dws Matt Maddaloni Ao nang Tower2 © gerhard schaar
09 Mai 2006

Sawaadee khaap! – Klettern in Thailand!

Kletternd rund um die Welt, zuerst Indien, ja und dann? Thailand natürlich. Also verfrachte er seinen Luxuskörper innerhalb 24 Stunden vom stickigen Main Bazar in Delhi auf den Meerluft geschwängerten Ton Sai Beach...

Flaute im Hirn!

Nach 2 ½ Monaten Indien habe ich bei meiner Ankunft erst einmal eine ordentliche Flaute im Hirn. Ich brauche einige Tage um mich an das neue Land, die ruhigen Verhältnisse auf Ton Sai, die Hitze und das Sportklettern zu gewöhnen. Doch dann saugt mich dieser Ort mit seiner unbestrittenen Eigenheit gänzlich in sich auf.

Klettern im Paradies auf Zeit

Ton Sai ist ein kleines Paradies. Gutaussehende Kletterer und noch unverschämt besser aussehende Klettererinnen aus der ganzen Welt gehen hier vor Anker. Und jeder scheint seine Probleme weit vor dem Strand über Bord geworfen zu haben, ist freundlich, total auf Klettern und easy going. Das Leben ist im Vergleich zu Europa spottbillig, das Essen richtig gesund und lecker, ja und das Bier eiskalt.

Die Kletterer lassen sich ganz einfach in zwei Kategorien einteilen. Die Frühaufsteher, welche die morgendliche Kühle suchen, und die Abendkletterer, welche eher gemütlich in den längeren Routen unterwegs sind.

In dieser Umgebung Freunde zu machen ist die leichteste Sache der Welt. So finde ich sofort einige Partner, mit denen ich am Anfang meines Aufenthaltes die verschiedensten Sektoren besuche, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Die schönsten Sektoren

Für mich persönlich kristallisieren sich unter den etwa 40 Sektoren eindeutig ein paar Lieblinge heraus. Am besten gefällt mir das Ton Sai Roof, mit all seinen relativ kurzen und steilen Routen. Dann die Cat Wall, eine imposante steile Wand, mit einigen super Mehrseillängen Routen. Dann die Thaiwand Wall auf Railey, wunderbar über dem Meer gelegen, ebenso wie „The Hidden World“ und „The Keep“.

In diesen Sektoren verbringe ich viele Tage mit meinen neuen Freunden, in denen wir klettern, klettern und klettern.

Wie gewonnen so zerronnen

Nach etwa zwei Wochen zeigt dann die Formkurve steil nach oben, und ich hole mir eine Begehung von „Tantrum“ 8a+ am Ton Sai Roof. Diese muss ich aber teuer bezahlen, denn bei einem verschärften Hook kracht es in meinem Allerwertesten furchtbar laut, und ich spüre etwas reißen.

Wie gewonnen so zerronnen! Ich verbringe darauf die nächsten Tage – zur Belustigung der Mädels hinter der Theke - auf einem Sack Eis in der Sawadee Bar.

Die schönsten Mehrseillängen Routen

Nach einigen Tagen Pause beginne ich wieder zu klettern, und mache viele leichtere Mehrseillängen Routen. Einige von ihnen zählen sicher zu den Schönsten bzw. Steilsten, die ich in meinem Kletterleben gemacht habe. Sehr beeindruckt war ich vom Ao – nang Tower (6b, 6b+, 6c), der drei tolle Längen direkt über dem Meer bietet. Über der Monkey World ziehen die drei Längen der „Big Wave (6b, 6b, 6b) hinauf, und an der Ton Sai Wall klettere ich auch den Ultra Klassiker „Humanality“ (6a, 6b, 6b+, 6b+).

Zu den steilen und schwereren Routen zählen dann „Heart of Darkness“ (6a, 6c+, 6c, 7a) an der Catwall, und „Lord of the Thais“ (6b, 6c+, 7a, 7b, 6a+) an der Thaiwand Wall.

Phi Phi

Dann beschließt unsere illustre und internationale Männer-Truppe einige Tage auf Phi Phi zu verbringen. An der „Drinking Wall“ erlebe ich in einem halbstündigen onsight einer 35 Meter 7b den massivsten Schweißausbruch meines Lebens. Als ich am Boden ankomme sehe ich aus, als wäre ich gerade aus der Badewanne gehüpft.

Der Sektor ist allerdings ziemlich cool, und so kommen wir tags darauf ganz früh wieder und werden mit wesentlich besseren Bedingungen belohnt.

Als nächstes steht dann die Hin Tak Wall auf dem Programm. Nach 10minütiger Bootsfahrt steigen wir auf einem weißen Sandstrand aus und schlagen unser Lager unter schattigen Bäumen auf. Dann werfen wir uns in die Fluten, um im glasklaren Wasser zu schnorcheln. Im Vergleich zu Ton Sai bietet das Meer hier wirklich etwas zu sehe: Unzählige bunte Fische, Korallen und sogar Seeschlangen.

