PDG 2008 © www.pdg.ch
01 Mai 2008

Patrouille des Glaciers - ein Traum?

Der niederösterreichische Steilwandspezialist Michael Kräftner berichtet vom härtesten Tourenschirennen der Welt, der Patrouille des Glaciers (PDG) in der Schweiz.

Dieser hochalpine und einzigartige Wettkampf in der Disziplin Wettkampfschibergsteigen ist das größte und prestigeträchtigste Rennen der Welt. Bereits 1943 fand das erste Rennen statt. Nach einen tödlichen Unfall knapp nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr das Rennen erst wieder 1984 - nunmehr im Zweijahresrhythmus - eine Neuauflage.

Ursprünglich nur Militärpersonen zugänglich, wurde der Wettbewerb damals zivilen Patrouillen geöffnet. Heuer wurde erstmals der Titel der "Langstrecken Team- WM" vergeben.

Hochalpine 56 km und 4.200 Hm

Die klassische Strecke führt von Zermatt (1616m) über Schönbiel (2660m) auf die Tete Blanche (3650m) und weiter über Col de Bertol (3279m) und Plans de Bertol (2664m) nach Arolla (1980m). Von dort führt die Route auf den Col de Riedmatten (2919m) und über Pas du Chat (2581m) gelangt man nach La Barma (2458m). Der dritte Aufstieg führt auf die Rosablanche (3160m). Dort beginnt der letzte Abschnitt über den Col de la Chaux (2940m) und Les Ruinettes (2195m) nach Verbier (1520m). Diese Route wird unter Skibergsteigern auch als 'Haute Route Nordvariante' bezeichnet.

Über 4.000 Athleten aus 22 Nationen nahmen heuer vom 16. bis 19.4.2008 an diesem Rennen von Zermatt nach Verbier über 56 km und 4.200 Hm teil.

Das besondere an diesem Bewerb ist die hochalpine Streckenführung bis knapp an die 4.000 m Marke, die unvergleichlichen Abfahrten - teils angeseilt - über Gletscher und Steilrinnen, die einmalige Kulisse der Schweizer Berge und die auf der Strecke jubelnden Zuschauer!

Die Vorbereitung

Bereits zum zweiten Mal dabei, hatten wir uns für die 13. Ausgabe sehr viel vorgenommen. Wir das STRABAG ALPIN Team bestehend aus Hortschitz Herbert, der als Ersatzmann für einen verletzten Kollegen kurzfristig eingesprungen war, Hausmann Geri und meine Wenigkeit.

Über 100.000 Hm hatten wir in dieser Tourensaison auf Schiern zurückgelegt. Und zur Akklimatisation fanden wir bereits eine Woche vorher in den Walliser Alpen Traum Bedingungen vor.

Wir wollten unser Ergebnis aus 2006 verbessern und heimlich haben wir mit einer Zeit knapp unter 10 Std gerechnet. Aber erstens kommte es anders und zweitens als man denkt...

Das Rennen

Rechtzeitig vor dem Start am Freitag wurde das Wetter schlecht und nur dem unwahrscheinlichen Aufwand der Organisatoren (Schweizer Armee) ist es zu verdanken, daß das Rennen überhaupt gestartet werden konnte.

Um 01:00 Uhr machten wir uns bei starkem Schneefall und stürmischem Wind in der Höhe als 3-Mann Team auf den Weg. Nach dem Passieren des höchsten Punktes musste Geri das Rennen wegen Magenproblemen und Erbrechen leider aufgeben.

Mir erging es nicht viel besser, doch wollte ich das Rennen unbedingt beenden. Nach über 8 Std hörte der Schneefall endlich auf und die Sicht verbesserte sich. Somit konnten die Abfahrten endlich im entsprechenden Tempo absolviert werden. Leider wurde dann aber die Sonneneinstrahlung für den ohnehin bereits geschwächten Körper zu einer zusätzlichen Tortur.

Der Aufstieg über das mystische Rosa Blanche Couloir, vorbei an tausenden Zuschauern, die extra für dieses Rennen dorthin gelangen, absolvierten wir nur noch in Zeitlupe. Nach einer langen Abfahrt über die Pisten von Verbier mußte noch ein 1,5 km Lauf durch die Straßen der Ortschaft ins Ziel zurückgelegt werden. Nach knapp über 11 Stunden war für uns das Rennen endlich vorbei. Die Schweizer Siegerstaffel benötigte lediglich 6 Std und 24 min.

Nachsatz

Einiges ist schief gelaufen und meinen Körper spüre ich heute noch. Und doch ist es die Einzigartigkeit dieses Rennens, die mich jetzt schon wieder - nur wenige Tage später - meinen Vorsatz (fast) vergessen macht: Nie wieder PDG!

Ich werde es nochmals versuchen, um mir einerseits meinen Wunsch unter 10 Stunden zu finishen, zu erfüllen. Und andererseits, das gemeinsame Erlebnis diesen traditionellen Hochgebirgslauf mit Freunden teilen zu dürfen.

Österreichisches Bundesheer auf Platz 2

Vom Bundesheer haben insgesamt 3 Teams mitgemacht, das beste Team kam auf eine Zeit von 7 Std. 31 Min. und belegt in der militärischen Wertung den 2. Platz. In der Teamwertung gab es dann den 3. Platz.

Webitpps:

www.pdg.ch

Steilrinnen mit Schi im Osten Österreichs - von Michael Kräftner

Video Patrouille des Glaciers - Ski Mountaineering, sehr guter Film über das Rennen (französisch, mit englischen Untertiteln) - 17 Min.

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Video Die Strecke der Patrouille des Glaciers 2008 in einem animierten Kurzvideo (1,5 Min.)

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Michi Kräftner
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