Pink Lady (6c) in der Cueva san Miguel / Vinales Cuba
20 September 2018

Cuba Climbing - Klettern in Kuba, die verbotene Versuchung

Salsa, Zigarren, Mojito. Kommunismus, Verbote und viel, viel Zeit. Zum Start der Klettersaison unser Bericht über das Topgebiet auf Kuba.

Kuba steht für Licht, Farbe, Geschmack, Mojito, Salsa, Zigarren, endlose Sandstrände, ruhiges, türkisblaues Wasser und insbesondere Langsamkeit. Kubas Städte, von der Zeit gezeichnet, vermitteln Nostalgie pur und Cubas freundliche Bewohner sind eine Mischung aller erdenklichen Kulturen: Weiße und Schwarze, Städter, Bauern und Fischer leben im fröhlichen Miteinander und empfangen Besucher mit offenen Armen. 

Vorweg zum Klettern: Es ist in Kuba offiziell verboten, doch mit dem Verbot verhält es sich ähnlich wie mit dem US Handelsembargo, formell aufrecht und doch nahezu im Koma. Die Behörden erklären das Klettern offiziell für verboten und die Kletterer gehorchen offziell. Alle sind glücklich, niemand wurde jemals des Kletterns wegen verfolgt, sondern lediglich von den Rangern höflich gebeten, aufzuhören. Man macht dann entweder kurz Pause oder wechselt den Sektor.

Doch warum sollte man trotz Verbotes nach Kuba zum Klettern fahren? Ganz einfach, weil Kuba in Viñales eines der besten Klettergebiete der Welt hat. Eingebettet inTabakplantagen und Urwald, der im Wesentlichen völlig frei von giftigen Tieren ist, finden sich auf engstem Raum gut 27 Sektoren mit über 350 perfekten Kletterrouten an Sintern, Henkeln und Löchern.

Das Gestein im Viñales Tal s Tal liegt, gehört zum geologisch ältesten Teil Kubas und es entstanden durch Verkarstung jene Kalkfelsen, denen die Region ihre Faszination verdankt. Wasser formte zahlreiche kleinere und größere Höhlensysteme. Durch Einsturz der Höhlendecken und weitere Erosion entstand der heute sichtbare, charakteristische Kegelkarst, die Mogotes (Mogoten). An ihnen befinden sich unzählige Wände bis 200m Höhe, rieße Karsthöhlen, ein wahres Kletterparadies eben. Die meisten Sektoren sind steil bis sehr steil, mit riesigen Sintersäulen und Stalaktiten übersäht. 

Die Kletterrouten sind durchwegs sehr gut abgesichert und mit 15 Expressen und einem 70 Meter Seil ist man dabei. Um ausreichend kletterbare Routen zu finden, sollte man aber etwa 6c-7a klettern können. Die Routen reichen von der klassischen regensicheren Sportklettertour bis zur 5 Seillängen-Route, alles stets im besten Fels.

Die meisten Sektoren sind von Viñales aus zu Fuß in 10 bis max. 30 Minuten erreichbar. Weitere Gebiete sind zwischen 3 und 6 km entfernt und können per Fahrrad (Miete ca. 10 CUC pro Tag), per Taxi oder gemütlicher per Pferdekutsche (ca. 5 CUC eine Strecke) erreicht werden.

Anfahrt

Die Hauptstadt Havanna erreicht man über Frankfurt mit Condor, oder von München mit Air France über Paris. Der Flug dauert etwa 9,5 Stunden. Für die Einreise nach Kuba muss man sich auf der Botschaft oder über den Reiseveranstalter ein VISUM holen (gültig 30 Tage und verlängerbar) und eine Reiseversicherung (wir wurden nie danach gefragt) abschließen. Von Havanna gehen Buslinien nach Viñales. Die Fahrt für die knapp 170 Kilometer dauert fast vier Stunden und geht über Pinar del Rio. Ab vier Personen zahlt sich bereits ein Taxi aus.  

Beste Jahreszeit

Grundsätzlich kann das ganze Jahr in Kuba geklettert werden. Im Sommer ist es aber extrem (zu)heiß (35-40°) und es regnet öfter. Im Oktober und November ist Hurrikan Saison. Die beste Zeit ist daher von Dezember bis Ende März, mit Tagestemperaturen um 25°, kühlen Nächten und wenig Regen.

Geld

Seit einigen Jahren gibt es den Peso Convertible auch CUC genannt. Der ist in etwa dem Dollar gleich und eine Touristen Währung. Der einheimische Peso ist dem CUC gegenüber 25 mal weniger wert. Das heißt, der Tourist bezahlt für die gleichen Dinge wesentlich mehr als die einheimische Bevölkerung, kann aber Produkte erwerben welche die Bevölkerung nicht bekommt bzw. nur wenn die auch im Besitz von CUC sind. Bargeld ist in staatlichen Wechselstuben (außer Dollar) ohne Gebühr einfach zu tauschen. Kreditkarten werden kaum akzeptiert.

Viñales

Karstberge im Nebel, bunte Häuschen mit Liegestuhl-Veranda und der beste Tabak Kubas: Das Viñales-Tal ist sicher eines der schönsten Postkartenmotive des Landes. Mitten drinnen liegt die ruhige kleine 16.000 Einwohner-Stadt Viñales, mit einer Atmosphäre des traditionellen landwirtschaftlichen Lebens, den für Kuba typischen Oldtimern und Touristen. Schnell kommt man in Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Nach einem Klettertag kann man sich in einer der vielen Bars ein Bier oder Mojito gönnen und mit Menschen aus vielen Ländern ins Gespräch kommen.

