Stellenweise völlig zugerastert - die Peilsteinwände
02 Februar 2007

Die Über-Drüber-Sanier

Sanierte oder neue Kletterrouten werden mit überdurchschnittlich vielen Bohrhaken aufgerüstet, und das ohne Rücksprache mit den Erstbeghern bzw. Erstsanierern....

Die Vorgeschichte

So wie überall in Mitteleuropa boomt auch in Ostösterreich das Sportklettern mit hohem Sicherheits- /Absicherungsbedürfnis. Diesem Trend folgend wurde vor ca. vier Jahren eines der traditionellsten Wiener Klettergebiete, der Peilstein (im wesentlichen) von Ewald Gauster in über 1000 ehrenamtlichen Stunden “saniert“ (Anm.: Unter dem Begriff Sanieren versteht man das Austauschen von veraltetem und gefährlichen Hakenmaterial). Neben dem echten Sanieren wurden teilweise auch Routenverläufe geändert, um in den so geschaffenen Zwischenräumen neue Routen zu errichten oder den vorhandenen Fels besser auszunutzen. Mehrfach wurden Routen aber auch so exzessiv übersichert, dass man an manchen Stellen gleich drei Bohrhaken auf einmal einhängen kann.

Nachdem das Projekt Peilstein "erfolgreich" abgeschlossen war, wurde von der die Sanierung durchführenden AV-Sektion ein 3-D Führer mit Ewald Gauster als Autor in Auftrag gegeben. Die Besucherzahl des Peilsteins hat sich deutlich erhöht und der Sanier multipliziert sein Wissen in Einbohrkursen.

Neuer Brennpunkt – Hohe Wand

Auf der mit bis zu 200 m Wandhöhe Hohen Wand bei Wr. Neustadt gibt es einen bunten Mix von Klettermöglichkeiten, von der alten Technotour bis zum Hardcore Klettergarten Hochkogel ist dort für alle etwas zu haben.

Die klassischen Anstiege, wie Draschgrat und Tirolersteig wurden vor einigen Jahren maßvoll saniert und es kamen einige interessante Neutouren in allen Schwierigkeitsgraden dazu.

Bis jetzt herrschte dort ein ungetrübtes Klettervergnügen und es gibt durch den sich in Grenzen haltenden Zustrom keine Probleme mit den Grundeigentümern.

Vor wenigen Wochen erreichte uns ein offener Brief von Kurt Bender, der sich durch das jüngste Eröffnen von sehr schönen Routen im mittleren Schwierigkeitsgrad auf der Hohen Wand einen Namen gemacht hat, mit folgendem Inhalt:

Die “Überdrübersanierer“

In letzter Zeit hat sich eine Unart breitgemacht, die hier näher betrachtet werden soll. Es geht um neue oder sanierte Kletterrouten, die von anonymen "Geistern" noch einmal "saniert" werden. In erster Linie ist die Hohe Wand davon betroffen. Wie bekannt wurde, sind einige Steige so unnötigerweise "verbessert" worden.

Ein aktueller Fall ist der ÖAK – Jubiläumssteig. Der überaus reichlich und gut gesicherte Steig wurde bewusst alpin, auch mit einigen Normalhaken ausgestattet. Die "neuen Sanierer" fanden trotzdem noch Platz für fünf weitere Bohrhaken. Allerdings wurden alle Normalhaken, so sie heraus gingen, entfernt. Auch alle Sanduhrschlingen waren ihnen ein Dorn im Auge. Sie liegen alle abgeschnitten im Gelände.

Neben den Haken, die sie nicht entfernen konnten, setzten sie trotzdem Bohrhaken, ungeachtet der damit verbundenen Verschandelung. Der Steig wurde ursprünglich so gestaltet, dass die Schlüsselstellen A0 geklettert werden konnten. Die vielen Begehungen zeigten die Richtigkeit dieser Maßnahme.

