Ines Papert in Norway (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
29 Februar 2012

Unterwegs im Kanada Europas

Internationales Team realisiert zahlreiche Erstbegehungen in unbekanntem Areal von Skandinavien/Norwegen/Romsdalen – Berichte von Ines Papert und Rudi Hauser…

Bericht von Ines Papert

Nach einer Erkundungsfahrt von Rudi Hauser (Österreich/Gastein) im Dezember 2010 reisen wir an die Westküste Norwegens. Nur wenige Autostunden von Trondheim entfernt, schlängeln sich die Fjorde zwischen steilen Schluchten und gigantischen Felswänden hindurch. Das Gebiet ist bekannt unter Basejumpern, doch international wenig bekannt für die Möglichkeiten schwieriger Eis- und Mixedlinien.

Ich hatte die großartige Chance, gemeinsam mit Rudi Hauser (A), Lukas Seiwald (A), Kurt Astner (I), Emanuele Ciullo (I), Thomas Senf (CH) und Scott Milton (Arc´teryx/Canada) dort hin zu reisen. Unsere Erwartungen sind groß, das Team stark und hoch motiviert.

Von unserer Basis aus, eine idyllische Fischerhütte am Sunndalenfjord erkunden wir die Gebiete Sunndalen, Amotan, Eikesdal, Eresfjord und Trollveggen.

Erster Tag, großer Schreck und „Surprice“ WI6+/M8, 350m

Bei perfekten Bedingungen um die Null grad, starte ich mit Thomas Senf, unserem Alpinphotographen in unsere erste Route in Litldalen.Ein massiver Eiszapfen nach 300m Kletterei im Eis ist unser Ziel.

Mit mobilen Sicherungen ausgestattet, nehme ich diese Mixedlänge in Angriff. Der Fels gibt tatsächlich Risse für Camalots und Keile her. Dann sichere ich mich ein letztes Mal an einer Eisglasur, bevor es an den gigantischen Zapfen geht. Vorsichtig lehne ich mich vom Felsen nach außen, schlage mit dem linken Eisgerät in den Zapfen. Ich setze das zweite dazu, und schwinge meine Füße vorsichtig hinüber. Plötzlich ein Riss unter meinen Eisgeräten, der tonnenschwere Zapfen reist ab und stürzt unter mir in die Tiefe. Ich hänge mit beiden Füßen plötzlich in der Luft, muss kurz den Schrecken verdauen und pendle meine Füße zurück zum Fels, um die sichere Glasur zu erreichen. Mein erster Gedanke, ob Thomas unter dem felsigen Überhang genügend sicher platziert ist. Ich rufe ihm zu und er gibt grünes Licht von unten. Alles gut gegangen. Der Schrecken sitzt tief, doch die Route möchte beendet werden.

Nun besteht zwar keine Gefahr mehr, aber der Zapfen wurde zu einem Eisdach, welches ich nur mit großer Anstrengung überwinden konnte. Geschafft!!!

Beim hinunterseilen hören wir Stimmen. Unsere Freunde steigen nach Ankunft ihres verloren gegangenen Gepäcks erst am Nachmittag ein. Kurt Astner und Rudi Hauser probieren den direkten Einstieg, müssen sich jedoch aufgrund der schlechten Felsqualität geschlagen geben. Ohne Bohrhaken ein zu riskantes Unternehmen.

„ Quattro Naziones“ WI 6/M9/A1 , 500m

Am oberen Talabschluß des Eikesdals entdecken wir eine Mixedvariante. 400m leichte Kletterei führten mich mit Lukas Seiwald, Thomas Senf und Emanuele Ciullo dort hinauf, bevor es ernst wird.

Das Ziel: hoch über dem Tal, 40m mit mobilen Sicherungen durch den steilen Granit an den abschließenden Eiszapfen..

In Wandmitte muss ich jedoch einen Bohrhaken (mit der Hand) platzieren, um einen Bodensturz zu vermeiden. Bis zum Ausstieg bleibt jeder Meter anspruchsvoll und meine Partner sichern voller Geduld und motivieren mich, alles aus mir rauszuholen. Ich komme oben an und bin total erschöpft. An eine freie Begehung ist heut nicht mehr zu denken. Wir müssen den weiten Aufstieg noch einmal in Angriff nehmen. Doch starke Schneefälle und die hohe Lawinengefahr machen das Unternehmen unmöglich. Die freie Begehung bleibt ein Ziel für die Zukunft.

„Sea Gull Jonathan“ WI 6 und „Offshore“ WI 7, 250m

Als absolutes Highlight unserer Reise ging es mit einem Fischerboot von Eisvag über den Eresfjord zur gegenüberliegenden Wand.

Hoch über dem Fjord, kletterte ich mit Lukas und Scott „Sea Gull Jonathan“ und zeitgleich erklimmen Rudl, Kurt und Thomas „Off Shore“. Uns gelingen zwei nebeneinander liegende 250m Eislinien, die noch keiner vor uns geklettert war. Ein Erlebnis der besonderen Art.

“50 King Crab” WI6/M10 350m

Noch nie bin ich und Thomas Senf derartig orang/gelbes Eis geklettert. Der Zapfen erinnert uns an die Beine der Kingkrabben, die Rudl am Tag zuvor in den Kochtopf beförderte. Trotz dem Eiweißkonzentrat war meine Moral inzwischen fast aufgebraucht, so dass ich den 50$ King Crab mit 5 Bohrhaken absicherte. Die steile und schwierige Kletterei an geschlossenem Fels ließ kaum mobile Sicherungen zu.

