Hans Kammerlander vor dem Zelt bei der Mount Logan Besteigung
13 April 2012

Interview Kammerlander / Mount Logan

Wie geht man damit um und was kommt auf einen zu, wenn man sich im Gipfel geirrt hat ?

 

Mit Interview - Hans Kammerlander über den Mount Logan Fall !

Hans Kammerlander kompakt zum Mt. Logan - 5 Fragen & Antworten:

bergsteigen.at: Die bei uns auf bergsteigen.at im Forum begonnene Diskussion über deine Mt. Logan Besteigung schlägt immer größere Wellen - warst du jetzt auf dem Hauptgipfel oder nicht?

Hans Kammerlander: Ich kann es nach wie vor nicht genau sagen. Aber es schaut ganz danach aus. Das Gipfelplateau des Mount Logan ist riesig, rund 8,5 Kilometer lang. Als wir über den Sattel dort hinauf kamen, haben wir konsequenterweise den Gipfel angesteuert, der uns am höchsten schien. Es war gutes Wetter, wir hatten jede Menge Zeitreserven, wir hätten durchaus auch jeden anderen Spitz dort oben besteigen können oder auch mehrere. Aber ich habe es jetzt immer wieder betont, dass ich mir das selbst und direkt vor Ort anschauen will.

Es kann doch nicht wirklich sein, dass alpinistische Leistungen künftig vom grünen Tisch und aus einem Büro heraus entschieden werden. Ich werde weiterhin ganz offen mit dieser Sache umgehen. Wenn uns am Mount Logan tatsächlich ein Fehler unterlaufen ist, dann werde ich den natürlich mit einer weiteren Besteigung sofort versuchen zu korrigieren.

Im Mai fliege ich wieder dorthin. Das hätte ich sowieso getan, denn ich will den King Peak für mein neues Projekt besteigen. Da geht das unter Umständen in einem. Vielleicht bringe ich ja sogar den vielzietierten Pickel vom Logan mit. Vielleicht besteige ich auch alle einzelnen Gipfel und hinterlasse überall einen weiteren Pickel.

bergsteigen.at: Wie kann so etwas passieren, wenn zwei Vollprofis – Konrad Auer und du – bei bestem Wetter auf einem Berg unterwegs sind? Hattet ihr keine Navigationstechnik dabei und wusstet ihr nichts von dem Eispickel, der den Hauptgipfel kennzeichnet?

Hans Kammerlander: Wir wussten zum Zeitpunkt unserer Besteigung nichts von diesem Pickel. Möglicherweise war ich bei der Recherche wirklich etwas lasch. Es war ja kein extremes Ziel, eher eine Routinebesteigung. Ich habe kurz vor unserem Geltscherflug ja noch mit zwei Bergsteigern, einem aus Alaska und einem aus der Schweiz gesprochen, die beide schon oben gewesen sind. Da kam vieles zur Sprache, aber nie, dass es besondere Probleme aufwerfen könnte, den höchsten Punkt des Massivs zu finden. Das klang alles wie selbstverständlich und genauso habe ich die Besteigung dann auch empfunden – ganz logisch.

GPS hatten wir keines dabei. Technische Geräte sind ja bekanntermaßen bis heute nicht meine allerbesten Freunde. Ich bin in eine Generation geboren, für die sich Alpinismus mit Minimalismus sehr gut vertragen hat und das Abenteuer abseits des markierten Weges begann. Es kommt mir merkwürdig vor, in den Bergen ein Gerät zu verwenden, das mir den Weg weist. Obwohl es ja offenkundig für manche Bergsteiger sehr hilfreich zu sein scheint.

bergsteigen.at: Es wird dir auch "Betrug" vorgeworfen - wird der Ton unter Bergsteigern immer rauer?

