08 September 2011

Der Weg zum K2-Gipfel im Detail

Gerlinde Kaltenbrunner ist zurück und spricht detailliert über den Gipfelaufstieg ...

Nach fast 80 Tagen Unterwegs-Sein kamen wir Sonntag frühmorgens wieder zu Hause an. Mit unglaublicher Freude und großer Dankbarkeit blicke ich auf eine äußerst intensive, bereichernde Zeit mit außergewöhnlichen Menschen zurück.

Mein Lebenstraum, einmal auf allen 14 Achttausendern gestanden zu haben und nach vielen Rückschlägen endlich auf dem K2 stehen zu dürfen hat sich erfüllt. Euch allen möchte ich auf diesem Wege von ganzem Herzen DANKE sagen. Danke, dass ihr an mich und uns geglaubt habt. Danke, dass ihr in Gedanken mit dabei wart und ich auch daraus viel Kraft schöpfen konnte.

Durch Ralfs Umkehr war es möglich, euch immer wieder über den Gipfelaufstieg zu informieren. Hier noch ein paar weitere Eindrücke.

Zum Zeitpunkt unseres Aufbruchs vom Basislager nach Lager I schneite es ziemlich heftig. Am nächsten Morgen war klar, dass wir im Lager I einen Tag Pause einlegen müssen, da die Neuschneemenge zu groß wurde. Zum Glück schien die Sonne, sodass die großen Lawinen alle abgingen, wir waren zuversichtlich am nächsten Tag gut nach Lager II zu kommen.

Leider begann es schon nach Mitternacht wieder zu schneien und als wir um 5.00 Uhr früh noch im Dunkeln unsere Zelte verließen maßen wir schon wieder ca. 15 cm Neuschnee. Den unteren Abschnitt bis zur Querung kamen wir gut voran, jedoch war uns klar, dass vor allem das Einstiegscouloir nicht ganz ungefährlich werden würde.

Vor der Querung sagte Ralf plötzlich zu mir: “Gerlinde ich dreh um, mir ist das zu spannend”. Dieser Moment war sehr schwierig für uns beide. Würden wir umdrehen und noch zuwarten, würde die Neuschneemenge zu groß werden, somit hätten wir keine Chance mehr weiter zu kommen. Ich erläuterte Ralf meine Überlegungen und auch, dass mein Bauchgefühl ein Gutes ist. Ralf hingegen hatte ein ganz anderes Gefühl. Wir respektierten gegenseitig unsere Entscheidung, so stiegen erstmal noch Maxut, Vassiliy, Darek, Tommy und ich weiter. Wir wollten im Aufstieg beisammen bleiben, um kein zu großes Risiko einzugehen.

Am Schneegrat hatten wir, wie die Male zuvor, sehr tiefen Schnee. Alle 50 Meter wechselten Max, Vassu und ich beim Spuren ab. Wir kamen nur langsam vorwärts und irgendwann war klar, wir müssen auf der Felsschulter biwakieren, Lager II werden wir nicht erreichen können. Ich hatte ein ganz leichtes 2-Mannzelt für den Notfall eingepackt, das bauten wir am späten Nachmittag auf und versuchten, darin erst zu fünft Platz zu finden. Tommy stieg am Abend wieder ab ins Lager I, so arrangierten wir uns zu viert in diesem kleinen Zelt.

Der Schneefall stoppte zeitweise, was uns für den darauf folgenden Tag zuversichtlich stimmte.

Die Nacht verbrachten wir den Umständen entsprechend gut, obwohl am Morgen jeder von uns ziemlich verbogen aus dem Zelt kroch. Alles im Rucksack verstaut, starteten wir bei starkem Wind und zeitweise Schneefall Richtung Lager II. Zwei sehr heikle Querungen konnten wir ohne Probleme passieren, jeder von uns hoffte insgeheim, dass nun der Schneefall wie von Charly angekündigt endlich aufhören, der Wind nachlassen und wir dann am darauf folgenden Tag Richtung Lager III gutes, sonniges Wetter haben würden.

Ja wir hofften… Im Lager II schaufelten wir wieder eine Plattform, fixierten mit Firnankern bestmöglich das vom Sturm stark gebeutelte Zelt. Endlich konnte ich mit Ralf über das dort oben deponierte Funkgerät Kontakt aufnehmen. Ralf war sehr erleichtert uns zu hören. Er hatte mit Charly in Innsbruck telefoniert, der Jet sollte spätestens am nächsten Morgen nach Norden abgezogen sein. Ein neuer großer Motivationsschub!!!

