druide stones © gerhard schaar
07 November 2005

Howdy cowboy! Willkommen in Bishop!

Hier in Bishop dreht sich fast alles nur um das Bouldern. Kein Wunder also, dass Gerhard Schaar bald wieder das Boulderfeeling in seinem Körper spürte. Hier sein Bericht...

Als dieser riesige Kerl auf dem Supermarkt Parkplatz auf mich zuschreitet, weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Es platzt aber dann doch ein lautes, leicht eingeschüchtert klingendes „Hy“ heraus, dass der schnauzbärtige Sporenträger nur mit einem „Howdy cowboy!“ erwidert. Auf der Stelle wird mir klar, dass ich nicht nur ein neues Klettergebiet, sondern auch eine neue Kulturzone im Westen der USA erreicht habe. Ich grinse in mich hinein und denke: Die Sierra Nevada muss wohl so etwas ähnliches wie der „Weißwurstäquator“ in Deutschland sein muss. Ist man da mal drüber, läuft alles ganz einfach etwas anders.

Und das gilt auch insbesondere für das Klettern. Geht es im Yosemite um die großen Felsen, dreht sich hier in Bishop sich fast alles nur rund ums Bouldern. Kein Wunder auch, gibt es in einem Umkreis von wenigen Meilen doch gleich drei super Gebiete, in denen man sich austoben kann. Da wären erstens einmal die Tuff Boulder nördlich der Stadt, die „Sad“ und „Happy Boulders“. Weiter im Süden von Bishop gibt es die Granitgebiete „Druide Stones“, und im Nordwesten die „Buttermilk“ und „Peabody Boulders“.

Happy Boulders - mani mo – where did all the power go?

Nach 3 Monaten Alpinklettern zuhause, und einem Monat im Yosemite erwartete ich mir bei meinem Besuch im ersten Bouldergebiet um Bishop keine Wunder. Daher sieht der taktische Plan auch so aus, dass ich mit meinen Freunden Rok und Nastja zu den „Happy Boulders“ gehe. Denn mir wurde dass Gebiet als „großgriffig“ beschrieben, mit vielen leichten, aber schönen Problemen. Als wir vom Parkplatz in das kleine Tälchen wandern, sehen wir die unzähligen Tuff Blöcke herumliegen und bekommen einen Eindruck davon, wie viele Probleme es hier wohl gibt. Obwohl es bereits Oktober ist, liegt eine ziemliche Hitze in der kleinen Senke, in der sich die Boulder befinden, und wir suchen uns ein schattiges Plätzchen im „Lower Canyon“. Wir wärmen am „Slowdance Cave Boulder“ auf, und wandern dann schön langsam weiter zur „Central Area“. Es wurde uns wirklich nichts falsches erzählt. Viele Probleme sind ideal um wieder ins Bouldern hineinzukommen, schöne moves, gute Griffe und gute Landeplätze.

Ich bin aber nach zwei Stunden bereits so erledigt, dass ich mich verzweifelt frage, wo meine ganze Kraft, von der ich ja noch soviel im Frühjahr hatte, denn hin ist. Mani mo – where did all the power go? So wird V2 bereits eine mittlere Herausforderung, und V4 läßt sich erst nach intensivem Probieren knacken. Irgendwann kommt dann so etwas wie ein Boulderfeeling wieder in meinen Körper zurück, und ich schaue in V6 oder V7 gar nicht so schlecht aus. Knacken kann ich keines der schwereren Probleme.

Dennoch bin ich angetan von den Kanten (wie z.B.“beam me up Scottie“ V2 am Solarium Boulder), den löcherübersäten Blöcken ( z.B. „My heart grew wings under a desert sky“ V4) oder den riesigen Huecos (z.B. fast alle Probleme am „Happy Boulder“). Besonders fasziniert hat mich der „Window Boulder“, wo man durch ein Fenster im Fels bouldern kann. Ja, da macht Bouldern wirklich Spass, auch wenn es seit Monaten wieder dass erste Mal ist, dass ich mit meiner Bouldermatte unterwegs bin. Gegen Abend kommt dann ein kühler Wind auf, und es wird etwas angenehmer. Wir merken deutlich, dass die beste Zeit zum Bouldern in Bishop wohl erst im November anfängt.

Ohh, I think WE lost the car keys!

Am nächsten Morgen habe ich dann einen furchtbaren Alptraum. Ich träume, dass mir jemand Laktat in meine Unterarme gespritzt hat, und diese sich in ungeahnter Qualität gepumpt und leer anfühlen. Leider stelle ich dann fest, dass der Alptraum nur die bittere Realität ist.

