21 Februar 2007

“The Master of the dynos” Klem Loskot - Portrait und Interview

Einer der weltbesten Kletterer erzählt über Dynamos, die kritische Höhe beim DWS, Surfen und Emotional Landscapes

Klem Loskot, geboren am 11ten Mai 1974, wuchs in der Nähe von Salzburg auf. Mit 15 Jahren zeigten ihm Freunde eine neue Welt – die Welt der Felsen (1989). Jahre später hat er weltweit schwierigste Routen und Boulder etabliert und neue Klettergebiete entdeckt. Im Jahr 2000 ernennt ihn das „Climbing Magazine“ zum „World’s best Boulderer/Sport Climber“. Bis heute hat er viele Kletterer inspiriert (und tut dies auch weiter) in Filmen wie "evolution/revolution 1", "Klettern am Rande des Menschenmöglichen", "Dosage 1, 2 & 3", etc ...

Klem ist zurück

2000, immer auf der Suche nach seinen Grenzen, schreibt Klem zusammen mit Udo Neumann das Buch, „DER ELFTE GRAD“ . Jetzt ist Klem zurück, mit einem neuen Buch, “Emotional Landscapes”. Das Buch erzählt von den entlegensten und schwierigsten Felsen der Welt, der Wildnis Australiens, der afrikanischen Steppe, der Schönheit tropischer Inseln, an denen sich riesige Granitblöcke und der Ozean treffen, den Felsklippen Vietnams und des Mittelmeeres, dem indischen Flair, von tief verschneiten Bergen und von Stränden, wo sich Wellen perfekt in Sandbuchten hineinschälen ... Es gibt nicht mehr nur den Drang immer besser zu werden, viel mehr träumt Klem vom „Tanzen auf den Felsen“. Neue Spots zu finden, neue Bewegungsformen zu entwickeln und das Leben in all seinen Facetten zu geniessen, ....

Interview mit Klem

Climbing.lu hat vor kuzrem in kurzes Interview mit Klem geführt. Wir wünschen Euch viel Spass beim Lesen. Enjoy....

Welche Kletterer haben dich am meisten inspiriert in deiner Jugend und heute noch?

Als ich mit dem Klettern begonnen habe, habe ich mir von Freunden Kletterhefte ausgeliehen. Beeindruckt war ich von den Fotos, über einen Kerl mit langer roter Löwenmähne, der im Verdon an grauen, glatten, steilen Routen seine kleinen Finger in Einfingerlöcher stopfte um den Weg nach oben zu finden. Die Rede ist von Beat Kammerlander.

Ein anderer rotmähniger Kletterer ist Lenz Hammerl. Eine Legende im Salzburg-Oberösterreichischen Raum, dem ich bei meinen ersten Klettergartenbesuchen in einer 10‘er Route zuschaute und auch sehr beeindruckt war.

In Salzburg gab es relativ wenige Kletterer, bei weitem keine Kletterszene wie beispielsweise im Frankenjura, und so bin ich unbeeinflusst in den Salzburger Wäldern aufgewachsen, mit ein paar wenigen guten Freunden. Frei von Regeln, inspiriert von den eigenen Möglichkeiten.

Trainierst du manchmal noch spezifisch für ein Kletterproblem?

Habe ich noch nie gemacht. Darum bin ich auch noch nichts wirklich schweres geklettert. Maximal 4-5 Tage an den Boulder/Routen probiert, ausser ein paar ganz wenigen, widerspenstigen Problemen.

Man sagt oft du wärst der Philosoph der Kletterszene, kannst du uns etwas dazu sagen?

Eigene Ausdrucksweise und eine sehr bildhafte Sprache, verbunden mit tiefen Gedanken...

Du gehst auch sehr viel surfen. Was verbindet respektiv haben das Klettern und das Surfen gemeinsam?

Für mich eher recht wenig. Das macht auch den Reiz aus.

Was ist für dich ein geileres Gefühl, DIE perfekte Welle zu surfen oder einen Boulder/Route zu bezwingen?

Hängt immer davon ab, auf welchem „Planeten“ ich gerade bin. Vom Hochgefühl her ist es ähnlich. Geiles Gefühl, du willst es gleich wieder haben, und noch intensiver. Allerdings vom körperlichen Bewegungsempfinden her sehr unterschiedlich. Die Kletterei ist mir sehr viel vertrauter und betreibe ich auf einem höheren Niveau, drum ist es intensiver und habe mehr Möglichkeiten um zur gewünschten Glückshormonausschüttung zu kommen. Oder weniger Möglichkeiten, weil ich vieles schon kenne, nicht mehr so neugierig bin usw... je besser man in irgendeiner Sache ist, umso höher das Niveau und umso perfektere Bedingungen um zum „Orgasmus“ zu kommen.

Du machst ja auch sehr viel DWS. Was ist für dich so besonders am Deep Water Soloing?

Als ich mit dem DWS’ln angefangen habe war das Neue und Unbekannte das Reizvolle. Neue Möglichkeiten erleben, die Fahrt ins Blaue. Und trotzdem ist vieles vertraut, das Klettern an sich.

Highball Bouldering mit dem edelstem und weichstem Crashpad, speziell bei wildem Seegang. So unbekümmert kann man weder mit Seil noch beim Bouldern sein.

