Alexander Huber in der Hasse Brandler, 8+, 600 m, Große Zinne Nordwand © Heinz Zak
30 Oktober 2009

Neues Buch: Alexander Huber Free Solo

Klettern in seiner reinsten Form vorgestellt in einem großartigen Bildband mit Hintergrundinfos von Alexander Huber

 

+ Interview

Für viele Alpinisten ist das Klettern ohne irgend-eine Sicherung Wahnsinn, sind die Männer und Frauen, die schwierigste Routen ohne Klettergurt und Seil gehen, Verrückte. Für wenige ist das Free Solo Klettern in seiner reinsten Form, eine Begegnung mit sich selbst, bei der die mentale Stärke alles ist, bei der in der Auseinandersetzung mit dem Tod Eindrücke intensivster Daseinserfahrung entstehen, die ein Leben verändern.

Großer Bildband mit Hintergrundinfo

Alexander Huber, einer der besten Kletterer der Welt, hat selbst viele seilfreie und exponierte Alleingänge unternommen. In Free Solo gibt er Einblick in eine exklusive Welt an der Grenze des Möglichen. Das Ergebnis ist zweifellos eines der spektakulärsten Alpinbücher des Jahres, bebildert mit ebenso opulenten wie faszinierenden Fotos. Authentisch und offen schildert Huber die Motive und Visionen, die hinter diesen atemberaubenden Klettereien stecken und macht deutlich, dass für die meisten der Ausnahmekönner, die nach intensivem Training und minutiöser Planung eine Route ohne Sicherungen durchklettern, ein Free Solo ein kalkulierbares Risiko ist. Dabei gibt er ein sensibles Psychogramm seiner eigenen Motive.

Von Paul Preuss bis Hanjörg Auer

Die Geschichte des seilfreien Kletterns ist so alt wie der Alpinismus: Ausführlich werden Wegbereiter wie Paul Preuß, Emilio Comici, Cesare Maestri oder Claudio Barbier gewürdigt, wird die Entwicklung des explizit formulierten Anspruchs "Free solo" durch John Bachar im Yosemite-Valley ebenso beschrieben wie die Entwicklung zum Bigwall-Klettern.

Ein wichtiger Fokus des Buches liegt auf der inneren Wirklichkeit der Menschen, die spektakuläre Free Solos unternommen haben. Ihren Textbeiträgen ist breiter Raum gelassen. Der Leser ist dabei, wenn Alex Honnold in "Moonlight Butress" am Half Dome klettert, Alain Robert "La Nuit du Lézard" wagt, Alexander Huber die berühmte "Diretissima" an der großen Zinne durchsteigt, Hansjörg Auer den "Weg durch den Fisch" an der Marmolada-Südwand klettert und bei vielen anderen Unternehmungen mehr.

Elf Fragen zum Buch an Alex Huber

In deinem zweiten Buch geht es um die wohl gefährlichste Disziplin im Alpinismus, gibt es hier auch eine Entwicklung wie z.B. beim Sportklettern?

Das Free-Solo-Klettern ist so alt wie das Klettern selbst und es hat sogar eine sehr interessante Entwicklung. Allerdings machte die Recherche zur Geschichte des Free-Solo-Kletterns viel Arbeit, da es bisher noch keinerlei Literatur zu dem Thema gab.

Du lässt in deinem Buch ja die Geschichte des Solokletterns von Paul Preuss über John Bachar bis Hansjörg Auer Revue passieren, wer ist für dich die herausragendste Persönlichkeit und warum?

Paul Preuss war der Vordenker seiner Zeit und mit Sicherheit kann man ihn deswegen als den geistigen Vater des Freikletterns und des Free-Solo-Kletterns bezeichnen. Mehr als irgendjemand sonst hat aber John Bachar das Idealbild des Free Solo geformt. Mit ihm bekam der Begriff ein klares Bild, eine Definition, die seitdem unmissverständlich und eindeutig ist.

Der Kalifornier definierte aber nicht nur den Begriff, sondern er verlieh dem „Free Solo“ mit seinen außergewöhnlichen Begehungen auch ein Gesicht.

Kann man sich auf eine Solo Begehung einer Tour speziell vorbereiten und wie sieht so eine Vorbereitung aus?

