25 Juli 2008

NW-Flanke des Nanga Parbat

Die (vermutliche) erste Gesamtbegehung der NW Flanke am Nanga Parbat...

Vermutlich erste Gesamtbegehung der NW Flanke des Nanga Parbat!

Zwei Tage Ruhe gönnen wir uns im Basislager, dann müssen wir wieder los, da die Zeit zu unseren Flügen zurück nach Österreich knapp wird. Wieder müssen wir den langen Weg in den Talschluss des Diamakessels zurücklegen, wo unser ABC auf 5700m liegt.

Zwei Tage kostet uns dieses Unterfangen. Diesmal kommen allerdings Arif und Shams mit, zwei Hochträger, die auf uns im ABC warten werden, während wir unseren Gipfelversuch starten.

Lawinengefahr und Teilerfolg 7750m

Nach einem Ruhetag im ABC, dessen Nacht Clara zuerst brechend und dann mit Durchfall wenig genießen kann, steigen wir ins 6440m Lager auf. Leider haben wir ab dann mit dem Wetter wenig Glück. Es gibt viel Neuschnee und wir spuren bis spät in die Nacht ins nächste Lager auf 7200m.

Als zusätzlicher Ballast zum schweren Rucksack kommt noch der ungute Schnee dazu. Er klebt nicht nur an den Fellen, sondern türmt sich auch auf der Skioberseite.

Da fragt man sich mal wieder warum man das eigentlich macht. Ab 7200m befinden wir uns auf Neuland. Wir wollen das Lager um 400-500m nach oben verschieben, was uns aufgrund der Neuschneemengen zwei statt einem Tag kostet.

Der Weg ist schließlich leicht zu finden und unsere geplante Route geht voll auf. Erschöpft erreichen wir einen netten Platz zum Zelten auf 7600m nahe dem Nordgipfel.

Es ist bereits die vierte Nacht oberhalb von 7000m, was wir am nächsten Tag, dem Gipfeltag, stark spüren. Der vorhergesagte Wetterbericht stellt sich nicht ein. Bei eisigen Winden verlassen wir das Zelt und es ist schnell klar, dass der Gipfelgrat bei diesen Verhältnissen nicht begehbar sein wird.

Wie sich bald herausstellt steht auch die Rinne zum Gipfel wegen Lawinengefahr außer Diskussion. Die dritte Möglichkeit den Gipfel zu besteigen, der Abstieg von 400m in die Bazhinmulde und der Aufstieg über den Normalweg stellen auch keine brauchbare Alternative dar. Damit bleibt uns nur der Abbruch an dieser Stelle auf 7750m.

Eine etwa einstündige windfreie Phase gibt uns Gelegenheit ein paar Fotos vom Gipfelaufbau zu machen. Dann wollen wir noch auf den Nordgipfel, der nur noch 60 Höhenmeter entfernt liegt. Doch nun macht das Wetter ganz zu und wir schauen, dass wir bei der schlechten Sicht überhaupt wieder zum Zelt zurückfinden.

Der Abstieg

Nach einer zweiten Nacht auf 7600m rutschen wir im unprofessionellen Seitabrutsch-Stil 2000 Höhenmeter ab. Das liegt nicht zuletzt an den ständig wechselnden Schneebedingungen. Der Schnee hat manchmal einen Haschdeckel, manchmal stollt er, generell ist er "bockig".

Außerdem werden die Rucksäcke von Depot zu Depot schwerer und übersteigen bald die Hälfte unsres Körpergewichts. Schließlich zogen wir sogar noch in drittes Gepäckstück nach. Im Dunkeln erreichen wir den Diamagletscher, auf dem uns die beiden Träger entgegenkommen. Beim Abtransport unserer Ausrüstung ab 5800m sind sie uns behilflich.

Gleich um 5 Uhr am nächsten Morgen stehen wir wieder auf den Skiern und fahren mit der gesamten Hochlager- und ABC Ausrüstung zunächst ins 5100m Lager und dann ins Basislager ab. Unsere treuen Träger sind noch fleißig uns räumen das Depot im 5100m Lager, während wir bereits mit dem Packen im Basslager beschäftigt sind.

Resume

Mit Schwung lenkt unser Fahrer bereits einen Minibus gefüllt mit ca. 300kg Expeditionsgepäck den Karakorum Highway hinunter. Zeit zum Sinnen, was diese zwei vergangenen Monate gebracht haben.

Die (vermutliche) Erstbegehung der NW Flanke hat uns 50 Tage harter Arbeit am Berg und zumindest vier Monate intensivster Vorbereitungen in Österreich gekostet. Unsere Erwartungen für diese Expedition waren bescheiden. Ein Scheitern am Diamagletscher sahen wir als realistischen Endpunkt, zugleich hatten wir aber den Gipfel als möglichen Erfolg im Hinterkopf.

Mit dem Erreichen aller unserer Kleinziele rückte der Gipfel immer mehr in den Mittelpunkt. Leider blieb er uns diesmal verwehrt. Ein bisschen Enttäuschung schwingt schon mit, doch sind wir uns dessen bewusst, dass wir auch Grund zur Zufriedenheit haben.

Wir haben als vermutlich erste die NW Flanke vollständig begangen (zumindest haben dies unsere Nachforschungen bislang ergeben, falls ihr mehr über die Besteigungsgeschichte wisst, informiert uns bitte) und das in einem kleinen Team von zwei Freizeitalpnisten. Um über zehn Prozent unseres Körpergewichts erleichtert, ziemlich müde, aber gesund feiern wir unseren Erfolg!

Danke fürs Mitfiebern mit lieben Grüßen, Markus und Clara

Aktuell:

Drama und Rettung am Nanga Parbat

$Berichte über diese Expedition$

Erster Bericht über die Expedition

+ 50°C beim Aufstieg zum Nanga Parbat

Webtipp:www.nangaparbat.at

Lager 4 auf 7180m
Markus Gschwendt und Clara Kulich auf 7700m knapp unterm Nordgipfel (7816m) mit Nanga Parbat N-Grat und Hauptgipfel im Hintergrund. In der ursprünglich geplanten Rinne sieht man die enormen Neuschneeinlagerungen.
Lager 5 auf 7600 m
Mit viel Gepäck geht es wieder hinunter.
Sponsoren der Expedition
Rhakiotseite des Nanga Parbat, rechts oben im Schatten sieht man den oberen Teil der NW Flanke.


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