Arctandria | Die Linie von Arctandria am Blamannen, Photo: (c) Markus Haid Arctandria | Die Linie von Arctandria am Blamannen, Photo: (c) Markus Haid
03 August 2007

Hansjörg Auer und Markus Haid klettern Arctandria (8b) in Norwegen

Die Österreicher Markus Haid und Hansjörg Auer haben in Norwegen „Arctandria“ (8b) begangen. Sie waren die Ersten, denen die zehn Seillängen frei und innerhalb von einem Tag gelangen. 4 Tage haben sie vorher die Route ausgecheckt.

Intro …

So ein wilder Kreuzzug auf eine Granitleiste in einer der anspruchsvollsten Mehrseillängen Risskletterroute Europas – das gibt es doch nicht …

Solche Gedankengänge hatte ich, als mir Markus Fotos von Didier Berthod und Giovanni Quirici aus der „Arctandria“ (8b) am Blamannen zeigte. Es dauerte nicht lange und ich spürte, wie sich die Bilder in mein Gedächtnis einprägen …

Zur Route …

Die Arctandria an der Nordseite des Blamannen, Insel Kvaloya - Norwegen, ist eine 450 Meter lange Route mit fast ausschließlich Risskletterei. Es gibt keine Bohrhakenabsicherung, nur ein paar alte Haken an einigen Standplätzen. Die Schwierigkeiten der Seillängen lauten 7b+, 8b, 7c, 8a, 7b, 7c+, 7b, 7a, 6b+ und 6c+. Die Längen müssen komplett selbst abgesichert werden. Mit der Kombination aus technischer Schwierigkeit und alpiner Absicherung stellt sie wohl eine der schwierigsten Routen Europas dar.

Erlebnisbericht …

“Marten, Marten, what the f.. is this??” Dazu ganz kühl unser norwegischer Freund Marten Blixt: „Oh, that´s the Blamannen“. Markus ist ganz aus dem Häuschen, als wir mit Marten zum Ort des Geschehens fahren. Der Grund: Die Nordwand des Blamannen. Wir können es kaum erwarten dort oben in der legendären Arctandria, unser Kletterkönnen unter Beweis zu stellen.

Mit etwa 80 kg Gepäck machen wir uns auf den Weg hinauf in unser Camp. Schön an einem See gelegen, wird dieses unbeschreiblich naturbelassene Plätzchen unser Zuhause für die nächsten 10 Tage werden, ohne dort auch nur eine Menschenseele anzutreffen. Doch wir wissen beide, dass es nicht einfach wird, der Arctandria die erste Rotpunktbegehung an einem Tag ab zu luchsen.

Die Vorstellung unserer Begehung ist sehr streng. Nachdem wir in der Route einige Zeit verbringen wollen um die unteren schwierigen Seillängen auszuchecken, möchten wir im Team das ganze Teil an einem Tag klettern. Dazu kommt noch, dass wir keine Zwischensicherungen vorlegen wollen, keine Jumars verwenden und ein Sturz sowohl für den Vorsteigenden als auch für den Nachsteigenden kein Thema ist, eine ethisch einwandfreie Rotpunktbegehung also. Keine einfache Angelegenheit und besonders die nervliche Belastung wird wohl ziemlich hoch sein – für beide von uns muss der Tag x der Richtige sein …

Am 15. Juli war es dann soweit. Nachdem wir insgesamt 4 Tage in der Route, immer wieder von schlechtem Wetter unterbrochen, beschäftigt waren, und jede Menge Haut am Fels des Blamannen zurück gelassen haben, erreichen wir gegen 21:00 Uhr am Abend den Ausstieg. Hinter uns liegen 9 Stunden harter Kletterei in einem ethisch sehr korrekten Stil. Wir fallen uns in die Arme und können es kaum glauben. Sich zu zweit freuen ist besonders schön.

Als unser Freund Marten von dem Erfolg erfährt kommt prompt das Glückwünsch-Sms in dem er uns zu diesem historischen Ereignis für die norwegische Kletterszene gratuliert.

Chronologie - Arctandria

1981: Sjur und Havard Nesheim und Finn Daeli klettern eine Linie im zentralsten und zugleich steilsten Teil des Blamannen. Sie taufen ihre 10 Seillängen lange Route „Arctandria“ und markieren eine neue Dimension im skandinavischen Alpinismus. Viele Jahre gilt die Route als das härteste Technoabenteuer von Norwegen.

Bis 2004: Zahlreiche Versuche, vor allem heimischer Kletterer, die Route zu befreien.

2005: Der Granitmonolit rückt ins internationale Licht der Kletterwelt, als ein Schweizer Team unter der Führung von Didier Berthod und Giovanni Qurici alle Seillängen der „Arctandria“ rotpunkt klettert. In der Schwierigkeitsskala stoßen sie damit bis zum 10. Grad vor. Den Rotpunktdurchstieg innerhalb von einem Tag schaffen sie aber nicht.

2007: Am 15. Juli gelingt Markus Haid und Hansjörg Auer die erste Rotpunktbegehung an einem Tag. Der angewendete Stil ist wohl zukunftsweisend. Sie benutzen weder Jumar noch bereits vorher platziertes Sicherungsmaterial und vollenden ihre Rotpunktbegehung in neun Stunden. Die Seillängen werden von beiden frei geklettert. Die Route wird von Markus und Hansjörg mit 8b bewertet.

Der Blamannen ist nicht unweit von der idyllischen und leicht per Flugweg erreichbaren Stadt und Insel Tromsoe entfernt. Dieser "kleine" Bigwall befindet sich auf der Insel Kvaloya, ein Paradies für Alpinisten, Sportkletterer und Boulderer. Wer sich für diese, wie für einen Kletterer geschaffene Welt interessiert, dem sei hier der brandaktuelle Kletterfuehrer von Blixt an's Herz gelegt.

Text: Hansjörg Auer

Sponsoren:

Markus: Vaude, Edelweiss, La Sportiva

Hansjörg: Vaude, Edelrid, Nepa

Webtipp:

Free Solo durch den Fisch – die Wahnsinnleistung von Hansjörg Auer

www.team-alpin.at - mit Hansjörg Auer

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