Roraima Tepuis Foto: Klaus Fengler
28 Oktober 2010

Lost World – Vol 2

Am 8. November brechen Stefan Glowacz und Holger Heuber ein zweites Mal nach Venezuela auf, um ihre Erstbegehung am Roraima Tepuis zu vollenden., diesmal leider ohne Kurt Albert

Es wird vielleicht die schwerste Expedition ihres Lebens. Sie werden dabei auf ihren langjährigen Freund und Kletterpartner Kurt Albert verzichten müssen. Die Kletterlegende stürzte Anfang Oktober in der Fränkischen Schweiz in den Tod (mehr).

Expeditionsstil „by fair means“

Im Frühjahr dieses Jahres versuchte Stefan Glowacz zusammen mit Holger Heuber und Kurt Albert die Tour zum ersten Mal. Ganz ihrem Expeditionsstil „by fair means“ entsprechend, schlugen sie sich mit Hilfe von einheimischen Indianern tagelang durch den Busch von British Guyana, bis an den Wandfuß des Roraima Tepuis im benachbarten Venezuela. Seine Nordwand wollten sie durchsteigen. Die über 600 Meter hohe, stark überhängende Kante ragt wie ein überdimensionaler Schiffsbug hervor. Mit einem Hubschrauber wäre es ein Leichtes, sich am Fuße der Wand absetzen zu lassen. Dies lehnt Stefan Glowacz jedoch kategorisch ab. Sich mit künstlichen Hilfsmitteln an einen entlegenen Ausgangsort bringen zu lassen, entspricht nicht seiner Vorstellung vom Expeditionsbergsteigen.

So war bereits der Anmarsch ein Abenteuer für sich. Eine passagenweise senkrechte, über 800 Meter hohe Dschungelbarriere warf das Team in ihrem Zeitplan weit zurück, der unglaublich intensive Regen tat sein Übriges. Riesige Wasserfälle stürzten über die Wand und machten das Klettern für Tage unmöglich. Bis zur Wandmitte, anspruchsvollstes Gelände im oberen neunten Schwierigkeitsgrad – kämpften sich Stefan Glowacz und sein Team. Dann mussten sie resigniert den Rückzug antreten. Die letzten Reste der Trockennahrung waren aufgebraucht, der mühevolle Anmarsch forderte seinen Tribut.

Sinne von Kurt Albert

Jetzt wollen Stefan Glowacz und Holger Heuber das Projekt Roraima auch im Sinne von Kurt Albert vollenden. Sie wissen, dass die größten klettertechnischen Schwierigkeiten noch vor ihnen liegen und rechnen mit dem zehnten Grad. Ein Kamerateam wird sie begleiten und ihren mühevollen Aufstieg für einen Kinofilm dokumentieren. Er wird im Herbst 2011 erscheinen und den Zuschauer mit einzigartigen Bildern an der Expedition teilhaben lassen.

Infobox:Stefan Glowacz

Erfolgreichster Wettkampfkletterer Deutschlands

Geburtsdatum: 22. März 1965

Größe/Gewicht: 1,80 m/70 kg

Beruf: Abenteurer, Kletterer, Referent, Unternehmer

Wettkampf-Erfolge:

1985: Sieger beim Sport Roccia (Bardoneccia, Italien)

1987, 88 und 1992: Gewinner Rock Master (Arco, Italien)

1992: Gewinner des inoffiziellen Demonstrationswettkampfs

bei den Olympischen Winterspielen (Albertville, Frankreich)

1993: 2. Platz bei der WM (Innsbruck, Österreich)

Kletter-Höhepunkte:

1994: Erstbegehung ”Des Kaisers neue Kleider” Wilder Kaiser, Österreich (X+)

Grönland-Expedition, Erstbegehung ”Moby Dick” (IX+)

1995: Kanada-Expedition, Erstbegehung ”Fitzcaraldo” (VIII+)

1996: Erstbegehung mit Kurt Albert in den Dolomiten: Südwand der

Kleinen Zinne ”Gelbe Mauer” (IX)

1997: Ostgrönland-Expedition, Erstbesteigung ”Nordlicht” am Tupilak (VIII+)

1999: Segel- und Kletterexpedition in die Antarktis, Erstbesteigung

„Hart am Wind“ (IX)

2000: Kletterexpedition Vietnam; Kletterexpedition nach Baffin Island (IX)

2001: Kletterexpedition Mexiko „El Gigante“ (IX+)

2003/04/05: Patagonien Murallón „The lost world“ (VIII), „Vom Winde verweht“ (IX)

2004: Erstbegehung Titlis Engelberg/Schweiz „Letzte Ausfahrt Titlis“ (X-)

2006: Kletterexpedition nach Venezuela Tafelberge (IX-)

2008: Kletterexpedition nach Baffin Island „The Bastions“ (X-)

2009: Kletterexpedition Minas Gerais/Brasilien “Place of happiness” (IX)

2009: Non-Stop-Begehungsversuch Fitz Roy/Patagonien

2010: Erstbegehungsversuch Roraima Tafelberg im Dreiländereck von British Guyana,

Venezuela, Brasilien (IX+), ab 08.11.2010 Fortsetzung und Vollendung des Projekts

Webitpp:

www.glowacz.de

Roraima Tepuis Foto: Klaus Fengler
Roraima Tepuis Foto: Klaus Fengler
Stefan Glowacz Foto: Klaus Fengler


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