Klettern am 16. Januar 2005 im Oberallgäu. Wer will da nach Arco :-)
25 April 2005

Sanierung der Kellerwand bei Hindelang im Allgäu

Es wurde lange dort oben geputzt, gebohrt und gehämmert, nun ist der von Walter Hölzler sanierte Klettergarten fertig....

An der Kellerwand am Südhang von Hindelang hat man schon vor vielen Jahren die ersten Kletterer gesehen. Doch die alten Haken und der teilweise brüchige Fels gaben Ausschlag dafür, dass das Gebiet nie richtig bekannt wurde.

Komplettsanierung und neue Bewertung

Der kurze, einfache Zugang und die ganzjährige Sonnenexposition veranlassten mich nach einer Nachfrage bei Hindelanger Kletterern im Herbst des Jahres 2003, den Klettergarten zu sanieren. Seit dieser Zeit entstanden 19, mit Edelstahlhaken ausgerüstete und geputzte Routen - ein Großteil der Haken wurde von der IG Klettern Allgäu gesponsert! Wegen brüchigen Passagen und ungünstigem Routenverlauf wurden einige alte Kletterwege in ihrer Linie verändert, neu eingerichtet und von losem Gestein gesäubert. Aus diesem Grund gibt es zahlreiche neue Namen und Bewertungsvorschläge.

Charakter des Klettergartens

Die Wand ist in vier Sektoren unterteilt. Im unteren rechten Wandteil ist es plattig und nur annähernd senkrecht. Links im Wald wird es immer steiler, aber auch griffiger. In den oberen zwei Bereichen ist es sehr steil und im Hinblick auf Felsqualität und Absicherung etwas alpiner. Ein Helm, zumindest für den Sichernden, ist ratsam. Mit einem 60 Meter-Seil kann man alle Routen bis auf "Himmelsleiter" und "Dolomitenmann" in einem Zug klettern.

Die Routennamen und die Schwierigkeitsvorschläge (eher etwas härter bewertet) sind am Einstieg angeschrieben.

Begünstigtes Klettergebiet

Die Wand liegt das ganze Jahr über in der Sonne. Bei Inversionswetterlage hat es im Winter oft herrliche Bedingungen und beste Temperaturen zum Klettern.

Kleinkindgeeignet

Wir haben unseren kleinen Sohn schon mehrfach mit an die Kellerwand genommen. Im unteren, rechten Wandsektor bei der Route "Sonntagsspaziergang" leitet der Wanderweg direkt an die Felsen. Dort ist es einigermaßen eben, so dass Kinder unter Aufsicht spielen können. Trotzdem sollte man beachten, dass sie immer der ein paar Meter von der Wand entfernt sind. Denn im oberen Bereich des Hirschberges gibt es Gemsen die immer wieder einen Stein lostreten können. Auch die Sicherungsleute sollten sich relativ nah an der Wand aufhalten. Es ist uns zwar noch nie passiert, dass Steine gefallen sind, doch sicher ist sicher...

Die Routen der Kellerwand

Der untere rechte, graue Wandteil ist sehr fest und teilweise plattig. Einige Routen überraschen mit schöner Lochkletterei. Zum Einstieg empfehle ich die Route "Sonntagsspaziergang" (6-) am rechten Ende der Wand. Der "Plattentanz" (7-) beginnt mit schönen Löchern und wird nach oben hin immer plattiger. Dort befindet sich auch die Schlüsselstelle. Die "Rutschbahn" (6+) ist meist nass und nicht sonderlich zu empfehlen. Umso schöner sind die daneben liegenden Routen "Petra" (6-) und "Nico" (6). Überraschend gute Löcher und Griffleisten weisen den Weg durch die steile Platte.

Links der "Petra" folgt man dem Pfad zu den anderen Routen, die weiter im Wald liegen. Die "Easy way" (5) ist unten sehr leicht und hat ihre Schlüsselstelle (Platte) in der Mitte. Der kleine "Casanova" (5+) liegt im steilen Sektor. Nach vier Metern muss man an Seitgriffen nach rechts an die Kante hinaus.

