Ines in "Happy Tyroleans" IX/10 @ Hans Hornberger
09 Februar 2011

Ines Papert - Scottish Winter Climbing Trip 2011

Während ihres 10-tägigen Roadtrip durch Schottland konnten Ines Papert and Charly Fritzer schwierige Erstbegehungen realisieren ...

Nach Ihrer Feuertaufe im letzten Jahr, machte sich die deutsche Alpinistin erneut auf die Suche nach spannenden Winter-Clims. Papert kam ende Januar gemeinsam mit Charly Fritzer (aus Österreich) in die schottischen Highlands angereist, wo das Team einige wichtige (namhafte) Wiederholungen klettern konnte, inclusive der ersten Wiederholung von "To those who wait" IX, 9", erstbegangen von Boswell and Sim hoch oben am Ben Nevis.

Trotz schwierigen Bedingungen konnte das Team eine neue Route am höchsten Berg Englands eröffnen. "Triple X", VIII,8 – mit Dave MacLeod, folgt das Team einer Wellenlinie durch die Echo Wall.

An dieser Route hatte sich der Schotte schon während seiner vorherigen Besuche am Ben Nevis versucht. Eine weitere Erstbegehung gelingt am Coire an Lochain in den Cairngorms. "Bavarinthia" IX, 9 beschreibt Ines Papert als das Highlight Ihrer Reise.

Letztes Jahr wurde das Team vom guten Wetter verwöhnt, diesmal war es Anders. Starke Stürme und Regen, auch anhaltende Schneefälle machten die Begehungen zu einem richtigen Abenteuer. Auch der Fakt, das so viele Routen ohne den Einsatz von Bohrhaken geklettert werden können, ist ein Teil des Abenteuers.

„Das Klettern in Schottland hat meine Einstellung im Bezug auf Tradition und klettern im Bohrhakenfreien Stil beeinflusst“ erzählt sie uns. Und "mein Fokus wird sich

immer mehr auf das Klettern im traditionellen Stil richten, nicht nur in den Alpen, auch an den großen Bergen der Welt benötigt man die Fähigkeit, um in einem sauberen Stil klettern zu können, wie wir ihn beispielsweise an unserer Route am Kyzyl Asker in Kyrgystan angewendet haben.“

Hier der Bericht zum Roadtrip von Ines Papert:

SCOTTISH WINTER CLIMBING TRIP 2011 von Ines Papert

Ich wollte an meine Erfahrungen vom letzten Jahr anknüpfen und mich an Routen in den höheren Schwierigkeitsgraden versuchen. An die mystischen Stimmungen, die stark ausgeprägte Ethik der schottischen Kletterer und den großen Respekt vor Traditionellen Routen konnte ich mich gut erinnern. Diese Erfahrung war tief in meiner Erinnerung verankert und bereitete mir nach meiner ersten Reise dorthin keine schlaflosen Nächte mehr.

Auch konnte ich rückblickend feststellen, das sich beim Klettern allgemein, aber besonders beim Klettern in Schottland enorm viel im Kopf abspielt: eine gewisse mentale Stärke ist grundlegend notwenig, um dort verletzungsfrei und erfolgreich zu klettern. Ich wusste, dass ich im inneren meines Herzens für eine weitere Reise dorthin bereit war

Ich selber hoch motiviert bereits am packen, sagte mir mein Kletterpartner nur wenige Tage vorher ab.

Er entschied sich vermutlich wegen des schlechten Wetters in Schottland, seinen Winterurlaub in Thailand zu verbringen. Das war für mich schwer zu verstehen und auch enttäuschend, wo doch Wetter und Wind ein Teil dieser Reise sind und ich sogar gelernt habe, diese rauen Bedingungen zu lieben.

Aber es sollte so sein. Ich fragte einen alten Freund, Charly Fritzer aus Österreich, ob er Lust hätte, mitzukommen. Charly sagte spontan zu und buchte 2 Tage vor Abreise seinen Flug. Ich jubilierte vor Freude. Wir wurden wie auch letztes Jahr vom jungen Kameramann und Photograph Hans Hornberger begleitet. Er stellte sich einer ernstzunehmenden Aufgabe, gute Bilder vom Klettern in Schottland zu bekommen, bei Wind und Wetter.

Unser Freund Ian Parnell half uns bereits im Vorfeld. Wieder war er es, der uns mit Lokalen Kletterern in Verbindung brachte. Auch wenn unser diesjähriger Trip nicht vom Wetterglück verfolgt war, so war diesmal die große Herausforderung, sich selbst zu überwinden und in dunkler Nacht trotz Regen und Sturm den Aufstieg in Angriff zu nehmen und zu wissen, wo die Bedingungen am besten sind.

Oft fiel es uns schwer, aus dem warmen und gemütlichen „Big Tree Campervan“ auszusteigen. Doch das ist Teil des Spiels dort und ein weitere Möglichkeit seinen Willen unter Beweis zu stellen. Dort brauchst Du nicht zu warten, bis die Wolken verschwinden und die Sonne kommt. Das kann Wochen dauern oder sogar länger.

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An unserem ersten Tag konnten wir nicht einmal die Wand “Coire an Lochain” in den Cairngorms finden, wegen starker Regenfälle, Stürmen hatten wir null Sicht.

Am Tag darauf kletterten wir mit den Lokals Peter Macpherson und Greg Boswell, beide hoch talentierte Kletterer. Peter und ich kletterten “Daddy longlegs” VIII, 9 onsight, während Charly und Greg “The Ventricle” VII, 8 gelang.

Ben Nevis

Der nächste Tag begrüßte uns mit großartigem Wetter (sehr untypisch). Die Sonne schien während unseres 3-stündigen Zustiegs. Wir kletterten einen stark überhängenden schmalen Riss und konnten mehr oder weniger gute Sicherungen im vereisten Riss legen.

