Nach der gemeinsamen Skiabfahrt sind sie nach 23,5 Stunden zurück im Basislager (5.000 m) Nach der gemeinsamen Skiabfahrt sind sie nach 23,5 Stunden zurück im Basislager (5.000 m)
06 Oktober 2012

Manaslu im Speedstil mit Skiabfahrt in 24 Std.

Für Benedikt Böhm hat sich am 30. September ein langjähriger Traum erfüllt. Nach 15 Stunden und 3.300 Höhenmetern im Aufstieg steht er am Gipfel des Manaslu (8.163 m).

Seine Partner Sebastian Haag und Constantin Pade sind nach einer ebenfalls außergewöhnlichen Leistung kurz vor dem Gipfel umgekehrt.

Die Besteigung steht im Schatten des Lawinenunglücks, das eine Woche zuvor Todesopfer gefordert hat und für die Expeditionen am Berg ein tragisches Erlebnis war. Die Athleten entscheiden sich dennoch diese letzte Chance zu nutzen. In der jahrelangen Vorbereitung steckt neben der physischen Anstrengung auch ein enorm hoher psychischer und finanzieller Einsatz.

Für die Entscheidung steht auch das Wissen, jede mögliche Hilfe für die Verunglückten geleistet zu haben. „Wir haben unser Bestes gegeben. Was passiert ist, können wir aber leider nicht rückgängig machen“ sagt Benedikt Böhm.

Das Projekt der Speedbergsteiger Böhm und Haag ist speziell: ohne künstlichen Sauerstoff starten sie Abends am Basislager (5.000 m) und bewältigen die knapp 3.300 Höhenmeter zum Gipfel in 15 Stunden. Laut offiziellen Angaben ist es die erste Speedbesteigung vom Basislager zum Gipfel mit anschließender Skiabfahrt. Sebastian Haag muss sich zusammen mit Constantin Pade, der die Gruppe ab Lager 2 (6.400 m) begleitet, 150 Meter vor dem Gipfel geschlagen geben. Sie müssen ihre letzte Kraft für die bevorstehende Skiabfahrt sparen.

Die Expedition am Manaslu beginnt für die beiden Speedbergsteiger bereits fünf Jahre früher mit einer eigenen Vorgeschichte: 2007 sind die Bergsteiger mit dem selben Plan zum Manaslu gereist und mussten auf 7.300 Meter aufgrund von Lawinengefahr umkehren. Umso stärker ist nun der Wunsch, die jahrelang geplante Besteigung zu versuchen. Nach wochenlanger Akklimatisation und tagelanger Entscheidungsfindung im Basislager hat das Team Glück: ein Wetterfenster und stabilere Verhältnisse machen den Gipfelversuch möglich.

Um 18 Uhr des 29. September starten die Speedbergsteiger bei guten Bedingungen auf 5.000 Meter. Später verschlechtern sich die Verhältnisse und auf 7.400 Meter kämpfen die drei Athleten mit starkem Sturm und eisiger Kälte. Böhm, der dem Team voraus ist, beschließt auf Haag und Pade zu warten und setzt sich in ein unbewohntes Zelt. Als sie nach einer Stunde wieder zusammen weitergehen, überlegen sie abzubrechen, rappeln sich aber nochmals in der Gruppe auf.

Mit der aufgehenden Sonne lässt der Wind nach und Benedikt Böhm erreicht um 9 Uhr morgens, nach fünf Stunden Aufstieg ab Lager zwei, den Gipfel. Glücklich, aber mit Demut und in Erinnerung an das Unglück einige Tage zuvor, verzichtet er auf die Siegerpose am Gipfel und widmet die Besteigung den verunglückten Bergsteigern. Eine Stunde später fährt er zusammen mit Sebastian Haag und Constantin Pade, die er 150 Meter unter dem Gipfel trifft, bis ins Basislager ab. Insgesamt brauchen sie acht Stunden bis sie wieder unten sind und meistern die Besteigung im Speedstil mit Skiabfahrt innerhalb von 23,5 Stunden.

Es ist eine unglaubliche Leistung, die nicht nur Benedikt Böhm, sondern dem ganzen Team am Manaslu gelungen ist: normale Expeditionen besteigen den Manaslu mit Unterstützung von Sauerstoff und über Lagerketten in vier Tagen ab dem Basislager.

Webtipp: Dynafit



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