Mike klettert in "Colonoscopy" 5.13a/b, Table Rock
16 April 2002

IDAHO - ist fast wie Österreich

Wer weiß denn schon, dass in Idaho mehr als 10 Gipfel auf über 4000 Meter ragen, es etliche Klettergebiete gibt und man sich in diesem Staat kreativ noch richtig austoben kann....

Seit 1993 lebe ich, aus Saalfelden kommend, mehr oder weniger in Idaho im Nord Westen der USA.

Idaho ist ungefähr so groß wie Österreich, jedoch leben hier im gebirgigsten der Rocky Mountain Staaten, nur 1,5 Millionen Menschen. Klettern in Idaho ist bei uns in Europa wohl der unbekannteste Platz der USA. Eigentlich kennen wir in den USA nur das Yosemite und Joshua Tree und vielleicht noch ein paar Sportkletterer Rifel oder Wild Iris. Die City of Rocks im Osten von Idaho ist wohl der einzige Grund warum sich jemals europäische Kletterer nach Idaho verirrt haben. Wer weiß denn schon, dass in Idaho mehr als 10 Gipfel auf ueber 4000 Meter ragen, es etliche Klettergebiete gibt und man sich in diesem Staat kreativ noch richtig austoben kann.

Phantastische Sportkletter- und Bouldermöglichkeiten....

Idaho bietet phantastische Sportklettermöglichkeiten wie z.B das Kalkgebiet "Riggins" mit Touren bis 5.14a (10+) und einem zum Teil 30 Meter ausladenden Dach.

"Hells Canyon", der tiefste Canyon der USA, mit weit ueber 100 super Kalktouren von einer bis 4 Seillaengen,im Grad 6 bis 10-

"Burnt River Canyon", genau an der Grenze zwischen Oregon und Idaho, mit sehr schoenen Kalktouren, vom 7ten bis zum Grad 10-.

"Leslie Gulch", ein Wüstengebiet, mit bis zu 100 Meter hohen Vulkangesteinstürmen. Viele der Klettereien finden hier an künstlichen Griffen statt. Das ist heute nun nicht mehr angesagt aber die Touren sind garantiert eine der besten die es im Westen der USA gibt. 30 Meter Ausdauertouren vom 7ten bis zum Grad 10+.

Einzigartige Basaltklettereien in Boise and den "Black Cliffs" vom 5ten bis zum Grad 10+. Ob traditionell abgesichert oder völlig eingebohrt, hier ist alles vorhanden. Oder die riesigen Basaltüberhänge in "Dierkes Lake", wo man im 7ten oder 9ten Grad von Henkel zu Henkel im weit ausladenden Dach klettert. Dierkes Lake ist neben den Shosone Falls gelegen, einem der grössten Wasserfälle der USA.

Gewaltige Bouldermöglichkeiten in "Swan Falls",wo hunderte Basaltblöcke auf einem perfekten flachen Absprungboden verstreut liegen.

The Elefant Perch in der Sawtooth-Bergkette

Allen voran steht wohl jedoch die "Sawtooth" Bergkette im Zentrum Idahos und natürlich die "Tetons" im Osten. Beide Gebirgsketten bieten etliche Gipfel über 3000 Meter mit gewaltigen Granitwänden.

Gerade die Sawtooth Range ist sehr abenteuerlich. Einige der guten Klettergipfel sind nur über einen 2 Tagesmarsch zu erreichen. Wenn du dann Vorort bist, bist du ganz und gar auf dich selbst gestellt. Die Wände oder Routen mit anderen teilen musst du dafür bei uns in Idaho sogut wie nie. Die Sawtooth Range liegt oberhalb des kleinen Dorfes Stanley. Bekannter ist das 1 Stunde von Stanly entfernte Nr. 1 Skigebiet der USA und Zweitwohnsitz unseres guten Arnold Schwarzeneggrs "Sun Valley". Der Elefants Perch ist wohl der bekannteste Kletterberg in dieser Gebirgskette. Mit einem Boot kann man für 5 USD den 5 Meilen Fussweg zum anderen Ufer des Redfish Lakes abkürzen. Nach 2 Stunden Aufstieg erreicht man die Sattleback Lakes und kann hier das Camp aufschlagen. Die 400 Meter Granitwand des Elefant Perch steht direkt über einem und ca. 25 Routen stehen zur Auswahl.