Lager II, 5.00 Uhr morgens. Es stürmte immer noch, der Jet muss doch demnächst abziehen! Die Wetterverhältnisse wechseln oft innerhalb kürzester Zeit, der Jet bewegte sich leider doch nur langsam weiter. Dennoch wollten wir versuchen, Lager III zu erreichen.

Bei sehr hohen Windgeschwindigkeiten spurten wir nach oben. Wieder arbeiteten wir gut zusammen und erreichten am Nachmittag ausgekühlt den Platz von Lager III und bauten unsere kleinen Zelte auf. Wieder Funkkontakt mit Ralf, der mit Tommy bereits am Weg ins ABC war. Nun soll der Jet in dieser Nacht wirklich abschwächen, Max und Vassu nickten nur, ich weiß nicht, was sie gedacht hatten. Charly sollte Recht behalten, der Wind kam teilweise fast zum Erliegen.

Die letzten Tage hatten uns mental schon zugesetzt, das spürten wir erst jetzt so richtig, als das Wetter angenehm wurde. Die Stimmung im Team hob sich schlagartig. Ralf versicherte uns, dass im oberen Bereich der Jet den Neuschnee völlig verblasen hat und wir nicht viel Spurarbeit hätten, was sich bald bestätigte. Wir kamen schnell voran und erreichten am frühen Nachmittag den Platz von Lager IV. Unsere Zelte hatten wir schnell aufgebaut, der Kocher lief auf Hochtouren, und unsere Gespräche waren intensiv. Wie ist die weitere Vorgehensweise?

Uns war klar, dass die lange Querung vor dem Japanercouloir eine weitere große Herausforderung werden wird. Ob wir bei dieser Schneesituation so vorwärts kommen würden wie erhofft war sehr fraglich. Für den Notfall packte ich unser Minizelt, Kochtopf und Brenner in den Rucksack und Maxut und Darek je eine Gaskartusche. Zudem hatte jeder von uns noch 50 Meter Seil dabei.

Die Querung war sehr heikel zu passieren und nur mühsam kamen wir voran. Ralf beobachtete uns mit dem Fernglas und ich war sehr froh, immer wieder mit ihm Rücksprache halten zu können. Vor allem als wir an dem Punkt ankamen, als wir nicht sicher waren, wo wir den steilen Hang nun am Besten queren könnten. Ralf sah aus einer ganz anderen Perspektive in die Querung und erkannte eine Spalte die sich vom rechten Rand des Couloirs bis zum linken, durch Felsen begrenzten Rand zog. Direkt unter dieser Spalte sollten wir uns bewegen um einem Lawinenabgang aus dem Weg zu gehen. Genauso machten wir es und kamen dadurch sicher weiter.

Die Zeit schritt voran. Obwohl wir alle müde waren fühlten wir uns gut und entschieden, nicht mehr abzusteigen nach Lager IV. Unterhalb eines Eisaufschwunges auf knapp 8300 Meter arbeiteten wir im etwa 50 Grad steilen Gelände eine kleine Plattform heraus, gerade so, dass unser Zelt Platz fand. Nur für ein paar Stunden Pause, denn um Mitternacht wollten wir weitersteigen. Eng aneinandergereiht saßen wir im Zelt und versuchten Schnee zu schmelzen. Durch das Volumen unserer Daunenanzüge wurde es noch eine Spur enger als im unteren Biwak an der Felsschulter. Nur für ein paar wenige Stunden….

Die Nacht war eisig kalt, ich spürte wie diese Kälte stärker und stärker wurde, ich konzentrierte mich auf jeden Körperteil um dieses Gefühl im Zaum zu halten. Starke Müdigkeit machte sich bei uns allen breit und trotzdem tat niemand von uns ein Auge zu.

Immer wieder ein paar Schluck heißes Wasser für jeden und eine Suppe teilten wir uns zu viert. Wir unterstützten uns gegenseitig und trotz der widrigen Umstände war enorme Toleranz bei uns allen zu spüren. Wir hatten ein gemeinsames ganz großes Ziel, das wir gemeinsam und nur gemeinsam erreichen wollten und konnten.

Um 1.30 Uhr verließen Maxut, Vassiliy und ich unser Zelt, aber schon nach 50 Höhenmeter entschieden wir uns zur Umkehr, unsere Zehen und Finger waren nicht mehr zu spüren.

