Wenn sie damals das gewusst hätten...
18 September 2006

Problemfall Mont Blanc

Probleme mit dem Massenansturm am Mont Blanc - Bergführer Stefan Keck zeigt weitere Problem auf...

„Der Gletscher war vom Urin der Touristen gelb gefärbt", klagte der Bürgermeister Jean-Marc Peillex der französischen Gemeinde Saint-Gervais zu Füßen des Mont Blanc Massivs. Denn vor einem Monat ist er während eines Aufsichtsrundflugs mit dem Hubschrauber sind inmitten von Fäkalien gelandet.

Osteuropäer und Asiaten würden den höchsten Berg Europas überrennen und hinterlassen gemeinsam mit der ohnehin schon großen Zahl an westeuropäischen Bergsteigern zu viel Müll am Berg.

"Der Mont Blanc ist in Gefahr. Dieses Jahr ist eine Rekordzahl an Bergsteigern gemeldet worden", sagte Peillex laut der der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Er möchte nun Eintrittskarten einführen und so das Problem in den Griff bekommen.

Proteste aus Italien und Frankreich

Der jüngste Vorstoß von Peillex löste bei seinen italienischen Kollegen und bei nachbargemeinden heftige Proteste aus. Sie wollen, dass der Berg Eintrittsfrei bleibt.

Auch die Umweltorganisation Mountain Wildness spricht sich klar gegen Permits aus und sieht in der zunehmenden Verbauung einen viel größeren Schaden.

Die Diskussion ist derzeit voll noch im Gange. Man darf gespannt sein, ob und ab wann es die ersten Permits für den Mont Blanc geben wird. Ob man damit die Gletscher wieder weiß machen kann, darf bezweifelt werden. Besser wäre das Aufstellen von Sanitäranlagen entlang der Aufstiegspur, analog zu den viel besuchten Klettergärten in Italien.

Ergänzung zu den französischen Ausführungen von Stefan Keck

Da wir schon seit Jahren in dieser Region als Bergführer tätig sind, ist das oben erwähnte Problem im Prinzip nichts Neues.

Der CAF (Französische Alpinclub) ist nicht in der Lage, seine Hütten professionell zu betreiben. Insbesondere ist dabei auf die Gouter Hütte hinzuweisen.

Fast jeder Bergsteiger, der sich den 2. höchsten Berg Europas als Ziel setzt, geht das über den sogenannten Normalweg an.

Zwangsläufig gehen dann alle über die Tete Rousse und Gouter Hütte zum Gipfel. Eine perfekte Tourenplanung ist Voraussetzung für jede Tour.

In so einer Planung kommt auch irgendwann der Punkt „Hüttenreservierung“ zum Greifen. Dieser Punkt ist auf der Gouter Hütte nicht möglich.

Laut Auskunft der Hüttenpächter gibt es für die ganze Saison nur einen Tag, um Reservierungen zu tätigen. Das ist für 2007 der 15. April (wichtiger Termin für alle, die nächstes Jahr den Mt. Blanc machen wollen) und ist nur per Fax Refuge du Gouter, Olivier Curral, Fax no. 0033 450 939005 möglich. Wer es nicht schafft, an diesem Tag seinen Übernachtungstermin zu fixieren, hat Pech. Unfreundliches Hüttenpersonal und eine bis zu dreimal überbelegte Hütte wird einem dann erwarten.

Das heisst, wenn man den Termin verpasst, kann man anrufen so oft man will, es wird einem keine definitive Zu- oder Absage erteilt. Man wird darauf hingewiesen, dass es nicht möglich ist, zu reservieren, so ganz nach dem Motto – mal schauen, ob was frei ist, wenn ihr da seid. Somit ist es für einen privaten Bergsteiger fast nicht mehr möglich, in einer Schutzhütte zu übernachten. Was ist die logische Folge – die Leute bringen ihre Zelte mit und es entstehen schöne grosse Zeltlager am Berg. Es ist nicht selten, dass hinter der Gouter Hütte ca. 30 Zelte stehen. Die damit entsehenden Umweltbelastungen sind absehbar und kein verblüffendes neues Phänomen. Dass die Menschen dann ihre Scheisse in der Gegend lassen, ist ein natürliches Übel.

Andererseits muss man die Bergsteiger mit Zeltlager auch irgendwo verstehen. Der Wunsch der Franzosen wäre, dass es nur noch mit (einheimischen) Bergführern möglich ist, eine Hüttenreservierung zu bekommen. Was ohnehin schon fast so ist. (Wie soll man sich sonst erklären, dass es auf der Gouter Hütte einen eigenen Führerraum (nur für Franzosen!) gibt – der, wenn man reinschaut, eingerichtet ist wie wenn unsere französischen Kollegen da den ganzen Sommer wohnen würden).

Wenn man trotz allem ohne Zelt hingeht, muss man eine Nacht in der Gaststube unter oder auf den Tischen ohne Decken oder sonstigen Hüttenluxus verbringen. Dafür darf man dann am morgen die volle Kohle für eine Übernachtung bezahlen. Wenn man bedenkt, dass die Hütte offiziell nur ca. 100 Schlafplätze hat und auch nur diese Plätze offiziell verrechnet werden könnten – verdient der Pächter ein schönes Taschengeld dazu.

Was ist die logische Folge – wer sich nicht verarschen lässt und sein Ziel erreichen will, wird andere Möglichkeiten finden – auch wenn es zu Lasten der Natur geht. Bergsteiger sind Egoisten, die ihr Ziel um jeden Preis erreichen wollen – und das ist eben auch am Mont Blanc so.

Wenn man die objektive Gefahr am Zustiegsweg zur Gouter Hütte betrachtet, ist es sowieso sehr fragwürdig, warum man diese Hütte nicht zusperrt.

Damit würden schon etliche Leute, die auf diesem Berg nichts verloren haben, wegfallen und der Massentourismus würde sich ganz schnell von selbst regeln.

Wenn man von der Tete Rousse Hütte auf den Gipfel muss und am selben Tag wieder retour – werden nicht mehr viele Gipfelaspiranten übrig bleiben.

Natürlich würde dann unseren Kollegen aus Chamonix ein Haupteinnahmefaktor ausfallen (und ausserdem würde das Geschäft der Flugrettung Einbussen erleiden – wenn man bedenkt, dass sie jeden Tag 2-3 Mal unterwegs sind, um Stöckelschuhtouristen oder Leute, die vom Steinschlag getroffen wurden zu holen) – aber muss man wirklich jeden Stöckelschuhtouristen auf den Mont Blanc schleifen?

Webitpp:

www.alpinist.at - die Webpage von Stefan Keck

Qulleen:

La Rupblica

L’express

orf.at

Wenn sie damals das gewusst hätten...
Auf dem Weg zum Gipfel
Gletschertoiletten wären eine Lösung (82 kg, im leeren Zustand)
Auf für den Großglockner hat man Regelmentierungen diskutiert.
Der höchste Punkt (hier der Glockner) ist meist ein "Publikumsmagnet"
Das Mont Blanc Massiv


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