Damit ging ihre alpinistische und persönliche Reise auf den Spuren von Patrick Berhault durch eine sich wandelnde Alpenlandschaft zu Ende.
Ein Sprung ins Ligurische Meer am Strand von Albenga bildete den Schlusspunkt der „Grande Traversée des Alpes“, eines von den Bergführern Lorenzo D’Addario und Francesco Ratti konzipierten und verwirklichten Projekts. Die ethisch, technisch und menschlich anspruchsvolle Unternehmung folgte der historischen Alpenüberquerung von Patrick Berhault, der zwischen Herbst 2000 und Frühjahr 2001 die bekanntesten Wände und Gebirgsgruppen der Alpen miteinander verband. D’Addario und Ratti folgten diesem Weg ohne motorisierte Fahrzeuge und verließen sich ausschließlich auf ihre Beine und die Pedale ihrer Fahrräder.
Das Abenteuer begann am Montag, dem 24. August, mit der Begehung der Nordwand des Triglav, eines markanten Gipfels in den Julischen Alpen Sloweniens. Die anspruchsvolle und fordernde Klettertour kombinierte den unteren Abschnitt der historischen Helba-Route mit dem Gipfelausstieg über die Skalaska-Route. Dieser erste Schritt über die Grenze markierte den Auftakt einer 61-tägigen Reise, auf der das Team 23 Kletterrouten von hohem historischem und technischem Wert miteinander verband. Dabei legten die beiden 2.400 Kilometer mit dem Fahrrad zurück, kletterten 18.000 Höhenmeter in Felswänden und sammelten insgesamt 53.000 Höhenmeter im Aufstieg – 28.000 zu Fuß und 25.000 mit dem Fahrrad.
Von den Dolomiten zum Mont Blanc und schließlich ins Ligurische Meer
Von Slowenien führte die Reise durch die Dolomiten. Dort kletterten die beiden gemeinsam mit Bergführer Daniele Geremia die Nordwand der Großen Zinne, anschließend folgten Marmolada und Civetta. In den Brentadolomiten reihten sie Crozzon di Brenta und Cima Tosa aneinander.
In den Zentralalpen bewältigten sie innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Tagen Pizzo Badile, Cengalo und Qualido. Anschließend nutzten sie ein günstiges Wetterfenster in den Berner und Walliser Alpen, um die Eiger-Nordwand zu durchsteigen. Weiter westlich kamen die Ostwand der Grandes Jorasses und der Rote Pfeiler des Brouillard am Mont Blanc hinzu. Den Gipfel erreichten sie dort gemeinsam mit Bergführer Alessandro Baù. Danach folgte die Liongrat-Route am Matterhorn.
Dann machte sich der Herbst bemerkbar: Ein Sturm brachte oberhalb von 3.000 Metern mehr als 50 Zentimeter Neuschnee. Das zwang das Team zu einer Pause, bis sich die Schneedecke stabilisiert hatte. Anschließend setzten die beiden ihren Weg zum Ziel fort.
Die Traverse führte nun wieder nach Süden. Auf dem Programm standen die Tête d’Aval, die gemeinsam mit Ines Leynaud gekletterte La Meije im Écrins-Massiv und der Ostgrat des Monviso. In den Seealpen bewältigten sie zwei Routen am Corno Stella. Schließlich kletterten sie noch die Rocca dei Campanili am Mongioie, bevor sie die letzten Kilometer mit dem Fahrrad in Richtung ligurische Küste zurücklegten.
Die spirituelle Dimension und der Wert der Reise: Die Protagonisten berichten
In den Worten von Lorenzo D’Addario wird die zentrale Idee des Projekts deutlich:
„Diese Traverse hat meine Vorstellungskraft und meine Träume sehr lange begleitet. Sie zu erleben und zu vollenden, bedeutet vor allem zu erfahren, was entstehen kann, wenn Gedanken und Handeln im Einklang miteinander stehen: etwas Unglaubliches an Schönheit, Entdeckungen, Glück und Klettererlebnissen.