Erst um ca. 7.30 Uhr starteten wir wieder. Zu dem Moment, als abzusehen war, wann uns die ersten Sonnestrahlen erreichen würden. Von Beginn an hatten wir viel Schnee, wir bewegten uns am äußerst linken Rand des Japanercouloirs aufwärts. Nur langsam gewannen wir an Höhe. Ralf, mit dem ich immer wieder funkte machte uns Mut. Wenn ihr an die Rampe kommt Richtung Gipfelgrat wird es sicher besser mit dem Schnee. Darauf hofften wir.

Leider aber war genau das Gegenteil der Fall. Wir blieben förmlich stecken. In drei verschiedene Richtungen versuchten wir vorwärts zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Schnee bis zur Hüfte mit einem Harschdeckel obenauf. Alle zehn “Schritte” wechselten wir uns nun ab. Dabei kamen wir jeweils kaum einen Meter aufwärts. Konnte es sein, dass uns der K2 wieder nicht wollte? Vassu, Max und ich schauten uns an, keiner sagte ein Wort, Meter für Meter arbeiteten wir weiter. Endlich erreichten wir Felsgelände, kamen etwas besser voran und plötzlich überkam mich eine unbeschreibliche Energie. Als ich den Gipfelgrat erreichte, funkte ich Ralf an. Ich hörte nur “…ihr schafft das, ihr habt es gleich geschafft.”

Als Vassiliy kam fragte er mich, können wir es schaffen? Die Flanke bis zum Gipfel war völlig abgeblasen, kurz unterhalb des höchsten Punkts konnten wir Richtung Flaschenhals hinuntersehen. Ich hielt inne, besonders in diesem Moment war uns Frederik sehr nahe.

Vassu wartete auf Maxut. Die letzten Schritte hin zum Gipfel empfand ich als eine der erhabensten, intensivsten allerschönsten Momente bisher. Fünfzehn Minuten durfte ich ganz alleine sein und wollte Ralf an diesen Augenblick teilhaben lassen. Dieser Tag, diese Abendstimmung, beinahe Windstille, war ein ganz großes Geschenk. Ich schickte dem Universum, der Schöpfung, meinem Ralf und allen die uns beistanden, in Gedanken bei uns waren, ein tiefes Dankeschön. Meine Freude kann ich nicht wirklich in Worte fassen.

Maxut und Vassiliy kamen an, dann Darek. Nach den Fotoaufnahmen, es war bereits nach 19.00 Uhr, starteten wir für den Abstieg. Schon beim Aufbruch im Biwak wussten wir, dass wir in die Nacht kommen würden. Alle hatten wir Reservebatterien dabei, nun galt es die Konzentration bis zum Schluss voll und ganz aufrecht zu erhalten. Wir durften keinen, auch nur noch so kleinen Fehler machen. Im letzten Abendlicht verließen wir den Gipfelgrat und tauchten in die Dunkelheit ein. Vassilliy und ich erreichten das Biwak gegen 22.30 Uhr, ich startete sofort den Kocher. Später kamen Maxut und Darek. Vassu und Max entschieden die Nacht im Biwak zu verbringen, Darek und ich stiegen noch ab bis Lager IV.

Am nächsten Vormittag, als Max und Vassu ankamen stiegen wir gemeinsam noch ab bis Lager I. Tiefer Schnee machte auch nach unten das Vorwärtskommen zu einer großen Herausforderung. Endlich um drei Uhr früh erreichten wir Lager I. Ralf hatte die Kameltreiber für den nächsten Tag bestellt, so mussten wir am Abend im Chinesischen Basislager sein. 10.00 Uhr vormittags liefen wir mit unseren voll gepackten Rucksäcken im Depot ein und gleich darauf waren Ralf und Tommy dort.

Die Freude und Erleichterung, von Ralf in die Arme genommen zu werden ist mir an dieser Stelle unmöglich zu beschreiben…. Die gesamte Anspannung der letzten Tage fiel von mir, wir hatten es geschafft. Mein Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen …

Tipp: Gerlinde spricht über den Gipfelaufstieg im ZDF-Sportstudio: mehr....

Nochmals TAUSEND DANK an euch alle für`s dabei sein!

Ein ganz großes Dankeschön an meine Sponsorpartner, die mich all`die Jahre großzügig unterstützt haben.

