Schitourengeher (rechts vom Pistengerät) sind nicht immer optimal zu erkennen.
31 Januar 2007

Keine Totalsperre für Nacht-Schitouren

Trotz Änderung des Landespolizeigesetzes gibt es keine Totalsperre für Nacht-Schitouren.

Diskussionsrunde der verschiedenen Interessensgruppen

In einer großen Diskussionsrunde der verschiedenen Interessensgruppen rund um die überraschende Gesetzesänderung, die eine nächtliche Sperre der Pisten zulässt, versicherten Vertreter der Liftbetreiber, keineswegs an eine völlige Verbannung der Schitouren-Geher zu denken.

Ende September wurde das Salzburger Landespolizeigesetz geändert. Gemeinden können nun, in der Regel auf Antrag des Liftbetreibers, per Verordnung die nächtliche Benutzung von Pisten untersagen. Aus Sicherheitsgründen, wie man seitens der Liftbetreiber argumentiert - als Generalsperre, wie jene Tourengeher befürchten, die nach Betriebsschluss zu Trainings- oder workout-Zwecken auf den Pisten unterwegs sind.

Um über diese Auffassungsunterschiede zu diskutieren, trafen sich am Donnertag, 25. Jänner, Vertreter der Seilbahnwirtschaft, der alpinen Vereine, der Gemeinden und der Wettkampf- Schibergsteiger zu einer Diskussionsrunde in Salzburg.

Die Salzburger Herangehensweise, mittels Gesetzesänderungen und Strafdrohungen diesen Konflikt zwischen den Sicherheitsbestrebungen und Bewegungsfreiheit kritisierte dabei Ernst Sieberer, Präsident des Salzburger Landesverbandes der Wettkampf- Schibergsteiger (ASKIMO): „In Tirol hat man sich auf eine Empfehlung geeinigt. Dort scheint die Sache ohne Gesetz und Strafdrohung zu funktionieren. Wir befürchten aber, dass in Salzburg eine Gruppe von Sportlern quasi kriminalisiert wird, die, wenn man sich die Zahlen ansieht, nichts mit den bisher vorgekommenen Unfällen zu tun hat.“

Schützenhilfe bekam Sieberer dabei von den Alpinen Vereinen. Seitens des Alpenvereins sei man grundsätzlich gegen Verbote und Strafandrohungen, die zu einer Kriminalisierung der zahlreichen Schitourer führen, erklärte Brigitte Slupetzky, Vorsitzende des AV-Landesverbandes Salzburg.

Auf Seite der Liftbetreiber reagierte man auf diese Sorge mit dem Bekenntnis, keinesfalls eine exzessive Ausgrenzungs- und Aussperrungspolitik betreiben zu wollen, sondern mit Bedacht und im Versuch des Konsenses Sperren nur dort zu beantragen, wo es aus Sicherheitsgründen notwendig sei.

Es gehe nicht um das Aussperren verschiedener Gruppen, sondern um kluge Sperren und dementsprechende Information an die Betroffenen, erklärte Ferdinand Eder, Vorstand der Schmittenhöhebahn AG und Obmann der Fachgruppe Seilbahnen in der Salzburger Wirtschaftskammer. Die Totalsperre von ganzen Schigebieten lasse auch der Gesetzestext nicht zu. Die gesetzlich möglichen Strafen bis zu 500€ sollen in erster Linie als Abschreckung von unbelehrbaren Wiederholungstätern dienen, so Eder zur seiner Vorstellung einer Umsetzung.

Man werde, so Gudrun Mosler-Törnström, SP-Abgeordnete im Salzburger Landtag und Vorsitzende der Naturfreunde Salzburg, sehr genau kontrollieren, ob diese Ankündigung eines vernünftigen Gebrauchs der Sperr-Möglichkeit tatsächlich eingehalten wird. Genaue Kontrollen kündigte auch Slupetzky an - und wünscht sich diesbezüglich eine grundlegende Information der Gemeinden im Zusammenhang mit den Gesetzesänderungen.

Angesichts der nun aktuellen Rechtslage sei es notwendig, eine gemeinsame Lösung zu finden, um die Forderungen und Wünsche aller Parteien zu befriedigen. Zeitliche und örtliche Staffelung der Sperren wurde in der Diskussion dabei ebenso positiv behandelt, wie die Erstellung eines zentralen Informationssystems für Tourengeher, um sich bezüglich etwaiger Sperren und freier Alternativen informieren zu können.

„Das neue Gesetz ist vielleicht zu knapp formuliert“, verstand Eder die Sorgen der Tourengeher, aber man werde nach einer Anfangsphase einen konsensualen Weg finden, um die Situation zu entspannen. Weitere Gespräche wurden vereinbart.

Mit der Gesetzesänderung wurde ein Vorschlag der Seilbahnwirtschaft aufgegriffen, um die Gefahr von Unfällen auf Grund von Pistenpräparierung mit Raupen und Seilwinden zu reduzieren.

Im Gesetzestext heißt es dazu: „Die Gemeinde kann zur Vermeidung von Gefährdungen für Leben und Gesundheit von Menschen durch Verordnung das Befahren und Begehen von Schipisten oder Schipistenabschnitten, die mit Hilfe von Winden präpariert werden, im örtlich und zeitlich notwendigen Ausmaß ab frühestens einer halben Stunde nach Betriebsschluss der für die betreffende Schipiste oder den betreffenden Schipistenabschnitt in Betracht kommenden Aufstiegshilfen, frühestens jedoch ab 17:00 Uhr, verbieten.“

Webtipp:ASTC

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