25 Juni 2010

8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft

Trotz Schafskälte neuer Teilnehmerrekord

Bei zapfigen Temperaturen um die 10 Grad und Dauerregen wurde die 8. Münchener Stadtmeisterschaft am 19.6. abgehalten. Trotz der widrigen Bedingungen kletterten 370 Teilnehmer im Alter von 6 bis 58 Jahren um die Wette, was ein neuer Teilnehmerrekord ist.

Knapp die Hälfte der Teilnehmer war nicht älter als 16 Jahre alt. Das Wettkampfklettern erfreut sich gerade auch beim Nachwuchs sehr großer Beliebtheit. Das zeigte auch der Besucherandrang. Über 1000 Menschen bevölkerten das Kletterzentrum, Deutschlands größte Kletteranlage in München-Thalkirchen während der Stadtmeisterschaft. Das grausige Wetter tat der guten Stimmung keinen Abbruch, wie der Film beweist. Sowohl Süddeutsche Zeitung als auch Münchener Merkur berichteten. Der Extremalpinist Hansjörg Auer bot am Abend eine Multivisionsshow.

Wie bleibt ein rohes Ei nach einem 20 m Sturz unversehrt?

Die Veranstalter (DAV-Sektion Oberland), unterstützt von der DAV-Sektion München und dem DAV-Kletterzentrum München, hatten die Kletterbegeisterten mit einer Vielzahl an Attraktionen gelockt: 12 Routen und 60 Boulder waren in der Qualifikation geboten. Klimmzugwettbewerb und High-Jump-Contest (Gewinner: Afra Hönig und Simon Lang) forderten Jugendliche und Erwachsene (incl. 40+ Klasse) heraus. Die Kinder hatten viel Spaß mit Bierkastenklettern, Slacklinen und Klettern an der 25m Hangelleiter. Am Stand der Jugend des deutschen Alpenvereins galt es eine besonders knifflige Aufgabe zu lösen: wie kann ein rohes Ei aus 20 m Höhe abgeworfen werden ohne kaputt zu gehen? Um dem Schmuddelwetter etwas entgegen zu setzen wurden die Kletterer mit Grillwürsteln und warmen Waffeln for free versorgt. Für Fußballfans, die es gar nicht lassen konnten, wurden die aktuellen WM-Spiele live auf Großleinwand übertragen.

Kinderqualiroute im oberen 8. Grad

Eiskalter Dauerregen trieb die Teilnehmer wiederholt in die warme Halle, in der das Schrauberteam unter Leitung von Thomas Knoche und Jacub Kunc fordernde Wettkampfrouten an die Wände gezaubert hatte. Die Kinderklasse war in den letzten Jahren so stark geworden, dass die entscheidende 2. Qualiroute im oberen 8. Grad eincheckte. Ein Schwierigkeitsgrad, der noch vor einigen Jahren Standard bei Herren-Qualirouten auf der deutschen Ebene war. Der Trend zu immer schwereren Kinderklettereien war das ausdrucksstärkste Symbol der Leistungsexplosion auf der Münchener Stadtmeisterschaft. Selbstverständlich war in der Quali auch für alle Hobbykletterer viel geboten. Die Boulder waren in dreitägiger, schweißtreibender Arbeit kreiert worden. Dabei galt das Motto „Klasse vor Masse“. Nicht der Schwierigkeitsgrad alleine, sondern die Unterschiedlichkeit der Boulderprobleme sollte die Teilnehmer differenzieren und die Tagesbesten für das Finale herausfiltern. Das machte den Kletterern eine Menge Spaß: „Mit den Bouldern ist es ähnlich wie beim Ostereiersuchen. Über das ganze, weitläufige Gelände des Kletterzentrums sind die Überraschungen verstreut und man findet immer wieder neue Herausforderungen“, so kommentierte ein Teilnehmer. Begleitet wurde die Quali auch von den Vuvuzelafanfaren einiger fanatischer Kletterfans (s. Kleinbildaufnahme).