DANKE an unseren Freund und Meterologen Dr. Charly Gabl!

DANKE an das gesamte Team von National Geographic!

DANKE vielmals an unser Team zu Hause ! Kathrin und Nicola.

Von ganzem Herzen.

Eure Gerlinde

K2 - Gipfel erreicht !

Kurzmeldung 25.08.11 Ortszeit: am Vormittag – HALLO IM DEPOT

Mit großer Erleichterung dürfen wir vermelden, dass Tommy und Ralf heute Vormittag Gerlinde, Maxut, Vassiliy und Darek im Depot am Ende der spaltenreichen Zone des Gletschers, überglücklich in Empfang nehmen konnten. Nun geht es gemeinsam den restlichen Weg zurück ins Basislager und nach einer kurzen Rast, noch weiter hinunter bis ins Chinese Basislager. Dort warten bereits die Kamele und schon morgen beginnt der Rückweg in die Zivilisation.

Wir gratulieren dem gesamten Team und besonders Gerlinde von ganzem Herzen zum großartigen Erfolg der Expedition!

Update 22:00 Uhr Ortszeit – Zwischen Lager II und Lager I

Ralf konnte gerade mit Gerlinde funken. Das Team befindet sich noch im Abstieg zwischen Lager II nach Lager I bei der Felsschulter. Damit liegen die größeren Schwierigkeiten hinter ihnen.

Wir wünschen den Vieren weiterhin einen guten Abstieg und eine angenehme Nacht in Lager I.

Kurzmeldung vom 24.08.2011 - 10:00 Uhr Ortszeit – Weiter im Abstieg

Spät in der Nacht – nach Mitternacht – hat Gerlinde Lager IV auf 8000 m erreicht. Eine Weile später kam auch Darek unversehrt dort an. Vassiliy und Maxut entschieden im Biwak-Zelt auf 8300 m zu bleiben und sind von dort um ca. 07:00 Uhr heute früh gestartet und befinden sich im Moment kurz vor Lager IV.

Die Vier werden heute voraussichtlich bis Lager I auf 5300 m absteigen, dort eine letzte Nacht am Fuße des Nordpfeilers verbringen und morgen früh über den inzwischen extrem spaltigen Gletscher zu unserem Depot absteigen. Wo ich sie hoffentlich gesund und munter in Empfang nehmen kann.

Es sind von dort mit dem vielen Gepäck dann nochmals ca. 3 Stunden über den aperen K2 Gletscher bis in unser Basislager, welches Tommy und ich mittlerweile fast komplett abgebaut und die Ausrüstung soweit gereinigt haben.

Am Nachmittag soll es dann noch weiter ca. 3 ½ Stunden ins Chinese Basislager gehen, wo uns die Kameltreiber bereits erwarten werden.

Soweit die Pläne - zunächst müssen aber alle Vier den Abstieg gut schaffen. Hierzu wünschen wir Ihnen die notwendige Kraft und Konzentration, die über 2500 m Höhenmeter gut hinter sich zu bringen.

4 Update - 18:30 Ortszeit

Um 18:18 Uhr Ortszeit hat Gerlinde den Gipfel des K2 erreicht

Alle Vier am Gipfel!

Auch Maxut, Vassiliy und Darek konnten den Gipfel des K2 erreichen. Alle Vier standen Sie gemeinsam auf dem Gipfel und befinden sich nun im Abstieg.

Gerlinde ist überglücklich und sagt es sei ein Geschenk, dass sie GEMEINSAM bei diesen schwierigen Verhältnissen im Aufstieg und bei diesem fantastischen Wetter auf dem Gipfel stehen durften.

Per Funkspruch hat Gerlinde an Ralf weitergegeben, dass sie sich bei ALLEN bedanken möchte welche mitgefiebert, die Daumen gedrückt und an sie und das Team gedacht haben. Sie dankt für die große mentale Unterstützung welche sie deutlich spüren konnte und von der sie zum Gipfel getragen wurde.

Trotz des großartigen Erfolges ist uns allen bewusst, dass das Team noch den langen und schwierigen Abstieg bewältigen muss, für den wir ihnen viel Glück und Kraft wünschen.

Herzlichst

Das Daheim von Gerlinde und Ralf

2. Update - 16:15 Ortszeit

Um kurz nach 15:00 Uhr konnte ich zuletzt mit Gerlinde funken. Am Ende einer Phase des Aufstieges, wo auch auf der Rampe, die aus dem Japaner Couloir schräg hinauf zum Gipfelgrat führt nicht viel voranging.