Hans Kammerlander: Ich halte einiges aus und ich habe im Laufe der Jahre gelernt, fairen Journalismus vom Schlagzeilen-Journalismus zu unterscheiden. Die Härte, mit der die Internet-Diskussionen geführt werden, sind allerdings neu für mich. Manche Leute packen in ihre Beiträge eine enorme Energie hinein, dabei könnte es vielleicht doch viel schöner an der frischen Luft. Mich würde mal interessieren, wieviele Stunden Zeit diese fast zwanzig Seiten lange Dokumentation gekostet hat, die jetzt überall herum geistert und mit der mir nachwiesen werden soll, dass ich auf dem falschen Gipfel gewesen bin.

Da hat sich einer richtig Mühe gemacht. Zum Glück kenne ich ja die Richtung, aus der das alles kommt. Ich nehme das recht ernst, aber manchmal muss ich wegen des Aufwandes, der da betrieben wird, auch schon wieder schmunzeln. Mir jedoch Betrug, also eine betrügerliche Absicht zu unterstellen, dass ist wirklich kühn. Es ist beleidigend und ehrabschneidend.

Ich habe bei den Vorträgen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es unter Umständen ein Problem mit dem Mount Logan geben können und dass ich da vielleicht noch mal rauf muss. Die Leute haben herzlich darüber gelacht. Meine Enttäuschung ist momentan entsprechend groß, denn wie käme ich denn dazu, absichtlich einen falschen Berg zu besteigen, der nicht einmal sehr schwer ist?

Aber ich habe begonnen heraus zu finden, wer der Urheber dieser Zeilen ist. Ich werde, notfalls auch mit einem richterlichen Beschluss, an die Identität des Schreibers. Und dann werde ich dagegen vorgehen.

bergsteigen.at: Der 8000er Chronist Eberhard Jurgalski zweifelt jetzt auch deinen Second Summit in Ozeanien an (obwohl sich die Nasa angeblich nicht ganz sicher ist) - hat Jurgalski Recht mit seinen Thesen?

Hans Kammerlander: Ich habe nichts gegen Statistiken und Chroniken. Sie sind oft sehr interessant und aufschlussreich. In meinem neuen Buch „Zurück nach Morgen“ über die 14 Achttausender, das im Herbst erscheinen wird, habe wir auch eine ausführliche Chronik aus unzähligen, verschiedenen Quellen zusammen getragen. Das liest sich teilweise recht spannend. Aber es kann doch nicht wirklich sein, dass Chronisten vom Schreibtisch aus Urteile fällen, ohne ein Wort mit dem betroffenen Bergsteiger zu sprechen.

Ich wusste beim zweithöchsten Gipfel Ozeanies ja von dem anderen Gipfel. Deshalb habe ich das vom Ministerium offiziell klären lassen. Selbst die NASA ist sich ihrer Messungen ja nicht sicher. In Wikipedia gibt es bis heute unterschiedliche Angaben in der deutschen und der englischsprachigen Version. Also habe ich auf der Basis der Ministeriumsangaben entschieden, auf welchen Gipfel ich steige. Punkt.

Ich beginne jetzt ein neues Projekt, bei dem ich versuchen will, die Matterhörner dieser Welt zu besteigen, also einige sehr schöne Berge, die dem Matterhorn in der Schweiz sehr ähnlich sind. Soll ich da einen oder mehrere Chronisten fragen, welchen Berg ich denn ihrer Meinung nach besteigen darf? Also langsam wird es ja wirklich absurd.

bergsteigen.at: Da alle 8000er bestiegen und viele der große Wände schon gemacht worden sind, feilen Profibergsteiger an immer neueren Projekten, um mit ihren Sponsoren im Rampenlicht zu stehen. Wird man in naher Zukunft einen Peilsender mitnehmen müssen (ähnlich wie beim Red Bull X-Alps), mit dem jeder Schritt online verfolgt werden kann?

Hans Kammerlander: Ich sage ja, es wird absurd. Ich bin noch niemals für einen Sponsor auf einen Berg gestiegen. Noch nie. So wird es auch bleiben. Meine Verträge waren und sind nicht auf Ziele ausgerichtet, sondern sie wurden aufgrund von zuvor erbrachten Leistungen geschlossen und ermöglichten mir für die Zukunft neue Ziele zu verwirklichen.

