Mit dem Van in den Schweizer Bergen (c) Andreas Jentzsch
21 Mai 2020

Mehrtägige Bergsteiger-Reisen mit dem Wohnmobil oder Van

Viele Tipps und Tricks, zur Auswahl und Ausbau des Vans. Was muss alles mit, wo darf man Campen und wie sieht es mit der Sicherheit aus.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Leben auf Rädern. Bewegliche Tiny Houses, neue Wohnmobilkonzepte sowie um- und ausgebaute Vans liegen im Trend. Nicht nur, weil sie ein freieres Leben ohne festen Wohnsitz und mit der Möglichkeit, jederzeit spontan irgendwo anders hinfahren und leben zu können ermöglichen. Vielmehr geht mit dem neuen Wohntrend oft auch ein sparsamer Umgang mit Ressourcen einher. Wer braucht eine 70 Quadratmeter große Wohnung, wenn alles wirklich Wichtige auch in einen kompakten Van passt?

Man muss natürlich nicht unbedingt gleich das gesamte Leben in einen ausgebauten Van oder in ein Wohnmobil verlegen. Für Bergsteiger und Kletterer, die gerne mehrtägige Touren machen und eine Menge Ausrüstung mitnehmen möchten, lohnt sich ein eigenes Fahrzeug, in dem sich auch kochen und übernachten lässt. Außerdem ist es beispielsweise alleine aufgrund der aktuellen Lage doch auch angenehmer, nicht mit dem Zug oder Bus in die Berge zu müssen, sondern sein eigenes Gefährt zu haben, in welchem man alleine oder zu zweit unterwegs ist.

Welche Fahrzeuge eignen sich für Bergsteiger?

Wer sich dazu entschließt, sich ein eigenes Fahrzeug zu kaufen, das zum persönlichen Wohnmobil umgebaut werden soll, steht natürlich vor der Frage: Welcher Van eignet sich hierfür am besten?

Natürlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten, da jeder Bergsteiger eigene Vorstellungen von Komfort und eigene Bedürfnisse und Vorlieben hat. Der eine braucht mehr Platz, der andere weniger. Manche kommen mit zu großen Vans auch nicht klar. Überhaupt: Zu groß ist für die Berge nicht gut, denn steile Pässe und kleinere Nebenstraßen sollen nicht jedes Mal zum Problem werden.

Die Klassiker unter den Vans in der Camper-Community sind sicherlich VWs. VW Busse und VW Vanagons oder andere ältere Modelle sind gut geeignet für alle, die selbst noch Hand anlegen möchten. Günstige gebrauchte VW-Busse sind häufig zu finden, nicht selten fallen dann aber noch kleinere bis größere Reparaturarbeiten an.

Optimal für den Um- und Ausbau sind aber sicherlich Sprinter Vans. Sie sind in der Regel geräumig genug, um Küche, Waschstation und Klo sowie ein kleines Bett unterzubringen und man kommt eigentlich auch überall mit ihnen hin und durch. Sprinter gibt es häufig von VW oder Mercedes, aber auch einigen anderen Marken. Profibergsteiger und Extremkletterer Alex Honnold etwa (der 2007 den El Capitan im Yosemite National Park 2017 ohne technische Hilfsmittel und ohne Sicherung bestieg) fährt und lebt in einem 2016 Dodge Ram Promaster. Erst kürzlich stockte er von einem 2002 Ford Econoline E150 auf den Dodge auf. Der Kletterer Nate Murphy wiederum fährt einen Ford Transit. Die Umbauten zeigen: Beides ebenfalls tolle Vans, die sich für den Ausbau zum Wohnmobil eignen!

Wichtige Ausrüstung und wo sie sich im Wagen verstauen lässt

Wer sich mehrere Tage lang auf eine Tour in die Berge begibt, muss an einiges denken. Was die wichtigste Kleidung betrifft, ist zumindest ein Set Unterwäsche und ein Shirt für jeden Tag einzupacken. Dazu kommen aber noch etliche andere wichtige Ausrüstungsgegenstände, die wir in einer Liste zusammengefasst haben.

Unsere Liste ist zum einen als Packliste oder Checkliste zu verstehen, um für mehrtägige Touren gewappnet zu sein und nichts zu vergessen. Zum anderen soll sie aber auch verdeutlichen, dass wirklich eine Menge Ausrüstung zusammenkommen kann, für die genügend Stauraum im Van vorhanden sein muss. Folgende Dinge sollten oder müssen eventuell mitgenommen werden:

Kleidung

  • Bergschuhe/ Kletterschuhe
  • Kletterhose , je nach Diziplin event. Überhose
  • Funktionsshirts /Merinoshirts
  • Fleecepullover/ Fleecejacke
  • Regenjacke/ Hardshell
  • Isolationsjacke
  • Funktionsunterwäsche
  • Wechselsocken
  • Kappe/ Stirnband/ Mütze
  • Handschuhe

