16 Januar 2013

2012 das Jahr des David Lama

Am Weg zum Olymp des Alpinismus. David Lama blickt auf sein bis dato erfolgreichstes Jahr seiner Kletterkarriere zurück.

Es ist bald ein Jahr her, dass ihm mit der ersten Begehung des Cerro Torre im Freikletterstil ein alpinhistorischer Meilenstein gelang, mit dem er sich wohl endgültig einen Platz in den Geschichtsbüchern sicherte. Ob mit Partner oder solo, ob in den heimatlichen Alpen oder im fernen Karakorum, David Lama hat sich in kürzester Zeit vom einstigen Kletter-Wunderkind zu einem der anerkanntesten Alpinkletterer der Welt entwickelt. Ein kurzer Rückblick in ein Jahr voller alpiner Highlights, welches dem 22-jährigen Tiroler die National Geographic Nominierung zum „Abenteurer des Jahres“ einbrachte!

Zahlreiche Erstbegehungen und Solorouten in den Alpen…

Die Frage nach der besten Erstbegehung des vergangenen Jahres ist für David nicht leicht zu beantworten, zu unterschiedlich ist die Ausbeute. David war kaum eine Woche aus Patagonien zurück, als er bereits wieder mit einer Erstbegehung im Slowenischen Triglav National Park von sich reden machte. Gemeinsam mit seinem Osttiroler Partner Peter Ortner kletterte er über eine neue Route durch den steilsten Teil der Nordwand der Loska Stena. Zweimal mussten Lama und Ortner in eisiger Kälte in der Route biwakieren, bis sie den Ausstieg der über 1000 Meter hohen Kalkwand erreichten (mehr).

Die internationalen Kletterforen staunten nicht schlecht als David nur kurz darauf von seiner Solobegehung der Route „Les Barbares“ in Chamonix berichtete, welche als eine der anspruchsvollsten Routen im Mont-Blanc Gebiet gilt und zuvor lediglich von zwei Seilschaft erfolgreich durchklettert wurde. Während die Erstbesteiger fünf Tage für die Route brauchten, benötigte David im Alleingang gerade einmal 13 Stunden um den Gipfel zu erreichen.

Gleich zwei Highlights gelangen David an den Wänden des Laserz in den Lienzer Dolomiten. Durch die Südwand legte David, wiederum begleitet durch Peter Ortner, eine imposante und vorwiegend mit reversiblen Sicherungsgeräten abzusichernde Freikletterroute mit dem Namen „Safety Discussion“. Für die zehn Seillängen im neunten und zehnten Grad benötigte das kongeniale Duo lediglich 6 Bohrhaken als Zwischensicherung. „Sicherlich eine meiner wildesten Erstbegehungen. Besonders imposant ist die Schlüssellänge im zehnten Grad, welche durch ein mehr als 10 Meter überhängendes Dach zieht.“ schwärmt David. Erst im Dezember kam dann mit der Route „Spindrift“ noch eine weitere Neutour hinzu, welche Lama und Ortner komplett ohne Bohrhaken durch die vereiste Nordwand legten.

…Expeditionen in die Weiten des Karakorums!

Da David bereits im Vorjahr im Rahmen einer Erstbegehung im indischen Kashmir Himalaya die großen Berge der Welt für sich entdeckt hatte, war es für ihn ein großer Wunsch und eine logische Konsequenz ins Karakorum nach Pakistan zu reisen. Das Hauptziel der Expedition sollte wiederum das Sammeln von Höhenerfahrung sein, denn obwohl die reine Höhe an sich für Lama kein wichtiges Kriterium sei, so wolle er sich bei der Auswahl künftiger Erstbegehungsprojekte durch nichts was an Erfahrung zu kompensieren ist einschränken lassen. „Die großen Berg haben die größten Wände, und große Wände verheißen große Abenteuer.“ so der 22-jährige.