Nach einem weiten Sturz im Vorstieg gab ich anschließend Charly die Chance, es zu probieren. Charly gelang „To those who wait“ rotpunkt und juhitzte am Gipfel, während ich nachkletterte. Der 20 jährige Schotte Greg Boswell beging die Route ein paar Wochen zuvor als erster. Er hatte uns motiviert, eine Wiederholung zu versuchen.

Ein weiterer Versuch von meiner Seite lies das Wetter nicht zu.

Am Gipfel des Ben Nevis lernten wir zufällig Dave Macleod kennen. Wir entschlossen uns, am nächsten Tag gemeinsam zu klettern. Glücklicherweise besitzt er den magischen Schlüssel, mit dem man die Schranke öffnen und deshalb weiter hinauf fahren kann. Das verkürzte den Zustieg und optimiert das Verhältnis von Zustieg und Klettern.

Triple X

Mit Dave eröffneten wir an der Echo Wall eine neue Route, welche in einem großen Kamin endete, der von den starken Kletterern Ian Parnell und Iian Small 2010 erstbegangen wurde. Wir nannten unsere Route "Triple X": weil wir als 3- er Team kletterten und die Route 3 lange Seillängen hat.

Bavarinthia

Mein persönliches Highlight der Reise war eine neue Route, die wir in den Cairngorms kletterten. In Begleitung von unseren Freunden Neil and Simon, welche die Route „Falling out corner“ kletterten, während Charly und ich uns in Savit Slit aufwärmten. Anschließend stieg ich in eine neue Linie ein. Während ich trotz der Kälte vor Angst schwitzend versuchte, eine verdammte Sicherung in den schmalen vermoosten Riss unterzubringen, stürzte Neil 12m weit links neben mir, schrie laut aber blieb unverletzt.

Da waren meine Nerven zum zerreißen gespannt. Ich wollte nicht fallen, die Sicherungen waren zu windig. Weiter oben verlor mein Eisgerät den halt uns die Füsse rutschten weg. Mit letzter Kraft zog ich mich an einem Eisgerät wieder in Position und kletterte weiter übers letzte Dach. Nach 30 metern (on sight) rief ich „Stand“ Eine weitere Kaminlänge brachte uns zum stürmischen Ausstieg. Zusammenfassend kann ich sagen, dass wir eine phantastische Route allerdings mit wenigen Sicherungsmöglichkeiten geklettert sind. Ein echtes Abenteuer. Ich hatte das Gefühl, das ich nun meine „scottish wings“ wirklich verdient hatte.

Wir gaben unserer neuen Route den Namen „Bavarinthia" IX, 9, weil ich aus Bayern komme und Charly ist Kärntner.

Kletterer der Alpen: macht eure Erstbegehungen von unten und mit dem geringst möglichen Einsatz von Bohrhaken.

(ich erinnere da an die Brüderl-Amann Diskussion im „Klettern“ Magazin)

Da ist noch etwas, das das Klettern in Schottland unterscheidet vom Klettern in anderen Regionen. Die Ethik!!!

Wir so genannten Alpin-kletterer sollten die Bohrhakenfrage noch einmal überdenken. Routen einzubohren macht manchmal Sinn, aber lang nicht immer. Mir wäre es ein Anliegen, das wir als Kletterer der Alpen uns am Stil der Schotten orientieren, und alpine Routen im (wenn möglich) traditionellen Stil erstzubegehen. Das heißt für mich von UNTEN einzusteigen und ganz sparsam mit Bohrhaken umzugehen. Das sind wir den nächsten Generationen schuldig, die das Abenteuer in den Europäischen Alpen suchen.

Ohne die Hilfe und Unterstützung der lokalen Kletterszene hätten wir nicht die große Anzahl an Routen, trotz der schwierigen Bedingungen klettern können.

Danke noch einmal an: Ian Panell, Simon and Sarah Yearsley, Greg Boswell, Dave Macleod, Pete Macpherson, Michael Tweedley… and more.

Die Routen:

26/01/2011 - Cairngorms, Coire an Lochain: Daddy Longlegs VIII, 9 on-sight

27/01/2011 - Ben Nevis: first repeat "To those who wait" IX, 9 Charly Fritzer redpoint (f.a. Greg Boswell & Will Sim 31/12/2010)

28/01/2011 - Ben Nevis: first ascent "Triple X" VIII, 8 on-sight (Ines Papert, Charly Fritzer & Dave Macleod)

29/01/2011 - Cairngorms: "The demon direct" IX, 9 “Happy Tyroleans" IX/10 on-sight

31/01/2011 - Cairngorms: Coire an Lochain: "Savage Slit" V, 6 and first ascent "Bavarinthia" IX, 9 on- sight (Ines Papert & Charly Fritzer 31/01/2011)

Ines Papert ist damit die erste Frau, die den schottischen IX Grad geklettert ist!

$Webtipps:

Video: Scottish Wings Großartiger Film übers Winterklettern in Scottland mit Ines Papert...

www.ines-papert.de

www.hans-hornberger.com

Basecamp Festival 2011 - Das Bergfest von Ines Papert geht in die nächste Runde!

Ines in "Happy Tyroleans" IX/10 @ Hans Hornberger
Ines bei der on sight von Happy Tyroleans" IX/10 @ Hans Hornberger
BavarinthiaIX/9 on sight Erstbegehungn durch Ines Papert @ Charly Fritzer
Ines Charly und Dave Macleod @ Hans Hornberger
Charly in "To those who wait" IX, 9 am Ben Nevis @ Hans Hornberger


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