Und wenn ich künftig mit einem Peilsender ausgestattet zu einem Gipfel unterwegs sein muss, wenn ich eine Steilwandabfahrt filmen lassen muss und wenn sie mir dann wegen eines Linksschwunges zuviel am Schreibtisch aberkannt wird, dann sollten wir es vielleicht wirklich besser lassen.

Nein, auf dieser Basis mag ich die Diskussion ganz sicher nicht führen. Ich habe die Seven Second Summits bestiegen, weil mir das Spaß gemacht hat, weil ich neue Länder und Kulturen kennen lernen wollte, nicht um Rekorde zu brechen. Das ich der Erste bin oder werden kann, ist ein Nebeneffekt. Ganz nett, aber nicht der alleinige Grund für mein Tun. Wenn mir ein anderer zuvor kommt, bitte, ganz gerne. Es wäre nicht das erste Mal. Damit kann ich sehr gut leben, denn Neid und Missgunst sind mir fremd.

Hans Kammerlander, vielen Dank für das Gespräch.

Der Mount Logan Fall

Wann ist ein Projekt beendet, wo ist der höchste Punkt eines Berges? Das sind Fragen, um die in den letzten Jahren unter Bergsteigern auch oft gestritten wurde. Aktuell ist es der Südtiroler Ausnahmealpinist Hans Kammerlander, der im Kreuzfeuer der Kritik steht. Angefangen hat es in einem Internetforum, dort wurden erstmals öffentlich Zweifel an seinem Mt. Logan Gipfelerfolg geäußert.

Anhand von Fotos wird dem Interessierten schlüssig nachgewiesen, dass Hans Kammerlander nicht auf dem Hauptgipfel, sondern auf dem 2,35 km entfernten und ca. 30 m niedrigeren Westgipfel des Mt. Logan gestanden hat. Es hat sich auch aus diversen Gesprächen mit Hans ergeben, dass er nicht den Pickel gesehen hat, der auf dem Logan-Gipfel im Eis steckt. Dieser rote Eispickel ist aber von zahlreichen Besteigern in den Jahren vor und auch kurz nach seiner Gipfelbesteigung als Gipfelfixpunkt dokumentiert.

Mit Sicherheit ist Hans Kammerlander nicht der "Betrüger" (Betrug ist ein strafrechtliches Vermögensdelikt) wie er von "Galhub80" im Internet dargestellt wird. Vielen von uns, die wir in die Berge gehen, ist es sicher schon einmal passiert, dass man auf dem falschen Gipfel war, aber geglaubt hat auf dem richtigen zu stehen.

Man kann aber sicher auch verstehen, dass einer wie Christian Stangl - der auch am Second Seven Summit Projekt hart arbeitet - verbittert ist. Denn auf der Homepage von Hans ist z.B. immer noch im ersten Satz zu lesen: "Hans Kammerlander schreibt einmal mehr Alpingeschichte: Als Erster schaffte der Südtiroler Extrembergsteiger die zweithöchsten Gipfel aller sieben Kontinente." Im Wikipedia Lexikon wurde das schon korrigiert, der Hinweis bezüglich der Mt. Logan-Zweifel wurden dort ergänzt.

Dass es Christian Stangl, der ja wegen seiner K2-Halluzination geteert und gefedert wurde wie kein anderer Bergsteiger vor ihm, mit seiner vermutlich in diesem Fall berechtigten Kritik nicht gerade leicht hat, ist sicher auch zu verstehen - wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr. Ob die eher rüpelhafte "Verstärkung" durch Galhub80 im Internet in diesem Fall die beste Hilfe war, ist zu bezweifeln: Im Grunde hat es aber funktioniert, diverse Medien beschäftigen sich mit dem Mt. Logan Fall, das hätte man aber professioneller machen können.

