Die schneebedeckte Abseilpiste.
20 Januar 2009

Zähne ziehen in der Antarktis

Bei bis zu -52° war Stephan Siegrist mit den Huberbuam in der Antarktis unterwegs…

Die Antarktis - nirgendwo herrschen so tiefe Temperaturen, toben so starke Stürme, gibt es soviel Eis wie hier. Auf Queen Maud Land, benannt nach der norwegischen Königin Maud (1869-1938), ragen gewaltige Türme, Pfeiler und senkrechte Granitzähne aus dem Eismeer, deren höchste Gipfel das kilometerdicke Inlandeis durchstossen und über 1000 Meter hoch in den antarktischen Himmel ragen. Dort, in der kältesten und windigsten Region der Erde gelang den drei Spitzenalpinisten Stephan Siegrist, Alexander Huber und Thomas Huber zwei spektakuläre Erstbegehungen.

Bei antarktischen Temperaturen und teilweise stürmischen Winden erreichten die Extremsportler ihr erstes Ziel, den Gipfel des 800 Meter senkrecht aufragenden Granitzahns Holtanna, was übersetzt soviel wie „hohler Zahn“ bedeutet. «In den ersten Wochen nach der Ankunft im Basecamp haben wir uns an diesem Zahn Seillänge um Seillänge hochgearbeitet und manchmal fast die Zähne ausgebissen» erklärt Siegrist die Situation vor Ort. Wind und Temperaturen bis minus 52° machten den Extremsportler die brüchige Wand zum Härtetest.

«An manchen Tagen kamen wir nur ein paar Meter hoch, bevor uns die Kälte zur Umkehr zwang. Aber wir waren ein super Team und wussten genau, wozu wir her gekommen sind. Ansonsten hätten wir uns den langen Weg und die Strapazen sparen können», schmunzelt Siegrist. Doch ihre Beharrlichkeit zahlte sich aus. Nach insgesamt drei anstrengenden Wochen stand das Trio auf dem Gipfel ihrer Träume. Der erste Zahn war gezogen!

Doch damit nicht genug! Der in 20 Kilometer Entfernung stehende Ulvetanna (Wolfszahn), höchster Gipfel in der Kette, hatte es Stephan Siegrist und den beiden Hubers schon zuhause beim studieren der Antarktisbücher angetan. Nach ein paar Tagen Erholung ging’s mit Ski und Schlitten an den Fuß des Berges, wo umgehend mit der Besteigung gestartet wurde. Das Wetter war äußerst stürmisch und auch der „Wolfszahn“ machte seinem Namen alle Ehre.

Doch die Durchsteigung des Nordwestgrates gelang den Extrembergsteigern widererwarten und zur Freude aller innert Wochenfrist. «Teilweise war es eine richtige Schinderei!» gesteht Siegrist. «Umso größer ist die Freude, diese beiden wunderbaren Gipfel erreicht- und zwei der imposantesten Zähne der Antarktis gezogen zu haben!»

Nach über zwei Monaten auf Expedition ist Stephan Siegrist wieder zurück im Berner Oberland, gesund, glücklich und zufrieden und bereits an der Planung seiner nächsten Ziele. Außer ein paar kleineren Blessuren bleiben dem Abenteurer neben Gipfelerfolgen vor allem die unglaubliche Landschaft, die Stille und die Endlosigkeit dieser Region in Erinnerung. «Aber nach 64 Tagen auf Expedition im Eis ist es auch wieder toll, zuhause unter einer warmen Dusche zu stehen!»

Facts der Expediton

Expedition: Antarctica08

Teilnehmer: Stephan Siegrist / Thomas Huber / Alexander Huber

Zeitraum: November-Dezember 2008

Kamera: Max Reichel, der bereits bei den Filmen «Am Limit» und «Nordwand» die Kamera geführt hat

Kontinent: Antarktis

Region: Queen Maud Land - norwegisches Antarktisterritorium

Grösse QML: 2.8 Millionen km2 (ca. siebzigfache Fläche der Schweiz)

Eisdicke: 2000-5000 Meter

Weitere Informationen unter: www.stephan-siegrist.ch

Webtipp:Mammut - der Sponsor von Stephan Siegrist

Die schneebedeckte Abseilpiste.
Beim Abseilen von einem der Zähne
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