Alex Megos macht 55 Klimmzüge

Den Klimmzugwettbewerb, der im Rahmen der Quali durchgeführt wurde, konnte das Nationalkadermitglied Alexander Megos aus Erlangen für sich entscheiden. Zum Oberlandcup sind Landes- und Nationalkader nicht zugelassen. Alex, der Münchener Jugendmeister von 2007 startete deshalb außer Konkurrenz und durfte in der Quali zeigen was er kann: 55 Klimmzüge bewältigte der 16 Jährige am Stück und gewann ein großes Boulderpad. In der Auswertungspause vor dem Finale ging es beim beliebten High-Jump-Contest im Kinderboulderraum zur Sache. Ca. 60 sprungstarke Jungs und Mädels dynamisierten an der Wand entlang. Am höchsten sprang bei den Mädels Afra Hönig, bei den Jungs hielt Simon Lang als letzter den Zielgriff, beide gewannen ein sog. Überbrückungspad. Zum T-Shirt-Contest fanden sich 7 Träger mit T-Shirts der letzten 8. Stadtmeisterschaften ein. Nur das T-Shirt von 2005 (hellblau) fehlte.

5 x Hattrick im Finale?

Der traditionelle Höhepunkt des Tages war das hochspannende Finaleklettern, in dem die jeweils fünf Besten jeder Klasse an einem ellenlangen Traversenboulder gegeneinander antraten. Zum ersten Mal hatten Teilnehmer auch die Chance den Hattrick (3 Siege) zu machen. In Frage für einen Hattrich kamen 6 Sieger der vergangenen Jahre: Kathrin Schierl (Damen), Markus Grünebach (Herren), Mona Kellner (Jugend Weiblich), Peter Schneider (40+), Katrin Lindemann (40+) und Alex Averdunk (Jugend Männlich). Alex Averdunk hätte zudem rein rechnerisch die Gelegenheit gehabt einen Doppelhattrick zu machen, wenn er bei Stadtmeisterschafts- und Oberlandcupwertung zugleich gewonnen hätte. Jedoch die Sache mit den Hattricks entwickelte sich unerwartet, dazu später. Das ganze Finale spielte sich vor der Kulisse einer riesigen Baustelle ab. Das DAV-Kletterzentrum wird im Moment erweitert. Zur geplanten Einweihung Ende Dezember wird die größte Kletteranlage der Welt in München-Thalkirchen ihre Pforten öffnen.

Isi siegt wie erwartet bei den Mädels

Bei den weiblichen Kindern siegte wie erwartet und mit klarem Abstand Isabell „Isi“ Adolph. Isi (München & Oberland), die kleine Schwester von Jugendnationalkadermitglied Sammy Adolph, zockt seit etwa eineinhalb Jahren jeden Kinderwettbewerb in Südbayern ab. Sie ist eines der größten Nachwuchstalente im süddeutschen Raum und wird in diesem Jahr erstmals auf der Landesebene starten. Man darf gespannt sein, wie sie sich gegen ihre meist älteren Konkurrentinnen dort behaupten wird. Auf Isi folgte ihre Wettkampfkader-Kollegin Louisa Brumma (2. / München & Oberland). Platz drei machte Elisabeth Binder aus Erlangen. Die Platzierung im Oberlandcup war identisch.