Tiefer Schnee macht das Vorankommen fast unmöglich. An einer Stelle konnten wir von hier unten aus dem Basislager beobachten, wie die Vier in drei verschiedenen Richtungen ansetzten zu spuren, jeweils jedoch wieder wegen tiefen Schnee neu ansetzten mussten.

Es ist jetzt 16:00 Uhr und die beiden Führenden, von hier aus kann ich nicht sagen wer Voraus spurt, kommen wieder deutlich besser voran und haben fast das Ende der Rampe erreicht, und damit endlich, endlich den Gipfelgrat. Vielleicht sollte ich sagen Gipfelrücken. Ein eher breiter Rücken, an dem lt. den Aufnahmen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt eine Mulde ansetzt, die dann zum letzten Gipfelaufschwung führt.

Die Zeit ist vorangeschritten, das Wetter immer noch wolkenlos und soweit ich es hier von hier unten beobachten weitestgehend windstill.

Drücken wir weiter fest die Daumen! Für die zahlreichen guten Wünsche und die vielen geistigen Mitstreiter möchten ich mich vor allem im Namen von Gerlinde bedanken, das gibt Kraft und große Unterstützung, die immer noch notwendig ist.

Funkspruch Ortszeit 16:35 Uhr - Ortszeit

Gerlinde ist am Gipfelgrat zusammen mit Vassiliy angekommen. Maxut und Darek kommen hinterher.

1. Update - 11:15 Ortszeit

Gerade hat sich Gerlinde über Funk aus einer Höhe von ca. 8400 m gemeldet. Alle vier leiden sehr stark unter der Kälte. Es ist aber abzusehen, dass die Sonne das Team bis in ca. einer dreiviertel Stunde erreichen wird.

Sie kommen dann auch zum schräg aufsteigenden Couloir das zum Gipfelgrat hinaufzieht, wo wir davon ausgehen, dass die Schneeverhältnisse deutlich besser sind. Insofern sind momentan alle noch sehr zuversichtlich. Gerlinde sprach davon, dass sie sich den Umständen entsprechend gut fühlt.

UPDATE 23.8.

Aufbruch Richtung Gipfel!

Eine eisige, sternenklare Nacht auf knapp 8300 m liegt hinter Gerlinde, Vassiliy, Maxut und Darek. In der Enge ihres Biwaks hatten sie sich zunächst für einen Aufbruch um 01:00 Uhr vorbereitet. Um 01:30 waren sie letztlich gestartet - hatten aber schon bald mit der Kälte zu kämpfen: Obwohl die Steilheit oberhalb des Biwakplatzes "nur" 45° beträgt, steht man doch die meiste Zeit auf dem Vorderfuß - was die Durchblutung einschränkt und bei Temperaturen um -25° zu eisigen Füssen führt. Am 8. Tag nach Aufbruch vom Basislager sind die Innenschuhe auch der besten Expeditionsstiefel einfach nicht mehr ganz trocken zu bekommen. Zudem sind nach zweieinhalb Monaten anstrengendem Unterwegs-Seins die Fettreserven inzwischen auch so weit aufgezehrt, dass man die Kälte am ganzen Körper spürt. Die vier entschieden sich zum kleinen Biwakzelt auf 8300 m zurück zu kehren und sich aufzuwärmen. Was auch ganz gut gelang. Um 07:30 Uhr sind sie erneut losgestiegen. Und kommen seither gut voran.

Der heutige Tag begann wieder wolkenlos und laut Charly Gabl in Innsbruck soll dies heute auch weitestgehend so bleiben. Auch der Wind scheint erträglich zu sein - gestern Abend beim Schneeschmelzen im Biwak hatten die vier sogar Windstille. Auch der Mittwoch soll nochmals gutes Wetter bringen, so dass eine gewisse Reserve - vor allem auch hinsichtlich des Abstiegs - besteht.

