David Lama – der neue Shootingstar aus Österreich.
06 Juli 2006

Lama wird Europameister im Lead - Absage Boulderbewerb

EM wird trotz Titel für David Lama zur großen Enttäuschung! Fehlende Griffe, Matten und Preisgelder schadeten dem Wettkampfsport.

Erwartungsvoll und mit großer Freude ist man nach Ekaterinburg an der Grenze zwischen Europa und Asien, am Südausläufer des Uralgebirges, angereist. Nachdem man die Hürden für die Visaerteilung Dank der Hilfe des Sekratariates des österr. Bundespräsidenten und eines Mitarbeiters im österr. Außenministerium überwunden hatte, erreichte man über Frankfurt und Moskau den Austragungsortes der Europameisterschaft. Die Vorfreude war auch deshalb gegeben, da der Veranstalter, der russische Kletterverband immer wieder ankündigte, eine für den Klettersport unvergessliche EM auszurichten.

War man sonst, bei Bewerben im Osten, immer wieder mit schlechten Unterkünften konfrontiert, so traf man diesmal ein angenehmes Hotel an, in dem sich die Kletterer auch wirklich auf die Wettkämpfe vorbereiten konnten.

Eine 12 m hohe flache Wettkampfwand

Mit der Besichtigung der Qualifikationsrouten für den Leadbewerb war dann aber die große Vorfreude verschwunden. Eine 12 m hohe, kaum überhängende, Wand zeigte, dass hier der Veranstalter sich schon wenig Mühe gegeben hat. Die Routen waren dann auch so geschraubt, dass immer wieder an derselben Stelle Kletterer aus der Wand flogen und somit gab es sehr viele Platzierungen mit der gleichen Griffhöhe. Starke Kletterer, wie Ramon Julian Puiblanque aus Spanien, hatten einen kurzen Auftritt und erreichten nicht einmal das Halbfinale. Das gleiche Bild bei den Damen und nur dort gelang es den arrivierten Kletterinnen auch ins Finale vorzustoßen. Bei den Herren erreichten nur 2 Topkletterer des Weltcupzirkus das Finale, die sich dann auch den Sieg unter sich ausmachten.

Bei den Damen gewinnt Charlotte Durif aus Frankreich und bei den Herren setzt David Lama seine Siegesserie fort. Beiden gelang es nicht die Finalroute bis zum Top zu durchsteigen.

Nur eine Handvoll Griffe

Der gesamte Routenbau löste heftige Kritik am Schweizer Chefroutensetzer Simon Wandeler aus, der sich damit rechtfertigte, dass man mit einer „handvoll“ Griffe eben keine anderen Routen bauen kann. Es waren fast keine Tritte vorhanden und so musste er große, als Griffe verwendbare Tritte, einsetzen.

Beide Sieger sind dieses Jahr erstmals beim Weltcup dabei und man darf gespannt sein, wie sich ihre Erfolgswege weiterentwickeln. Beide haben auch beim Jugendeuropacup in Imst in der Jugend A Klasse gewonnen und sind somit sicher keine Überraschungssieger.

Angela Eiter war einfach zu klein, um auf das Podest zu gelangen, ein Nachteil, den diesmal sehr viele Kletterer spüren mussten. Hingegen erfreulich der 6. Rang von Babsy (Barbara) Bacher.

Von der Eröffnungsfeier und Siegerehrung wird nicht berichtet, da beide Programmpunkte einer EM nicht zur Ehre reichen!

Kein Boulderbewerb ohne Absprungmatten

Bereits nach dem Leadbewerb wurde vom Boulderroutenbauer (Raphael Cabane –Frankreich) gebeten, dass man den Veranstalter doch noch einmal bitten möge, die Matten für den Boulderbewerb zu verbessern. Es gab keine geschlossenen Matten und außerdem seien diese viel zu hart. Die Behebung der Mängel wurden als kleines Problem abgetan und das Versprechen abgegeben, dass dies bis zum Beginn des Boulderbewerbes in Ordnung sei. Doch auch am nächsten Morgen waren die Mängel nicht behoben. Die Kletterer waren bereits in der Isozone, um sich aufzuwärmen. Der Start wurde vorerst von 9.00 Uhr auf 10.00 Uhr verschoben, dann noch einmal auf 11.00 Uhr. Danach wurden die Kletterer aus der Isozone entlassen und das Programm dahingehend geändert, dass das Halbfinale gestrichen wird und um 14.00 Uhr die Kletterervertreter mit der Jury die Matten testen. Auf 16.00 Uhr war die Damenqualifikation angesagt. Doch auch diese Frist wurde nicht genützt und somit wurde um 16.00 Uhr die Bouldereuropameisterschaft aus Sicherheitsgründen von der Jury in Abstimmung mit dem Internationalen Kletterverband abgesagt. Diese Absage löste bei den Kletterern zwar Wut und Trauer aus, wurde aber auch als logische Konsequenz und letztendlich mutige Entscheidung für die Sicherheit und auch als Signal an weitere Veranstalter gesehen.

Wie zum Trotz veranstalte der russische Kletterverband einen Tag später ein Boulderopen, um zu beweisen, dass man doch in der Lage ist, irgendeinmal sichere Matten aufzutreiben. Doch das hätte schon längst vor der EM passieren müssen. An diesem Open nahmen dann lediglich einige Kletterer aus dem Osten teil, die von ihren Verbänden teilweise verpflichtet wurden zu starten. Selbst die russische Kletterweltspitze wie Olga Bibik (Siegerin beim Boulderweltcup in Hall) oder Salavat Rakmetov (Boulderweltmeister) verweigerten trotz Androhung einer internationalen Sperre den Start.

