Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
04 Dezember 2006

Larcher Vigiani by Bubu Bole und Jenny Lavarda

Dem italienischen Spitzenkletterer Bubu Bole gelingt der erste gesamte freie Durchstieg dieser sehr anspruchsvollen und schweren (8a oder 10-) Tour an der Marmolada und für Jenny ist es die erste alpine Tour.

Am 10. Sept. schafft Bubu die 13 Seillängen der im Jahr 2001 von Rolando Larcher und Roberto Vigiani erstbegangenen Supertour in der Marmolada Südwand (Punta Penia). Er wird von Jenny Lavarda, einer spitzen Wettkampfkletterin begleitet, die dabei erstmals in eine alpine Wand einsteigt.

Bubu und Jenny haben ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke kurz zusammengefasst:

Es ist bereits dunkel...müde versuche ich die letzten Löffel meiner Spargelsuppe zu verzehren, aber der Gedanke an morgen zieht mir den Magen zusammen... keinen Appetit heute... all meine Gedanken sind bei der „Zwei Finger Zügen Passage“, die bei meinen Riesenpranken zu einer Monofingerzugaktion wird.... aber das bereitet mir nicht so große Sorgen wie die Längen im gelben Fels, wo man jederzeit abtreten kann. Nichts großartiges...nur ein Sprung von ein paar Metern...naja, vielleicht etwas mehr als ein paar Meter... die Bolts sind hier ziemlich weit auseinander...sagen wir, sehr weit voneinander entfernt! Aber meine Angst besteht eigentlich daraus, dass ich im Falle eines Sturzes die Konzentration verlieren werde und in Folge verliere ich auch die Motivation, die Tour kompromisslos zu durchzusteigen. Ja, die Tour hat mich bereits voll im Griff.... sie gibt mir eine Art Biss, den ich in letzter Zeit nicht mehr hatte.

Die Route wurde von Rolando Larcher und Robert Vigiani eröffnet und führt über einen 550 m hohen perfekten Pfeiler, der rechts von der Punta Penia auf 3350 m hinaufzieht.

Ich habe meine Suppe kaum runter gebracht, als ich aus dem Biwak ging um nachzusehen, wohin mein Opfer verschwunden war. Jenny Lavarda, jung, couragiert und unerfahren im Begehen so schwieriger Touren. Aber ich konnte sie überreden, mich bei dieser langen und ermüdenden Reise zu begleiten. Es muss wohl meine Begeisterung für die Tour gewesen sein, die sie schlussendlich überzeugt hat und vielleicht auch die Notlüge, dass die Tour eine `Trainingsroute` sei....sie musste sich nur einen Klettergarten über dem anderen vorstellen. Ich muss was trinken… Plötzlich musste ich auch an sie denken, an ihre exzellente athletische Verfassung, aber vor allem an ihre Willensstärke... den Rest kann sie direkt in der Tour lernen!

Es war Vollmond...alles war in Ordnung...Jenny saß auf einem Stein und betrachtete die riesigen Wandfluchten der Marmolada. Ahhh....sie spürt es jetzt.... diese große Mauer.... es hat immer diesen gewissen Effekt, wenn man die Wand das erste mal erblickt. Die Wand hat ihre eigene Geschichte.....sie hat Menschenleben geprägt und besonders meines, da ich bereits als junger Bursche hier meine Trainingseinheiten absolvierte. „Schau dorthin“ .. das erste was ich ihr zeigte war die berühmte fischförmige Einbuchtung in der glatten Wand, durch die 1981 eine gleichnamige Tour (Anm: Weg durch den Fisch) gelegt wurde, die meiner Meinung nach zu den wichtigsten Touren in der gesamten Klettergeschichte zählt. Ich kam mir vor wie mein geschichtenerzählender Großvater, der Unterschied war nur, dass wir hier vor einer realen Wand saßen...die Jahre sind vergangen und ich kann mich nur an meine Freuden und Qualen in dieser Wand erinnern.

Siehst du Jenny...vor 22 Jahren habe ich in dieser Wand die `Modernen Zeiten` gemacht, es war meine erste Tour...ich hatte null Erfahrung und wusste nicht, was ich tat, so wie du jetzt. Aber so läuft das eben, wenn du es nicht im jungen, kräftigen, furchtlosen Alter tust, wann sonst? Drei Jahre später war ich mit Marco Sterni wieder im 'Fisch' und als wir in der Nische ankamen, fand ich einen Micro-Aluminiumhaken, den ich noch heute in meiner Souvenierkiste habe. Später durchkletterte ich diese Wand auf allen möglichen Linien mit unterschiedlichen Partnern, die mich auch lehrten, mich selber ohne Bohrhaken zu sichern... mit Marco legten wir zwischen den Ständen, falls man diese überhaupt Standplätze nennen konnte, nie zusätzliche Sicherungen. Einmal als wir gerade drei Seillänge vom Einstieg entfernt waren, verabschiedete sich dann der Stand und mein Freund rettete unser Leben in allerletzter Sekunde an einem Microkeil. Ich denke oft an meinen Freund, der so geduldig mit mir war und mir alles beibrachte, was ich jetzt weiß. Dann starb er aber und ließ mich alleine zurück, ohne dass ich einen vergleichbaren Freund gefunden hätte. Komm Jenny ... es ist schon spät, wir können morgen weiter philosophieren, aber bis dahin wird es ein langer Tag werden und da ich keine 20 mehr bin brauche ich jetzt meinen Schlaf.... Und zur morgigen Tour: Ich war nun um einiges klüger als in der Vergangenheit und an den Ständen waren immer zwei Bolts...wir kamen wohlbehalten zurück....einmal hatten wir zwar Glück....und ein zweites mal auch.