UPDATE 20:30 Uhr Ortszeit

Gerlinde, Maxut, Vassiliy und Darek haben nach einem langen und anstrengendem Aufstieg und zum Teil tiefer Spurarbeit, am späten Nachmittag, bei besser werdenden Schneeverhältnissen entschieden, am höchsten erreichten Punkt (ca. 8300 m) diese Nacht zu biwakieren. Sie haben einen idealen Biwakplatz beim letzten Serac im Japaner-Couloir im Aufstieg Richtung Gipfel gefunden. Dort haben sie sich eine Plattform für ihr kleines Biwakzelt gegraben und sitzen jetzt bei den letzten Sonnenstrahlen im Zelt. Zum Abendessen gibt es Tomatensuppe und Tee. Heute Nacht möchten sie um 12:00 Uhr Ortszeit starten und hoffen die letzten 300 Höhenmeter, trotz sicher nochmals zu erwartender anstrengender Spurarbeit, schaffen zu können.

Update 19.08.2011 – Lager II (6600 m) erreicht

Nach einer sehr anstrengenden Nacht in einem kleinen Biwakzelt, zu Viert auf der Felsschulter zwischen Lager I und Lager II, konnten Gerlinde, Maxut, Vassily und Darek heute um 15:30 Uhr Ortszeit Lager II erreichen.

Die Verhältnisse waren sehr anstrengend zum Teil bis hüfthoch Schnee. Die Vier haben vorgesehen Morgen wenn es die Spurarbeit und die Schneeverhältnisse zulassen nach Lager III (ca. 7250 m) aufzusteigen.

Gestern, am späten Nachmittag ist auch Tommy Heinrich ins Lager I abgestiegen um zusammen mit Ralf ins Basislager zurückzukehren. Dort sie sind beide inzwischen gut angekommen.

Update 18.08.2011

Seit 00:00 Uhr bis aktuell 16:30 Uhr Ortszeit hat es an der Nordseite des K2 mit nur zwei Stunden Pause wieder ergiebig geschneit. Das Team um Gerlinde Kaltenbrunner kommt nur sehr langsam voran und biwakiert voraussichtlich auf der Felsschulter auf halber Strecke zwischen Lager I und Lager II.

Ralf Dujmovits ist am frühen Vormittag wegen akuter Lawinengefahr im Einstiegs-Couloir ins Lager I zurückgekehrt und hat die Besteigung des K2 für sich beendet.

Update: Mi. 17.08

Den heutigen Tag verbringen Gerlinde, Ralf und das gesamte Team nochmals in Lager I (5300 m). Aufgrund des gestern doch ergiebig gefallenen Neuschnees, muss vor dem Aufstieg nach Lager II (6600 m) abgewartet werden, bis die Route durch Lawinenabgänge wieder sicher wird.

Heute konnte das Team beobachten, dass der Schnee relativ gut abrutscht und somit sind alle sehr zuversichtlich Morgen nach Lager II aufsteigen zu können. Der Wetterbericht sagt weiterhin stabileres und trockneres Wetter für Ende dieser Woche voraus.

Bei der Planung des Aufstieges mit der Lagerkette wurde ein Ruhetag am Berg eingeplant, so dass aus heutiger Sicht nach wie vor der Sonntag als Gipfeltag in Frage kommt. Ob sich der Sonntag bestätigt, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

16.082011

Nach einigen wenigen Erholungstagen im chinesischen Basislager hat das Warten nun ein Ende – Gerlinde, Ralf und das gesamte Team sind heute Morgen für einen Gipfelversuch aufgebrochen. Aus heutiger Sicht ist als Gipfeltag Sonntag der 21. August geplant.

Wir drücken ganz fest die Daumen!

Anbei die letzte Meldung vor dem Aufbruch:

Liebe Freunde,

im Moment, während wir diese Zeilen schreiben, prasseln feuchte Schneeflocken auf unser Zelt im vorgeschobenen Basislager. Dienstagabend sind wir nach acht sehr anstrengenden, äußerst eindrucksvollen Tagen am Berg wieder hierher zurück gekommen.

Nachdem wir uns Ende Juli im chinesischen Basislager gut erholt hatten, brachen wir am 02. August nach Lager I auf. Ein langer, zum Schluss sehr spaltenreicher Aufstieg, bei dem wir uns fragten, wie oft wir wohl noch über den unwegsamen Gletscher hinauf steigen werden. Gut, dass wir mit dem Aufbruch noch einen Tag zugewartet hatten. An diesem Tag gingen durch die intensive Sonneneinstrahlung unzählige Lawinen ab und der Schnee konnte sich gut setzen.

