18 Februar 2008

In der Lawine obenauf bleiben + Video

Das Verhindern der Verschüttung bei einem Lawinenabgang hat oberste Priorität…

Fast jedes Wochenende ist es im Fernsehen zu sehen oder im Internet zu Lesen – Skitourengeher stirbt UNTER Lawine. Durch die steigende Zahl der Skitourengeher steigt auch die Zahl der Lawinentoten an. Dagegen hilft neben genauerer Tourenplanung, unter Berücksichtigung des aktuellen Lawinenlageberichtes nur das schnelle und sichere beherrschen der eigenen Ausrüstung.

Doch auch wenn man diese Faktoren berücksichtigt und glaubt den Schneedeckenaufbau und die aktuellen Gegebenheiten im Gelände zu durchschauen, kann es vorkommen, dass man trotzdem unter eine Lawine gerät. Gerade die erfahrenen Tourengeher scheint es dabei zu erwischen, weil diese ja auch bei Lawinenwarnstufe 3 (bei dieser Warnstufe passieren die meisten tödlichen Unfälle) auf Tour gehen.

Auch uns selber ist dies leider schon einmal passiert. Trotz genauer Tourenplanung (sogar durch einen Bergführer) und des sehr flachen Geländes löste sich aus einem angrenzenden Steilhang ein großes Schneebrett. Bei Warnstufe 1-2 ist es vorgekommen, dass sich der vermeintlich sehr harte (wir wollten gerade die Harscheisen montieren) und sicher scheinende Hang plötzlich in Bewegung setzte. Wir hatten beide Male Glück und kamen mit einem „blauen Augen“ davon – das muss aber nicht immer so sein.

LVS, Schaufel und Sonde sind laut Experten zu wenig

LVS, Schaufel und Sonde reichen im Ernstfall nicht aus, denn nur unter 20% der Tourengeher sind auch in der Lage mit dem LVS-Gerät ihren Kameraden rechtzeitig zu orten. Hat man es doch geschafft mit dem Pieps-Gerät den Partner zu lokalisieren, beginnt mit dem Sondieren und dem Ausgraben – das bei gepresstem Schnee ein wahres Martyrium darstellt – erst die Knochenarbeit. Die Suche und Freilegung sollte, um die Überlebenschancen des Verschütteten noch zu wahren, in maximal 15 Minuten abgeschlossen sein.

Der ABS-Lawinenairbag kann keine Lawine verhindern, es lässt sich damit aber eine Verschüttung eines Lawinenopfers zuverlässig vermeiden. Auch Fachleute wie z.B. der Lawinenexperte Mag. Michael Larcher meint: „Denn egal welches Suchverfahren, welches Ortungsverfahren ich verwende, allein das Ausgraben eines Verschütteten aus fest gepressten Lawinenschnee erfordert viel zu viel Zeit. Solange wir nur die Schaufel haben sind der Kameradenrettung eindeutig Grenzen gesetzt. Mit dem Lawinenairbag System hat der Skitourengeher und der Variantenfahrer nun erstmals die Möglichkeit, die Chance, seine Verschüttung selbst zu verhindern“.

Den eigenen Auftrieb durch „Auftriebskörper“ erhöhen

Somit liegt es auf der Hand, sich mit Gerätschaften auszurüsten, die eine Verschüttung verhindern. In den letzten Jahren hat sich vor allem der ABS-Lawinenairbag auf dem Markt etabliert. Das System ist einfach erklärt: Aus einem Rucksack lösen sich nach ziehen eines Griffes zwei mit Luft gefüllte Airbags, die den eigenen Auftrieb entscheidend vergrößern. Eindrucksvoll zeigt auch die Tabelle, dass Personen mit ABS-Lawinenairbag die besseren Überlebenschancen haben – von 151 Verunfallten sind nur 2 gestorben.

Das ABS Lawinenairbag System besteht aus:

- zwei aufblasbaren Airbags mit Füll- und Ablasseinheit

- Jeder Airbag ist mittels eines Verteilerschlauches mit der Anstecheinheit verbunden, in welche die Patrone eingeschraubt ist - Die Anstecheinheit enthält eine Nadel, die die Patrone ansticht, wenn das System aktiviert wird

- Die Anstecheinheit ist mit einem Auslöseschlauch mit der Einschubhülse verbunden, an die der Auslösegriff angedockt ist - Der Auslösegriff beinhaltet eine Druckkapsel

- Bei einem Zug am Auslösgriff wird die Druckkapsel gezündet und der dadurch ausgelöste Druck wird über den Auslöseschlauch an die Anstecheinheit weitergegeben

- Durch den Druck sticht die Nadel der Anstecheinheit in die Patrone

- Das dadurch freigesetzte Gas fließt über die Verteilerschläuche in die Airbags

- Um die Airbags vollständig zu füllen wird über die Füll- und Ablasseinheit zusätzlich Umluft angesaugt

Das gesamte System ist in einem Rucksack integriert, welcher am Körper wie ein herkömmlicher Rucksack getragen wird. Durch die neue Vario-Line kann das Grundsystem mit Packsäcken verschiedener Volumen kombiniert werden – zur Auswahl stehen 15 Liter, 30 Liter und 50 Liter Packsäcke die dann auf die Base-Unite (Grundsystem) gezippt werden. Auch andere Rucksackhersteller – z.B. Millet bieten schon eigene Packsäcke an, die dann auf die Base-Unite passen.

Aktueller Bericht (Feb. 08) über einen mit ABS-Rucksack überlebten Lawinenunfall:Deutscher überstand Schneebrett unverletzt (ORF-Tirol)

Webtipp:ABS-Lawinen Airbag System

Video: Das ABS-System wird im Kurzfilm sehr gut erklärt wird (3.36 Min).

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Statistik Lawinenunfälle mit ausgelöstem ABS-Airbag bis September 2007
Durch den sog. Entmischungseffekt bleibt man ober den Schneemassen
Das neue, mit verschieden großen Aussenhüllen zu kombinierende ABS Lawinenairbag-System der Firma ABS-Peter Aschauer GmbH
Mit dem weißen Griff (rechts beim Rucksackträger) wird ausgelöst.
ABS-Rucksack Vario-Line: Formschön und gut am Rücken zu tragen.
Aus einem kleinen Schneebrett....
....kann schnell ein großes Problem werden.
Nur mit einem Airbag-System bleibt man ober den Schneemassen.


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