Das Erbe der Väter 8c+
21 November 2005

Das Erbe der Väter 8c+

Markus Bendler war auf Routenjagd in ganz Europa mit einem Höhepunkt „Das Erbe der Väter“ am Schleierwasserfall...

Nach der verregneten Sommersaison nützte der 21-jährige Tiroler Markus Bendler den goldenen Herbst. Im österreichischen Vorzeigeklettergebiet Schleierwasserfall konnte er ein altes Projekt von Alexander Huber befreien. Es handelt sich dabei um eine ca. 35m lange Linie, die auf den ersten Metern mit einer harten 8b aufwartet und ehe diese 8b nach rechts in leichteres Gelände abzweigt, unmittelbar direkt in ein imposantes horizontales Dach übergeht. Im Dach gilt es die Beine abartig – aus der Ferne einem offenen Bruch ähnelnd – zu verdrehen und ruhig Blut zu bewahren, denn die folgende Dachkante erweist sich im Durchstieg als Crux. Danach rückt der Umlenker schon ins Blickfeld. Noch 5m ungemütliches Leistengezerre in vertikaler Umgebung. Ein Sturz noch wortwörtlich zum Greifen nahe.

Markus schlägt als Bewertung für „Das Erbe der Väter“ 8c+ vor. Der Routenname ist gleichlautend mit dem Titel des letzten Teiles der satirischen Filmreihe „Die Piefkesaga“ – eine ironischkritische Beleuchtung der touristischen Beziehungen zwischen Tirol und Deutschland. (... eine freundliche Anspielung auf unseren väterlichen Freund, den deutschen Touristen Alex Huber;) ) Mit dieser Linie dürfte nun endgültig das Erstbegehungspotential im geschichtsträchtigen Hauptsektor des Schleiers erschöpft sein.

Gute Form auch am Brünnstein

Von der guten Form profitierend sicherte sich Markus noch die erste Wiederholung eines 10 Jahre alten Stefan Fürst Klassikers am Brünnstein. „Das Dach“, seinerzeit von Stefan mir 10+ bewertet, dürfte laut Markus jedoch eher bei solide 8c einchecken.

Des Weiteren konnte er sich die erste Wiederholung der alpinen Sportkletterei „De Hobuachane“ 8b – eine Traumlinie an der Tiroler Steinplatte – im zweiten Go sowie etliche 8b-plusen und Boulder bis 8a+ bloc in Blitzkriegmanier zu Gemüte führen.

Die „Raubritter“ und eine wilde Autofahrt

Nach der Routenjagd in heimatlichen Gefilden gings nach Sardinien, wo er unter anderem die schwerste Route der Insel, „Raga„ 8b+/c, im zweiten Versuch einsackte.

Zu guterletzt stand noch ein Kurztrip mit Boulderweltcupsierger Kilian Fischhuber ins Frankenjura auf dem Programm. Resultat: „Raubritter“ 8c und ein fataler Autounfall als Insassen des nagelneuen Pkws eines rasenden Briten namens Rich Simpson. Um ein Haar wäre die Menscheit um drei Topkletterer ärmer geworden, aber Gott sei Dank war kein Schwerverletzter zu verbuchen – „nur“ ein Totalschaden.

Text und Fotos: Bernhard Kogler

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