Früh am nächsten Morgen stiegen wir durch das uns mittlerweile sehr vertraute Einstiegscouloir aufwärts, knietief spurend über den Schneegrat zur Felsschulter und weiter sehr anstrengende Stunden bis zum Platz von Lager II, an dem wir nach 11,5 Stunden ankamen. An einem großen Fels hatten wir unsere Zelte deponiert, die wir schnell ausgegraben und aufgestellt hatten. Um das Flüssigkeitsdefizit auszugleichen, schmolzen wir bis spät am Abend Schnee.

Um 5.00 Uhr früh am darauf folgenden Tag sangen wir etwas kurzatmig ein Geburtstagsständchen für Darek, der uns daraufhin ein Stück Kuchen!!! seiner Mutter überreichte. Wir packten unsere gesamte Ausrüstung zusammen und spurten mit schweren Rucksäcken bei fantastischem Wetter und ebensolcher Aussicht aufwärts bis zum Platz von Lager III, wo wieder der Zeltaufbau und danach Schneeschmelzen im Vordergrund stand. Es wurde uns ein wunderschöner, sehr eindrucksvoller Abend beschert, wie schon öfters während dieser Expedition. Wir besprachen die aktuelle Situation und Taktik für den nächsten Tag.

Maxut und Darek stiegen am nächsten Morgen ab nach L II um noch weitere Seile nachzubringen, während Vassiliy, Tommy und wir aufstiegen um Richtung Lager IV die Route zu finden und an den notwendigen Passagen Fixseile anzubringen. Unser Zeitlimit war 15.00 Uhr um nicht zu spät zu unseren Zelten auf 7300 m zurück zu kehren, da die Flüssigkeitsaufnahme und Erholung in großer Höhe immer aufwändiger wird.

Wir waren mit unserem Weiterkommen an diesem Tag zufrieden. Am nächsten Morgen wollten wir aufsteigen, um eine Nacht im geplanten Lager IV zu übernachten.

Wir warteten die ersten Sonnenstrahlen ab, die um kurz vor 6.00 Uhr auf unser Zelten schienen. Ein vielversprechender Tag stand uns bevor.

In unsere dicken Daunenanzüge eingepackt es war eiskalt an diesem Morgen) kletterten wir mit unseren voll bepackten Rucksäcken durch kombiniertes Gelände aufwärts. Tommy stieg ab ins Lager I, da er seinen Daunenanzug noch nicht mit dabei hatte. (Diesen möchte er erst beim Gipfelversuch mit hoch nehmen).

Im Laufe des Tages zog es völlig zu und es begann am späten Nachmittag stark zu schneien. Auf 7900 m ca. stießen wir auf ein schmales Felsband, auf das zum Glück unsere beiden Zelte ideal passten. Mittlerweile schneite es so heftig, - wir wären nicht mal mehr 100 Höhenmeter vom geplanten Lager IV entfernt gewesen. Brüchiges, felsdurchsetztes, steiles Gelände ließ es nicht zu, dass wir im "White out" weiterstiegen. Noch waren wir sehr zuversichtlich, am nächsten Morgen unseren Plan fortsetzen zu können. Jedoch hielt der Schneefall die Nacht über und den ganzen nächsten Tag an. Immer wieder besprachen wir die Lage und telefonierten über Satelliten-Telefon mit Charly Gabl in Innsbruck, der uns für die zweite Nacht Ende der Schneefälle und Aufklaren voraussagte.

Wir schmolzen so viel Schnee als möglich, schliefen zwischendurch, schaufelten immer wieder unser kleines Zelt aus, sprachen über Gott und die Welt und hofften, das Charly recht behalten würde mit dem schönem Wetter für den nächsten Tag.

Um 21.00 Uhr war dann endlich kein Rieseln der Schneeflocken mehr zu hören. Es klarte tatsächlich auf und die Temperatur sank unter minus 20 Grad.

Was sich unseren Augen am nächsten Morgen bot ist kaum in Worte zu fassen. Als wir den Reißverschluss unseres Zeltes öffneten, sahen wir einzelne Bergspitzen aus einer dichten Wolkendecke herausragen, ein Anblick den wir selbst nur ganz selten erleben dürfen. Wir waren auf fast 8000 m völlig über den Wolken.

Mag es kitschig und abgenützt klingen, aber wieder einmal konnten und wollten wir nur DANKE sagen, das hier erleben zu dürfen.

Sogar die sonst so hart wirkenden kasachischen Freunde und Darek waren einfach nur fasziniert von diesem Naturschauspiel.