Während sich mit einer Wiederholung der berühmten Risskletterroute „Eternal Flame“ am 6239 Meter hohen Nameless Tower das erste Ziel der Expedition relativ rasch realisieren ließ (mehr), erwies sich der zweite Berg auf der Wunschliste der beiden Tiroler als „zähes Luder“. Die Chogolisa ist mit ihren 7665 Metern für Alpinkletterer ein eher ungewöhnliches Ziel und unter Bergsteigern vor allem als Schicksalsberg von Hermann Buhl bekannt. Bei ihrem ersten Versuch stiegen Lama und Ortner in zwei Tagen von ihren Zelten am Vigne Gletscher bis auf 6800m, ehe sie schlechte Wetterbedingungen zum Abstieg ins Basislager zwingt. Der Niederschlag hält hartnäckig über zwei Woche an und es schien schon als müssten die beiden Tiroler kampflos die Heimreise antreten, als Charly Gabl vier Tage vor Abreise Wetterbesserung in Aussicht stellte. Bereits bei schlechtem Wetter starten die beiden ihren letzten Versuch und steigen bis unter die mit Neuschnee bestäubten Steilflanken auf, erst als sie auf 5800 Metern ihr Zelt aufbauen kommt endlich das vorhergesagte Wetterfenster. Am nächsten Tag erreichen David und Peter den Punkt an dem sie beim ersten Versuch umkehren mussten, für ein paar Stunden legen sie sich dort unter eine kleine Eiswand, die Schutz vor dem beißenden Wind bietet. Um Mitternacht starten sie den Gipfelversuch, der Schnee reicht den beiden bis zu den Hüften und macht den Aufstieg unglaublich anstrengend. „Wir zählten unsere Schritte: Eins, zwei, drei,... Spätestens bei Zwanzig bleiben wir stehen, lehnten uns gegen unsere Stöcke oder legten uns in den Schnee.“ beschreibt David die zermürbende Prozedur. Nach neun Stunden Quälerei stehen die beiden am Gipfel, die erste erfolgreiche Besteigung seit 1986 ist geglückt! „Wir schauen hinunter und lassen unsere Blicke über das Panorama schweifen. Vor uns liegt ein Meer an Gipfeln – ein Meer an zukünftigen Zielen.“ (mehr)

Die Bandbreite und Dichte von Davids Leistungen suchen auch auf internationaler Ebene ihresgleichen. Die Nominierung für den „Adventurer of the year“ award durch National Geographic ist nur ein aktuelles Beispiel (das public online voting geht noch bis inkl. heute) für die Resonanz aus dem Ausland. David steht wiederum ein Jahr voller vertikaler Abenteuer bevor; bereits kommende Woche startet die nächste Expedition ins sturmumtoste Patagonien.

Zitate David Lama:

“Neben dem Freiklettererfolg am Cerro Torre war für mich im Jahr 2012 die erste Expedition ins Karakorum das große Highlight. Das Potenzial an hohen und wilden Bergen scheint fast unerschöpflich, erst vom Gipfel der Chogolisa aus wurde ich mir der Dimensionen bewusst. Dort gibt es genau die Berge die ich suche.“

„Ich komme mit der Höhe gut zurecht und bin mir sicher, dass man auch deutlich über 6000 Metern schwer klettern kann.“

„Von den Erstbegehungen in den Alpen hat vor allem die Route Safety Discussion aufgrund ihrer spärlichen Absicherung und der anhaltend hohen Schwierigkeiten einen besonderen Stellenwert für mich.“

Stefan Glowacz über David Lama:

"Ich verfolge Davids Karriere sehr nah und ich prophezeie, dass er derjenige sein wird, der den gesamten Klettersport in ganz neue Dimensionen führen wird. Er ist der Frontmann einer neuen Klettergeneration, davon bin ich 100%ig überzeugt."

Mehr Infos zu den einzelnen Projekten findet ihr auf www.david-lama.com

Das public-voting zum „Adventurer of the year“ Award von Nationalgeographic findet ihr hier

Davis Facebook Page findet ihr hier

David Lama in Safety Discussion  © ASP Red Bull - C. Rich
David Lama in Safety Discussion © ASP Red Bull - C. Rich
David auf der Chogolisa im Karakorum © Archiv Lama
David knapp unterhalb des Gipfels des Nameless Towers im Karakorum © Mammut - C. Rich
David Lama in Safety Discussion © ASP Red Bull - F.Klingler
David Lama © ASP Red Bull - C. Rich
David Lama in Safety Discussion © ASP Red Bull - F.Klingler


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