Heißes Finale bei den Jungs: Jakob Nibler gibt alles

Bei den männlichen Kindern war der Favorit nicht klar. Florian Mahler (München & Oberland) hatte, ähnlich wie Isi in den letzten Jahren, auf den meisten Kinderwettkämpfen der vergangenen zwei Jahre „abgeräumt“. Allein sein Kaderkollege Jacob Nibler (München & Oberland) hatte ihm auf dem CLIMB FREE 2010 mit einer fulminanten Leistung den ersten Platz wegschnappen können und dann war in Gilching noch der routinierte Moritz Perwitzschky (Nürnberg) aufgetaucht und hatte dort überraschend den dritten Platz gemacht. Jacob Nibler startete als Drittletzter und packte den Tiger aus dem Tank. Mit einer einmaligen Mischung aus eiskalter Entschlossenheit und wildem Kampfesmut setzte sich Jakob an die Spitze. Im zweiten Versuch legte Jakob noch mal Holz ins Feuer und kam, was absolute Seltenheit ist und das Publikum zum Toben brachte, noch weiter als in seinem ersten Versuch. Beim wagemutigen Sprung an den Topgriff brachte er lediglich die zweite Hand nicht mehr dazu, was ihn (siehe Film) zu einem Wutausbruch brachte. Der Einsatz von Jakob und die damit verbundenen Jubelstürme, blieben den nach ihm startenden Finalisten, Florian und Moritz nicht verborgen. Während Moritz noch den Vorteil des „großen Unbekannten“ hatte, konnte man Florian schon beim Start ansehen, welcher Druck auf ihm lastete. Er musste davon ausgehen, dass Jacob das Top erreicht hatte. Trotz seines sowohl technisch als auch taktisch einwandfreien Stils konnte Florian nicht an Jakob anschliessen. So machte Jakob verdient Platz eins, Moritz folgte auf Platz zwei und Florian mußte sich mit dem dritten Platz zufrieden geben. Bei der Wertung zum Oberlandcup lag Florian dagegen auf Platz zwei (hinter Jakob), denn er hatte in Gilching vor Moritz gewonnen, und durfte damit auf dem zweiten Stockerl einrücken. Die Siegehrung wurde von Alpinkletterstar Hansjörg Auer durchgeführt.

Keine Überraschung bei der weiblichen Jugend

Die 12 jährige Mona Kellner, die kurz zuvor im internationalen Nachwuchswettkampf in Arco einen hervorragenden 3. Platz gemacht hatte, musste erstmals in der Jugendklasse (bis 16 Jahre) antreten. Sie rutschte in der Quali mit dem sehr guten Platz 6 denkbar knapp am Einzug ins Finale vorbei. Ihren Hattrick musste sie damit auf das kommende Jahr verschieben. Helena Bezold vom starken Erlanger Team hatte die Konkurrenz schon auf dem CLIMB FREE und der Gilchinger Meisterschaft klar distanziert. Sie ließ nach dem Motto „in der Ruhe liegt die Kraft“ auch auf der Stadtmeisterschaft nichts anbrennen und schloß verdient mit dem obersten Treppchenplatz in beiden Wertungen ab. Veronika Hofmann (Peiting) musste sich mit Platz 3 der kampfstarken Charlotte „Charly“ Roderer (2./München&Oberland) geschlagen geben, konnte jedoch wegen des besseren Gesamtergebnisses Platz zwei beim Oberlandcup für sich verbuchen. Charly stand bei der Pokalübergabe zum Oberlandcup auf dem dritten Treppchen.

Markus Herdieckerhoff fährt seinen ersten Sieg ein

Der 12 jährige Alex Averdunk (München & Oberland), der zum ersten Mal in der Jugendklasse antrat kam dort auf einen ausgezeichneten 10. Rang, was für einen Einzug ins Finale freilich nicht ausreichte. Der zweite Hattrickkandidat musste sich damit ebenfalls auf das nächste Jahr vertrösten. Bei den Zuschauern herrschte Uneinigkeit wer Favorit bei der männlichen Jugend ist. Der gewohnt starke Florian Wientjes (München & Oberland) und Markus Herdieckerhoff vom Wettkampfkader 1 von München & Oberland wurden allgemein als gleichstark eingeschätzt. Letztlich setzte sich Markus mit einer sehr guten Leistung vor Florian durch und gewann damit auch den Oberlandcup (wegen Gleichstand wurde das Münchener Ergebnis stärker gewichtet). Der erste, wenn auch knappe Wettkampfsieg für Markus in seiner Kletterkarriere. Timo Bechtold und Nico Krüger (beide Peissenberg) kamen auf Rang 3 und 4. Den 3. Pokal des Oberlandcups bekam wegen des besseren Gesamtergebnisses Nico Krüger.