Bubu

"LARCHER-VIGIANI" an der MARMOLADA

Die Woche nach dem Rock Master in Arco war ich voller Gefühle. Während ich in Arco gerade dabei war, mich etwas zu sammeln, erhielt ich einen unerwarteten Anruf von meinem alten Freund Bubu. Er fragte mich, ob ich ihn nicht am Sonntag in der Larcher-Vigiani in der Marmolada Südwand begleiten wolle. Anfangs war ich etwas überrascht, da ich keinerlei Erfahrung in großen Wänden hatte, doch nach einem missglückten Wettkampf entschied ich mich für einen etwas neuartigen Klettertag als Seilpartnerin von Bubu.

Es war alles für den Sonntag den 10. Sept. organisiert und so konnte ich noch in Terra Promessa mit „Claudio Caffe“ eine offene 8c/8c+ (UIAA 11-/11) klettern. Wie es das Schicksal wollte, traf ich auch Bubu in Arco. Er brachte etwas mehr Licht in sein Projekt und sagte mir auch, was ich an Ausrüstung mitzunehmen hätte. Danach war ich von dem bevorstehenden neuen Abenteuer begeistert.

Am Sonntag trafen wir uns am Fedaia Pass, fuhren mit der Seilbahn hinauf und wanderten zum Bianco Biwak. Am Abend aßen wir ein wenig...Bubu mehr als ich und zum ersten mal sah ich ihn ohne ein Bier in seiner Hand....unglaublich. Er war so auf die Tour konzentriert, vielleicht einer der wenigen Male, dass er so konzentriert und motiviert war. Nach dem Essen, schaute ich mir bei Vollmond die wunderbare Wand an. Es war einfach toll die gesamte Südwand zu sehen. Völlige Stille…Es war wunderbar draußen zu sitzen und die schönen Berge zu bewundern. Bubu begann mir die einzelnen Routen zu erläutern, was fast in eine Bergsteiger Lehrstunde ausartete. Dann legten wir uns schlafen.

Am nächsten Tag um 5 läutete der Wecker, ich brachte kaum einen Bissen hinunter und als wir am Wandfuß waren war ich nervös, da ich nicht wusste was mich erwarten würde.

Ich versuchte mich zu beruhigen und vermied es Bubu meine Nervosität spüren zu lassen. Es war sein Tag und ich versuchte ihn bestmöglich zu motivieren, obwohl er ohnehin schon extrem motiviert war. Ich gab ihm auch das Gefühl, dass er sich auf mich verlassen könne. Ich war noch immer nervös, doch begriff ich, dass ich mit Bubu einen Seilpartner hatte, dem ich in diesem Gelände völlig vertrauen konnte und der mir alles beibringen würde.

Die ersten Längen waren locker, ein paar Hinweise zu Sicherungsmanövern, Sicherheitsdingen, Seilhandling etc. und natürlich viel Klettern im perfekten Fels.... voll mit Löchern...Zweifinger- , Einfingerlöcher und Leisten, einfach alles.

Nach 5 Längen musste ich den Anstrengungen bereits Tribut zollen und ich begann mich hie und da beim Klettern ins Seil zu setzen. Bubu kletterte inzwischen schnell und flüssig und mit jeder neuen Seillänge überraschte es mich mehr und mehr, wie viel Kraft und Energie er hatte. Ich sagte aber während der Tour nichts, um ihn in seiner Konzentration nicht zu stören.

Als wir die letzte 7b Länge hinter uns brachten war es fast dunkel...Ich konnte kaum etwas erkennen und fühlte mich etwas unsicher....ich war fertig. Um 8 Uhr erreichten wir den Ausstieg, nach 13 Stunden Klettern, Sicherungsmanövern und den einen oder anderen Kampf um meine Sicherungsfehler auszubügeln.

Als wir oben waren, gratulierte ich Bubu. Im Inneren war ich jedoch extrem stolz auf mich, es bis zum Ausstieg geschafft zu haben, obwohl ich öfter im Seil rasten musste. Die Berge waren immer wichtig für mich. Ich beginn in den Bergen zu klettern und die Ankunft am Gipfel der Punta Penia verschaffte mir eine große Genugtuung. Nach 10 Jahren kam ich in die Berge zurück. Meine Bergerfahrung beschränkte sich auf 2-3 Vierertouren, die ich mit meinem Vater machte als ich klein war. Ich entdeckte die Emotionen und Faszination für die Berge, die ich inzwischen vergessen hatte, dank dieser tollen Tour wieder....ich war sehr glücklich und danke Bubu für seine Geduld, die er für meine Unerfahrenheit aufbrachte. Es war eine super Aktion, für ein Wochenende verließ ich die Welt der Wettkämpfe und genoss die wunderbare Welt der Berge, wie ich es früher tat und ich tat es in perfekter Begleitung.

Jenny

Webtipps:

Le Nez – Bubus Neutour an der Grand Jorasse

GAME OVER M13 - Bubu Bole wiederholt Europas schwerste Mixedroute

www.climbubu.com - Bubu Website mit super Videos, Berichten und perfekten Eisgeräten.

www.jennylavarda.com - die Hompage von Jenny Lavarda

LARCHER-VIGIANI - das Topo der Tour.

Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
Via Larcher-Vigiani - Marmolada (2006), Photo by Fabio Dandri
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