Mühsame Schlepperei bis zum Ufer
22 Februar 2005

Eisbrecher - Eisklettern am Achensee

Die kurze Geschichte einer nicht ganz gewöhnlichen Eisklettertour am Achensee/Tirol, die etwas an Bootsabenteuer in Grönland erinnert.

Perfekte Verhältnisse

Endlich ist es soweit, der Fall steht, es ist kalt, das Wetter ist gut und es ist auch halbwegs windstill. Eigentlich wollten wir den Fall beim Ghf. Gaisalm am Westufer des Achensees bereits letztes Jahr klettern, doch wie so oft vereitelte ein Wärmwettereinbruch unseren kühnen Plan. Oft blickten wir vom Ostufer hinüber auf die steilen Hänge an der Westseite des Achensees und immer ist uns dieser markante, nicht immer gut zu stehenden Wasserfall aufgefallen. Dort müssen wir hin, nur wie? Der Zustieg vom Nordufer ist lang und lawinengefährlich, die direkte Ideallinie zum Fall führt über den See - und ehe man sich versieht, wird ein neues Abenteuer geboren.

Heute passt alles, das geborgte Boot ist rasch aufgepumpt, Sicherheitshinweise, wie z.B. konsultieren sie vorher ihren Arzt, werden studiert und los geht’s über eine tief verschneite Wiese hinab zum Wasser. Der Wasserfall am Westufer schaut sehr viel versprechend aus und im Bauch kribbelt es ein wenig – ein perfektes Abenteuer hat begonnen.

Erste Probleme

Angeblich friert der Achensee wegen seiner Wassertiefe ja nur ganz selten zu, doch heute ist gerade der Bereich um die Gaisalm zugefroren und wir müssen rd. 500 m nördlich anlegen. Die Fahrt ist erstaunlich problemlos, obwohl uns durch Berichte von früheren gescheiterten Zufahrtsversuchen per Boot im Zillertal und die beachtliche Größe des Achensees doch etwas mulmig zumute ist.

Eisgeräte, Steigeisen und Eisschrauben sind daher besonders gut verstaut, denn ein Leck im Schlauchboot wäre bei dieser Wassertemperatur nicht gerade ideal. Als wir uns dem Westufer nähern ist es sehr viel steiler als angenommen und ein Anlegen ist nicht gerade einfach, denn man will ja schließlich nicht schon vor dem Eisklettern nass werden. Die einzig flachere Anlegestelle ist rd. 30 m hinter dem Eis und so bahnen wir uns mit den Paddeln den Weg durchs Eis zum flachen Ufer – mein Vorschlag, doch gleich das Eisgerät zum "Eispecken" zu verwenden, wurde von Axel strickt abgelehnt.

Zustiegsmühen

Sicher gestrandet wühlen wir uns eine Rinne hinauf zum Uferweg und folgen ihm bis zur Gaisalm. Der Zustieg ist aufgrund der Schneemassen und der vergessenen Schistöcke eine echte Quälerei. Wir brauchen für die 500 m fast eine Stunde und sind jetzt auch pitschnass. Doch der Fall, der gleich neben der Gaisalm steht, schaut recht gut aus und liegt sogar noch in der Sonne. Die Aussicht auf eine tolle warme Kletterei lassen uns den Zustiegskampf rasch vergessen.

Eisvergnügen

Ein Voraufschwung (WI 2-3) leitet uns zum Hauptteil. Die erste Seillänge ist gemütlich (WI 4) und führt zu einem guten Stand. Danach geht’s rd. 20 m sehr steil (WI4+) bei schon etwas sonnenbeeinträchtigter Eisqualität in eine Schneerinne, die zum Abschlusswandl führt. Hier war es wohl noch sonniger, denn das erste drittel hat sich mit einem Riss bereits gelöst und die zweite Hälfte der 50 m (WI 3) klettert man nahezu auf den Felsen (M4) ohne zu sichern. Da freut man sich auf die rettenden Latschen am Ausstieg.

Abschied auf Raten

Der Rückzug über Latschen und den Eisfall erfordert aufgrund des oft morschen Eis’ wieder etwas Erfahrung im Anbringen von Eissanduhren und in unserem Fall lassen wir auch eine alte russische Eisschraube zurück (geht schneller).

Der Rückweg ist jetzt gespurt, die Angst vor dem Nasswerden ist in Anbetracht der durchnässten Klamotten auch stark geschwunden und die Sicherheitshinweise sind bereits bekannt. Es gilt nur schnell ins Boot und hinüber zum Ausgangspunkt. Es ist ziemlicher Wind aufgekommen, der Wellengang ist höher und das Boot nasser. Wir schaukeln zurück, beginnen etwas vor uns hin zu dösen und denken uns: Man muss nicht unbedingt nach Grönland fahren, denn das Abenteuer liegt so nah.

Die Eisbrecher: Axel Jentzsch-Rabl und Andreas Jentzsch

Alle Infos zur Tour (Topo, Fotos und Beschreibung):Gaisalmfall

Mühsame Schlepperei bis zum Ufer
Nur nicht umkippen....
Der Eiskanal bis zur Ausstiegsstelle
Fast bis zum Bauch im Schnee, kurz vor der Gaisalm
Schöne Kletterei (1SL), bei uns auch in der Sonne
In der Hauptstufe des Eisfalls
Schlüsselstelle ist am Ende der ersten Stufe
Letzte Seillänge - hier ist Eis Mangelware...
Wieder am Boden bei der Gaisalm
Auf dem Rückweg zur Anlegestelle
Ausstieg - der Schnee klebt etwas am nassen Boot, es läßt sich nicht so toll ziehen.
Geschafft, das Boot ist auf der Straße - hinten die Gaisalm mit dem Eisfall...
Auf zum Surfstrand


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