Max, Vassily und Gerlinde brachen mit Fixseilen bepackt auf um im schneebedeckten Fels die Route weiter aufwärts zu finden und wo nötig abzusichern. Darek und ich bauten die Zelte ab, packten alles zusammen und stiegen mit dem Material nach.

Wir erreichten einen kleinen, schneebedeckten Felsabsatz auf über 8000 m, an dem wir beim nächsten Aufstieg übernachten und von wo aus wir dann den Gipfel versuchen möchten. Ein idealer, unbeschreiblich eindrucksvoller Platz dieses ""Lager IV". Von hier aus wirkt der Gipfel schon sehr nahe.

Ca. 70 Höhenmeter stiegen wir noch weiter, um den Einstieg ins Japanercouloir zu erkunden. Danach seilten wir ab bis 6600 m, wo wir eine weitere Nacht verbrachten. Der Neuschnee reichte uns an manchen Stellen bis zur Hüfte (im flachen

Gelände), an den steilen Passagen ging er mit der Sonne in Form von Lockerschneelawinen ab.

Am nächsten Morgen waren wir alle fünf froh, ins vorgeschobene Basislager absteigen zu können. Ausgehungert, sehr müde und vollkommen zufrieden trafen wir am nächsten Nachmittag in unserem Mannschaftszelt ein. Abdul und Tommy hatten sich bereits Sorgen gemacht und waren sehr erleichtert, dass wir nach acht

Tagen gesund zurück waren.

Beim Abendessen blieb kein "Fuzerl" auf den Tellern zurück, und schon um 20.00 Uhr war absolute Stille eingekehrt in unseren Zelten und in unserem kleinen Basislager.

Nun brauchen wir noch einige Tage Erholung und wie so oft hoffen wir, dann mit Glück ein Schönwetterfenster zu bekommen...

Wie auch immer alles kommen wird, diese Expedition ist in jedem Fall eine ganz große Bereicherung; keinen der bis jetzt erlebten Tage möchten wir

missen.

Bitte habt noch ein wenig Geduld und haltet uns die Daumen, dass wir eine reale Chance für einen Gipfelversuch bekommen werden. Die nächsten Tage werden wir wie vorm letzten Aufstieg im chines. Basislager verbringen. Bevor wir wieder aufbrechen, melden wir uns noch einmal.

Bis dahin ganz herzliche Grüße und schöne, sonnige Sommertage wünschen wir Euch.

Ralf mit Gerlinde und dem gesamten K2 Team

Webtipps:

K2 - Gerlinde Kaltenbrunner: Abbruch auf 8100 m - 2007

K2 - Alle Bergsteiger im Abstieg! -2009

Gerlinde am K2 gescheitert, Fredrik Ericsson tot -2010

www.gerlinde-kaltenbrunner.at

K2 Rampe mit Gipfelgrat
Gerlinde in einer steilen Passage zwischen Felsschulter und Lager II Bild: ©R.Dujmovits
Vassiliy und Gerlinde im Aufstieg beim Fixseil-Transport kurz vor Lager III Bild: ©R.Dujmovit
Gerlinde und Maxut an einem der vielen Standplätze unterhalb von Lager IV Bild: ©R.Dujmovit
Gerlinde, Maxut und Vassiliy ascending towards Camp IV at roughly 8000m. Bild: ©R.Dujmovit
Die Nordpfeiler-Route mit allen 4 Hochlagern.
Ralf an einer Steileispassage unterhalb Lager II auf ca. 6400 m. Bild: © G.Kaltenbrunner
Unser provisorischer LagerIV-Platz auf ca. 7900m nach 24 Stunden Neuschneefällen. Bild: © G.Kaltenbrunner
Blick vom tatsächlichen Lager IV (ca. 8000 m) ins Japaner-Couloir in Richtung Gipfel. Bild: © G.Kaltenbrunner
Gerlinde kurz vor Erreichen von Lager III. Bild © M.Zhumayev
Gerlinde und Vassiliy beim Erkunden des Einstiegs zum Japaner-Couloir auf 8070m. Bildl © M.Zhumayev
Ralf kurz vor Lager III. Bild © M.Zhumayev
Gerlinde Kaltenbrunner ist überglücklich, den Gipfel des K2 erreicht zu haben. Mit dieser Leistung wurde sie zur ersten Frau, die alle 14 8,000er ohne die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff erreicht hat.

Photograph: Maxut Zhumayev/National Geograph


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