21 Oktober 2014

Klettersteige mit Kindern - Sicherheitstipps

Aus aktuellem, sehr traurigem Anlass (der Absturz eine Familie an einem leichten Klettersteig auf der Hohen Wand) haben wir ein paar wichtige Aspekte zum Klettersteiggehen mit Kindern online gestellt.

Klettersteigtouren mit Kindern

Wie alles, was mit Action verbunden ist, haben auch Klettersteige eine magische Anziehungskraft auf unsere Kleinen. Die meisten Klettersteige wurden für Erwachsene gebaut, daher ist bei einer Begehung mit Kindern abhängig vom Alter und der Körpergröße einiges zu beachten, damit sie nicht den Spaß verlieren und insbesondere auch sicher unterwegs sind.

Sicherheit:Erwachsene übernehmen auf dem Klettersteig die uneingeschränkte Verantwortung für Kinder. Für Kinder gilt der Vertrauensgrundsatz, dass sie sich auf Klettersteigen richtig verhalten werden, nicht!

Daraus ergibt sich, dass Erwachsene, die mit Kindern einen Klettersteig begehen, auch selber in der Lage sein müssen (Erfahrung, Können, Kondition und pädagogische Kompetenz) das Kind zu führen.

Tourenplanung und Steigauswahl

Diese richten sich stark nach dem Alter und der Körpergröße der Kinder. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Kinder vor dem sechsten Lebensalter nicht auf Klettersteige mitgenommen werden sollen. Für die Kleinsten wählt man leichte (A bis B) und kurze Klettersteige, die keinen langen Zu- oder Abstieg haben, mit einer Gesamtdauer von höchstens 2-3 Stunden.

Bei der Steigauswahl ist insbesondere darauf zu achten, dass die Seile nicht zu weit über den natürlichen Tritten oder Steighilfen sind und von den Kindern erreicht werden können.

Praxistipp: Besonderes Augenmerk sollte man bei der Steigauswahl auf Seilbrücken legen, da die Sicherungsseile für Kinder oft in unerreichbarer Höhe angebracht sind, und eine Begehung dadurch für kleine Kinder sehr schwierig bzw. unmöglich ist.

Ideal ist auch, wenn es für Kinder neben der Klettersteigtour noch irgendwelche Fun-Elemente, wie Höhlen oder Spielplätze gibt.

Mit zunehmendem Alter der Kinder bzw. Jugendlichen können dann Schwierigkeit und Tourenlänge gesteigert werden, wobei unabhängig vom Alter stets auf die individuelle Persönlichkeitsentwicklung und Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen zu achten ist.

Ein Tourentag mit Kindern sollte abgesehen von der Gesamtlänge und Schwierigkeit des Klettersteiges so geplant werden, dass während der Tour ausreichend Zeit für Extrapausen und davor oder danach auch noch Zeit für Spiele ist (Rahmenprogramm also bei der Tourenplanung berücksichtigen).

Kind auf dem Klettersteig - zusätzlich mit einem Seil gesichert
Idealfall: Erwachsener - Kind - Erwachsener (Kind ist immer im Blickfeld)
Folgende Reihenfolge sollte am Klettersteig beachtet werden
Das eigenständig kletternde Kind im Idealfall zwischen zwei Erwachsenen
Kali Klettersteig - ein spezieller Klettersteig für Kinder
Seilbrücken - für Kinder oft ein großes Problem.
Wichtig: Ausreichend Zeit für Pausen!
Klettersteige mit leichten Fun-Elementen sorgen für Abwechslung
Auf korrekten Karabinerverschluss besonders bei Kindern achten!
Seilrollen statt Gummizug in den Bandschlingen. Beim Salewa Ergo-Zip Klettersteigset tun sich Kinder deutlich leichter (da die Karabiner immer in Griffweite bleiben!)
Links ein Kinder-Kombigurt, rechts Kinderhüftgurt und Gummizug KS-Set
Ausrüstung von Kindern bei einer Klettersteigtour
Bei Kindern, schwächeren Bergsteigern und in Notsituationen kann eine Zusatzsicherung mit Seil erforderlich sein.

