30 April 2008

Alter Karabiner kappt Seil

In einer Prager Kletterhalle wurde durch einen alten, abgewetzten Karabiner ein Seil gekappt…

Auch Karabiner halten nicht ewig

Karabiner halten ewig – dies war wohl bis dato die allgemeine Meinung über eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände im Klettersport. Dass dem nicht so ist, zeigte ein Unfall in einer Prager Kletterhalle.

Bei einem Sturz in den ersten Bohrhaken passierte das Unglück, das Seil wurde durch den stark abgewetzten Karabiner komplett durchtrennt – der Kletterer kam mit dem Schrecken davon.

Das Seil war laut Besitzerangaben fast neu, der Kletterer wog 80 kg. Bei einer Sturzhöhe von 1,60 Metern reichte der – wegen der geringen Seilausgabe – recht harte Sturz, um das 11 mm dicke Seil komplett zu druchtrennen.

Wie lange der Karabiner in der Kletterhalle im Einsatz war, geht aus dem Bericht aber nicht hervor. Von der Optik dürfte er aber schon sehr viele Einsatzstunden auf dem Buckel haben.

Erster Fixpunkt meist stärker beansprucht

Es sind also nicht nur die Umlenkkarabiner, welchen man immer genau prüfen sollte, auch die Karabiner des ersten Bohrhakens sind laut dem Tschechischen Bergsteigerverbandes einer deutlich größeren Reibung – und somit auch Abnutzung – ausgesetzt und sollten bei jedem Einhängen einer optischen Prüfung unterzogen werden.

Aber auch die anderen Karabiner der Sicherungskette die beim Ablassen durch den Seilverlauf belastet werden können zu Problemfällen werden.

Chris Semmel, DAV-Sicherheitsforschung: Wir hatten einen ähnlichen Beinaheseilriss in der Kletterhalle Thalkirchen vor vier Jahren. Dort riss ein Seil bis auf sechs der Litzen durch. Selber Hergang, allerdings nicht der erste, sondern der fünfte Karabiner in der Wand.

Wir haben über diesen Fall berichtet und im Panorama 1/2005 veröffentlicht. Daraufhin wurden regelmäßige Wartungsintervalle in deutschen DAV-Kletterhallen eingeführt.

Das Einschleifen tritt in jedem Karabinmer auf, der beim Ablassen durch den Seilverlauf belastet wird!

Naturgemäß tritt dieses Problem nur in Kletterhallen mit immer fixen Zwischen-sicherungen oder in Klettergärten mit fixierten Expressschlingen (z.B. Schleierwasserfall) auf. Beim eigenen Material hängt man nicht immer denselben Karabiner in den ersten Bohrhaken bzw. an anderen neuralgischen Stellen (z.B. unter Überhängen, dort reibt das Seil beim Ablassen meist auch am Karabiner), weshalb sich die Abnutzung auf alle Express-Schlingen recht gleichmäßig verteilt.

Auch eigene Express-Schlingen soll man von Zeit zu Zeit tauschen

Auch seine eigenen Express-Schlingen sollte man von Zeit zu Zeit prüfen, da auch die ständige Einwirkung der Bohrhaken (nur wenige Bohrhakenlaschen haben abgerundete Ösen) deutliche Spuren am Material hinterlassen. Vor allem beim schweren Sportklettern, wobei man beim Ausbouldern der Tour sehr oft im Haken und eben auch in der Express-Schlinge hängt, tritt dieser Abnützeffekt stärker auf.

Die Karabiner werden an den Stellen, wo diese an der Bohrhakenlasche scheuern, deutlich dünner und büßen durch den, mit der Zeit geringer gewordenen Umfang natürlich auch an Festigkeit ein (siehe Foto goldene Karabiner, daneben ein neuer).

Webtipp:ČHS - tschechischer Bergsteigerverband

Der Unfallkarabiner mit dem tiefen Einschnitt. Foto: CHS
Die Belastung des Karabiners im ersten Haken. Grafik: CHS
Das abgetrennte Seil vom Unfall in Prag. Foto: CHS
Das abgetrennte Seil vom Unfall in Prag. Foto: CHS
Links (in Gold) ein im Umfang schon deutlich dünnerer Karabiner, rechts ein neuer (blank).
Der goldene Karabiner hing immer im Bohrhaken, durch den blauen lief das Seil (alle 14 Express sehen nach intensiver Verwendung so aus...)
Der Unfallkarabiner mit dem tiefen Einschnitt, der durch Abrieb enstanden ist. Foto: CHS


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