2ter Tag: Stirling bridge
03 März 2010

Traditionelles Mixed- Klettern ist die Zukunft!

Ines Papert und Ian Parnell gelingen Erstbegehungen in schottland - Ines Papert klettert den 8. schottischen Mixed-Grad, was bisher noch keiner Frau gelungen war

Erfolgreicher Roadtrip durch Schottland

Februar 2010 - Team Arcteryx

 

„You are so lucky, scotland`s winter climbs are in perfect conditions”

Mit diesen Worten empfängt uns Top-Alpinist  Ian Parnell aus Großbritannien in seinem Heimatland.

Mit Audrey Gariepy und Mat Audibert (Canada) erfahre ich, warum das Winterklettern in Schottland nicht sehr populär ist. Unbequeme und lange Zustiege, schnelle Wetterwechsel und die extrem hohe Schwierigkeit des Absicherns von Mixed-Routen macht das Klettern noch zu einem richtigen Abenteuer.

 

An Bohrhaken gesichert ist das Mixed Klettern oft nur eine Abfolge von akrobatischern Bewegungen. Bei Routen im 13. Mixedgrad beispielsweise spielt die körperliche Vorraussetzung eine große Rolle. Da uns die Eisgeräte gute Griffe bieten, kann die Schwierigkeit nur über die Länge und Steilheit der Routen definiert werden.

Stürze an Bohrhaken gehören zur Tagesordnung, ganz ähnlich wie beim Sportklettern. Anders ist es in Schottland.

Ein Hoffnungsschimmer….seit Jahren werden neue Routen mit alpinem Anspruch eröffnet. Doch fehlt bei vielen Mixed Routen das wirklich alpine Niveau. Was ist mit unserer Ethik???  

 

Man kann einiges von den Briten lernen!

 

Schon in den späten 50-ern erreichten schottische Kletterer im Winter den 5. Mixedgrad (1959 Route - Creag Meagaidh!). Dave MacLeod - ein Vertreter der Gegenwart- zeigt erst kürzlich der Kletterwelt, dass auch hohe Mixed-Grade im traditionellen Klettern möglich sind. Routen bis XI gelangen ihm rotpunkt.

In Schottland werden und wurden nie Bohrhaken verwendet, sogar Normalhaken sind ungern gesehen. Jeder Kletterer nimmt seine mobilen Sicherungen wieder mit heim. Abseilstrecken gibt es keine, dann man steigt mühsam auf der Rückseite des Berges ab. Kein Wunder, das die Art des Kletterns eher unmodern ist. Dabei suchen wir doch das Abenteuer, die Herausforderung. Wenn wir ehrlich sind, wollen wir doch an unsere moralischen Grenzen gehen.

Absichern fast so schwierig wie das Klettern

 

Meine moralischen Grenzen waren bereits im 8. Mixed Grad erreicht. Neben der Schwierigkeit des Kletterns wird hier auch die Schwierigkeit des Absicherns bewertet.

Beispielsweise „Unicorn“ eine traumhafte 130 m lange Riesenverschneidung am Glen Coe checkt mit VIII, 8 ein. Auch "Blood, Sweat and Frozen Tears" VIII, 8 am Ben Eich (in den Northern Highlands) gehört zu den schwierigsten Test-pices.

 

Nach unseren erfolgreichen Begehungen verrät mit Ian, das bisher keiner Frau ein Durchstieg schwerer als VI,6 gelungen war.

Offwith-Riss mit dem finish einer trittlose Reibungsplatte

Jetzt weiß ich auch, was die VIII bedeutet.

Eine dicke Schnee-Eisschicht in den Rissen erschwert das Absichern mit Camelots. Nur Klemmkeile, Peckers und Hexentrics geben mir die erhoffte Sicherheit in den sonst so perfekten Rissen.

Ein harter Kampf, einen Offwith mit dem finish einer trittlose Reibungsplatte (mittels Monopoints an den Steigeisen) zu überwinden, ist die Crux – ein Sturz hätte 12 m auf den Boden bedeutet. Da heißt es, Nerven bewahren.  Ich erkenne, warum wir hier zunächst einige Grade unter unserem eigentlichen Niveau geblieben sind.

 

Erstbegehung „Little Nipper“ VI/8

Mit „Little Nipper“ VI/8 (2 Seillängen) gelingt Ian und mir in den Northern Highlands, am Ben Eich eine kleine aber zornige Erstgegehung.

Wir finden ein schönes Ende unseres Roadtrips durch Schottland am Ben Nevis.

Unsere Freunde Audrey Gariepy und Mat Audibert klettern eine selten begangene Route „Minus three gully“  IV/5, während  unser Kameramann Hans Hornberger und ich per „running Belay“ einen traumhaften Klassiker hinaufflitzen, die „North East Ridge“.

Photos: Hans Hornberger

Text: Ines Papert

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Webtipp

www.ines-papert.de

www.hans-hornberger.com

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2ter Tag: Stirling bridge; alle Fotos: Hans Hornberger


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