Ausrüstung für Kinder

Auch dabei sind einige wichtige Dinge zu beachten, da es bis dato leider noch keine eigens für Kinder gemachten Klettersteigsets gibt. Beim Gurt kann man glücklicherweise bereits auf eine gute Auswahl zurückgreifen.

Man kann bei Kindergurten zwischen Kinder-Kombigurten und Kinder-Hüftgurten wählen, wobei der Vorteil des Kombigurtes wie bei Erwachsenen das nach hinten Kippen des Oberkörpers verhindert und Verletzungen der Wirbelsäule vorbeugt. Für Kinder, die noch keine deutlich ausgeprägte Taille haben, wird die Verwendung von Kombigurten empfohlen, damit sie nicht aus dem Hüftgurt herausrutschen können. Ab dem Jugendalter kann auch mit Hüftgurt geklettert werden.

Sicherheit: Grundsätzlich ist es bei Kindern noch wichtiger, dass ein Sturz in das Klettersteigset vermieden wird. Auf den korrekten Karabinerverschluss ist bei Kindern besonders zu achten!

Kinder auf dem Klettersteig

Bevor es mit den Kleinen losgeht, empfi ehlt sich ein „Trockentraining“ auf einem kurzen Übungsklettersteig. Dabei macht man Kinder mit der Ausrüstung vertraut, nimmt ihnen behutsam die Angst vor der Höhe und hat natürlich bereits jede Menge Spaß. Auf dem echten Klettersteig müssen Kinder, ausgehend vom oben genannten Grundsatz des Nichtstürzens, unbedingt immer geführt werden. Dies kann abhängig vom Alter in unterschiedlicher Art und Weise erfolgen.

Kleinkinder und unerfahrene Kinder sollten unbedingt an das Seil genommen werden, da der Vertrauensgrundsatz nicht gilt. Man kann sie mittels Seilsicherung (siehe Zusatzsicherung mit Seil) sichern. Erfahrene Klettersteiggeher können die Kinder – aber nur in Querungen, sonst mit Rücklaufsperre - auch durch gleichzeitiges Gehen mit einem kurzen Seilstück sichern. In beiden Fällen geht der Erwachsene voran und alle hängen immer ihr Klettersteigset vorschriftsmäßig ein.

Sicherheit:Kleinkinder in Rucksacktragen haben auf dem Klettersteig nichts verloren. Es besteht Steinschlag- und Sturzgefahr des Trägers.

Gehen Kinder und Jugendliche selbständig und ohne Seilsicherung auf dem Steig, so bleibt der Erwachsene unmittelbar hinter dem Kind, um diesem jederzeit beim Klettern zu helfen. Laufend ist die korrekte Handhabung des Klettersteigsets und der korrekte Karabinerverschluss zu kontrollieren! Sind mehrere Erwachsene mit Kindern unterwegs, nimmt man die Kinder in die Mitte.

Sicherheit: Es sollte nur ein Kind von einem Erwachsenen geführt werden, da zwei (aktive) Kinder von einer Person nicht sicher zu kontrollieren sind.

Ist man mit seinem Kind alleine unterwegs, so empfi ehlt es sich, dem Kind den Gebrauch des Handys inkl. Notruf zu erklären und klare Anweisungen für den Notfall (z.B. nicht alleine weitergehen) zu geben.

Besonders wichtig ist, Kinder auf keinen Fall zu überfordern und bei den geringsten Anzeichen von Müdigkeit oder Angst umkehren oder den nächsten Notausstieg wählen.


Text und Grafik aus: Alpines Lehrbuch Sicher Klettersteiggehen (Axel Jentzsch-Rabl u. Andreas Jentzsch)



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