Später klettern wir den Mehrseillängen Klassiker „Happy Banana“ 6c, und einige wunderbare 35 Meter 7a´s. Dieser Sektor ist ein „must do“ auf Phi Phi, auch wenn man sich vor den diebischen Affen etwas in Acht nehmen sollte. Sein Essen sollte man besser freiwillig herausrücken, um nicht von einer einschüchternden Horde ins Meer getrieben zu werden. Seine Jause ist man mit ziemlicher Sicherheit sowieso los.

Am letzten Tag unseres Phi Phi Ausfluges sausen wir am Ton Sai Tower einige leichtere Zweiseillängenrouten in einem Stück hinauf. Der Blick über Phi Phi entschädigt für jeden Schweißtropfen den wir vergießen.

You can not party and be a VSC!

Zurück in Ton Sai bin ich bis in die Fingerspitzen motiviert. Ich halte mich von den vielen Parties am Strand fern und stehe früh auf, um noch kühle Bedingungen zu haben. So bekomme ich einen guten Rhythmus, und es gelingen mir einige schöne Begehungen am Ton Sai Roof, darunter drei 7c+ und eine 8a im 2. Versuch.

An einem der letzten Abende gewinnen wir dann auch eine der ganz großen Kletterweisheiten. Als wir früh am Morgen direkt vom Ausgehen zum Klettern übergehen, nur um dort fürchterlich in unserem Projekt abzuloosen, wird uns klar: „You can not party and be a VSC. A very serious climber!”

Wehmütiger Abschied

Von Ton Sai wegzugehen fällt mir irgendwie schwer. Das Leben hier erscheint so einfach und sorglos. Wohl nicht umsonst kommen viele Kletterer seit Jahren jeden Winter hierher, um einfach eine wunderbare Zeit zu verbringen, und ausgiebig ihrem Hobby zu frönen.

Doch diese Stimmung kommt nur deswegen zustande, weil wir alle eben nur eine bestimmte Zeit hier verweilen, und diese entsprechend intensiv ausleben. So füge auch ich mich dieser ungeschriebenen Regel, denn ich weiß wie toll es auf diesem Platz ist, und werde sicher wiederkommen. Für eine bestimmte Zeit.

Auf www.gerhardschaar.com kann man die Kletter Weltreise des untriebigen Kärntners mitverfolgen.

Aktuell gibt es auf seiner Site auch einen nützlichen Kletter – Reiseführer über Ton Sai / Railey als pdf download $2,25 MB!!!$. Für alle die einmal nach Ton Sai wollen bietet der kleine Kletter – Reiseführer wertvolle Tipps und hilfreiche Informationen.

Text und Bilder: Gerhard Schaar

Webtipp:www.gerhardschaar.com

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Links zu den Sponsoren von Gerhard Schaar:

www.kelag.at

www.sleeping-bags.at

www.beal-planet.com

www.austrialpin.at

www.millet.fr

Wer Gerhard Schaar auf seiner Kletterweltreise – derzeit in Thailand - verfolgen möchte, kann dies auf seiner website tun: www.gerhardschaar.com

dws Matt Maddaloni Ao nang Tower2 © gerhard schaar
dws Matt Maddaloni Ao nang Tower3 © gerhard schaar
DWS crew - Ton Sai beach © gerhard schaar
Gerhard Schaar - Ao nang tower - 3rd pitch © gerhard schaar
Bettina Rainer - Cat Wall - The Cat and the Cobra - 6b © gerhard schaar
Gerhard Schaar - Hin Tak Wall - Karma © gerhard schaar
Gerhard Schaar - Ton Sai Roof - Sex Power - 8a © gerhard schaar
Nicola Taatjes - Tyrolian Wall - Lars and Lars - 7a © gerhard schaar
Cave Temple - Krabi - sign with monkeys © gerhard schaar
Jürgen Kerschner- Cat Wall - King CAt - 6c © gerhard schaar
breakfast coffe ws © gerhard schaar
Sponsoren von Gerhard Schaars Weltreise
Ralf BEcker - The Keep - Bottom Feeder - 6c © gerhard schaar
Michael Fink - Thaiwand Wall - The sluggard prince - 6b © gerhard schaar
Matt Maddaloni - secret spot - andaman sea - 7b first ascent © gerhard schaar
Matt Maddaloni - Sunset Wall - Jump Off © gerhard schaar
Gerhard Schaar - Ao nang tower - 1st pitch 6b © gerhard schaar
BJ Cummings - secret spot  - Andaman sea - project © gerhard schaar
Michael Fink - Fire Wall - Burnt Offerings - 7a © gerhard schaar
Schertler Thomas - Hin Tak Wall - Happy Banana - 3rd pitch - 6c © gerhard schaar
Tyrolian Wall and Ton Sai Wall © gerhard schaar
Shaul Salomon - Monkey World - The big Wave - 3rd pitch - 6b © gerhard schaar
Thaiwand Wall © gerhard schaar
Lieke - Humanality - 3rd pitch - 6b+ © gerhard schaar
Sunset - Ton Sai Beach © gerhard schaar
Ao nang Tower © gerhard schaar


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