Kletter-/Bergausrüstung

  • Einfach- und/oder Doppelseil
  • Expressset
  • Mobile Sicherungsgeräte
  • Schlingenmaterial
  • Helm
  • Gurt
  • Kletterschuhe
  • Bergschuhe
  • Event. Steigeisen
  • Biwaksack
  • Crashpad (braucht aber leider superviel Platz)

Sonstiges

  • Wichtige Dokumente
  • Sonnenbrille
  • Rucksack mit ausreichend Stauraum
  • Schlafsäcke/ Decken
  • Stöcke
  • Topografisches Kartenmaterial
  • Kompass
  • GPS-Gerät oder GPS-Uhr
  • Fernglas
  • Stirnlampe
  • aufgeladenes Handy und Ladekabel
  • Eventuell Fotoausrüstung
  • Akkus /Batterien/ Aufladegeräte
  • Waschtasche mit Zahnbürste, Zahnpasta, kleiner Seife/ Duschgel, Lippenpflegestift
  • Reisehandtuch
  • Trinkflasche oder Trinksystem
  • Verpflegung
  • Müllbeutel
  • Taschenmesser
  • Outdoor-Feuerzeug/ Feuerstahl
  • Erste-Hilfe-Set mit Schmerzmitteln, (Blasen-)Pflastern, Durchfallmedikamenten, Zeckenzange, Wund-Desinfektionsmittel und Rettungsdecke für den Notfall
  • Tape
  • Sonnencreme
  • Taschentücher
  • Sitzkissen
  • Campingkocher
  • Topf
  • Windschutz
  • Spiritusbehälter
  • Abtrockentuch
  • Spork

Der meiste Stauraum lässt sich für all diesen Kram beim Ausbau eines Vans zum eigenen Wohnmobil übrigens unter dem Bett generieren. Wie auch im weiter oben verlinkten Video bei Alex Honnold zu sehen, kann im Grunde über die ganze Breite und Länge des Betts ein verborgener Vorratsschrank angelegt werden, in dem das Wichtigste Platz findet. Am besten erfolgt der Zugriff über die Rückseite oder den Kofferraum des Vans. Mithilfe von ausziehbaren, stabilen Schubladen, kann auch leicht auf Gegenstände, die sich mittig unter dem Bett befinden zugegriffen werden.

Ebenfalls Stauraum kann unter Sitzgarnituren gebildet werden. Hohle Bänke und Stühle dienen als Truhen für allerlei kleinere Gegenstände, Verpflegung oder Kleidung.

    Einsamer Dinner unter Sternen auf einem Schweizer Alpenpass (c) Andreas Jentzsch
    Mit dem Van in den Schweizer Bergen (c) Andreas Jentzsch
    Mit dem eigenen Wohnmobil oder Van ein paar Tage in die Berge - ein Traum  © stock.adobe.com/ Fabio Principe
    Eine Radkralle macht das Fahrzeug diebstahlsicher, nimmt aber auch einiges an Platz weg.  © stock.adobe.com/ maho
    Je kleiner der Van, desto kreativer muss in manchen Situationen der Stellplatz sein (c) Andreas Jentzsch
    5-star-cooking, oder so ähnlich;-) (c) Andreas Jentzsch

    Sicherheit bei Reisen mit dem eigenen Van oder Wohnmobil

    Um sich nicht ständig Sorgen um die Sicherheit im und rund ums eigene Fahrzeug machen zu müssen, sollten Bergsteiger mit Wohnmobilen ebenfalls einige Dinge beachten. Das fängt beim Übernachtungsplatz an, auf den wir im nächsten Abschnitt noch im Detail zu sprechen kommen.

    Ebenfalls extrem wichtig ist es vor dem Trip, das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu prüfen. Übereuphorisch sofort loszufahren kann gefährlich werden. Besonders wichtig ist beim Check die Gasprüfung. Denn ausströmendes Gas in Verbindung mit einem kleinsten Funken kann zu einer Katastrophe führen. Also: Immer die Technischen Regeln für Flüssiggas (TRF) beachten und auch sonst nicht an Zeit und genauem Auge sparen, wenn es um die Sicherheit geht.

    Abgesehen davon sind mögliche Einbrüche ins Wohnmobil wohl die größte Gefahr. Im schlimmsten Fall wird nicht nur eingebrochen, sondern sogar das ganze Gefährt geklaut. Eingebaute Ortungssysteme, die sich etwa in einer Sitzbank verstecken lassen, können für etwas weniger Sorgen führen. Um sich gegen einen Fahrzeugdiebstahl zu schützen, gibt es eigentlich nur drei wirklich sinnvolle Möglichkeiten:

    1. Lenkradkralle/ Lenkradsperre
    2. Pedalfessel
    3. Radkralle

    Natürlich muss bedacht werden, dass gerade eine Radkralle auch wieder einiges an Platz wegnimmt. Wichtiger ist daher vielleicht zunächst die Einbruchssicherung. Grundsätzlich sollten natürlich niemals irgendwelche Wertgegenstände oder Auffälligessichtbar im Fahrzeug liegen gelassen werden. Zusätzlich kann ein mehrsprachiger Zettel mit der Information, dass hier keine Wertsachen zu erbeuten sind, der sichtbar an der Frontscheibe angebracht wird, helfen, Einbrecher abzuhalten.