Nach zwei Café und etwas Slacklinen beschließen wir dann aber dennoch, das nächste Gebiet zu besuchen, die Druid Stones. Ein kurzer Blick ins Topo und wir sind schon Highway. Rok neben mir weist mir bestimmt den Weg, und ich zweifle zuerst in keiner Weise an seinen Orientierungskenntnissen. Nach ca. 1 ½ Stunden Herumgekurke und drei Komplett-Verreibern stehen wir mitten in der Wüste und haben keine Ahnung wo die Druide Stones sind. Da meint Rok „Oh, I think WE are lost!“

Da gelingt mir ein taktisch äußerst kluger Schachzug, indem ich als Fahrer die ganze Schuld auf mich nehme, dafür aber ohne auf die anderen zu hören jetzt einen Weg einschlage den ich für richtig halte. Trotz heftiger Kritiken meiner beiden Beifahrer erreiche ich letztlich den richtigen Parkplatz, woraufhin diese sofort verstummen.

Der Anstieg kommt mir endlos vor und dauert wohl über eine Stunde. Von wegen „short hike“. Sch... Topo! Als wir endlich beim „Druid Stone“ ankommen ist es bereits vier Uhr und uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Also wärmen wir kurz auf und sausen durch das kleine Plateau, und machen alle Boulder die uns machbar erscheinen. Der Fels besteht aus Granit, und hat sehr große Körner. Zu Beginn schmerzen die Finger ziemlich, was sich aber nach einigen Bouldern wieder legt. Die Probleme sind anders als am Vortag, es gibt mehr Leisten und die Huecos sind runder und mehr als Aufleger zu nehmen.

Mir gelingt als schwerste Route an diesem Tag „White Man´s overbite“ V5 onsight, immerhin ein Achtungserfolg. Rok ist mehr bei den Leisten zuhause, er macht „All Fired up“ V6 onsight.

Bald wird es dann dunkel, und plötzlich stellen wir uns die Frage, wie wir im Dunkeln eigentlich wieder runterkommen wollen. Da wir nicht an Stirnlampen gedacht haben, leeren wir unsere Rucksäcke in der Hoffnung aus, dass irgendwo eine „Flunsel“ zu finden ist. Als wir dann in Nastjas Rucksack tatsächlich eine kleine Schlüsselanhänger Lampe finden, scheint der Tag gelaufen zu sein. Da merke ich, dass mir der Autoschlüssel aus der Hose gefallen sein muss. Als ich ihn nach Absuchen aller Boulder mit der „Riesnlampe“ nicht finden kann, meine ich in Anspielung auf Rok´s Meldung vom Nachmittag ganz unbeteiligt: „Oh, I think WE lost the car keys!“.

Eine Stunde später stehen wir am Auto und die Hoffnung, dass ich den Schlüssel vielleicht doch habe stecken lassen, löst sich in die mittlerweile gar nicht mehr heiße Wüstenluft auf. Doch dass Fenster ist einen Spalt offen, und in der Kabine befinden sich die Ersatzschlüssel. Da beschließen wir natürlich, ins eigene Auto einzubrechen. Zwei Stunden später haben wir es dann tatsächlich geschafft, und können durch unser Eintreffen bei unserer Bekannten Joi, die einsetzende Suchaktion gerade noch abblasen.

Heute haben wir gleich ein paar Dinge gelernt, bzw. wieder vor Augen geführt bekommen:

1.) Traue nie einem Klettertopo wenn es darin heißt „short hike“!

2.) Der Fahrer sollte sich die Zufahrtsskizze immer selber anschauen!

3.) Autoschlüssel sind schlimmer als Freundinnen, denn sie verschwinden ohne Vorwarnung!

4.) Stirnlampen sind nur nützlich wenn man sie mit dabei hat!

5.) Wir wären gar keine schlechten Autoknacker, müssten für eine Profikarriere aber wohl noch schneller werden!

The Buttermilk Boulders – unser Favorit!

Unser dritter und letzter Klettertag führte uns dann in die Buttermilk Boulders. Das größte (zu ihm gehören auch die „Peabody Boulders“) der Bouldergebiete rund um Bishop wurde unser Favorit. Kurzer Zustieg, wunderbar am Fuße der Sierra Nevada gelegen, viele sowie abwechslungsreiche Boulder, und ein kühler Wind. That´s it!

