Winter und Sommerzeit - was eine Stunde alles ausmachen kann.
25 Juli 2018

Bergsteigen ohne Sommerzeit?

Die EU überlegt die Sommerzeit abzuschaffen, was das für Auswirkungen auf das Bergsteigen hat, haben wir kurz skizziert …

Die Sommerzeit wurde in Österreich 1979 eingeführt um Energie zu sparen. Der gewünschte Einsparungseffekt stellte sich zwar nicht ein, dafür haben sich durch die Zeitverschiebung um eine Stunde für viele Menschen große Vorteile bei der Freizeitgestaltung ergeben. Andere Menschen hingegen stören sich an der einen Stunde Zeitumstellung im Frühling und im Herbst.

EU plant Abschaffung der Sommerzeit: Im Februar 2018 hat das EU-Parlament daher die EU-Kommission aufgefordert, Forderungen nach einer Abschaffung der Zeitumstellung zu überprüfen. Vom 5. Juli bis 16. August 2018 läuft dafür eine Online-Umfrage der EU-Kommission unter 500 Millionen EU-Bürgern zur Beibehaltung oder Abschaffung der rund sieben Monate dauernden Zeitumstellung.

Vorteile der Sommerzeit: Das Team von Bergsteigen.com sieht insbesondere für Bergsteiger klare Vorteile in der Beibehalten der Sommerzeit. Neben des praktischen Nutzens des länger andauernden Tageslichts am Abend gibt es vor allem sicherheitsrelevante Vorteile. Wir wollen einige davon kurz aufzählen:

Lawinengefahr: Durch den Tagesgang steigt im Frühling die Lawinengefahr bei Skitouren mit der Tageserwärmung stark an. Wäre statt der Sommerzeit die Winterzeit gültig, würde die Lawinengefahr eine Stunde früher ansteigen. Man müsste eine Stunde früher aufstehen, um bei der Abfahrt herrlichen Firn statt tiefem Sulz genießen zu können und der im Tagesverlauf steigenden Gefahr durch Nassschneelawinen zuvor zu kommen.

Gewittergefahr: Durch die Tageserwärmung steigt im Sommer die Quellwolkenbildung und daraus folgend die Gewittergefahr im Tagesgang stark an. Wäre die Winterzeit gültig, würden die Gipfel eine Stunde früher in Quellwolken geraten und die Gewittergefahr entsprechend früher ansteigen. Wer am Gipfel gerne Sonnenschein genießt und trockenen Fußes das Tagesziel erreichen möchte, müsste eine Stunde früher aufbrechen.

Spaltensturzgefahr: Analog zur Gewittergefahr steigt auch die Spaltensturzgefahr bei sommerlichen Gletschertouren mit der Tageserwärmung steigt stark an. Wäre die Winterzeit gültig, würden die Schneebrücken eine Stunde früher ihre Tragfähigkeit verlieren und die Spaltensturzgefahr entsprechend früher ansteigen. Wer bei Gletschertouren das Risiko eines Spaltensturzes minimieren möchte, müsste ohne Sommerzeit eine Stunde früher aufbrechen.

Einsetzen der Dunkelheit: Bei Gültigkeit der Winterzeit würde es zwar eine Stunde früher hell werden, diese Stunde kann jedoch selten genutzt werden. Wer will schon so zeitig von der Hütte aufbrechen? Viel größer als der Vorteil durch den früheren Tagesbeginn wäre der Nachteil durch den früheren Einbruch der Dunkelheit. Insbesonderes im Herbst, wenn die Tage schon kurz sind, würde die Winterzeit mögliche Bergtouren um eine Stunde verkürzen. Frühere Dunkelheit bedeutet zusätzliches Risiko.

Winter und Sommerzeit - was eine Stunde alles ausmachen kann.
Der Sonnenaufgang auf einem Gipfel.
Der Blitz ist eine große Gefahr für Bergsteiger.
Gewitter bei den Drei Zinnen.
Bei zunehmender Tageserwärmung wird der Gletscher zum Problem - Spaltensturz am Taschachferner.
Feierabend-Klettern im Dunkeln?
Eine Nassschnee-Lawine am frühen Nachmittag.
Sonnenuntergang bei einer Skitour.

Einfach früher aufbrechen? Einfach als Ausgleich eine Stunde früher aufzubrechen funktioniert leider nur bedingt. Die Frühstückszeiten auf Hütten sind meist fixiert und die Fahrpläne der Seilbahnen und öffentlichen Verkehrsmittel würden bei einer Abschaffung der Sommerzeit wahrscheinlich nicht auf das frühere Tageslicht angepasst werden. Selbst wann man mit dem Auto zum Ausgangspunkt fährt oder ein Thermosfrühstück bestellt, ist eine Stunde früher aufstehen sicher nicht jedermanns Sache. Wer will für eine Besteigung des Matterhorns oder vergleichbarer Gipfel schon kurz nach 3:00 Uhr aufbrechen? Die meisten Bergsteiger würden bei Abschaffung der Sommerzeit ihre Aufbruchszeit wohl nicht anpassen und sich so den erhöhten Risiken aussetzen. Mehr Unfälle wären die vermeidbare Folge.

Bergtouren nach der Arbeit: Neben den genannten Risiken würde die Abschaffung der Sommerzeit Bergtouren oder Klettereien nach der Arbeit für viele Arbeitnehmer mit fixen Arbeitszeit unmöglich machen oder soweit verkürzen, dass sie keinen Sinn mehr machen. Auch die Anreise ins Tourengebiet und der Hüttenzustieg am Freitag nach der Arbeit wären bei früherer Dunkelheit vielleicht nur mehr mit Stirnlampe möglich.

Andere Freizeitaktivitäten: Aber auch andere Freizeitaktivitäten im Freien profitieren von der Gültigkeit der Sommerzeit: Abendliches Joggen im Park, der Freibadbesuch nach der Arbeit oder einfach der lange laue Sommerabend auf der Terrasse. All das würde bei Abschaffung der Sommerzeit um eine Stunde kürzer ausfallen oder gar unmöglich werden.

Appell für die Sommerzeit: Die Sommerzeit trägt also nicht nur zur Sicherheit beim immer beliebteren Bergsteigen und Wandern bei, sondern ermöglicht auch viele andere abendliche Freizeitaktivitäten im Freien. Sie sollte unbedingt erhalten bleiben. Wir appelieren daher an die Bergsteigerschaft, an der öffentlichen Konsultation zur Sommerzeitregelung teilzunehmen und für die Sommerzeit abzustimmen.

Link: Öffentliche EU-Konsultation zur Sommerzeitregelung



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