Göll Westwand mit großem Trichter © Hans Hornberger
24 Januar 2010

Highline über den Großen Trichter der Göll Westwand

Hans Hornberger und Raffael Thomele spannen eine atemberaubende Highline über den Großen Trichter der Göll Westwand in Berchtesgaden. 33 Meter lang und 350 Meter hoch.

 

+ Trailer!

Schon vor zwei Jahren als Hans Hornberger und seine Freunde sich auf der Highline an der Schlafenden Hexe und kurze Zeit darauf am Totem Pole in Australien vergnügten, stand das nächste Projekt in Berchtesgaden für sie schon fest.

Bereits während seiner Schulzeit am Obersalzberg, hatte Hans freie Sicht auf die Westwand des Hohen Göll. Dort öffnet sich - 350 Meter über dem Scharitzkehltal - inmitten der mächtigen Wand der sogenannte „Große Trichter“. Ein perfekter Ort für eine Highline. Ausgesetzt, anspruchsvoll und spektakulär.

Neue Dimensionen

Schon beim Anblick der Wand war klar, dass dies ein ganz besonderes Projekt werden würde. Eine Herausforderung, die nur mit viel Motivation und enorm großem Aufwand realisierbar sei.

Die zuvor gemachten Lines waren nicht länger als 27 und nicht höher als 65 Meter. So eröffnete diese Highline mit einer Länge von 33 Metern und einer Höhe von 350 Metern eine ganz neue Dimension an Ausgesetztheit. Beide Punkte, von wo aus sie die Line spannen wollten, liegen in den senkrechten Wänden des Großen Trichters. Allein um an die Stellen zu gelangen, wurden 300 Meter Statikseil benötigt. Glücklicherweise konnten sie Petzl als Sponsor gewinnen, der sie bei diesem Projekt mit Statikseilen und weiterem Material unterstützte.

Das Setzen aller notwendigen Sicherungen beanspruchte vier Tage am Berg. Da der vergangene Sommer von Anfang an kein gutes Wetter versprach, verbrachten sie drei Tage im strömenden Regen um das Material über die „Alte Westwand“ (4, 10SL) nach oben auf das sogenannte „Trichterwiesl“ zu transportieren. Die Kletterei in der „Alten Westwand“ ist eine Mischung aus Platten und Wasserrillen, in denen sich das Wasser zu Sturzbächen sammelte.

„Das Klettern bei so widrigen Bedingungen war ebenfalls eine neue Erfahrung für uns. Wir waren immer wieder über die doch sehr gute Griffigkeit trotz dieser Nässe verwundert.“

Ende August war es so weit. Es hörte auf zu regnen und wir hofften wenigstens für die Durchführung auf stabileres und besseres Wetter. Früh morgens stiegen Raffael Thomele, Christian Kern und Hans Hornberger am 18. August bei strahlend blauem Himmel in die Wand ein. 2 Stunden später standen die drei am Trichterwiesl und begannen, das Netz von Statikseilen zu verlegen, um an die Fixpunkte der Highline zu gelangen.

„Schaffen wir es wirklich, mit einer Steinschleuder und einer dünnen Schnur die beiden Seiten zu verbinden?“

Die Frage, wie wir es schaffen die Line von einer auf die andere Seite zu bringen, bereitete uns von Anfang an Kopfschmerzen. Die Idee mit einer Armbrust über den Trichter zu schießen ließen wir schnell wieder fallen. Wir befürchteten uns gegenseitig zu treffen. Im großen Trichter herrschen oft starke Auf- und Abwinde. Daher ist es sehr schwierig einen gezielten Schuss zu machen.

So entschieden wir uns, es mit einer Steinschleuder und einem leichten Gewicht mit einem dünnen Faden daran zu versuchen. So könnten wir mit dem dünneren Faden eine dickere Schnur und schließlich die Line hinüber ziehen. In der Theorie klang das recht gut für uns.

In der Praxis ließ sich unser Plan nicht ganz so leicht umsetzen. Bereits beim ersten Schuss verwickelte sich der Faden zu einem riesen Wollknäuel.

Nach einer weiteren Stunde und unzähligen Versuchen schafften wir es die 33 Meter entfernten Fixpunkte der Line zu verbinden. Da wir ein gut eingespieltes Team sind und die Aufgaben klar verteilt sind, waren wir mit dem Aufbau nach kurzer Zeit fertig und saßen am frühen Abend mit Weißbier und Teufelstoast an der Scharitzkehlalm und genossen die Aussicht auf die Wand und die gespannte Line über dem Großen Trichter.

Ein Hochdruckgebiet versprach uns für die kommenden Tage gutes, stabiles und windarmes Wetter. Mit Verpflegung für mehrere Tage richteten wir unser Basislager am wunderschönen Trichterwiesl ein und versuchten uns vier Tage auf dieser einzigartigen Line.

Über dieses und andere Projekte in Berchtesgaden und Tasmanien/Australien berichtet Hans Hornberger in seinem Vortrag „Balance“ am 29. Januar beim Basecamp-Festival in Bad Reichenhall.

Unterstützt wurden wir bei diesem Projekt von Petzl.

Vielen Dank an Christoph Krah.

Webtipp:

www.hans-hornberger.com

Trailer: BALANCE Trailer Version 2.0 - 1:47

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Göll Westwand mit großem Trichter © Hans Hornberger
Hans Hornberger beim Aufbau der Highline © Hans Hornberger
Sonnenuntergang am Trichterwiesl © Hans Hornberger
Raffael Thomele auf der Line © Hans Hornberger
Hans Hornberger auf der Line © Hans Hornberger
Raffael Thomele auf der Line © Martin Hornberger
Hans Hornberger auf der Line © Martin Hornberger
Hans und Raffael genießen die Aussicht © Martin Hornberger
Scharitzkelhtal mit Blick auf Göll Westwand © Hans Hornberger


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