Das Alpine Up mit HMS Karabiner.
06 November 2019

Test Alpine Up Sicherungsgerät

Das Alpine Up von Climbing Technology ist ein vielseitiges Sicherungsgerät - für alpine Touren aber auch für den Klettergarten.

Auf dem Markt für Sicherungsgeräte beim Klettern und Bergsteigen sind die verschiedenen Hersteller sehr bemüht, ihre Geräte permanent zu verbessern, wobei der Fokus der Weiterentwicklung in einer einfacheren und Fehler vermeidenden Anwendung liegt. Die Crux ist es, mit einem einzigen Gerät möglichst viele Anwendungsmöglichkeiten - vom Hallenklettern über das Sportklettern bis hin zum alpinen Abenteuer - abzudecken.

Eines dieser Multifunktionsgeräte ist das Alpine Up von der italienischen Hardwareschmiede Climbing Technology, welches wir kurz vorstellen wollen.

Durch seine außergewöhnlichen Lösungen hat das Alpine Up den Markt der alpinen Sicherungsgeräte wieder belebt. Vorab ein kurzer Vergleich der technischen Daten von den derzeit bekanntesten Sicherungsgeräten mit Blockierfunktion - dem GriGri von Petzl, einem Urgestein von automatischen Sicherungsgerät, dem aktuell neu vorgestellten Giga Jul und dem Mega Jul von Edelrid, welches eher die Gene des Alpine Up in sich vereinigen und dem Mammut Smart Alpine.

 Seil Dm ZS / HSSeil Dm ESGewicht
  Alpine Up    7,3 – 9,0 mm    8,6 – 10,5 mm    175 g  
  GriGri  ----  8,5 – 11 mm    200 g  
  Giga Jul    7,2 -8,9 mm    8,6 – 10,0 mm    121 g  
  Mega Jul    7,8 -10,5 mm    7,8 -10,5 mm    65 g  
  Smart Alpine    8,7 -10,5 mm    8,76 – 10,5 mm    135 g  
Das Alpine Up von Climbing Technology
Das Alpine Up mit HMS Karabiner.
Abseilen im Click Up Modus (selbstblockierend). Zum Ablassen wird mit dem orangen Hebel die Geschwindigkeit reguliert. Unbetätigt wie am Foto ist das Seil blockiert.
Alpine Up - links Sichern im Vorstieg im Click Up Modus (selbstblockierend); rechts Sichern im Vorstieg im dynamischen Modus (Tuber).
Nachsichern mit dem Alpine Up eines einzelnen nachsteigenden Kletterers. Seil blockiert unter Last selbstständig
Nachsichern mit dem Alpine Up von zwei Personen die gleichzeitig klettern bzw. eines Nachsteigers bei Anwendung von Halb – bzw. Zwillingsseiltechnik. Seil blockiert beim Sturz automatisch.
Der Notschitz beim Alpine UP

Die eierlegende Wollmilchsau

Das Alpine-Up wurde aus dem für Sicherungsgerät Klick Up weiterentwickelt und ist eine extrem vielseitige Sicherungs- und Abseilvorrichtung für den Gebrauch beim Alpinklettern mit Halbseilen, Zwillingsseilen oder Einfachseilen. Dank der extremen Vielseitigkeit kann mit dem Doppelseil im Selbstblockier-Modus abgeseilt werden und es ermöglicht drei verschiedene Sicherungsmöglichkeiten - je nach Terrain.

Das Alpine Up ermöglicht verschiedene Betriebsmodi, welche alle sowohl mit Doppel- als auch mit Einfachseil funktionieren und hier kurz vorgestellt werden:

  • Sicherung des vorsteigenden Kletternden im Click Up Modus, dies entspricht einem automatischen Modus wie dem des GriGri, wobei unser subjektiver Eindruck war, dass alte und bockige Seile mit dem Alpine Up leichter zu handhaben sind. Wenn der Vorsteigende stürzt, hört man ein deutliches „Klick“ und das Seil blockiert automatisch. Dies ist jedoch keine dynamische Sicherungsmethode, mit einer höheren Belastung der Sicherungskette verbunden und sollte bei schlechten Sicherungspunkten nicht angewendet werden. Was jedoch vorab geübt werden soll, dass beim Weiterklettern der Seilverlauf im Gerät vom Klick Modus in den Sicherungsmodus zurückgedrückt werden muss.
    Beim Toprope klettern in der Halle bzw. im Klettergarten bringt man das Alpine Up von Beginn an in den „Klick“ Modus, wodurch ein automatisches Blockieren jederzeit gewährleistet ist.
    Beim raschen Seilausgeben kann es am Anfang dazu kommen, dass auch die Blockierung “Klick“ ausgelöst wird, mit etwas Übung bekommt man das aber gut in den Griff.
  • Im dynamischen Modus wird das Alpine Up wie alle am Markt verfügbaren Tuber angewendet. Der dynamischer Modus wir insbesondere dann angewandt, wenn die Sicherungskette nicht nur aus Bohrhaken besteht, sondern auch Friends oder Keile gelegt werden müssen.

