Der Mürztalersteig am Großglockner (c) Axel Jentzsch Rabl Der Mürztalersteig am Großglockner (c) Axel Jentzsch Rabl
29 August 2026

Streit am Großglockner: Bergführer legt Lizenz zurück

Auf dem Mürztaler Steig am Großglockner geraten ein Bergführer und ein polnischer Bergsteiger aneinander . Bergführer legt Lizenz zurück.

Streit am Großglockner: Bergführer legt Lizenz zurück

Ein Streit zwischen einem steirischen Bergführer und einem polnischen Bergsteiger am Großglockner sorgt weiter für Aufsehen. Der Bergführer war über das Kalser Bergführerbüro mit Kunden unterwegs, als seine Gruppe auf ein polnisches Paar traf.

An einer schmalen, ausgesetzten Stelle wollte der Steirer die Frau ohne vorherige Absprache überholen. Es kam zum Streit, woraufhin der Bergführer auf den polnischen Mann losging und handgreiflich wurde. Der Vorfall wurde vom Polen auf Video festgehalten und nach der Veröffentlichung in sozialen Netzwerken vielfach geteilt.

Die Kalser Bergführer distanzierten sich vom Verhalten des Kollegen. Er musste die Jacke des Kalser Bergführervereins zurückgeben und sollte keine weiteren Aufträge vermittelt bekommen. Auch der Österreichische Berg- und Skiführerverband kritisierte den Vorfall (Stellungnahme siehe ganz unten).  

Nun hat der steirische Bergsportführerverband lt. Medienberichten bestätigt, dass der Bergführer seine staatliche Bergführerberechtigung von sich aus zurücklegen will. Der Disziplinarausschuss hatte sich zuvor mit dem Fall befasst. Der Bergführer habe im Nachhinein bedauert, wie er in der Situation reagiert habe.

Die formale Bestätigung durch das Land Steiermark steht noch aus. Nach Angaben des Verbands wird der Steirer künftig nicht mehr als Bergführer tätig sein. 

Vorgeschichte - Streit am Großglockner

Ein Video von einem Streit auf dem Großglockner sorgt derzeit für Aufsehen. Darauf ist zu sehen, wie ein Bergführer einen polnischen Bergsteiger an einer engen, ausgesetzten Stelle am Mürztalersteig auch körperlich attackiert. Zuvor hat der Bergführer mit seiner Gruppe die polnischen Bergsteiger unhöflich überholt. Damit war einer der polnischen Bergsteiger nicht einverstanden.

Nach einer Anzeige ermittelt die Polizei Matrei in Osttirol. Es geht um den Verdacht der Gefährdung der körperlichen Sicherheit.

Bergführervereine distanzieren sich

Der Bergführerverein Kals distanzierte sich klar von dem Vorfall und bezeichnete das Verhalten als „inakzeptabel“. Der beteiligte Bergführer aus der Steiermark ist kein Mitglied des Vereins, war jedoch über das Bergführerbüro Kals vermittelt worden. Die Zusammenarbeit mit ihm wurde inzwischen beendet.

Auch der Österreichische Verband der Berg- und Skiführer (VÖBS) kritisierte das Verhalten. Das Überholen langsamerer Seilschaften sei zwar üblich, das im Video gezeigte Auftreten sei jedoch klar abzulehnen. Der Verband will den Fall prüfen; auch disziplinarrechtliche Maßnahmen sind möglich. Zugleich weist der VÖBS darauf hin, dass sich die Situation anhand einzelner Videoausschnitte nur schwer vollständig beurteilen lässt.

Anmerkung bergsteigen.com: Überholen am Berg ist durchaus üblich und auch notwendig. Der auf dem Video zu sehende Überholvorgang war aus unserer Sicht bis zur Umkehr des Bergführers, anders als in anderen Medien dargestellt, für die Polen nicht riskant, da die Dame mit dem Klettersteigset gesichert an der Wand stand.

Normal ist allerdings, dass man nett fragt, ob man überholen dürfe. Schwächere Bergsteiger lassen einen solchen Überholvorgang in der Regel auch zu. Hier ist die Situation aber insbesondere aufgrund des Verhaltens des Bergführers leider eskaliert. Erst durch diesen Streit entstand unseres Ermessens nach eine gefährliche Situation am Berg.

Sicherungstechnik des Bergführers

Im Video scheint der Bergführer zwei Gäste am kurzen Seil zu führen. Der Bergführer steigt als Erster ab. Es sieht so aus, als würde sich niemand aus seiner Gruppe irgendwo sichern. Wie will der Bergführer seine Gäste, wenn einer von ihnen ausrutscht, hatlen?

Normalerweise geht der Bergführer beim Abstieg als Letzter und sichert, wenn möglich, noch zusätzlich an der Stange oder am Stahlseil.

Stellungnahme Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer Instagram Post 22.08.2026, Mürztalersteig (30.8.2026)

Der Verband der Österreichischen Berg- und Skiführer bedauert zutiefst das Verhalten des Bergführers am Mürztalersteig am 22.08.2026. Das führungstechnische und zwischenmenschliche Verhalten ist inakzeptabel und hat nichts mit dem Verhaltenskodex der Berg- und Skiführer gemein. Wir distanzieren uns klar von einem solchen Verhalten und entschuldigen uns für dieses Vorkommnis bei den beteiligten Bergsteigern.

Es schädigt leider auch den Ruf vieler ausgezeichnet arbeitender Bergführerinnen und Bergführer. Namentlich wurden in diesem Zusammenhang Helmut Ortner und Peter Tembler in den sozialen Medien in Verruf gebracht. Wir möchten an dieser Stelle klar festhalten, dass diese beiden Kollegen nichts mit dem Vorfall zu tun haben und zu Unrecht diffamiert wurden!

Der gesamte Sachverhalt wurde umgehend an den für den Bergführer zuständigen Landesverband Steiermark übermittelt. Dort wird bereits nach dem geltenden Bergsportführergesetz ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Zudem ermittelt die Polizei zu dem Fall.

Die österreichischen Berg- und Skiführer durchlaufen eine dreijährige Ausbildung. Seit 10 Jahren wird in dieser auch verstärkt ein Augenmerk auf die Lehrinhalte Gruppendynamik, Führen und Kommunikation gelegt, um unsere Bergführerinnen und Bergführer neben seiltechnischen Fähigkeiten auch in diesen Bereichen gut für die Arbeit am Berg vorzubereiten und ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden.

Auch wenn die Bedingungen auf manchen Touren sehr fordernd sein können, ist es Aufgabe eines Bergführers, dies in jeder Hinsicht professionell zu handhaben.



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