Der Ton wird rauer in den Bergen

Wenn man wie Christian Stangl oder Hans Kammerlander vom Bergsteigen lebt, wird der Ton halt rauer, wenn es um das Eingemachte, nämlich schlussendlich um das liebe Geld geht. An solchen Projekten (Seven Summits, 14 Achttausender, Second Seven Summits) hängt nicht nur ein schöner Sonntagsausflug, sondern eine ganze PR- und Verwertungsmaschinerie mit Büchern, Vorträgen, T-Shirts, Kapperln und unzähligen Berichten in div. Medien.

Bis dato hat die FAZ (und später auch der Spiegel) als erstes großes Medium überhaupt, einen Bericht über die Zweifel an der korrekten Mount Logan Besteigung von Hans Kammerlander gebracht. In diesem FAZ-Bericht tauchen auch Zweifel am höchsten Second Seven Summit von Ozianien auf - ist das nun der Puncak Trikora oder vielleicht doch der Puncak Mandal (div. Fachleute inkl. Nasa sind sich nicht einig - es geht um ca. 25 Hm). Auch wird in einem "Journalisten-PDF" nicht ein Felsturm, sondern ein flaches Plateau mit einem Steinhaufen inkl. Bronze Tafel als korrekter Gipfel des Tirkora genannt.

In deutschen Bergsteiger-Magazinen wurde diese Thematik, wenn überhaupt, nur am Rande z.B. im Zusammenhang mit einem Bericht über das erfolgreiche Second Seven Summit Projekt von Hans erwähnt. Man geht dabei auf im Internet "herumgeisternde" Sachen nicht wirklich ein und gleichzeitig wird Christian Stangls K2 Lüge noch mal kurz aufgewärmt.

Der Bergsteiger und sein Management

Ob das Management von Hans Kammerlander mit der Mt. Logan Sache richtig umgegangen ist bzw. umgeht, ist schwierig zu beurteilen. Ein "Wulff-Bild-Effekt" stand im Raum, wenn man zu radikal gegen die nicht sehr schön begonnene Internet-Diskussion vorgegangen wäre. Aber "was wäre wenn" bringt im Grunde nicht viel, es ist wie es ist. Hans Kammerlander wird sich mit Sicherheit seinen letzten Second Seven Summit Gipfel nicht nehmen lassen und wie schon angekündigt im Mai erneut zum Mt. Logan aufbrechen.

Vom dem 5959 m hohen Gipfel wird Hans vermutlich den roten Eispickel als Beweis mit ins Tal bringen - damit dürfte das Thema für das Südtiroler Multitalent ein für alle Mal vom Tisch sein. Man kann nur hoffen, dass Hans auf dem Logan Gipfel eine andere Gipfelmarke zurück lässt, damit nicht andere Bergsteiger - nach dem roten Pickel vergebens suchend - auf irgendwelche unwesentlich niedrigere Nebengipfel steigen :-)

Text: bergsteigen.at (Axel Jentzsch-Rabl)

Fotos: H. Kammerlander, K. Auer und Ch. Stangl

Der Beitrag von "Galhub80" im Forum: mehr...

Hinweis Ein Interview mit Hans Kammerlander wird in Kürze bei uns online gehen ...

Webtipps:

Hans Kammerlander

Christian Stangl

Video - roter Eispickel Mount logan - the last steeps and we are on top of canada

Hans Kammerlander vor dem Zelt bei der Mount Logan Besteigung
Mit Markierungsfahen beim Anstieg zum Mount Logan
Das "Gipfelbild" von Hans Kammerlander auf dem Mount Logan
Oben das Gipfelbild von Kammerlander, unten die Bilder von Christian Stangl - man muss sehr genau hinschauen, um den Fehler zu finden. Hand auf's Herz, wer macht so etwas mit seinen Gipfelbildern nach einer Tour (die lange der Gipfel im Hintergrund).
Bei der Abfahrt mit Skiern beim Abstieg vom Mount Logan
Hans Kammerlander


Kommentare

Neuer Kommentar
Zum Verfassen von Kommentaren bitte anmelden oder registrieren.