Erstbegehung am Chamlang - Marek Holeček und Zdeněk Hák - Route Erstbegehung am Chamlang - Marek Holeček und Zdeněk Hák - Route
19 Juni 2019

Erstbegehung am Chamlang

Marek Holeček und Zdeněk Hák bezwingen als erste Alpinisten die Nordwestwand

Am 21. Mai 2019 legten Athlet Marek Holeček und Zdeněk Hák die letzten Meter zum Chamlang-Gipfel (7321m) zurück und bezwangen als erste Alpinisten überhaupt die Nordwestwand des nepalesischen Berges. Die sieben Tage andauernde Erstbegehung auf der von ihnen benannten Route «UFOline» verlangte den zwei Profi-Bergsteigern alles ab.

Bereits im Jahr 2001, als Marek zum ersten Mal die eleganten Formen der Chamlang-Nordwestwand erblickte, war er beeindruckt: «Ich betrachtete die Wand mit einer Mischung aus bewundernder Demut und Furcht bei der Vorstellung, dass ich mich in der riesigen vertikalen Platte bewegen sollte.» Vor rund einem Jahr fasste Marek schließlich den Entschluss, einen Versuch zu wagen und am 17. Mai 2019 begab er sich zusammen mit Zdeněk Hák in die Nordwestwand des im Hunkhu-Tal liegenden Riesen. «Die ersten Meter begrüssten uns mit unangenehmem Mix-Klettern, das mit einer schräg verlaufenden Rampe fortsetzte. Wir stießen auf einen sehr schlechten Fels mit nicht kompaktem, lockerem Schnee, der an Zucker erinnerte», so schildert Marek die ersten Meter.

Einfacher wurde es auf dieser Erstbegehung bei eisigen Temperaturen allerdings nicht. Am dritten Tag trafen die beiden Athleten auf den längsten Kletterabschnitt. «Das Risiko bestand darin, dass man nach dem Betreten dieses Abschnitts nur noch weiterklettern konnte. Einen vernünftigen Weg zurück gab es einfach nicht», erzählt Marek über diesen schwierigen Durchstieg.

Am Tag fünf war es schließlich soweit: um 10:00 Uhr passierten Marek und Zdeněk den Hauptgipfel. Belohnt wurden sie mit einer atemberaubenden Aussicht: «Vom Osten her winkte uns der Kangchendzönga zu, im Norden grinste der pyramidenförmige Makalu. Im Westen ragten der Wall von Lhotse und einige Gipfel des Nuptse hoch. Über all dem wachte das Dach der Welt, der Mount Everest.» Die Bergsteiger hielten nur kurz, denn weder Wind noch Temperaturen luden zum langen Verweilen ein und ein schwieriger Abstieg stand den beiden bevor.

Am 23. Mai, nach gut 160 Stunden und den letzten Metern über die Moräne hatten die Athleten endlich wieder Wiese unter den Füssen. Die Erleichterung bei Marek war groß: «Die Sonne wärmte unsere Gesichter. Die Kälte blieb hinter unseren Rücken. Wir rissen uns die Kleidung vom Leib und nur in der Unterwäsche legten wir uns in das duftende Gras.» Die Route nannten die beiden «UFOline», um an den Aufstieg über die Nordwand des Chamlang zu erinnern, bei dem Reinhold Messner und Doug Scott angeblich ein UFO erblickten.

Ein in Portrait und Interview mit dem tschechischen Piolet d’Or Gewinner Marek Holeček.

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