Im Herzen des wirklich noch wilden Westens

Eines darf man aber nicht vergessen, vielleicht hinkt mein Vergleich zwischen Idaho und Österreich doch etwas. Wenn du in Idaho zum klettern gehst, dann bist du im Herzen des Wilden Westens! Und das nicht nur im historischen Sinne gesprochen. Erschrecke nicht wenn du dein neues Seil, das du über Nacht im Projekt hängen gelassen hast, am nächsten Tag vom Sattel des Cowboys hängt, der dann gerade an deinem fassungslosen Gesicht vorbeireitet.

Die kleinen "Unannehmlichkeiten"

Der Westen der USA ist eine rauhe Gegend mit Temperaturen im Sommer bis zu 45 Grad im Schatten. Giftige Pflanzen und natürlich jede Menge von Klapperschlangen. Es kann auch schon mal vorkommen, dass man die Berge und Felsen nicht mit Kletterern teilen muss sondern mit Schwarzbären und Elchen. Man sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Sogar ich als Österreicher, der bis dato Angst vor Brennnesseln gehabt hat, habe es gelernt und geschafft mit diesen "Unannehmlichkeiten" sehr gut zu leben und zu klettern.

Alle aufgeführten Gebiete liegen in einem 3 Stunden Radius von Boise entfernt, Idahos Hauptstadt.

Also worauf wartet ihr noch, bei der nächsten USA Kletterreise kann man doch mal einen Abstecher nach Idaho machen. Weitere Infos unter Webtipp (ganz unten).

Text: Mike Stöger, Fotos: Mike Stöger und boisclimbs.com

Mike Stöger

Mike Stöger war früher in der Region Saalfelden sehr aktiv - z.B. im Klettergebiet Hohlwegen gelangen ihm zahlreiche Erstbegehungen bis zum 10ten Grad. Seit 1993 ist seine neue Heimat Idaho (USA), in der er - wie könnte es auch anders sein - auch zahlreiche Erstbegehungen gemacht hat (was folgende Zeilen ganz gut zum Ausdruck bringen)

...... Stell dir vor, neulich bin ich beim Wandern auf eine 250 Meter hohe Granitwand gestossen. Der Gipfel liegt auf 2600 Metern und der Fels ist super. Habe gleich drei Touren durch die Wand gelegt, natürlich alles clean - die Wand wurde noch nie durchstiegen, einfach unglaublich ....

Uns persönlich freut es ganz besonders, dass wir mit Mike Stögers Bericht erstmals etwas von einem "Auslands-Österreicher" bringen können !

Webtippwww.boiseclimbs.com - kleine aber feine Page, die einen schönen Überblick der Klettermöglichkeiten in Idaho gibt.

Mike klettert in "Colonoscopy" 5.13a/b, Table Rock
Im Gebiet Leslie Gulch...
Mike beim Bouldern in Swan Falls...
Mike klettert in "Sun rise book" 5.12, Sawtooth
Mike klettert in "The tusk" 5.11b, Sawtooth
Jeff Landers in seiner Route, "Yellow Man" 5.13b, Riggins
Sandy Epeldi in "Stool Sample" 5.12b, Leslie Gulch
In "Sun rise book" 5.12, Sawtooth
Ein Blick in die Route "Sun rise book" 5.12, Sawtooth
The Perch
Suzanne Lee in einer der hundert Sportkletterrouten des Hells Canyon


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