Thomas in der Verschneidung der 22. Seillänge
31 Januar 2012

Herzschlag der Leidenschaft

Den Brüdern Andreas und Thomas Nothdurfter gelingt die erste Durchsteigung der zentralen Südwand am Sonnjoch im Karwendel ...

In den Jahren 2011 und 2012 wurden nach 16maligen Einsteigen 32 Seillängen von unten eingerichtet. Die Seillängen wurden zum größten Teil mit Bohrhaken und wenigen Normalhaken ausgerüstet.

Abenteuerlich gestalteten sich die Abseilmanöver an der Hauptwand; hier wird ein von rechts nach links verlaufendes Band zum Höhersteigen benutzt. Über diese Rampe wurde mit 800 hm Luft unterm Hinter immer freihängend bis zum Vorbau abgeseilt. Die Seillängen sind größtenteils 50 Meter, so ergibt sich die beeindruckende Gesamtkletterlänge von 1.700 Metern bei einer Wandhöhe von 1.100 Metern.

Spannend gestaltete sich die Erkundung des Weiterweges aus den Zustiegsrinnen in die Hauptwand. Nach der 14. Seillänge brachte uns die 15. In überraschend gutem Fels in der Schwierigkeit 6 zum Schlüssel in die Hauptwand. Der Horizontale Quergang (Schlüssel) blieb uns bei der Erstbegehung sehr stark in Erinnerung. Hier wurde mit erhöhtem Herzschlag und viel viel Luft unter den Sohlen der Weiterweg gefunden.

Eine logische Linie gab uns das Vorankommen vor, ebenso orientierten wir uns an immer guter Felsqualität. Hier wurden vorhandene lockere Gesteinsbrocken aus der Tour geräumt, welche nach zig hunderten Metern zerschellten.

Nach der 19. Seillänge wurde für das Jahr 2010 die Winterpause eingeläutet. Der Weiterweg war ungewiss, da man wegen der enormen Steilheit nicht in die Wand einsehen konnt. Jedoch erfreuten wir uns an jeder abgerungenen Seillänge besonderer Freude und es machte uns nicht´s aus, dass die Akkus an der Bohrmaschine leer waren und wir die wiederholte Fahrt nach unten antreten mussten. Blutige Hände, Staubige Gesichter, zerrissene Hosen waren stolzes Zeugnis für das Vorrankommen in unserer Wand.

Ein Schneearmer Frühling des heurigen Jahres ermöglichte uns eine frühe Wiederkehr in die große Ungewissheit. Schwere Rucksäcke aber volle Motivation und Leidenschaft trieben uns an hier das Werk fortzusetzen.

Große Schwierigkeiten empfingen uns in den weiteren Seillängen. Unangenehme Standplätze ließen die Sehnsucht nach an einem Ausstieg aus der Hauptwand aufkommen. Hier wurde die Arbeit mit wunderbar festem Fels und abwechslungsreicher Kletterei belohnt. Es kam wahre Freude auf, mit der Aussicht eines Endgültigen Durchstieges.

Jedoch mussten wir zum nun wiederholtem male die unendliche Abseilfahrt in ausgesetztesten Terrain ertragen. Müde und Wortlos erfreuten wir uns eines Abendessens mit familiärer Atmosphäre im Alpengasthof Gramai.

Am 28. August war die Spannung sehr groß. Würden die Akkus für Bohrmaschine und Anzahl der mitgebrachten Normalhaken reichen? Löst sich die Tour bis zum Gipfel auf? Hielten die Nerven? Es gab nur einen Weg dies herauszufinden - einsteigen. So wurden wir mit der Tatsache belohnt, dass es sich bis auf den letzten Haken ausgegangen ist; ein letzter perfekt sitzender Normalhaken und ein solider Stand markierten das Ende der Kletterschwierigkeiten. Hier wurde nachträglich auch das Wandbuch montiert.

Die erste Gesamtdurchsteigung gelang uns am 13. September 2011. Beide erfreuten sich an all den markanten Stellen und waren mit deren Arbeit höchst zufrieden. Als Brüder und Seilpartner schweißte uns diese Tour noch mehr zusammen und logisch war der Name zur Tour: Herzschlag der Leidenschaft!

Andreas freute es ganz besonders, dass seine Idee nach langer Beobachtungsphase nun realisiert wurde. Der kurze Zustieg zur Gewalttour sucht Seinesgleichen.

Sponsoren:

Thomas Nothdurfter

Ortovox

Andreas Nothdurfter

Salewa

Dynafit

Julbo

Thomas in der Verschneidung der 22. Seillänge
Andreas in der 21. Seillänge
Schlüsselquergang in die Hauptwand - in der 16. Seillänge
Thomas am Ende der Schlusswand (32. Seillänge)
Andreas am Stand; am Ende der 25. Seillänge
Tiefblick zur Gramaialm
Andreas richtet die Piaz-Seillänge (SL. 27) ein.
Die Brüder Thomas & Andreas Nothdurfter
Übersicht der Linie in der Sonnjoch Südwand


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