Die Unglücksstelle im Detail © Simon Carter
08 Februar 2009

Lebensgefährlicher Klettertourismus

Am 2. Jänner stirbt Nick Kaczorowski in den Blue Mountains (AUS) durch von kroatischen Klettertouristen falsch gesetzte Bolts… + VIDEO

Nick kletterte mit Andrew die Route Bunny Bucket Buttress (270 Meter, Grad 18 = 6b+) in den Blue Mountains ca. 100 km von Sydney. Da sie kein Topo dabei hatten, kamen sie nach der 5 Seillänge von der Route ab und folgten einer neuen gebolteten Line. Nach etwa 30 m machten sie auf einem Band an einem BH Stand. Der Weiterweg wurde nun deutlich schwieriger (über Grad 21 = 6c+). Nick hing im zweiten Bolt und versuchte den dritten Bolt mit mein einem Stock einzuhängen, als der zweite Bolt plötzlich mit Nick aus der Wand brach. Nick stürzte am Stand vorbei in den Tod, da sein Seil durch die scharfe Felskante des Bandes auf dem sie Stand hatten, durchgetrennt wurde.

Der australische Topfotograph und Nicks Kletterfreund Simon Carter, der auch Autor des Blue Mountains Guide Books ist, analysierte den Unfall und kam zu erschreckenden Ergebnissen.

Ungeeignete Bolts

Er nahm die Bohrhaken, der im Jahr 2007 von Kroaten eröffneten Route genauer unter die Lupe und stellte fest, dass sich fast alle Bolts mit minimaler Kraft aus dem Fels ziehen ließen (siehe Video). Als er Nachforschungen zu den von den Kroaten verwendeten Bolts machte, stellt der fest, dass der verwendete Raumer HANG FIX - Bolt in M8L nicht zum Klettern empfohlen ist. Darüber hinaus fand er in den Bohrlöchern sehr viel Sand vor, was auf unvollständiges Säubern des Bohrlochs hindeutet.

Bekannte Gefahr

Die kroatischen Erstbegeher Boris Cujic und Ivica Matkovic halten bei der Tourenbeschreibung auf ihrer Website sogar fest, dass sie mit den aus Kroatien mitgebrachten Bolts und dem weichen Sandstein große Probleme hatten. Bereits bei der Erstbegehung ihrer Route drehten sich einige Borhaken bzw. ließen sich rausziehen. „The worst thing is that the bolts are not holding in this soft rock. You place the bolt, apply the weight and it’s already turning.”

Kurz nach seiner Erstbegehung schickte Boris Cujic an Simon Carter ein Topo und eine kurze Routenbeschreibung für den Blue Mountains Führer. In seiner Beschreibung fand sich keinerlei Hinweis auf die gefährlichen Bolts.

Ignoranz von Warnungen

Laut Simon Carter ist Boris Cujic sogar von dem Lokal Andy Richardson vor dem Einsatz dieser Bolts in den Blue Mountains gewarnt worden sein, wobei er diese Warnung nach dem Unfall abstreitet.

Conclusio

Bei uns wäre dies wahrscheinlich ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Wir wollen hier aber nicht anklagen, sondern versuchen, aus diesem tragischen Unfall einige Lehren zu ziehen:

1) Vertraue nie blindlings einem Bolt!

2) Immer nur auch für das Klettern geeignete und freigegebene Bohrhaken verwenden!

3) Vor der Erstbegehung einer Route in fremden Gebieten mit den Locals Kontakt aufnehmen!

4) Immer möglichst umfassende Informationen, insbes. potentielle Gefahren, an Führerautoren weitergeben!

Nachsatz: Der Seilriss rettete wahrscheinlich Niks Partner Andrew das Leben, da der eine Bolt am Stand wahrscheinlich auch nicht gehalten hätte.

Boris Cujic zum Bohrhakenunfall in Australien

Quelle: www.onsight.com.eu

Video: Pierces Pass Bolt Removal - 4;08 min

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Webtipp:

www.onsight.com.au - Simon Carters Website mit einem detailierten Bericht

Die Unglücksstelle im Detail © Simon Carter
Sand im Bohrloch © Simon Carter
Der betroffene Bolt © Simon Carter
Betroffene Route. Der rote Punkt markiert den Stand bzw. die Unglücksstelle ©  Simon Carter


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