Simon Gietl bei der Winter-Solo Begehung von Phantom der Zinne (c) Silvan Metz/Felix Bub Simon Gietl bei der Winter-Solo Begehung von Phantom der Zinne (c) Silvan Metz/Felix Bub
10 März 2026

Zinnen Winter Solo

Dem Südtiroler Alpinisten Simon Gietl gelang am 5. und 6. März eine Solo-Begehung der Route „Phantom der Zinne“ an der Großen Zinne Nordwand.

Die von Christoph Hainz und Kurt Astner im Jahre 1995 eröffnete Linie gilt als eine der anspruchsvolleren und zugleich ästhetischsten Routen an dieser markanten Wand.

Die Vorbereitung begann bereits am 27. Februar. Gietl transportierte sein Klettermaterial zum Wandfuß und kletterte die ersten Seillängen, bevor er das Equipment am Einstieg deponierte. Am 5. März kehrte er zurück, um den Durchstieg in Angriff zu nehmen. Rund zehn Zentimeter Neuschnee fielen über Nacht , die Temperaturen bewegten sich um −5 °C – winterliche, insgesamt jedoch brauchbare Bedingungen.

Das Biwak schlug er auf dem Hasse/Brandler-Band auf, einem schmalen Band mitten in der Wand. Ein kleines Einmannzelt bot dort gerade ausreichend Platz. Über ihm spannte sich ein klarer Sternenhimmel, während die Temperaturen in der Nacht weiter sanken – es folgte eine ruhige Nacht hoch über dem Tal.

Die Route verlangt obligatorische Kletterei bis etwa 7a+. Besonders im oberen Wandteil wird die Linie ernst: nicht immer kompakter Fels, Schneeauflagen und die Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln erfordern Erfahrung und ein gutes Gespür für den Verlauf der Route. Den Materialsack zog Gietl während der gesamten Solo-Begehung hinter sich her. Am Ringband herrschten schließlich tief winterliche Verhältnisse. Dort setzte er den Aufstieg mit Steigeisen und Pickel fort. Das gesamte Band musste abgesichert werden – ein entsprechend zeitaufwendiger Abschnitt. Kurz vor 16 Uhr erreichte Gietl schließlich den Gipfel der Großen Zinne.

Auch persönlich hatte diese Begehung besondere Bedeutung: Bereits vor zehn Jahren hatte er einen ersten Versuch in der Route unternommen, damals jedoch nicht bis zum Ende der Tour durchsteigen können. Entsprechend groß war nun die Freude über die vollständige Begehung. Dokumentiert wurde das Unternehmen vom Kameraduo Silvan Metz und Felix Bub. Eine winterliche Solo-Begehung in einer der markantesten Wände der Dolomiten – und die Erfüllung eines lange offenen persönlichen Projekts.

Große Zinne – Nordwand (Sextner Dolomiten)

Erstbegehung: Christoph Hainz und Kurt Astner, 06.–08. und 10.–12.08.1995

Schwierigkeit: IX+, anhaltend VIII

Länge: 532 m

Charakter: senkrechte bis überhängende Wandkletterei an meist kleinen Leisten.

Routenverlauf: Die Route verläuft im unteren Teil links der Hasse-Brandler und im mittleren Teil rechts davon. 11. SL gemeinsam mit dem Sachsenweg (Schlüsselstelle); anschließend zieht Phantom der Zinne nach links und mündet in ein markantes Risssystem, das bis zum Ringband führt.



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