    WICHTIG: Wenn ich ein eine MSL Route den Vorsteiger sichere, hält das Alpine Up nur, wenn ich Zug nach oben habe. D.h. es muss über oder am Stand ein Fixpunkt eingehängt sein!
     
  • Beim Einholmudus können von einem Fixpunkt können ein bzw. zwei Nachkletterer gleichzeitig gesichert werden, wobei hier ähnlich wie bei einem Tuber einen zweiten Karabiner braucht und das Seil im Fall eines Sturzes automatisch blockiert. Das Ablassen eines nachsteigenden Kletterers erfolgt ähnlich kompliziert wie bei allen Tubern und sollte etwas geübt werden.
    Betätigt man den Entlastungshebel, kann der Kletterer kontrolliert abgelassen werden. Man kann durch das Einhängen eines dritten Karabiners den Hebel verbessern, was das Ablassen sehr erleichtert.
  • Das Alpine Up wird auch zum Sichern vorsteigender Kletterer von einem Fixpunkt im „Klick“ Modus (Standplatz) empfohlen. Was insbesondere empfohlen ist, wenn Leichtgewichte bzw. Kinder einen erheblich schwereren Vorsteigenden sichern. Es ist darauf zu achten, dass das Alpine Up nicht direkt von einem Fixpunkt bedient, sondern ein flexibles Gelenk in Form einer Band- oder Kevlarschlinge eingebaut wird. Auch hier gilt bei MSL Touren, immer nur Zug nach oben!
  • Beim Abseilen, insbesondere im alpinen Bereich, wenn man etwa mit 200 Metern Luft unter den Sohlen über überhängendes Gelände abseilt, lernt man das Alpine Up zu lieben und möchte es im Vergleich zu den gängigen Tubern nicht mehr missen.
    Das Alpine Up ist permanent blockiert und über den betätigten Entlastungshebel gleitet man tiefer. Je nach Hebelstellung kann die Geschwindigkeit reguliert werden.
    Muss das Seil während dem Abseilen gerichtet werden, ist dies mit beiden Händen möglich, da man blockiert im Seil hängt. Für leichtere Personen und dickere bzw. alte oder vereiste Seile kann mittels eines Karabiners in den erleichterten Modus gewechselt werden, wodurch der Seildurchlauf erleichtert wird, die Blockierfunktion jedoch nicht aufgehoben wird.

Eines gilt jedoch immer, obwohl das Alpine Up als Sicherungsautomat klassifiziert ist - die Bremshand bleibt trotzdem permanent am Seil.

Sollte das Seil troz der guten Beschriftung mal falsch eingelegt werden, hilft der V-förmige Notschlitz beim Ablassen – d.h. er bremst etwas.

Schlussendlich sei noch erwähnt: Durch die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten ist die Handhabung des Alpine Up nicht so selbsterklärend wie für andere Sicherungsgeräte und der Nutzer sollte sich vorab mit den verschiedenen Anwendungsfunktionen vertraut machen, damit die entsprechenden Handgriffe der richtigen Anwendung auch unter Stress gewährleistet sind ...

Fazit bergsteigen.com: Die eierlegende Wollmilchsaufür Alpinkletterer, welche sich mit ihrer Ausrüstung intensiv auseinandersetzen, werden Alpine Up mit seinen vielen sinnvollen Funktionen nicht mehr missen wollen. Selten ist ein Sicherungsgerät so flexibel und vielseitig einsetzbar wie das Alpine Up! Mit 175g ist das Alpine Up zwar kein Leichtgewicht, doch relativiert sich das bei den vielen Funktionen und Einsatzbereichen rasch.



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