Einzigartige Sinterklettereien auf Kuba, hier Pink Lady (6c) in der Cueva san Miguel (c) Archiv Yarobis Gracia
Auf dem Weg zu den Felsen in Vinales (c) Erhard Mitsche
Viel Neuland, das Bohrhaken und Ausrüstung braucht (c) Archiv Yarobis Gracia
In der Cueva Cabeza  de la Vaca (c) Archiv Yarobis Gracia
 Klettern im Dschungel, hier ein neues Gebiet in der Palenque area (c) Andreas Jentzsch
Neues Gebiet in der Palenque area (c) Andreas Jentzsch
Vinales by night (c) Andreas Jentzsch
Vinales Valley (c) Archiv Yarobis Gracia
Vinales Valley (c) Archiv Yarobis Gracia
Nebelstimmung in Vinales (c) Archiv Yarobis Gracia
Kletterfelsen zwischen Tabak-Plantagen (c) Archiv Yarobis Gracia
Großartige Wolkenstimmung in Vinales (c) Archiv Yarobis Gracia
Mit dem Taxi zur Cayo Justia (c) Andreas Jentzsch
Im Zentrum von Havanna (c) Erhard Mitsche
Im Zentrum von Havanna (c) Andreas Jentzsch
Kletterfrühstück in einer Casa Particulares (c) Erhard Mitsche
Beim Abendessen (c) Andreas Jentzsch
In Havanna (c) Erhard Mitsche
Über den Dächern von Havanna (c) Erhard Mitsche
Das Automobilmuseum Kuba (c) Erhard Mitsche
Im Hinterland von Trinidad (c) Erhard Mitsche

Unterkunft in Viñales

Zum Übernachten in Viñales eignen sich am besten die Casas Particulares. Diese Privatunterkünfte haben meist ein bis zwei Doppelzimmer mit jeweils Bad und Toilette. Hier bekommt man gleich auch Frühstück, Essen und Kontakt zur Familie. Die Kosten belaufen sich auf 20 CUC für das Doppelzimmer, Frühstück 3 - 4 CUC, Abendessen ca. 8 CUC und beides ist reichlich und sehr gut.

Im Führer wird das Casa Oscar in der Adela Azcuy No. 43 empfohlen, wir haben aber nach einem Tag in die Straße zu den Klettergebieten nach dem Stadion gewechselt. Man sollte sich die Zeit nehmen, einige Casas anzusehen. Oft wird man auch an der Bushaltestelle hinsichtlich Übernachtung angesprochen, man sollte diesen Maklern nicht folgen, sondern sich selbst ein Bild machen.

Kletterinfos

Es gibt einen sehr guten Führer ("CUBA Climbing", ISBN 978-0-9732593-6-0“) und in Viñales sollte man mit dem wohl aktivsten Kletterer Yarobi Gracia Martinez Kontakt aufnehmen, da sich seit der Neuauflage des Führers bereits vieles getan hat. Yarobi wohnt im letzten Haus (indische Gebetsfahnen) links auf dem Weg zu den Felsen bzw. Rauls Farm. Die Webseite von Yarobi ist www.escaladaencuba.com - im Web findet ihr auch gute Infos unter www.cubaclimbing.com.

Kletterausrüstung mitbringen

Die Bevölkerung in Kuba ist bettelarm und das durchschnittliche Monatsgehalt liegt bei 15-20 Euro. Dennoch gelang es den Locals mit viel Enthusiasmus die Kletterrouten in Viñales vorbildlich einzurichten. Dies insbesondere auch dadurch, da Gäste Bohrhaken, Bohrmaschine und Kletterausrüstung zur Verfügnung stellten. Folgt diesem Beispiel bitte!

Essen

Zum Frühstück: Weißbrot, viele Früchte, Honig, Butter und eventuell Käse oder Wurst. Das Abendessen: Reis, Bohnen, Salate, Huhn, Fisch oder Fleisch je nach Wunsch und frische Früchte - alles perfekt und gut! 

Weiße Strände

An Rasttagen kann man in Viñales Reit- oder Höhlentouren unternehmen oder mit dem Taxi (30 CUC Hin- u. Retour) zu einem schönen 65 km entfernten weißen Strand, dem Cayo Justias fahren. Kuba ist für seine schönen Strände berühmt und man ist ja schließlich  in der Karibik.

Flora und Fauna

Obwohl giftige Dschungelbewohner in Kuba fremd sind, sollte man in einigen überhängenden Routen auf Wespen achten, Routennamen wie Wasp Factory erinnern daran. Trotz des subtropischen Klimas sind auf Kuba keine Malaria- oder Typhusfälle bekannt. Lediglich das Dengue-Fieber, das durch Moskitos übertragen wird, tritt fallweise auf. Mückenschutz also nicht vergessen! Der Vollzähligkeit halber seien noch der giftige Efeu (vereinzeltes Vorkommen im Viñalestal), sowie die zwei auf Kuba vorkommenden harmlos und ungiftigen Schlangenarten erwähnt.

Sightseeing

Wer schon mal den weiten Weg nach Kuba gemacht hat, sollte unbedingt 1-2 Tage in Havanna und/oder Trinidad verweilen, dort einen Spaziergang durch die Altstadt machen, einen der weltbekannten Tauschspots aufsuchen oder das Land erkunden. Die Bevölkerung ist extrem freundlich und trotz der großen Armut herrscht geringe Kriminalität. Wer etwas Spanisch spricht, kann das Land gut individuell erkunden. 

Infostand: 2014, die Infos stimmen aber noch und Yarobi is still in Vinales:-)



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