Schon als wir zum Gebiet hinfahren sind wir von den runden Granitblöcken, in allen erdenklichen Größen begeistert. Sie liegen über etwa 2 Meilen verteilt zur rechten Seite der Strasse.

Wir starten in der „Birthday Boulder Area“ und machen einige leichte Aufwärm Boulder. Danach schreiten wir zu Werke. Mir gelingt die Ironman Traverse V4 onsight, Rok holt sie sich im 2. Versuch. Danach versuchen einige Probleme bis V9. Darunter „Superfly“, ein total cooler Dynamo. Doch meine Motivation ist schon weiter als mein Kletterkönnen und so muss ich unverrichteter Dinge die Segel streichen. Obwohl wir dann letztlich keinen der schweren Boulder abknipsen, fühlen wir uns nochmals stärker als am Tag zuvor, trotzdem es nun schon der 3. Klettertag in Folge ist. Das ist nun doch etwas beruhigend für Rok und mich, wir sehen Licht am Horizont!

Später zeigt uns Joi ein unglaublich cooles Problem. Es heißt „Russelator“ und ist eine Querung in einem Offwith Kamin. Obwohl vielleicht nicht schwerer als 5.9, ist dieser Kamin so ziemlich das ungewohnteste und abgefahrenste dass ich je geklettert bin. (Die Fotos die ich anschließend beigefügt habe sprechen ohnehin für sich.)

Am Ende des Tages klettern wir in der „Stained Glass Area“, von wo aus wir dem Sonnenuntergang zuschauen. Da wird es plötzlich komplett windstill und ruhig. In diesem Moment herrscht in den Buttermilks eine ganz eigene Stimmung. Still sitzen wir auf der Spitze eines Granitblockes und saugen sie in uns auf. Es ist ein wunderbarer Abschied von Bishop.

Auf der website von Gerhard Schaar, unter www.gerhardschaar, gibt es eine umfangreiche Dia Show von seinem Aufenthalt in Bishop!

Unsere subjektive Reihung der Bouldergebiete sieht abschließend wie folgt aus:

1.) Butermilk Boulders

2.) Druide Stones

3.) Happy Boulders / Sad Boulders

Infos zum Gebiet:

Anfahrt über den Highway 395 South (vom Yosemite / Reno), 395 North (von Las Vegas) oder Interstate 6 (von Moab / Indian Creek).

Sport Shop: Wilsons Sport Shop, North Main Street

Topo:

Es gibt ein recht gutes Topo über die Gebiete von “Rockfax” (www.rockfax.com) für $ 10.- im Wilson Sport Shop.

Internet / Cafes:

Wireless Internet gibt es im “Kava Coffeehouse” (direkt neben Wilsons Sport Shop), oder im “Looney Beans“ Cafe. Im „Kava Coffeehouse“ zahlt man für die ersten 10 Minuten 3.-, danach kostet jede Minute $ 0,10.-. Die Locals gehen am liebsten in den „Spellbinder Bookshop“, ein Buchladen mit anschließendem Cafe. Hier gibt es aber nur fixes Internet.

Supermarkt:

Direkt an der Kreuzung Highway 395 und Interstate 6 befindet sich der „VONS“ Supermarkt. Es zahlt sich aus die kostenlose VONS Card zu besorgen, man spart sich einiges an Kohle.

Camping:

In den Buttermilks (Birthday Boulder Area) kann man 14 Tage lang frei Campen. Ungefähr 500m entfernt gibt es einen Bach mit frischen Wasser.

Es gibt zwei offizielle Campingplätze in Bishop. Den „Millpond Campground“ im Norden der Stadt (vom 395 Richtung Westen in die Ed Powers Road einbiegen, nach etwa 1 Meile die 1. Straße rechts abbiegen), und den „Horton Creek Campground“ im Süden der Stadt.

Hot Springs:

Es gibt frei zugängliche hot springs ca. 25 Meilen nördlich von Bishop, entlang der „Owens River Road“. Die größte und auch beliebteste ist im „Hot Creek Canyon“.

Anfahrt von Bishop:

Highway 395 nach Norden, bei der grünen Kirche in die “Owens River Road” einbiegen. Nach ca. einer Meile links auf die erste große dirt road, und diese ca. 2 Meilen folgen. Dann hart links in die „Hot Creek Canyon Road“ einbiegen und diese ca. eine Meile folgen. Man kommt direkt zum Parkplatz. Achtung: Kein Camping und Parken über die Nacht!

Text und Bilder: Gerhard Schaar

Webtipp:www.gerhardschaar.com

Sponsoren von Gerhard Schaar

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