An der Predigtstuhl Nordkantel; Foto: Tom Rabl
17 Juli 2020

Kaiser Hoch 6 - Mission Impossible

Fast 5000 Hm und ca. 5000 Klettermeter – sechs lange Kaiserklettereien an einem Tag!

Unser Wilder Kaiser ist weit mehr als ein Gebirge. Der „Koasa“ ist ein Monument aus Kalkstein oder ein Museum der Moderne, der modernen Kletterkunst. In keinem zweiten Gebirge dieser Erde wurden so viele Kapitel der Klettergeschichte geschrieben wie hier. Unzertrennlich verbunden damit sind die großen Kletterstars der Geschichte: Hans Dülfer, Stefan Glowacz, Alexander Huber, Babsi Zangerl, die momentan stärkste Alpinkletterin weltweit, oder der beste Kletterer der Gegenwart, Adam Ondra aus Tschechien. Sie alle hinterließen hier ihre Spuren und eröffneten die schwierigsten Klettertouren der Geschichte vor unserer Haustüre. Selbst Reinhold Messner sagt über den Wilden Kaiser: „Der Wilde Kaiser war der wichtigste Gebirgszug für Kletterer und ist eine Legende“.

Jüngst wurde ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Thomas Rabl, Obmann der Kitzbüheler Bergführer aus Erpfendorf, und sein Kollege Andi Gastl aus Itter kletterten am 24. Juni sechs historisch bedeutende Klettertouren an einem Tag. Bis dahin waren wir Kitzbüheler Bergführerkollegen der Überzeugung, dass dies unmöglich ist – in zwei Tagen vielleicht machbar, aber an einem Tag unmöglich. Tom und Andi bewiesen mit logistischem Geschick und „Kondition hoch 6“ das Gegenteil. Was haben die beiden gemacht? 2018 versuchten wir von den Kitzbüheler Bergführern ein neues touristisches Produkt auf den Markt zu bringen – wie es so schön neudeutsch heißt. Wir suchten historisch bedeutende Kletterrouten auf die bekanntesten Klettergipfel, die auch für KletteranfängerInnen mit Ambitionen machbar schienen. Klettereien im dritten und vierten Schwierigkeitsgrad, die den Einstieg in die Vertikale mit Bergführer für „Jedefrau“ und „Jedermann“ möglich machen. Unsere Auswahl ergab ein schönes Paket für Routen- und Gipfelsammler. Wir nannten unsere Sammlung „Kaiserhoch 6“, bestehend aus sechs geschichtsträchtigen und wundervoll großgriffigen Kletterabenteuern.

An der Predigtstuhl Nordkantel; Foto: Tom Rabl
Abseilen am Totenkirchl; Foto: Tom Rabl
Auf dem Gipfel der Ellmauer Halt; Foto: Tom Rabl
Auf dem Gipfel des Predigtstuhls; Foto: Tom Rabl

Wo geht es hinauf? Fleischbank (2.187 m), Predigtstuhl (2.115 m) und Totenkirchl (2.190 m) sind die berühmtesten Klettergipfel des Wilden Kaiser in Österreich. Ergänzt wird der klangvolle Name „Kaiserhoch 6“ durch drei weitere Gipfel: Lärchegg (2.123 m), Hintere Goinger Halt (2.217 m) und Ellmauer Halt (2.344 m). Griffiger, steiler Kalk, durchzogen mit Rissen, Verschneidungen und Platten warten auf Bergsteiger und Bergsportlerinnen, die sich einen der „Kaiserhoch6-Gipfe“l zutrauen.

Jede einzelne Route könnte unzählige Geschichten erzählen. Mehr als hundert Jahre liegen die Erstbesteigungen nun zurück.

Für jede einzelne Route braucht ein schnneller durschnittlicher Bergsteiger heutzutage um die sechs Stunden im Auf- und Abstieg. Tom und Andi brauchten für jede Tour knapp über zwei Stunden. Sie starteten ganz im Osten mit der zugleich schwierigsten „Kaiser hoch 6“-Tour, der Lärcheck Ostwand. Diese einsame Route hatte niemand Geringerer als die Kletterlegende Hans Dülfer 1912 erstbegehen. Danach ging es zur Predigtstuhl-Nordkante, die als eine der Touren mit dem größten Tiefblick der Ostalpen gilt. 400 Meter geht es dort senkrecht hinunter bei relativ leichter Kletterei. Ein Schmankerl für Adrenalinjunkies! Anschließend rannten die beiden über die Hintere Goinger Halt zur Fleischbank und runter über den Nordgrat zum Stripsenjochhaus. Nach kurzer Stärkung ging es aufs Totenkirchl und rüber zum Kopftörl, wo mit dem Kopftörlgrat einer der längsten und spektakulärsten Grate der Ostalpen auf sie wartete. Dort ahnten sie bereits, dass sie es schaffen könnten. „Nun waren wir zuversichtlich und irgendwie glücklich. Zwar braucht man für den Kopftörlgrat mindestens vier Stunden, aber als Bergführer kennen wir dort fast jeden Stein und so ließ sich die Zeit etwas reduzieren.“ So Tom zum letzten Abschnitt. Nach insgesamt 17 Stunden saßen die beiden überglücklich in der Abenddämmerung auf der Terrasse der Gruttenhütte bei dem wohlverdienten Bier. Fast 5000 Höhenmeter und an die 5000 Klettermeter hatten die beiden absolviert. Hut ab vor dieser Glanzleistung! Mission impossible completed.

Wer als ambitionierter Wanderer oder Klettersteiggeher eine der „Kaiserhoch 6“ Touren machen möchte und ein kontrolliertes Abenteuer der besonderen Art erleben möchte, den laden wir herzlich ein, mit uns Kitzbüheler Bergführern eine der „Kaiserhoch 6“ Touren zu klettern. Für Sammler haben wir ein eigenes Tourenbuch mit den Hintergrundgeschichten konzipiert. Anna, mein letzter Gast meinte: „Ich war schon am Mont Blanc und auf der Großen Zinne, aber so coole und ausgesetzte Grate wie hier im Kaiser habe ich dort nicht erlebt.“ Mission completed.

Webtipp: 

Thomas Rabl

Kitzbüheler Bergführer



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