Auch damit ist es nun vorbei. Die A0-Hilfen wurden ebenfalls beseitigt. Die Stellen müssen nun zwingend geklettert werden, obwohl in den Führern und Topos hingewiesen wird, dass die Tour auch A0 gemacht werden kann. Grundsätzlich (und das ist ein ungeschriebenes Gesetz) sollte nur mit Rücksprache mit den Erstbegehern ein Steig verändert werden, aber anscheinend sind diese Regeln nicht mehr gültig.

Die Hohe Wand ist für die meisten von uns mehr als nur eine Kletterwand und sollte daher besonders geschützt werden. Oder wollen wir einen zweiten Peilstein?

K.B

Anm.: Es ist dzt. nicht bekannt, wer den ÖAK-Jubiläumsweg saniert hat. Laut Locals soll es einer der Schüler des Sanieres gewesen sein. Der Sanier des Peilsteins ist aber auch bereits mit seiner Bohrmaschine auf der Hohen Wand gesichtet worden.

Die Entfernten Schlingen im ÖAK-Jubläumsweg wurden von den Erbegehern wieder angebracht, womit die Tour wieder A0 möglich ist.

Guter Stil

Die Erstbegehung einer Route ist wie die Erstbesteigung eines Berges ein kreativer

Akt. Gemäß der vom der von ÖAV und DAV 2002 verabschiedeten Tirol Dekleration sollen wir bestrebt sein "den ursprünglichen Charakter aller Kletterführen zu erhalten, vor allem

jener mit historischer Bedeutung. Dies heißt, dass Kletterer darauf verzichten sollten, die

Zahl der fixen Sicherungen in einer Route zu erhöhen."

Mehr dazu in der Tirol Dekleration

Offene Fragen

Der bisher geschilderte Tatbestand wirft folgende Fragen auf:

1) Weiß jemand, wer hinter den "Sanierungen" auf der Hohen Wand steckt?

2) Ist es in Ordnung, ohne Rücksprache mit den Erstbegehern Routenverlauf und Absicherungs-standard nachträglich zu verändern?

3) Ist es Aufgabe des Alpenvereins eine Übererschließung der Klettergärten aktiv zu fördern (durch die Bereitstellung von Bohrhaken)?

4) Ist es in Anbetracht der jüngsten OGH Entscheidung zum Thema Wegfreiheit, die sich klar gegen das mit dem Grundeigentümer unabgestimmte Einrichten von Klettergärten richtet, klug, klassische Gebiete durch eine Übersanierung einem Ansturm von Kletterern auszusetzen?

5) Ist es sinnvoll, die aus Haftungsgründen extrem hohen Sicherheitsstandards der Kletterhallen in die Klettergärten zu bringen?

Es wird in den nächsten Wochen ein internes Gespräch zwischen Erstbegehern und Sanieren geben, bei dem die weitere Vorgangsweise festgelegt werden soll. Das für den 15.2. geplante öffentliche Gespräch findet vorerst nicht statt.

Stellenweise völlig zugerastert - die Peilsteinwände
Nahezu risikofreies Klettern, wie in der Kletterhalle ist natürlich auch für Kurse besser.
Die Ostwand des Thalhofer- Grates wurde bereits 'nachsaniert' und es sind schon viele neue Routen entstanden. Diese 'Nachsanierung' läßt sich der AV 5.000,- kosten.
Ort des aktuellen Konfliktes - die Hohe Wand?
Bereits vor der 'Sanierung' mehr als ausreichend gesichert - der ÖAK Jubiläumsweg
Die Schlüsselstelle der Tour - war (für einige Zeit) nach der 'Sanierung' nicht mehr A0 möglich.
Wollen wir diesen Hakenraster auch in den Klettergärten?
Die nächsten Schritte?
Über das „unbedingt vorhanden sein müssen“ von Bohrhaken an den Einstiegen (vor allem, wenn daneben ein Baum steht) lässt sich sicher auch diskutieren…


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