Das kommt natürlich auf das Vorhaben an. Im High-End-Bereich versucht man die Route kennen zu lernen, um damit auch abschätzen zu können, ob man der physischen und psychischen Belastung gewachsen ist. Als Vorbereitung ist aber auch das ganze Kletterleben zu sehen. Jede bis zu diesem Zeitpunkt gewonnene Erfahrung ist Teil der Vorbereitung.

Du bist 2004 mit dem Kommunist 8b+/10+ eine Tour am obersten Ende der Schwierigkeitsskala solo geklettert. Was ist für dich der Beweggrund High End Touren ohne Seil zu klettern?

Ein Grenzgang wird immer besonders starke Eindrücke hinterlassen. Das sind dann derart intensive Erlebnisse, die selbst dann noch glasklar im Gedächtnis bleiben, wenn andere Erinnerungen schon längst im Nebel der Vergangenheit verschwunden sind.

Hattest du bei deinen vielen und zum Teil auch sehr schwierigen Solos mal eine brenzlige Situation?

Hatte ich nie und würde ich auch nicht erlebt haben wollen.

Der Tiroler Hansjörg Auer hat 2007 mit der Solobegehung des "Weg durch den Fisch" 9- an der Marmolada Alpingeschichte geschrieben. Was meinst du zu dieser Begehung?

Das ist mit Sicherheit der „State of the Art“ und wohl auch ein Wegzeiger, wohin es in Zukunft gehen wird.

Free-Solo-On-Sight ist wohl die Köngisdisziplin. Ist das im Highend-Bereich überhaupt noch verantwortbar oder eher Harakiri?

Das muss jeder für sich selbst wissen. Es liegt auf der Hand, dass das Restrisiko bei einem „Free Solo On Sight“ in einer wirklich schwierigen Route nicht mehr als nur marginal weggeredet werden kann.

Der US Solospezialist John Bacher ist ja dieses Jahr bei einem Solo verunglückt. Steht jemanden der regelmäßig solo klettert wie zB. der französische Berufssolist Alain Robert ein solcher Tod relativ sicher bevor?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass jemand, der über Jahre regelmäßig harte Free Solo´s macht, sehr gefährlich lebt.

Eine interessante und junge Disziplin im Klettersport ist ja das sog. Highball Bouldern, wo man bis zu 10 m hohe Boulder ohne Sicherung versucht. Hat das etwas mit Free- Solo-Klettern im klassischen Sinn zu tun, oder eher nicht?

Highballs haben soviel mit dem Free-Solo-Klettern gemeinsam wie das Deep Water Soloing. Highballs sind mental anspruchsvoll, aber eben nicht mit den gleichen ernsten Konsequenzen verbunden.

Bei den Britischen Trad. Routen hat man ja auch über weite Strecken Todessturzpotential, kann man hier nicht auch schon von Soloklettern sprechen?

Es ist definitiv etwas anderes, wenn man mit Seil unterwegs ist. Gerade in den großen Wänden des Himalaya ist man ja auch oft genug nur so marginal gesichert, dass ein Sturz oft genug tödlich wäre. Free Solo ist es aber trotzdem nicht und genauso empfindet man das auch.

Wirst du in Zukunft noch weiter schwere Touren solo versuchen?

Es ist nichts in Planung, aber wie sagt man so schön: Sag niemals nie!

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!

Das Buch könnt ihr ab sofort hier kaufen

Webtipps

Der Berg in Mir - die Autographie des

Alxander Hubers

Grand Capucin Up & Down Free Solo

Video: Alex Huber free Solo im „Kommunist“10+ / 8b+

www.heinzzak.com

www.huberbuam.de

www.team-alpin.at

Eventtipp:

Thomas Huber - Im Vakuum der Zeit (Wien)

Alexander Huber in der Hasse Brandler, 8+, 600 m, Große Zinne Nordwand © Heinz Zak
Wolfgang Güllich bei der ersten Solo Begehung von Seperate Reality, 8 im Yosemite © Heinz Zak
Alexander Huber Solo am Grand Capucin, 7, 400 m  (Im Auf- und Abstieg!) © Heinz Zak
John Bachar 1957 -2009 © Karl Baba / www.peaklightimages.com
Hansjörg Auer solo im Weg durch den Fisch, 9-, 800m, Marmolada Südwand © Heiko Wilhelm
Alexander Huber in Opportunist 10, Schleier- Wasserfall © Michael Meisl
Alexander Huber © Michael Meisl
Free Solo - Alexander Huber


Kommentare

Neuer Kommentar
Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.