Ein Spannweitenzug wurde zur absoluten Schlüsselstelle, die ich erst nach mehreren Versuchen- und dem Absturz meines Eisgerätes- knacken konnte. Das abschließende Eis ist etwas vom feinsten, was ich jemals geklettert bin.

„Perly on Ice“ WI6/ M9 70m Trad

Eine Mixedlinie, die ich nach Vorarbeiten und zahlreichen weiten Stürzen an unserem letzten Tag frei klettern konnte, während die Temperaturen schon weit über den Gefrierpunkt gingen.

Diese Route habe ich unserer “Pflegemutter Perly” gewidmet, die uns während unseres Aufenthaltes mit Informationen, frischem Lachs und bester Unterkunft versorgte.

Danke an alle, die dabei waren und besonders Rudi Hauser, der diese Reise möglich gemacht hat.

Erstbegehungen Ines Papert mit Partner:

Sunndalen/Litldalen: Nice Surprice WI6+/M8 350m Ines Papert/Thomas Senf

Eikesdal: Quattro Nazioni WI6/M9/A1 500m Ines Papert/Lukas Seiwald

Eresfjord (Boatstripp): See Gull Jonathan WI6 250m Ines Papert/Lukas Seiwald

§Eikesdal: 50 King Crab WI6/M10 300m Ines Papert/ Thomas Senf

Sunndalen/Powerhouse: Perly on Ice WI 6/M9 70m Ines Papert/Thomas Senf

Photos: Thomas Senf/Visualimpact www.thomassenf.ch

Bericht: Ines Papert www.ines-papert.de

Bericht von Rudi Hauser

Unterwegs im Kanada Europas

Das Südtiroler Urgestein Astner Kurt und der Salzburger Alpinist Hauser Rudl waren auf der Suche nach der ultimativen Linie. Fündig wurden die beiden in einem engen Tal in dem sich sieben Flüsse vereinen. Das halbgefrohrene Wasser dort, formte eine außergewöhnliche Szenerie. Die Gischt bildete Zapfen, die an die Kletterei von Will Gadds "Spray On" erinnerten. Das feuchte Element ließ uns binnen Minuten zu Eis erstarren und das herabstürzende Wasser ließ keine Kommunikation mehr zu. Kompromisslos vorbei an einstürzenden Eismassen realisierten sie durch einen Überhang, gespickt mit feinsten Eisskulpturen, eine Linie die sie "The ultimate Rush" nennen werden. Nach dem Hauser auf Wiederholungen und Erstbegehungen im oberen siebenten Eisgrad zurückblicken kann bewerten sie das Gebilde mit WI 7+/8-.

Angespornt vom Leben in dieser Wildniss können auch der Saalfeldener Alpinist Lukas Seiwald und der Südtiroler Jungster Emanuelle Chuillo auf eine Reihe gewaltiger Klettereien zurückschauen! Der Routinie im Eis konnte gemeinsam mit dem jungen Wilden aus den Dolomiten viele anspruchsvolle Routen bis zum oberen 6 Eis und unteren 8 Mixedgrad realisieren.

Nach gut der halben Zeit wars vorbei mit dem " Swingen" und wir kehrten zu unseren ursprünglichen Partnern zurück. Das Erfolgsrezept lautete jetzt- Kurt und Chuillo sowie Luky und Rudl. Gemeinsam brachen wir auf, eine 1000m hohen Seite eines Fjordes zu erklimmen. Ein atemberaubender Zustieg durch erdrückte Stauden führten uns zum Einstieg zweier 600m Linien. Das Wetter wurde zunehmens schlechter, doch die Motivation war unerschöpflich. Luky und Rudl, ein eingespieltes Team das sie waren, folgten einer feinen Glasur durch die Wand mit hohen technischen Anforderungen bis zu einer 150m hohen Headwall mit riesigen Eisbalkonen. Der Schneefall nahm zu und die ersten grösseren Spinndrifts hüllten uns ein. Kurt und Chuillo hatten weniger Glück. Sie mussten in Seillänge 10 ihrer Wahnsinnsmotivation den Laufpass geben und sich für das Leben im Tal entscheiden. Sie versanken im Schnee und mussten durch gefährlich geladene Hänge zurückseilen. Der Wind peitschte die beiden Salzburger an den Ausstieg zu dieser Hammertour.

Ungemütlicherweise begannen sie sofort mit dem Rückzug und gelangten nach neun 70er Abseilern zurück zum Depot. Gepeinigt durch das Wetter landeten wir schlussentlich in einem gemütlichen Cafe mit einer hübschen Blondine, die uns rasch all die Qualen vergessen ließ( besonders dem Chuillo).

Mein Leben wurde bereichert , durch die Bekanntschaft solcher Ausnahmemenschen. " Stürmet Brüder stürmet, es ist besser zu verbrennen als zu verblassen".

Rudi Hauser

www.alpine-extreme.com

ps. Vielen dank für eure Freundschaft am Berg

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Das gesamte Team in Norway (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
Eikesdal Topo (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
Eresfjord Topo (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
Power House Topo (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
Litldalen left Topo (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
Eresfjord Topo (c) Thomas Senf | visualimpact.ch
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