TEHUELCHE © Urban Azman/Boris Lorencic
18 Mai 2009

FITZ ROY – TEHUELCHE

Den slowenischen Bergführern Urban Azman und Boris Lorencic gelingt die zweite Begehung der schwierigen Fitz Roy Route….

Die erste Begehung der Tehuelche gelang 1996 dem Garibotti and Byerly Team, davor wurde die Tour bereits von Italienern unter Marco Sterni mit Fixseilen versucht, wobei sie 100 m unter dem Gipfel aufgeben mussten. Die Italiener nannten die Tour „Tehuelche“ nach dem Tehuelche Indianern, den Ureinwohnern Patagoniens.

Urban und Boris wurden erstmals 2006, als sie gerade die 3. Begehung der Slowakenroute am Fitz Roy machten, auf die Tour aufmerksam und beschlossen, trotz des schrecklichen Patagonienwetters, sich mit der steileren und höheren Nordwand zu messen – der Tehuelche Route.

El Chalten –10. Januar 2009

Als der Wetterbericht für die nächsten zwei Tage gute Bedingungen versprach, verließen wir den Komfort von El Chalten – dem argentinischen Chamonix – in Richtung Del Cuadrado Sattel, wo wir unser Camp aufschlugen.

Wir stiegen um 7 Uhr in die Tour ein und kletterten langsam über gut vereiste und vom Schnee zugedeckte Risse in 8 Std. zum „Grand Hotel“, einem großen Band am Ende des ersten Wanddrittels.

Nach einer Pause machten wir uns an den 50 m langen senkrechten Off-width-Riss der „Diedro de Marco“ – der Schlüssellänge der gesamten Tour. Urban führte die Länge und verstärkte sein kunstvolles Hinaufrobben mit einigen Kraftausdrücken und nur einem einzigen Camelot 6 als Sicherung. Die Länge laugte uns schließlich so aus, dass die nächsten reifvereisten, weniger schwierigen Seillängen sehr ernst wurden.

Um 14 Uhr hatten wir 5 Seillängen (rd. 300 m) hinter uns und waren fertig. Wir rasteten vier Stunden bis zum Einbruch der Dämmerung und schliefen die Nacht durch. Die Nacht gab uns Kraft, war aber extrem unkomfortabel. Urban kauerte auf einem fußbreiten Band und ich hing in meinem Gurt. Die Wahrnehmung unserer Körper reduzierte sich auf ein kaum aufgetautes Kribbeln in der Hüfte und schwachen Krämpfen in den Füßen.

Zweiter Tag

Bei Sonnenaufgang um 6 Uhr kletterten wir weiter, erlöst durch die Bewegungen nach der schmerzhaften Nacht. Wie unten waren die Risse voll mit Eis und die Bänder waren voll mit Reif, was uns zum technischen Klettern (A2) zwang, sobald es schwerer als 6a wurde. Als die Sonne aufstieg saußten ständig riesige Eisschollen an uns vorbei in die Tiefe. Das technische Klettern machte uns langsam und ließ die Furcht vor einem Wetterumschwung mit den von uns gefürchteten patagonischen Eisstürmen in uns aufkommen. Zu evident war die Erinnerung an die Patagonischen Sturmtage in unseren Köpfen.

Doch das Wetter hielt und 10 Stunden später wurde die Kletterei leichter und wir konnten sogar einige vertrauenspendende Sicherungen legen und hatten komfortable Standplätze. Der Genuss dauerte nicht lange bis zu den fünf letzten schwierigen Seillängen. Wie gewohnt waren die Risse und Bänder vereist und wir konnten kaum sichern. Als ich in der ersten Länge die rettende Leiste erreichte, brach sie und ich machte einen 10 Meter Sturz, die Leiste noch immer in meiner Hand.

Eiswand

Die letzte der fünf schweren Längen kletterten wir bereits wieder bei Dunkelheit und erwarteten dann noch leichtes Gelände zum Gipfel. Plötzlich standen wir jedoch vor einer großen senkrechten Eiswand. Ohne Eisgeräte für uns ein unüberwindbares Problem. Als wir in der Dunkelheit nach alternativen Wegen suchten, stolperten wir wie durch ein Wunder plötzlich über einen Luftschacht in der Wand, der uns zu leichterem Eis hinauf führte. Das Gelände war zwar leichter, aber weit schwieriger als in der Routenbeschreibung und als wir das um 2 Uhr Nachts gerne hätten.

Eine Stunde später standen wir auf dem Gipfel – nach 34 Seillängen. Nach einer kurzen Fotopause begannen wir bei leichtem Schneefall mit dem langen Abstieg. Eine achtstündige Abseilfahrt führte hinab in die Sicherheit des Gletschers. Ein verhängtes Seil mussten wir zurücklassen. Am späten morgen erreichten wir unser Zelt und noch am gleichen Abend El Chalten, wo wir in unserem Hostel die Besteigung ausgiebig feierten.

El Chalten

Wir blieben in El Chalten und genossen das Essen und die umliegenden Boulderblöcke bis sich zwei Tage vor unserem Rückflug noch ein Schönwetterfenster auftat. Wir nutzten es um die Fonrouge – Comesana Route an der Ag. Guillaumet zu klettern.

El Charlten ist eine großartige Lokation mit unendlichen Möglichkeiten für den Alpinist, wobei er topfit sein muss. Es ist kein Platz für untertrainierte Halbtageskletterer.

Kurz vor unserer Abreise verletzte sich noch ein Columbianer über dem Norweger Biwak, unter dem Torre de la Media Luna. Es wurde ein Rettungsteam zusammengestellt, wobei sich leider von den rd. 100 anwesenden Kletterern nur 10 Freiwillige fanden. Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, all jene anzusprechen, die glauben, sie sind selbstständig und unabhängig in den Bergen. Sie sind es nicht und wir sind es auch nicht! Das zeigt sich gerade wenn ein Unfall passiert. Insbesondere wenn der Unfall in schwierigem Terrain passiert und es in der Gegend keine organisierte Bergrettung gibt, sind wir alle aufeinander angewiesen. In diesem Moment verlieren die schönsten Projekte ihre Bedeutung und es zählt nur die Zahl der Hände, die dem Verletzten helfen. Arroganz und Gleichgültigkeit sind hier völlig fehl am Platz, denn schon bald kommt der Tag an dem man selbst auf die Hilfe von einem Fremden angewiesen ist, damit man am nächsten Tag klettern kann oder am Leben ist. Denkt darüber nach!

Viel Glück

Boris

Text: Boris Lorencic Fotos: Urban Azman und Boris Lorencic

Routeninfo:

Fitz Roy, 3375 m, Nordwand

Tehuelche, 1300 m, 6b + / A2, 44H

2. Begehung durch Urban Ažman and Boris Lorencic vom

12. - 13.01.2009

Aguja Guillaumet, 2579 m, Nordwestgipfel

Fonrouge – Comesana, 600m, 5 + / A1, 4 H

31.01.2009 Urban Ažman and Boris Lorencic

Webtipp:Slovenian mountaineering school

TEHUELCHE © Urban Azman/Boris Lorencic
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