Die "Gewußt wie" (7+) wartet mit einer harten Einzelstelle am Überhang. Eine Problemzone (6-) kann man schon von unten erkennen. Die glatte Platte ist eine Hürde für kleine Kletterer. Etwas weiter links geht es leichter.

Die alte Route "Hot Line" (8+) stellt den Begeher schon am Einstieg auf die Probe. Danach geht es senkrecht an guten Griffen, aber etwas weiteren Hakenabständen, schön dahin. Kurz vor der Umlenkung wird es nochmals steil und kleingriffig. "Catch my fall" (9-) habe ich noch nicht geklettert.

Der "Staubige Bruder" (6+) ist lange nass und - wenn trocken - etwas staubig; trotzdem nicht zu verachten. Im "Schwarzen Diamant" (6) sind überall dort Griffe, wo man sie auch braucht - vorausgesetzt, man ist dem Schwierigkeitsgrad gewachsen. Der Fels ist herrlich fest.

Wenn man weiter nach links um die Wand geht, gelangt man über ein steiles Grasstück zur Route "Sonne im Herzen" (7-). An den Haken der Fixseile kann man sich sichern. Die Route bietet steile und griffige Dolomitfels-Kletterei, die Absicherung ist gut, der Fels geputzt. Trotzdem sollte man in den oberen Wandsektoren die Griffe prüfen. Ein Helm für den Sichernden würde ich empfehlen. Ähnlich verhält es sich in der "Miss Allgäu" (9-).

Wenn man die Fixseile weiter nach rechts oben verfolgt, gelangt man auf eine große Terrasse. Von dort starten sehr lange Routen. Die Absicherung ist top, jedoch etwas alpiner als unten. Der Fels ist so gut wie möglich geputzt. Doch wie in den zwei zuvor beschriebenen Routen sind einige Passagen zu prüfen. Alpinkletterer finden hier sicherlich ihr Betätigungsfeld.

Zugang

Es besteht eine kostenlose Parkmöglichkeit am Busbahnhof von Hindelang oder auf dem Parkstreifen der Hauptstraße gegenüber des Kurhauses. Wenn man von dort in Richtung Hirschberg blickt, erkennt man im unteren Teil die gelben und grauen Wandsektoren.

Zu Fuß geht es bergwärts und rechts haltend durch den Ort zum Hotel Sonnbichel. Wer hier einen Parkplatz findet, kann sich etwa zehn Gehminuten sparen. Kurz nach dem Hotel führt eine für KFZ gesperrte Straße zum Cafe Polite, in dem man den Klettertag mit Kaffee und Kuchen gemütlich ausklingen lassen kann. Dieser Straße folgt man zu Fuß ungefähr 300 Meter bis zu einem scharfen Rechtsknick. Von dort ist der Kellerwandweg nach links ausgeschildert und leicht zu begehen. Er führt genau unter die Wand. Gehzeit etwa 40 Minuten vom Busbahnhof zur Wand.

Im Spätherbst, Winter und Frühjahr geht es etwas schneller. Doch die Strecke verläuft, vom Rechtsknick der Teerstraße leicht nach links über Wiesen hinauf an den Waldrand, unwegsam. Dort zieht an den linken Rand der Kellerwand eine baumfreie Schneise hinauf. Über diese gelangt man direkt an die Wand. Im Sommer hat es hier starken Bewuchs, so dass diese Abkürzung nicht zu empfehlen ist. Gehzeit etwa 30 Minuten vom Busbahnhof.

Infos & Topo:

Klettergarten Kellerwand

Webtipp:

www.walter-hoelzler.de - die Page von Walter Hölzler

Text&Fotos: Walter Hölzler

Klettern am 16. Januar 2005 im Oberallgäu. Wer will da nach Arco :-)
Der rechte Wandsektor ist sogar kinderfreundlich !
Steile, griffige Kletterei im rechten Sektor. Der Fels ist überraschend gut. Petra in der Route "Sonntagsspaziergang" (6-)
Die Kellerwand von Hindelang gesehen
Grauer Fels, kleine Leisten, kleine Tritte; Petra in der Route Plattentanz
Petra klettert die Route Petra (6)


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