04 August 2014

Basejumper gefährden Kletterer

Lokaler Basejump-Anbieter hat die Absprungstelle oberhalb der Nordwand mal etwas „freigeräumt und vorbereitet“ und „die Security-Line“ installiert ...

Hasse-Brandler (Große Zinne Nordwand) am 26. Juli 2014

Mein Name ist Jens Liße (geb. 28.10.1980). Ich lebe in Berlin und arbeite dort als Arzt, bin Mitglied des Deutschen Alpenvereins (Sektion Berlin) und ein ausgesprochener Bergfreund.

Mit meinem Schreiben möchte ich Sie über die aus meiner Sicht schier unglaublichen Geschehnisse in Kenntnis setzen die ich und mein Seilpartner Juni Schmitz am 26. Juli dieses Jahres bei einer Begehung der Nordwand der großen Zinne erlebten. Die Fahrlässigkeit Anderer (scheinbar lokal Kundiger) hätte uns an diesem Tag um ein Haar unser Leben gekostet.

Wir stiegen am Morgen des 26. Julis in die „Hasse / Brandler“-Route an der Nordwand der großen Zinne gegen 7 Uhr ein. Als wir uns gegen 8 Uhr 30 am Standplatz der dritten Seillänge befanden sauste aus den Höhen ein erster Stein in unserer Nähe hinab. Darauf folgte ein Steinregen der insgesamt ca. 1 Stunde andauerte und in dem zwischen 50 bis 100 bis zu Kopfgroße Steine in unmittelbarer Nähe zu uns herabstürzten. Wir bemühten uns in exponierter Lage uns so gut wie möglich in der Wand unter Vorsprüngen zu schützen. In dem Steinhagel entschieden wir so schnell wie möglich den Rückzug anzutreten und seilten uns über die bisherigen drei Seillängen ab. Die Situation war unmittelbar lebensgefährlich. Ein Querschläger traf meinen Seilpartner Juni Schmitz am Oberschenkel. Einige der mit unglaublicher Geschwindigkeit rasenden Steine (sie kamen ja aus über 350-400 Meter Höhe) verfehlten uns nur knapp bzw. unser Seil. Ein Einschlag hätte hier den sicheren Tod bedeutet. Natürlich haben wir Beide in dieser einen Stunde Todesängste durchgestanden. Weder ich (8 Jahre Kletter- und Bergsteig- Erfahrung) noch Juni Schmitz (über 30 Jahre Kletter- und Bergsteig- Erfahrung/ langjähriges DAV-Mitglied) hatten so etwas vorher je erlebt.

Als ich mich die letzte Seillänge zu Boden abgelassen hatte und am Wandfuß stand und Juni die letzte Seillänge gerade abseilte folgten - wie schon bei den Steinen zuvor - laute Fluggeräusche. Dieses Mal nur lauter als zuvor. Dann sahen wir dass zwei Base-Jumper vom Ringband der Nordwand der großen Zinne direkt (in direkter Falllinie) über uns einen Absprung machten. Nach ihrem Sprung war der Steinschlag schlagartig vorbei und es kehrte wieder Ruhe ein. Die Situation war eindeutig. Die beiden Base-Jumper mussten den Steinschlag ausgelöst habe. Die beiden italienischen Base-Jumper stellten wir wenig später auf dem Wanderweg zur Rede. Sichtlich unbeeindruckt von den Todesängsten die wir durchgestanden hatten und ihnen versuchten zu vermitteln, erzählten sie uns sie hätten den Sprung gebucht. Ein lokaler Anbieter hätte für sie die Absprungstelle „freigeräumt und vorbereitet“ und „die Security-Line“ installiert. Völlig fassungslos über die Fahrlässigkeit und die Rücksichtslosigkeit zogen wir uns resigniert zurück.

Ich möchte auch darauf aufmerksam machen, dass unterhalb der Nordwand der großen Zinne ein Wanderweg verläuft der von einigen der massenhaft zwischen den drei umliegenden Hütten pendelnden Wanderer und Touristen (die den Zinnen-Rundweg begehen) begangen wird. Dieser Wanderweg war - ebenso wie wir - dem Steinhagel ausgesetzt. Und es war alleine dem Zufall geschuldet dass dort unten niemand erschlagen wurde.

Diesen Brief schrieben wir in der Hoffnung in Zukunft andere Kletterer vor ähnlichen Vorfällen und einem tödlichen Unfall bewahren zu können. Es geht nicht darum einzelne anzuklagen sondern darum präventiv tätig zu werden. Ein solcher Anbieter für Base-Jumps an der großen Zinne Nordwand muss ja den Bergführern, dem DAV oder dem italienischen Alpinclub bekannt sein. Es müssen ja zum einen Ortskundige sein und zum anderen verkehren sie bestimmt auf den Hütten (Drei Zinnen, Lavaredo und Auronzo- Hütte) vor oder nach ihren Aktionen an den Zinnen.

Ich hoffe dass sich die Verantwortlichen angesprochen fühlen und aktiv werden. Über jede Art der Resonanz und Kooperation freuen wir uns selbstverständlich. Sollten sie die entsprechende Stelle kennen die aktiv werden kann zögern sie nicht diese Nachricht weiterzuleiten.

Toureninfo Hasse-Brandler: www.bergsteigen.com/klettern/trentino-suedtirol/dolomiten/hasse-brandler-grosse-zinne

Video: Es zeigt einen Basejumper an der Großen Zinne - die Kletterer in der Wand sieht man auch beim zweiten Jumper. 

Die Nordwände der Drei Zinnen
Einstieg in die Hasse/Brandler noch mit guter Motivation (26. Juli 2014)
Jens Liße im Nachstieg in der zweiten Seillänge ich mich im Nachstieg in der zweiten Seillänge (26. Juli 2014)
Noch am Vortag beim Rückzug (wegen schlechtem Wetter) vom dritten Standplatz zum zweiten Standplatz.
Blick auf die Zinnen vor dem Start
Am Vortag in der Hasse/Brandler beim Abseilen wegen schlechtem Wetter. Hier noch gut gelaunt.
Am 26. August 2014 - mein  Seilpartner Juni Schmitz am Standplatz Nr.1:
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