Katrin Lindemann wird Münchner Meisterin bei den erfahrenen Damen

Bei den erfahrenen 40+ Damen stellte Katrin Lindemann (Hausham) ihr besonderes persönliches Können unter Beweis. Sehr routiniert und ohne eine einzige Luxusbewegung kletterte sie am weitesten in dem anspruchsvollen Damenboulder. Hinter ihr platzierte sich, mit einem boulderlastigen und damit sehr klassenuntypischen, beeindruckenden Stil die Erlangenerin Anja Siebenkäss (2.), die damit den Oberlandcupsieg für sich beanspruchte, nachdem sie in Gilching bereits mit einem sehr guten 2. Rang abgeschlossen hatte. Die starke Erlangenerin Claudia Bezold schrammte ebenfalls nur knapp am Finaleeinzug vorbei, konnte aber mit einem 6. Platz auf der Münchener Stadtmeisterschaft und einem 1. Rang auf dem CLIMB FREE den 2. Pokal des Oberlandcup einheimsen. Am drittweitesten kletterte Brigitte Eger (München & Oberland) bei ihrer ersten Finalteilnahme. Den dritten Platz des Oberlandcup bei den Damen 40+ errang Andrea Sturhahn.

Joachim Thiel bald der ewige 40+ Erste?

Die 40+ Klasse bot einige Überraschungen im Finale. Die Schrauber hatten für die Oldschooler das Herrenfinale mit wenigen Griffchen und Trittchen zusätzlich „aufgetunt“.

Sein Stigma, in jedem Finale den zweiten Platz zu machen hatte Joachim Thiel nach seinem überzeugenden Sieg in Gilching bereits abgeschüttelt. In München setzte er sich erneut mit großem Einsatz an die Spitze und konnte den Doppelsieg in beiden Wertungen abholen. Dabei lag er nur ganz knapp vor Jörg Perwitzschky, dem Vater von Moritz. Die Perwitzschkys verfügen über einen sehr ähnlichen Kletterstil: Schnelle Griffwechsel, flüssige und korrekte Bewegung selbst bei komplexen Positionskombinationen unterstützt durch eine hohe Präzision. Der Papa zeichnet sich noch dazu durch viel Fingerstrom aus. Schade, dass der jüngere der beiden Perwitzschky Brüder, Olaf, in der 40+ Klasse trotz Voranmeldung nicht gestartet ist, vielleicht nächstes Jahr? In der Gesamtwertung erkletterte sich Jörg Perwitzschky den 3. Platz. Den zweiten Platz im Oberlandcup errang der „Bomber von Deggendorf“, Thomas Stallinger, der sich im Finaleboulder von München mit seinem impulsiven, kräftigen Stil Platz 3 erkämpfen konnte. Peter Schneider, ein weiterer Hatrrickkandidat, kam mit den Rythmuswechseln von „Oldschoolschleichen“ zum spannungsgeladenen Dynamisieren leider nicht zurecht. Er schloß mit Platz 4 ab.

Maria Beil: über die Autobahn ins Finale

Maria Beil (Traunstein), dreifache Mutter und auf der nationalen Ebene die älteste Wettkampfklettererin, dabei seit Jahren mit ansteigender Leistungskurve (!), hatte sich selbstbewusst in der Damenklasse angemeldet. Sie rechnete sich, obgleich sie schon seit geraumer Zeit zur 40+ Klasse zählt, Chancen auf eine Teilnahme am Münchener Damenfinale aus. Es gelang ihr jedoch laut Qualiergebnis nicht unter die ersten fünf zu kommen. Ein etwas hilfloser Antrag, nun doch bei den Damen 40+ gewertet zu werden, wurde von der Wettkampfleitung abschlägig beschieden. Enttäuscht setzte sich Maria ins Auto und fuhr zurück nach Traunstein. Weit hinter München erreichte sie ein Anruf der Wettkampfleitung auf dem Handy. Man hatte bei der Auswertung einen Fehler gemacht, mit Platz 5 hatte sie sich gerade noch für das Finale qualifiziert. An der nächsten Autobahnausfahrt wendete Maria sofort und fuhr mit Vollgas zurück nach München-Thalkirchen. Beflügelt von dieser unerwarteten Wende startete sie als Erste im Finale und kletterte on Sight bis nahe an den Topgriff. Der Verdacht kam auf, dass das Damenfinale zu leicht sein könnte. Dann folgte Isabelle Kautz, die bereits vier Griffe vor der Bestmarke von Maria das Handtuch warf aber dennoch eine persönliche Bestleistung ablieferte. Die ehemalige Leistungsschwimmerin hat erst vor 2 Jahren mit dem Klettern begonnen. Die favorisierte Kathrin Schierl (München & Oberland), die zweifache Münchener Meisterin hatte mit dem flachen Gelände große Schwierigkeiten. Sie konnte nicht in ihren Kletterfluß eintakten, kam kaum weiter als Isabelle und verlor damit auch die Möglichkeit auf ihren Hattrick. Das Damenfinale war offensichtlich nicht zu leicht. Die Wahrheit war: Maria war in Bestform. Sie saß am Mattenrand und realisierte mit einem breiten Grinsen, dass ihre Siegchancen von Minute zu Minute stiegen.