Ab welcher Höhe würdest du nicht mehr beim DWS abspringen? Will man immer höher/weiter oder siegt irgendwann die Vernunft?

Hängt, wie gesagt, vom Seegang ab. Wenn das Wasser total ruhig ist, beginnt es ab 15 Meter kritisch zu werden. Du musst mit den Füssen zuerst und sauber eintauchen, die Hände am Körper haben, etc... um nicht verletzt werden zu können. 20m und mehr, da muss man schon sehr im Bilde sein um die Situation steuern zu können, viel Erfahrung und ein Talent für dieses Unternehmen unbedingt nötig, unkontrolliertes Eintauchen sehr riskant. Mehr als 25m ist bei gespannter Wasseroberfläche sehr kritisch und man muss wissen wie man von so einer Höhe eintauchen muss, und es drauf haben, immer auf den Füssen zu landen.

Für mich persönlich hört es bei 20m auf, an wilde Dynamos zu denken. Nur durch guten Seegang, unterwegs mit sehr guten Freunden, „gesund“ nach oben gepusht ist etwas mehr drinnen.

„Echte“ 20m sind wirklich hoch. 20 Klettermeter, die recht überhängend sind, sind vielleicht nur 15m hoch.

Du bist bekannt als "Master of the dynos"! Was fasziniert dich so an Sprüngen und dynamischen Zügen?

In einem Zug trifft sich das Kletteruniversum. Für mich ist die schwierigste Kletterei die, mit der höchsten Intensität. Folglich reduziert sich alles auf einen Zug. So ein Zug kann eigentlich nur dynamisch sein, denn sonst ist diese hohe Intensität nicht auszuhalten. Was mich daran fasziniert ist die Komplexität.

Kletterst du eigentlich noch mit Seil an Felsen oder machst du hauptsächlich nur noch DWS, Bouldern und Surfen?

In den letzten 10 Monaten bin ich fast gar nichts geklettert. Umso motivierter bin ich auf den Winter bei uns zu Hause. Schon lange war ich nicht mehr so enthusiastisch.

Nebem deinem gleichnamigen Buch hast du auch einen Vortrag mit dem Titel "Emotional Landscapes".

Die letzten Jahren bin ich sehr viel unterwegs gewesen und oft hatte ich eine Filmkamera dabei. Vor allem für die Firma Salomon organisierte ich die Produktion von Filmreisen in Mallorca, Indien, Vietnam, Südafrika und Namibia, Brasilien, Spanien, Madagaskar, Kroatien, Australien und Österreich. Dabei habe ich versucht, nicht das Filmen in den Vordergrund zu stellen, als vielmehr die Dinge passieren zu lassen, die Kamera mit dabei zu haben, und zum richtigen Augenblick anzuschalten.

Gestellte Szene, zwar einfacher zu drehen, sind mir ein Horror.

Schon früher war ich zum Filmen mit Udo Neumann und mit Josh Lowell, DER Filmemacher im Klettermilieu, unterwegs.

Aus diesem recht umfangreichen Archiv, mit vielen unveröffentlichten Filmen, plus einigen ausgewählten Fotos, werde ich schöpfen. Ein packendes Programm, das sich jedesmal aufs neue an den Abend anpasst.

Welches sind deine nächsten Ziele und Projekte?

Film in Indonesien, Buchpräsentation in den USA (September/Oktober), Skifahren im Winter zu Hause, gesund und stark bleiben.

Vielen Dank Klem für dieses ausführliche Interview und die mitgelieferten Fotos!

Interview www.climbing.lu und bergsteigen.at

Termine – Emotional Landscapes

Jänner 2008:

17.01.08 - Österreich: Velden, Casino

Webtipp:

www.klemloskot.com - die Homepage von Klem mit Trailer

Gesucht – gefunden. Zu Hause in den Alpen. Foto © A. Hechenberger
Auf besagter Paradiesinsel im indischen Ozean. Foto © U. Loskot
Western Australia. Ein spezieller Kraft-Platz, für die Ureinwohner und auch für uns.
Foto © U. Loskot
Um nach oben zu gelangen fordert es einem einen einzigartigen Kletterstil ab, stemmen, drücken, viel Reibungskletterei, die Felsflächen gegeneinander ausspielen ... Fotos © U. Loskot
Mein erster DWS (Deep-Water-Soloing) Trip England © A. Hechenberger
Hier springe ich von oben runter, um mir die Angst zu nehmen und Selbstvertrauen für die Zukunft zu tanken. Fotos © A. Hechenberger
In Mallorca, das Mecca des DWS’ln. Einen Monat nach dem Englandtrip war ich wie berauscht. Foto © C. Dobner
Auf besagter Paradiesinsel im indischen Ozean. Foto © U. Loskot
Indonesien. Wir hatten nie Zeit zum Fotografieren, dafür waren die Wellen viel zu aufregend. Foto © C. Roberts
Auf schmalem Weg, kurz vorm Aufreißen, oder zieht es doch wieder zu?
Klem Im indischen Ozean, wo es sich gut „lifestylen“ lässt … Fotos © U. Loskot
Im Auto, auf der Suche nach dem perfekten Blockfeld. Fotos © P. Thomas


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