Am Stand nach der 8c Länge (c) Fabi Buhl
18 April 2016

Wetterbock, 8c

Fabian Buhl wiederholt die alpine Hubertour an der Wetterbockwand im Winter-Solo!

Fabian Buhl wiederholt die alpine Hubertour an der Wetterbockwand im Winter-Solo!

Mit dem 21ten März ist der kalendarische Winter endgültig vorbei, aber vom 17.3-19.3 zeichnetet sich das langersehnte Winterfenster ab und ich versuchte meine Chance zu nützen. Heuer habe ich viel Zeit und einiges an Boulderform geopfert und mich einem Winterprojekt verschrieben. Dies war absolutes Neuland für mich und eine spannende Herausforderung, welche sich zunächst unmöglich anfühlte.

Meine Vision

Als Alex Huber mir von seiner neuen Route am Hohen Göll erzählt hatte, war ich stark beeindruckt, denn er versprach mir perfekten Kalk, weite Runouts und eine zwingen freizukletternde Crux. All dies auch noch hoch oben in der ziemlich abgelegenen Nordwand des Hohen Gölls. Erst ein paar Monate danach kam der Gedanke einer Solo Winterbegehung in mir auf. Ich war mir sehr wohl bewusst, dass es solo sehr hart und anstrengend wird, wollte meine Vision aber unbedingt versuchen. Ich rechnete eigentlich fast mit einem Misserfolg, dachte mir aber, dass ich sicher viel für kommende alpine Aktionen lernen werde. Alex war etwas skeptisch ob es geht, unterstützte mich aber von Anfang an in meinem Vorhaben. Zusammen mit Ihm und Lukas Binder erkundete ich den Zustieg und wir transportierten etwas Equipment in die Nähe der Wand. Die Schwierigkeiten sind nicht nur klettertechnischer Natur, sonder liegen auch im Zustieg, dieser ist sehr lawinengefährlich, da er erst über steile Grashänge und dann durch eine sehr steile, windverblasenen Rinne führt. Deshalb musste ich auf sichere Verhältnisse warten, allerdings wurde mir auch an guten Tagen in den steilen Hänge unmittelbar unter der Wand ziemlich mulmig. Ein Großteil des Zustiegs kann mit Ski absolviert werden, aber die letzten 350Hhm des Couloirs sind schlichtweg zu steil; hier ist eine interessanter Mix aus hüfttiefer Schneewühlerei und Mixed Klettern angesagt. Aber wegen dem vollen Winterprogramm bin ich ja gekommen und war dementsprechend motiviert Alles zu geben um mein Traum zu realisieren.

Der Steile Zustieg zur Wetterbockwand (c) Fabi Buhl
Am Stand nach der 8c Länge (c) Fabi Buhl
Die letzten Meter des Zustiegs (c) Fabi Buhl
Schöner Biwakplatz (c) Fabi Buhl
Meine Hände am Ende der Route (c) Fabi Buhl
Zurück im Biwak nach der Tour (c) Fabi Buhl
Völlig geschafft am Ende des gesamten Abenteuers (c) Fabi Buhl
Topo Wetterbock (c) Alexander Huber

Der nächste Bolt

In dieser Art von Kalk findet man schier keine Cliff Placements zum rasten oder um sich technisch über eine schwere Stelle zu helfen, auch mobile Sicherungsgeräte können nur spärlich eingesetzt werden. Deshalb bleibt oft nur noch ehrliches Freiklettern übrig. Da Alex´s Bolts wie üblich sehr weit auseinander liegen, sammelte ich schnell Flugmeter und begann meinem Solosystem zu vertrauen. Das einzige um was ich mich wirklich kümmerte, war der nächste Bolt, bzw. das Erreichen des nächsten Standes. Ab und zu bin ich 40 min im Runout auf und ab geklettert um die Schwachstelle der Wand zu erkennen oder um die nächsten Griffe mit meiner freien Hand zu enteisen. Manchmal musste ich ganze Bänder freischaufeln um den Stand zu finden. Am Ende gab es sicher Situationen an denen ich viel Glück hatte und mir somit die erste Wiederholung der Wetterbockwand 8c, 10 Seillängen in der Nordwand des Hohen Gölls im Winter und solo zusichern.

Mein Körper funktioniert

Jeden Morgen um 4:30 aufzustehen und in der Kälte bis zur Dunkelheit zu klettern, war definitiv eine neue lehrreiche Erfahrung und mich hat es sehr gefreut zusehen, dass mein Körper in solchen Situationen gut funktioniert. Ich war die ganzen drei Tage lang extrem fokussiert und fühlte mich  nie müde oder erschöpft, ich habe auch an keine meiner Entscheidungen gezweifelt sondern einfach mein Plan eingehalten. Dies liegt vermutlich am deutlich zu hohen Adrenalinspiegel. Denn als ich am Ende des dritten Tages den sichern Forstweg zum Auto erreichte, und mir klar wurde, dass jetzt keine Lawine oder sonstige Gefahr mehr drohte, lies der Adrenalinspiegel nach und ich  fühlte ich mich schlagartig ziemlich leer und platt.

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass ich mit viel Schinderei und organisatorischem Wahnsinn gerechnet habe, allerdings war mir das wirkliche Ausmaß nicht bewusst. Ich musste noch nie mehr Einsatz oder härter an einem Projekt arbeiten. Jetzt bin ich nur froh, dass ich wieder heil unten bin und um eine coole Erfahrung reicher!

Text: Fabian Buhl

Fabi auf die Frage nach dem Begehungsstil und den Schwierigkeiten: "Ne rp bin ich sie nicht geklettert, aber du musst eigentlich trotzdem alles freiklettern, da nix mit Cliffen geht... Die Schlüsselstelle ist zwingend zu klettern, geht am Bolt los und hat dann einen runout zum Stand, sicher so 7b/c Boulder... aber schwer einzuschätzen bei der Kälte!"

Und zur Tour: "Es war die erste Wiederholung, ich glaub auch nicht, dass viel Leute dort reinschauen, da der Zustieg schon alpin ist und dann halt die Wand sehr abgelegen! Aber eine extrem gute Tour vom Alex!!"

Wetterbock

Berg:                          Hoher Göll, Wetterbockwand
Schwierigkeit:            8c
Länge:                       10 Seillängen
Erstbegehung:           Alexander Huber alleine an drei Tagen im Sept. 2013,
                                  1. RP: Alexander Huber mit Michi Althammer 18.9.2014

Zustieg:                      600 Hm bis 1, 3 Std.

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