Anna Vogels Sternstunde

Dann startete Anna Vogel, Trainerin im Kletterteam München & Oberland. Sie hatte nach der Quali unerwartet auf Platz 2 gelegen. Anna, überraschte viele Anwesende, weil sie das Finale mit einer für sie ungewöhnlichen Entschlossenheit angriff und fast so weit kletterte wie Maria. Ein absoluter Höhepunkt in Annas bisheriger Kletterkarriere. Nun konnte Maria nur noch von der Siegerin von Gilching, der hochfavorisierten Patrizia Lihs (Landshut) von Platz 1 verdrängen werden. Doch Patrizia kam erstaunlicher Weise mit den boshaften Sloapern, die von den beiden Schrauberinnen Monika Retschy und Sarah Schützenberger in der Traverse platziert waren, nicht zurecht und platzte überraschend zwei Griffe vor Annas letztem Griff aus der Wand. Die Sensation war perfekt. Maria Beil, eine der ältesten Teilnehmerinnen überhaupt war Münchener Meisterin geworden (vielleicht sollte man vor einer Finalteilnahme grundsätzlich eine Runde auf der Autobahn drehen?). Auf Rang 2 folgte Anna Vogel. Platz 3 machte Patrizia Lihs. Den Sieg des Oberlandcups, die unter den Kletterern begehrtere Trophäe, konnte Patrizia wegen ihres (souveränen) Sieges in Gilching jedoch niemand streitig machen. Anna Vogel hatte auf dem CLIMB FREE mit Platz 4 abgeschlossen und stand deshalb hochzufrieden auf dem zweiten Treppchen bei der Ehrung der Oberlandcupsieger. Den 3. Rang beim Oberlandcup erkletterte sich Vera Diete, die in München mit Platz 6 nur knapp die Finalteilnahme verfehlte.

Thomas Franze startete nur unter Protest

Thomas Franze (Freising), eigentlich ein reiner Boulderer hatte seine Chancen für den Oberlandcup wie folgt berechnet: Gutes Ergebnis im CLIMB FREE (1. Platz) und gutes Ergebnis in Gilching (nur eine Route/2. Platz) ergibt den Sieg bei einem Streichergebnis unter drei Wettkämpfen (die Qualifikation entscheidet sich auf der Münchener Stadtmeisterschaft meist an den zwei Routen, also nichts für reine Boulderer). Das Reglement besagt jedoch schon immer, dass den Oberlandcup nur gewinnt, wer an der Münchener Stadtmeisterschaft teilnimmt und dessen Ergebnis kann auch nicht gestrichen werden (bei Gleichstand zählt das Münchener Ergebnis). Das Reglement wurde jedoch erst 3 Wochen vor der Stadtmeisterschaft im Internet eingestellt. Sofort legte Thomas Franze bei der Wettkampfleitung vorsorglich Beschwerde ein, die jedoch abgewiesen wurde. So meldete er sich gezwungener Maßen und nur unter erklärtem Protest zur Stadtmeisterschaft an. Dort gelang ihm (als Drittplazierter nach der Quali) ein lockerer Einzug ins Finale. Jetzt ging es „nur“ noch darum, im Finale weiter als der starke Markus Grünebach zu klettern, dann hätte Thomas Franze den Oberlandcup und die damit verbundenen Siegpreise (Einkaufsgutschein über 100,- vom Sporthaus Schuster) in der Tasche.