Regulärer Speed und Handiccaped Bewerb

Die Speedeuropameisterschaft und der erste offizielle internationale Behindertenbewerb wurden dann ordnungsgemäß und einer EM würdig durchgeführt. Beim Speedbewerb gab es sowohl bei den Herren und Damen einen Dreifachsieg für Russland.

Geldnöte und großer Schaden für den Klettersport

Damit geht ein EM in die Geschichte ein, die man so schnell nicht vergessen wird und bei der leider die negativen Begleitumstände dafür verantwortlich sind.

Selbst bei David Lama, der sich nun 2 Jahre Europameister nennen darf, kommt keine echte Freude auf. Man bereitet sich intensiv auf ein Ereignis vor, bei dem man dann hofft, dass die Rahmenbedingungen so vorgegeben sind, um den Titel dann auch entsprechend erkämpfen zu können. Eine 12 m hohe, flache Vorstiegswand in einer großen Sporthalle, in der an die 4000 Zuschauer Platz hätten, zeigt dass man hier sicher mit Geldproblemen zu kämpfen hatte, zumal die Österreicher (Lama, Eiter, Bacher) das Preisgeld von der UIAA Climbing direkt erhielten, nachdem der Veranstalter dieses nicht auszahlen konnte. Das Preisgeld wird vom Intern. Kletterverband dann rückwirkend dem russischen Verband verrechnet. Aber auch das Zuschauerinteresse war dementsprechend schwach, dass selbst in der Kletterhalle Imst (700 Zuschauer) noch ausreichend Platz gewesen wäre. Teilweise waren nur die Kletterer selbst im Zuschauerraum zu finden.

Die Absage des Boulderbewerbes wird dem Klettersport großen Schaden zugefügt. Vorerst aber sind es einmal die Kletterer selber, die viel Freizeit geopfert haben, um sich vorzubereiten. Viele haben ihr Studium, ihre Maturatermine und auch Urlaubstermine darauf abstimmen lassen und stehen nun davor, berichten zu müssen, dass nichts stattfand. Ganz abgesehen davon, dass Sponsoren eine Europameistermedaille sicher höher bewerten als andere Siege. Anna Stöhr, Kilian Fischhuber, David Lama, Angela Eiter und Barabara Bacher hätten noch reale Chancen auf Spitzenplätze gehabt, da diese bei diesjährigen Weltcupbewerben bereits Topplatzierungen nachweisen können.

Dass dem Klettersport dies ausgerechnet im Mutterland des Wettkletterns passiert hätte keiner erwartet, zumal der Präsident der Russ. Kletterverbandes Alexander Piratinsky gleichzeitig Vizepräsident des intern. Kletterverbandes ist und dieser schon seit Beginn des Weltcup mit dabei ist und die meisten Bewerbe von allen miterlebt hat.

Schlamperei bei Routensetzern

Der intern. Kletterverband hat bereits während der Veranstaltung von allen offiziellen schriftliche Berichte eingefordert, die in den nächsten 8 Tagen zu erstellen sind. Jurypräsident, Delegierter und beide Chefroutensetzer und der Veranstalter müssen den Verlauf und die Mängel schriftlich darlegen. Diese müssen beim Weltcup in Chamonix vorliegen, ehe man dann am 16. Juli in Frankfurt über mögliche Konsequenzen (Neuaustragung, ….) beraten wird. Es muss auch abgeklärt werden, warum die Routensetzer diese Mängel nicht beim Beginn des Routenbaues sofort mitgeteilt haben, denn dann hätte man frühzeitig reagieren können, um die Anreise der Boulderkletterer zu stoppen.

Außer Spesen nichts gewesen

Für den ÖAV bleiben neben einem EM Titel durch David Lama, sehr hohe Kosten, die man sich hätte ersparen können. Anna Stöhr, Kilian Fischhuber und Sabine Knabl sind nach Ekaterinaburg angereist, ohne auch nur einen Griff angreifen zu können. Einige Kletterer müssen diese Kosten selbst bezahlen (€ 1.500,00 für Flug, Visagebühren, Transport und Aufenthalt), da sie zwar qualifiziert waren, aber keine Topergebnisse vorweisen können. Der Aufenthalt war gebucht und ein Umbuchen – früherer Rückflug - nicht möglich.

Das Ergebnis der EM im Vorstieg:

Damen:

1. Durif Charlotte – Frankreich

2. Levet Sandrine – Frankreich

3. Vidmar Maja – Slowenien

5. Eiter Angela – ÖAV Imst

6. Bacher Barbara – ÖAV Innerötztal

23. Saurwein Katharina – ÖAV Innsbruck

26. Harnisch Martina – ÖAV Innsbruck

Herren:

1. Lama David – ÖAV Innsbruck

2. Lachat Cederic – Schweiz

3. Sharafutdinov Dmitry – Russland

Keine weiteren Österreicher am Start.

Text: Knabl Helmut

David Lama – der neue Shootingstar aus Österreich.
Angela Eiter erreicht diesmal leider nur Rang 5; Foto: Andy Knabl
Keiner hält die Griffe länger als David Lama; Foto: Andy Knabl


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