Dabei denke ich an die Worte von Patrick Berhault, der schrieb: ‚Ich wurde oft nach der unglaublichen Schwierigkeit eines solchen Abenteuers gefragt. Die Schwierigkeit eines Vorhabens bemisst sich nicht an den Hindernissen, auf die man stößt. Sie hängt in erster Linie von der Stärke unserer Motivation ab. Unglaublich ist nicht die Schwierigkeit selbst, sondern vielmehr das Glück, einen so intensiven Wunsch gehabt zu haben, sich dieser Herausforderung zu stellen.‘
Genau darum geht es bei dieser Traverse. Um die Energie, die in uns zirkuliert und alles positiv werden lassen kann. Die Umgebung ist für Menschen, die die ‚Wissenschaft des Waldes‘ lieben, von einer unvergleichlichen Schönheit. Sie vermittelt uns ein Gefühl dafür, was unsere Anwesenheit auf dieser Welt bedeutet. Es ist eine vollkommene Symbiose zwischen Mensch und Natur, in der wir tatsächlich nur einen kleinen Teil dieser unglaublichen Welt darstellen.“
Auch Francesco Ratti unterstrich den besonderen Wert der Unternehmung. Obwohl die beiden in den Alpen quasi vor der eigenen Haustür unterwegs waren, konnten sie unbekannte Orte entdecken und überraschende Erfahrungen sammeln:
„Diese Traverse ermöglichte uns ein großes Abenteuer entlang des gesamten Alpenbogens. Obwohl wir uns in unserem eigenen Hinterhof bewegten, entdeckten wir Orte, die wir noch nicht kannten, und erlebten eine solche Vielfalt an Landschaften und Geländeformen, dass sich die Unternehmung ohne Weiteres mit jeder außereuropäischen Expedition messen kann.
Mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, verlieh dieser Reise für mich eine völlig neue Dimension. Es waren zwei unglaublich intensive Monate, die sich nicht einfach in wenigen Worten zusammenfassen lassen.“
Die Grande Traversée des Alpes in Zahlen
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Dauer: 61 Tage
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Gekletterte Routen: 23
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Mit dem Fahrrad zurückgelegte Strecke: 2.400 km
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Kletterhöhenmeter in den Wänden: 18.000 m
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Aufstieg zu Fuß: 28.000 Höhenmeter
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Aufstieg mit dem Fahrrad: 25.000 Höhenmeter
Die 23 Klettertouren
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Triglav – Nordwand (Helba-Route mit Ausstieg über die Skalaska-Route)
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Piccolo Mangart – Südwestwand (Drill-Route)
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Große Zinne – Nordwand (ISO 2000 mit Ausstieg über die Comici-Route)
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Zweiter Sellaturm – Nordwand (Messner-Route)
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Marmolada – Südwand (Tempi Moderni)
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Punta Civetta – Nordwestwand (Chimera Verticale)
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Crozzon di Brenta – Ostwand (Super Maria)
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Cima Tosa – Überschreitung vom Crozzon di Brenta
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Pizzo Badile – Nordostwand (Cassin-Route)
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Pizzo Cengalo – Südwestgrat (Vinci-Grat)
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Monte Qualido – Ostwand (Artemisia)
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Eiger – Nordwand (Le Chant du Cygne)
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Grandes Jorasses – Ostwand (Gervasutti-Route)
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Punta Innominata – Ostgrat und Aufstieg zu den Eccles-Biwakplätzen
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Roter Pfeiler des Brouillard / Mont Blanc – Bonatti-Route mit Fortsetzung über den Brouillard-Grat zum Gipfel
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Matterhorn – Liongrat mit der Variante Arête du Coq
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Tête d’Aval – Südwand (Ranxerox mit Ausstieg auf den Gipfelgrat)
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La Meije – Südwestwand (Nous Partirons dans L’Ivresse mit Fortsetzung zum Gipfel über die Arête du Promontoire)
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Corno Stella – Nordwand (Diedro Rosso)
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Corno Stella – Südwand (Ritorno al Futuro)
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Monviso – Ostgrat
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Rocca dei Campanili / Mongioie – Südwand (Ciri)
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Rocca dei Campanili / Mongioie – Südwand (Inseguendo la Balena Bianca)

Meije (c) L. D'Addario - F. Ratti / A. Beltrame - A. Valenti (agbvideo.com)


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