den Gipfel zu erreichen. Denn sie wissen nicht, wie es oben aussieht. Haben sich die Schneemassen, der letzten Tage gesetzt? Wie viele Lawinen sind bereits abgegangen? Zudem liegt der Manaslu in der Jetstream- Schneise und es herrscht ein starker Wind oberhalb der 7000 Meter-Grenze, vor dem der Wetterdienst bereits gewarnt hat.

Um 23 Uhr fällt der Startschuss. Trotz extremer Kälte bewegen sich die drei schnell vorwärts und sind bereits nach 1 1/2 Stunden in Lager 1 auf einer Höhe von 5700 Metern. Nach 3 Stunden sind sie, die Skier auf dem Rücken, mitten im Eisbruch. Auf 6200 Meter, um ca. 03.00 Uhr morgens, zwingt sie die Kälte (ca. -30°C) ihre Daunenjacken und Daunenhandschuhe auszupacken und die tauben Füße zu massieren. Die Ski können sie nun wieder anschnallen und die großen Lawinenfelder bis 6600 Meter aufsteigen. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Ski und Steigeisen. Die endlose Flanke wird immer steiler, die Seracs immer größer. Nicolas wird langsamer und als der Gipfel für ihn in unerreichbare Nähe rückt, dreht er um.

Trotz der widrigen Umstände der letzten Wochen wächst in Benedikt und Basti gerade in diesem Moment die Überzeugung, dass sie diesen Gipfel heute erreichen werden. Obwohl sie spuren müssen, liegen sie noch in der Zeit. Es ist erst 07.30 Uhr, das Wetter ist gut und der Wind noch erträglich. Leider finden sie nicht die die ideale Route durch die Seracs und sind gezwungen, über zwei große Eisrücken zu klettern. Das kostet Zeit und Kraft. Auf einer Höhe von 7400 Metern, kurz vor der Schulter zum Gipfelplateau, finden sie sich schließlich in einem Steilhang mit Massen von Neuschnee und windgepresstem Triebschnee.

Sie sind umringt von riesigen Abrisskanten der Lawinen der letzten Tage. Die Schneemassen sind nicht verbunden, die beiden Extremsportler mittendrin. Bis zur sicheren Schulter des Manaslu sind es noch 150 Höhenmeter. An dieser Stelle fällt die Entscheidung: Das Risiko von einer Lawine erfasst zu werden ist einfach zu groß. Ein schwerer Entschluss, nach der langen Vorbereitung kurz vor dem Gipfelplateau umkehren zu müssen. Aber mit Sicherheit der Richtige.

Die letzte Chance

Dass die beiden Extremsportler alles versucht haben, zeigt die Entscheidung nach der Speedbegehung einen erneuten Gipfelversuch zu starten. Wieder eintretende, starke Schneefälle machten auch diese Hoffnung schnell zu Nichte und verlängerten den Aufenthalt im Basecamp um weitere fünf lange Tage.

Umkehren bedeutet nicht Scheitern

Hervorzuheben bleibt neben der herausragenden sportlichen Leistung vor allem auch die menschliche Stärke, welche die beiden jungen Skibergsteiger an diesem Berg gezeigt haben. Nämlich ihr eigenes Leben nicht aufs Spiel zu setzen, sondern ihre selbst gesteckten Ziele den äußeren Bedingungen anzupassen. Alles zu versuchen, auch wenn nichts mehr geht. Die herausragende Zusammenarbeit mit den anderen Expeditionen am Berg und die gegenseitige Unterstützung in den widrigsten Situationen.

„Verantwortungsvolles Bergsteigen kann auch Umkehren bedeuten – was für uns kein Scheitern ist“, so Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein. „Gerade jungen Bergsteigern mit dem Profil von Benedikt und Sebastian ist eine solche Entscheidung hoch anzurechnen. Sie haben gezeigt, Verantwortung für sich selbst und ihre Freunde zu übernehmen und daher sind wir alle sehr stolz auf sie“, so Reiner Gerstner, Brand Manager bei Dynafit.

Nicht umsonst heißt es, dass die auf dem Gipfel thronende Gottheit „Kambung“ nur wenige Menschen in ihr Reich lässt. Die Herrscher des Manaslu haben es in diesem Herbst nicht zugelassen. Benedikt und Sebastian waren die Einzigen, die überhaupt in die Nähe des Gipfels vorstoßen konnten. „Es war unser Berg, aber nicht unser Wetter“, so Benedikt Böhm nach seiner Rückkehr im Basislager.

Mammut /GORE-TEX® European Outdoor Filmtour

Der erfahrene Kameramann Hubert Rieger aus Innsbruck hat die beiden Extrembergsteiger auf ihrer Reise nach Nepal begeleitet. Sein beeindruckendes Filmmaterial ist die Basis für eine Dokumentation der Expedition, die auf der Mammut/GORE-TEX® European Outdoor Filmtour 2008 Premiere feiert.

Webtipp:

Eoft-Filmtour

Dynafit

Salewa

Beim Aufsteig
Benedikt Böhm und Sebastian Haag
Dynafit
Salewa
Spurarbeit auf 6600 m


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