Herrenfinale – spannend bis zuletzt

Der Burghausener Rainer Hallmann startete als Erster mit dem obligatorischen Startsprung, unterstütz durch die traditionelle „Ola“ des Publikums. Er musste sich nach 2/3 der Traverse geschlagen geben. Das anspruchsvolle, kleingriffige Brett mit einem Wechsel aus Pressing, Dynamisieren und Schleichen konnte auch durch Constantin Wagner ein Neuzugang in München, der danach fast so weit kletterte wie Rainer, nicht bezwungen werden. Nun kam Thomas Franze zum Zug. Ihm gelang, wie Jacob Nibler der zweite Versuch am besten und er konnte bis weit ins letzte Drittel des Boulderproblems vorstoßen. Das Publikum war begeistert. Darauf startete Nicolai Buhl, ehemaliges Mitglied im NRW-Jugendkader und Trainer des neu gegründeten Wettkampfkader 3 des Kletterteams München & Oberland. Nico hatte sich allerdings drei Tage zuvor eine schmerzhafte Knieverletzung am rechten Bein bei einem Hook zugezogen. Den Schmerz steckte er entschlossen weg und zog bis vier Griffe hinter Thomas Franze. Somit war es Aufgabe des Favoriten des Abends, Markus Grünebach, den Sack zuzumachen. Im ersten Versuch kam Markus genau so weit wie Thomas Franze. Dann bewahrheitete sich jedoch die Regel, dass im Finale der Münchener Meisterschaft meist der erste Versuch der Beste ist. Nach einem technisch vorbildlich ausgeführten Sloapertaucher (das hat nichts mit dem Regen zu tun) mit integriertem Hinterscheren, dockte Markus über eine sensibel ausgeführte Schwungmitnahme an eine schleimige, nur scheinbar positive Leiste an. Die Leiste hatte ihm schon im ersten Versuch einiges an Fingerstrom abverlangt, das hatte er eventuell im Kletterfluß gar nicht so ganz genau realisiert. Im zweiten Versuch riss ihm diese Unachtsamkeit in der Anschlußbewegung (nach dem Andocken) eine Hand irreversibel aus der Leiste, und Markus landete auf der Matte. Auch der fünfte und letzte Hattrickkandidat hatte seine Chance vertan. Thomas Franze wurde neuer Münchener Meister 2010 vor Markus und Nico. Fast identisch die Besetzung auf dem Oberlandcuppodest: Thomas (1.) vor Markus (2.). Rainer Hallmann konnte sich nach seinem 2. Platz auf dem CLIMB FREE 2010 den 3. Platz in der Oberlandgesamtwertung sichern.

Preise über 4500,- und Nervenkitzel mit Hansjörg Auer

An die Finalisten und eine Vielzahl an Kindern wurden Preise im Gesamtwert von 4500,- vergeben. Besonders spendabel zeigten sich bei der Münchener Stadtmeisterschaft das Sporthaus Schuster, Salewa und die ISPO. Weitere Preise spendeten: Kletterland Tirol, Lapis, Metolius, Gore, Climb X, Gibbon, Martin Lochner Verlag, Core. Vielen Dank! Den Ausklang des Abends bildete ein Multivisionsvortrag des Klettershootingstar Hansjörg Auer. Der sympathische Tiroler hat mit der Free Solo Flash Begehung einer extrem schwierigen 800 m – Route in den Dolomiten (Weg durch den Fisch, 9-) auf sich aufmerksam gemacht (Interview mit Hansjörg). Nach dem Motto „Anschauen, aber nicht nachmachen“ konnten die Zuschauer den Nervenkitzel von „viel Luft unter den Sohlen“ gefahrlos nachempfinden. Erst kurz vor Mitternacht verließen die letzten Gäste nach einem erlebnisreichen Tag das Kletterzentrum. Sollte im kommenden Jahr das Wetter ähnlich schlecht eingestellt sein und eventuell noch mehr Besucher nach Thalkirchen kommen, so wird das niemanden schrecken, denn… dann ist das Kletterzentrum doppelt so groß wie heute. U.a. mit einer neuen Boulderarea wird viel, viel Platz geboten um die größte Stadtmeisterschaft ever auszurichten. Man sieht sich!

Text: Nils Schützenberger, Photos: Nick Stand

8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
8. Offene Münchener Stadtmeisterschaft © Nick Stand
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