    Da gerade die Fenster zu den Schwachstellen gehören, kann auch das Anbringen von Sicherheitsprofilen/ Aluminiumprofilen sinnvoll sein. Diese Profile lassen sich recht einfach selbst montieren und verhindern ein schnelles Aufhebeln der Fenster. Auch schrecken Fensteralarmsysteme die meisten Einbrecher ab.

    Van und Wohnmobil zum Übernachten abstellen

    Die sicherste Variante Van oder Wohnmobil zum Übernachten abzustellen sind natürlich offizielle Campingplätze. Wer im Netz nach Campingplätzen etwa in den Alpen sucht, wird sicherlich schnell auch fündig werden. Selbst einige 5 Sterne Campingplätze für alle, die es zwischendurch mal etwas luxuriöser haben möchten, existieren.

    Doch wie sieht es eigentlich mit spontanem Übernachten am Straßenrand oder auf einem Parkplatz aus?

    In Deutschland gilt: Das einmalige Übernachten am Straßenrand ist auch im Van oder Wohnmobil möglich und nach der Straßenverkehrsordnung erlaubt. Wichtig ist aber, dass es bei einer einzigen Nacht zur "Wiederherstellung der körperlichen Fahrtüchtigkeit" bleibt. Wer also mehrere Nächte am Straßenrand schlafen möchte, sollte sich zumindest für jede Nacht eine Option in deutlicher Entfernung zum vorherigen Schlafplatz aussuchen.

    In Österreich gibt es Sonderregelungen in einzelnen Regionen und ähnlich ist es auch in der Schweiz, wo das Campen je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich geregelt ist.

    Darüber hinaus ist die europäische Gesetzeslage zum Wildcampen mit fahrbarem Untersatz sehr unübersichtlich und komplex. Wer eine Tour startet, sollte sich auf jeden Fall vorher genau zu den Bestimmungen informieren. Im Zweifel kann es auch nicht schaden, sich vor Ort zum Beispiel bei anderen Campern oder auch bei Einheimischen zu informieren. Mit etwas Glück sind die sogar auf dem aktuellsten Stand.

    Auf was ist sonst noch zu achten?

    • Bei Fahrten durch Tunnel und über Alpenpässe ist an jegliche Mautgebühren zu denken. Für das Befahren der Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich müssen beispielsweise rund 30 Euro bezahlt werden. Je nach Tunnel-Länge können hier Mautgebühren (etwa für den Bosruck-Tunnel (5,5 Kilometer) von rund 5,50 Euro anfallen. Der 11,6 Kilometer langen Mont-Blanc-Tunnel zwischen Frankreich und Italien kann einen schon einmal mehr als 44,40 Euro kosten und für den Mont-Cenis-Tunnel können es sogar über 50 Euro sein.
    • Eine Vollkasko-Versicherung abzuschließen ist keine dumme Idee. Denn einen Außenspiegel erwischt es schnell mal. Gerade im Stadtverkehr machen ungeübte Fahrer größerer Autos sowieso gerne mal Fehler und dann ist die Versicherung einfach praktisch.
    • Bergsteiger mit eigenem Van sollten immer daran denken für das Wildcampen genügend Müllsäcke dabeizuhaben. Jeglicher Müll ist immer wieder mitzunehmen und anschließend etwa auf Campingplätzen ordnungsgemäß zu entsorgen!
    • Wenn man mit dem Van unterwegs ist, ist eine eigene Toilette oder gar ein eigenes Badezimmer nicht unbedingt nötig. Vorausgesetzt man ist nur ein paar Tage unterwegs. Waschen kann man sich auch mit einer Schüssel und ein paar Litern Wasser. Öffentliche Toiletten findet man immer und notfalls tut es auch ein stilles und unbeobachtetes Örtchen im Freien.
    • Zu guter Letzt noch die wichtigsten Tipps für ruhigen Schlaf: Um sowohl gegen zu kalte, als auch zu warme Nächte gewappnet zu sein, sollte der Van zum einen gut isoliert werden. Zum anderen ist darauf zu achten, nie in der prallen Sonne zu parken, da sich die Hitze sonst aufstaut und oft auch am nächsten Tag kaum noch aus dem Wagen zu bekommen ist. Gegen Mücken schützt man sich übrigens am besten mit Zitronengrasduft, der rund ums Fahrzeug verteilt wird. Ein Moskitonetz fürs Bett kann natürlich auch nicht schaden.


    Kommentare

    Neuer Kommentar
    Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.