Hubschrauberbergung in den Dolomiten
07 Oktober 2016

Weniger Tote in Österreichs Bergen

Für den Sommer 2016 ist ein Rückgang der tödlich verunglückten Alpinisten in Österreich zu verzeichnen. Eine negative Entwicklung gibt es hingegen bei den Alpinen Notrufen - "Vollkasko-Mentalität"...

Schon lange betreffen alpine Unfälle nicht mehr nur den eher kleinen Kreis der "Top-Alpinisten" - immer mehr Freizeitsportler und Urlauber verunglücken in Österreichs Bergen! Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, veröffentlicht das Kuratorium für alpine Sicherheit jährlich im Oktober die Unfallzahlen der alpinen Sportunfälle für die zurückliegende Sommersaison.

In diesem Jahr ist das Ergebnis recht erfreudlich, denn im Vergleichszeitraum zum letzten Jahr verringerte sich die Anzahl der tötlich verunglückten Alpinsportler um sechs Personen . Nach Meinung des Kuratoriums für alpine Sicherheit liegt der Grund dafür aber nicht an der Prävention, sondern vielmehr am verregneten Sommerbeginn.

Trotz dieser erfreulichen Zahlen ist eine negative Entwicklung auszumachen, da die Gesamtzahl an alpinen Unfällen im Vergleich zum letzten Jahr um 6% stieg. Dabei entfiel knapp die Hälfte der Unfälle auf den Bereich des Bergwanderns, wo die Unfallursachen überwiegend in einem Sturz, im Stolpern und Ausgleiten sowie im Herz-Kreislaufversagen liegen. 76 Personen verstarben im vergangenen Sommer an den Folgen von Unfällen beim Bergwandern. Da etwas mehr als die Hälfte (53% ) der Verunfallten aus Österreich stammt, möchten Alpinpolizei und das Kuratorium für alpine Sicherheit nun vermehrt auf Prävention setzten. 

Auf das Bergwandern folgt das Klettern mit 10 Todesopfern (2015 waren es 15 Todesopfer) im vergangenen Sommer. Dabei starben 8 Personen in Mehrseillängenrouten und 2 Alpinisten beim Begehen von Klettersteigen. 

Auch bei den Hochtouren ist ein Rückgang der tötlich verunglückten Alpinisten zu verzeichen. Im zu betrachtenden Zeitraum für das Jahr 2016 gab es nur 3 Todesofer. 

Eine traurige Tendenz ist jedoch bei den Mountainbikern zu verzeichnen. Dort stiegt die Zahl der Unfälle um 12%, wobei die Zahl noch etwas höher liegen dürfte, da die Alpinpolizei annimmt, dass viele Leichtverletzte einen Unfall nicht melden und selber den Weg nach Hause oder zum Arzt antreten. Ein Grund für die starke Zunahme der Mountainbikeunfälle dürfte im stark wachsenden Markt der E-Bikes liegen. E-Biker kommen mit ihren motorisierten Rädern oft in unwegsames Gelände, für dessen Befahrung sie nicht über das nötige Know-How verfügen. 

Alpinunfälle 1. Mai bis 30. September (Sommersaison)
Hubschrauberbergung in den Dolomiten
Tote bei Alpinunfällen nach "Sportarten"
Tote bei Alpinunfällen nach Bundesländern
Hubschrauberbergung in den Dolomiten

Kritik an "Vollkasko-Mentalität"

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieser Statistik wurde auch stark Kritik an der "Vollkasko-Mentalität" vieler Bergsportler geübt! Im vergangenen Jahr nahm nämlich die Anzahl der Notrufe von unverletzten Personen im alpinen Raum um etwa ein Drittel zu.

Die Gründe dafür liegen meist in der Selbstüberschätzung oder in einer unsachgemäßen Tourenplanung sowie in den überschaubarenen Bergekosten für die meist sehr gut versicherten Bergsportler und den Ausbleibenden Konsequenzen für einen Missbrauch des Notrufes. 

Um diesem Trend entgegen zu wirken sollte eine Veränderung bzw. eine Neuerung der Regelungen bei Bergungen im alpinen Raum angedacht werden - so ist etwa bisher eine Bergung mit dem Polizeihubschrauber immer kostenlos und kann nicht verrechnet werden. Eventuell wäre für Fälle, bei denen sich unverletzte Bergsportler "abholen" bzw. ausfliegen lassen eine Alpinversicherung mit einem angemessenem Selbstbehalt eine Lösung...

Quelle:Kuratorium für alpine Sicherheit



Kommentare

Neuer Kommentar
Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.